Berichte

Reise in den Regenwald - Im Wald (3/15)

  • Nachdem ich die ersten paar Tage ganz idyllisch im Camp Kombo verbracht habe (zusammen mit unzähligen Schmetterlingen) geht es am vierten Tag endlich auf Mission in den Wald. Wir wollen in den nächsten sechs Tagen zwei Lichtungen im Lobeke Nationalpark besuchen, um dort die Kamerafallen anzubringen.

    Es ist sechs Uhr früh. Das WWF-Auto, das uns in den Wald bringen soll, steht pünktlich bereit. Der Fahrer ist ein bisschen aufgeregt. Er hat am Tag zuvor meine Uhr gesehen und will sie mir unbedingt abkaufen. Deswegen fährt er extra nochmal bei sich zu Hause vorbei, um mir seine kaputte Armbanduhr zu präsentieren, damit ich verstehe wie ernst seine Lage ist.

    Als wir am Eingang des Nationalparks ankommen, will er uns schon aus dem Auto lassen. Julia erklärt ihm aber, dass es abgesprochen war, uns noch den alten Pfad entlang, ca. 15km in den Wald, zu bringen (damit wir nicht so viel laufen müssen). Er gibt nur sehr widerspenstig nach. Der Weg ist total zugewachsen. Immer wieder liegen Äste und umgefallene Bäume auf der „Straße“, das Dickicht breitet sich vor uns aus und wir können kaum erkennen, ob der alte Pfad noch unter den Reifen liegt.

    Nach einer dreiviertel Stunde verschwindet die Straße. Von nun an geht es zu Fuß weiter. Wir laden unsere Rucksäcke (samt Essen, Töpfen, Zelten, Kamerafallen) auf und begeben uns in den dichten Urwald. Wir sind zu sechst. Neben Julia und ihrem Freund Maryntho, sind auch drei Guides mit dabei. Valentin, Gabriel (Gabi) und Broadway, der seinen Namen in seinen Unterarm tätowiert hat. Unterwegs treffen wir immer wieder auf Affen, die sich in Gruppen durch die Bäume hangeln. Einmal kommen wir an einem richtigen Urwaldriesen vorbei. Der Baum ist ca. sieben Meter breit. Ich bin total fasziniert. Außerdem begegnen wir einer Schnecke. Ihr Haus ist größer als meine Handfläche. Teilweise müssen wir uns kleine Brücken bauen, da uns Sümpfe umgeben oder Bäche vor uns liegen.

    Wir sind ca. fünf Stunden unterwegs, als wir unser erstes Camp erreichen. Es liegt in der Nähe der ersten Lichtung, um die herum wir die Kameras anbringen wollen. Unser Lager ist schnell aufgebaut. Vor allem von meinem Zelt sind alle ganz begeistert. Ich habe ein Wurfzelt. Um es zu nutzen, muss ich es einfach in die Luft schmeißen und schon steht es da – fertig aufgebaut. Auch zwei Bänke werden fix zusammengebastelt. In der Mitte des Camps steht ein Zitronenbaum. Es wird also keinen Vitaminmangel geben.

    Wir beschließen heute schon einmal zur Lichtung zu gehen. Ihr Name ist Djaloumbe. Morgen sollen dann die Kamerafallen installiert werden. Auf dem Weg dorthin entdecken wir jede Menge Tierspuren. Vom Großen Schuppentier, über Schimpanse und Gorilla, bis zum Elefanten ist alles dabei. Wir können die Gorillas sogar riechen, weil sie kurz vor unserer Ankunft noch auf dem Weg gegessen haben. Sie riechen nach schwerem Schweiß, aber irgendwie ganz angenehm. Neben der Lichtung steht ein kleiner Mirador, ein Hochsitz, um die Tiere zu beobachten. Wir klettern hoch. Es ist ziemlich wacklig und ein paar Stufen fehlen. Von oben haben wir eine wahnsinnig tolle Aussicht auf die Lichtung. Wieder hüpft eine Gruppe von Mantelaffen durch die Bäume. Sie sind sehr hübsch! Schwarz und weiß. Und ein langes Fell haben sie. Das Schwanzende ist ganz buschig. Und sie sind auch ziemlich neugierig. Immer wenn uns eine Gruppe erspäht, schauen sie uns ganz interessiert an. Nach einiger Zeit entdecke ich eine Gorilla-Gruppe, die sich zum Fressen auf die Lichtung setzt. Ein großer Silberrücken ist auch dabei. Wir beobachten sie einige Zeit. Dann gehen wir zurück ins Camp

    .

    Abends gibt es Reis mit Tomatensauce und Sardinen. Immer sind überall Sardinen drin. In jeder Mahlzeit! Heute Abend sind sie in der Sauce, und in den Nudeln. Ich esse eigentlich kein Fleisch, aber hier habe ich keine andere Wahl. Naja, so bekomme ich wenigstens ein paar Proteine.

    Am nächsten Tag wollen wir die Kamerafallen installieren. Aber erstmal müssen sie vorbereitet werden. Die Truppe darf helfen und alle blicken fasziniert auf die Geräte. Ganz vorsichtig nehmen sie die Fallen in die Hand und fangen an sie zu programmieren.

    Wir ziehen los. Julia sucht vier Pfade rund um die Lichtung aus, wo die Kameras installiert werden sollen. Zwischendurch gehen wir auch auf die Lichtung. Hier entdecken wir die Fraßspuren der Gorillas vom Vortag. Es ist sehr sumpfig. Ich verschwinde oft zentimetertief im Schlamm. Einmal bis zu meinem Oberschenkel. Mein Schuh bleibt stecken und füllt sich mit der Suppe. Ich ziehe ihn wieder an und laufe blubbernd weiter.

    Am nächsten Tag wird zusammengepackt. Es geht weiter zur zweiten Lichtung.

     

    Fotos: Janine auf Brücke © Julia Geßner; alle anderen © Janine Koch

     

    Andere Berichte:

    Bericht 1/15, Bericht 2/15

Kommentare

9 Kommentare
  • midori
    midori "Ich ziehe ihn wieder an und laufe blubbernd weiter."

    Ich liebe Deinen Schreibstil :D Kann mich noch gut erinnern, wie ich alle Deine Emails verschlungen habe! ;o)
    16. Dezember 2011
  • Schmetterlingsdingens
    Schmetterlingsdingens diese Fotos sind faszinierend und die Art wie du vermittels, was dir dort passiert ist, ist magsich, man fühlt sich so berührt :-)
    17. Dezember 2011
  • FabianN
    FabianN Hast du die Bilder alle selber gemacht?
    Wenn ja, echt gut getroffen! Respekt ;)
    24. Dezember 2011
  • Janine
    Janine Ja, die Bilder sind von mir. Außer wenn was anderes drunter steht :o)
    Gut, dass du das gefragt hast, habe direkt mal ergänzt!
    25. Dezember 2011