Berichte

Halte durch, Klima! Wir retten Dich! ... 2020 ... hoffentlich ...

  • Am frühen Sonntagmorgen ging im südafrikanischen Durban die diesjährige UN-Klimakonferenz zu Ende.
    Eigentlich war der Gipfel nur bis Freitag angesetzt, da die Verhandlungen aber sehr zäh und unübersichtlich verliefen, ging es für die Delegierten aus über 190 Staaten in die Verlängerung und auf bereits gepackten Koffern wurde bis zur letzten Minute um Details gefeilscht.

    Die wichtigsten Ergebnisse hier im (einigermaßen) schnellen Überblick:

    - Das 1997 beschlossene und 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll soll um eine zweite Verpflichtungsperiode ergänzt werden. Wie die Fortführung des völkerrechtlich verbindlichen Abkommens aussehen wird, soll jedoch erst in einem Jahr soll bei der nächsten Klimakonferenz in Katar erarbeitet werden. Ab 2013 könnten die dortigen Beschlüsse dann greifen. Offen ist bislang allerdings, ob die Verpflichtungsperiode 2020 oder bereits 2017 endet. In den kommenden Monaten sollen die beteiligten Staaten Vorschläge zu den Reduktionszielen darlegen.
    Generell ist die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls leider kein allzu großer Erfolg für’s Klima. Kanada, Russland, Japan und Neuseeland wollen von neuen Kyoto-Verpflichtungen nichts wissen, die Megaemittenten China und USA sind schon bisher nicht dabei. So bleibt nur ein harter Kern, der sich auch weiterhin zu Kyoto bekennt: Allen voran die EU-Staaten, Norwegen, die Schweiz und Australien. Gerade mal 15% der weltweiten Treibhausgase gehen auf ihr Konto.

    - Spätestens 2015 soll ein neues Klimaabkommen stehen, das erstmals alle Staaten der Welt miteinbezieht und ihre Treibhausgasemissionen vertraglich reduziert bzw. begrenzt. Damit wären dann auch die USA, China und Indien eingebunden. Der neue Klimavertrag soll allerdings erst 2020 in Kraft treten. Auch wenn derart komplexe internationale Verträge erfahrungsgemäß lange brauchen, bis sie von allen auch ratifiziert werden und damit umgesetzt werden können, kritisieren Umweltschützer die zu lange Zeit bis zum Startschuss des neuen Vertragswerkes.
    Inwiefern das Ganze rechtlich bindend sein wird, bleibt fraglich. „Eine Vereinbarung mit Rechtskraft“ ist in der internationalen Rechtsprechung unbekannt und gilt vielen Experten als zu schwach.

    - Der 2010 in Mexiko beschlossene Grüne Klimafonds GCF (Green Climate Fund) soll mit Leben, besser gesagt mit Geld, gefüllt werden. Von 2020 an sollen jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 74 Milliarden Euro) zur Verfügung stehen, um den Entwicklungsländern eine Anpassung an Folgen der Erderwärmung zu ermöglichen und Klimaschutzprojekte zu finanzieren. Woher die Mittel kommen, ist noch nicht wirklich klar: Vorgesehen sind sowohl Zahlungen der reichen Staaten, als auch die Beteiligung privater Geldgeber. Die Idee, auch Abgaben auf Flug- und Schiffsverkehr zur Finanzierung des GCF zu nutzen, wurde wieder verworfen.

    - Äußerst enttäuschend verlief die Konferenz für den Waldschutz. Mit REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation, zu Deutsch also die „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung“) wurde zwar schon letztes Jahr ein Instrument zum Schutz der Wälder beschlossen, in Durban wurden aber nur kleine Fortschritte in technischen Angelegenheiten erzielt. Die Finanzierung ist dagegen bislang gänzlich ungeklärt, im Fonds etwa sind hierfür keine Mittel eingeplant. So könnte das Geld für den Schutz der Urwälder von der Industrie kommen, die dann im Gegenzug ihre Emissionen weniger stark verringern müsste. Da Wald ein riesiger Kohlendioxid-Speicher ist, könnte das die schon zu günstigen Preisen gehandelten Verschmutzungsrechte weiter verbilligen.

    Insgesamt also ein wenig Licht und viel Schatten. Zwar wäre es in der Tat historisch, wenn mit dem neuen Klimaabkommen erstmalig alle Staaten in einem Vertrag eingebunden wären und so auch die USA und China ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch sagen uns die Erkenntnisse der Klimaforscher eindringlich, dass bereits in den nächsten Jahren der Höhepunkt der weltweiten Treibhausgasemissionen erreicht werden und von da konsequent reduziert werden muss, um den Klimawandel in einigermaßen akzeptablem Rahmen zu halten. Die Delegationen in Südafrika haben sich also Zeit gegeben, die wir nicht haben oder um es in ein vorweihnachtliches Bild zu fassen: Wer erst im Januar seinen Christbaumschmuck beisammen hat, darf sich nicht wundern, wenn der Baum schon weg ist oder zumindest stark nadelt.

    Auch der WWF ist sehr enttäuscht: "Die Welt verdient einen besseren Deal als den lauwarmen Klimakompromiss von Durban", so Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. "Länder wie die USA und Kanada streuten immer wieder Sand ins Getriebe. Das enttäuschende Ergebis reicht nicht aus, den durch den Klimawandel ausgelösten Bedrohungen für Mensch und Natur zu begegnen. Es wurde die Chance verpasst, einen starken Fahrplan zu verabschieden, der den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius begrenzen könnte", so das ernüchternde Fazit des WWF.

    An internationalen Klimaschutzabkommen führt kein Weg vorbei. Die Komplexität und Langwierigkeit der Klimapolitik erfordert von uns allen Geduld. Jeder von uns sollte sich aber auch seiner Macht als Wähler und Verbraucher bewusst sein und diese einsetzen, um Politik und Wirtschaft zum Handeln zu zwingen. Mindestens ebenso wichtig ist der Klimaschutz im alltäglichen Leben: Schau doch gleich mal nach, wie stark die Heizung in Deinem Zimmer aufgedreht ist. Ein Grad weniger Raumtemperatur spürst Du kaum, unser Klima aber wird’s Dir danken.
     

    Quellen:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/weltklimakonferenz-durchbruch-in-durban-11558526.html
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/20/0,3672,8419508,00.html
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803004,00.html
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/un-konferenz-in-durban-gipfel-beschliesst-fahrplan-fuer-neues-klimaabkommen-1.1231492
    http://www.tagesschau.de/ausland/weltklimagipfel118.html
    http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-12/klimagipfel-fahrplan-klimavertrag

    Fotos: J. Golinski / UNFCCC (http://unfccc.int/2860.php), J. Barthelmeß

Kommentare

12 Kommentare
  • JohannesB
    JohannesB Der Ausstieg Kanadas ist um\'s mal ganz deutlich zu sagen asozial, egoistisch und unverantwortlich. Wenn man einfach so abhaut, nur weils teuer wird und man neue "dreckige" Jobs schaffen will, kann man auch offen sagen, dass einem die Zukunft am...  mehr
    13. Dezember 2011
  • Marcel
    Marcel Übelst bitter, Kanadas Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll! Hier eine erste Reaktion des WWF: http://www.wwf-jugend.de/entdeck...  mehr
    13. Dezember 2011
  • JohannesB
    JohannesB @Urmeli: Danke :) Manchmal geht\'s halt einfach nicht mehr verständnisvoll und diplomatisch ...
    14. Dezember 2011
  • regentag
    regentag Toller Bericht - Extrem schlechte Nachrichten. Ihr habt alle Recht, so kann das nicht weitergehen. Und ich hätte nie erwartet, dass Kanada so was bescheuertes machen würde... da kann man nur den Kopf schütteln
    14. Dezember 2011