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Klimakonferenz 2011 geht in entscheidende Phase

  • Die Klimakonferenz in Durban geht in die entscheidende Phase. Die erste Woche war nach Einschätzung des WWF geprägt von taktischem Geplänkel und einem Abtasten der Positionen. "Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Deutschland darf sich in dieser entscheidenden Phase nicht hinter der EU-Position verstecken", betont Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz beim WWF Deutschland. Jetzt muss Deutschland liefern - Umweltminister Norbert Röttgen muss jetzt aktiv werden!

    Wie ist der aktuelle Stand? Weder bei den Verhandlungen über eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto Protokoll, noch bei den Beratungen für ein Mandat für ein internationales Abkommen ab 2015 gab es bislang entscheidende Durchbrüche. Auch über die Bereitstellung der Gelder für den so genannten Grünen Klimafonds besteht keine Einigkeit. Die USA verharren in ihrer Blockadehaltung der vergangenen Jahre und auch die EU tritt bislang wenig entschlossen auf. Deutschland hat sich bisher auch nicht mit Rugm bekleckert - ein paar Warnrufe aus dem Kanzleramt, das ist für ein globales Problem zu wenig.

    Der WWF fordert schärfere Emissionsreduktionsziele. Keinesfalls dürfe man hinter den Zusagen von der Vertragsstaatenkonferenz von Cancún aus dem vergangenen Jahr zurückbleiben, so unsere Experten. Im Gegenteil: Die Ziele müssen erhöht werden. Eine Gruppe von WWF-Mitarbeitern machte das beim Climate Action Day mit lauten Rufen deutlich:

    Franko, WWF-Mitarbeiter vor Ort, berichtete: "Es war ein ausgelassener Klimakarneval, der in krassem Kontrast stand zu den öden Verhandlungen im Tagungszentrum. Daran änderte auch die deutliche Polizeipräsenz nichts. Im Vorfeld der Demo war es offenbar zu kleineren Zwischenfällen mit der Jugendorganisation des ANC gekommen. Davon war auf der Demo nichts zu spüren. Viele Tausend waren gekommen, um für Klimagerechtigkeit einzutreten. Neben Umwelt-NGOs wie Greenpeace, WWF und Friends of the Earth (in Deutschland BUND) hatten zahlreiche soziale Organisationen und Gewerkschaften zum Protestmarsch für das Weltklima aufgerufen. Immer wieder riefen die Demonstranten „Amandla“, den Ruf der Anti-Apartheid-Bewegung. Unterstützt von afrikanischen Trommeln und Vuvuzelas versuchten sie den Delegierten im Kongresszentrum von draußen klar zu machen, dass die Zeit für taktische Spielchen vorbei ist und endlich verbindliche Vereinbarungen getroffen werden müssen. Mitten drin im Getümmel ging die WWF-Delegation mit ihren Unterstützern und beteiligte sich kräftig und Toy-Toy tanzend am Protest gegen die fest gefahrenen Verhandlungen. Vor allem die südafrikanischen Kollegen erwiesen sich als engagierte Einheizer, die sich mit ihrem Weckruf “Food-Water-Energy for all forever” lautstark in Szene setzten."

    Nach der Demo kehrten die WWF-Aktivisten wieder zurück an die Computer und Verhandlungstische. Auch abseits der Straße, in den Gesprächen rund ums Verhandlungszentrum, versuchen sie die Politiker zu überzeugen und zum Handeln zu bewegen: Die Industrieländer müssen sich auf eine zweite fünfjährige Verpflichtungsperiode unter dem Dach des Kyoto-Protokolls einigen. Parallel muss in Südafrika die Basis für ein Klima-Nachfolgeabkommen gelegt werden. Zu den Klimaverhandlungen unter dem Dach der UN sieht der WWF derzeit keine Alternative. Unverbindliche Absichterklärungen reichen nicht, sie müssten rechtlich abgesichert und mit Leben gefüllt werden.

    Der WWF tritt für ein neues Klimaabkommen aller Staaten bis 2015 ein. Dazu sind neben verbindlichen Zusagen der Industrieländer, Beiträge der wichtigsten Schwellenländer, China, Indien, Brasilien und Südafrika notwendig. Nur so lässt sich das angestrebte Ziel, den Anstieg der globalen Temperaturen auf maximal zwei Grad zu begrenzen erreichen.

Kommentare

3 Kommentare
  • JohannesB
    JohannesB Danke für das Update, Marcel!
    Und schön zu sehen, wie (im 2. Video) mit WWF und Greenpeace zwei große Verbände gemeinsam für mehr Klimaschutz demonstrieren.

    Bundeskanzlerin Merkel hält die Verhandlungen über die Fortf...  mehr
    5. Dezember 2011
  • HannaS
    HannaS Ach, Merkel nennt sich Klimakanzlerin? Seit wann das denn?
    Ich finde das auch nicht richtig, von vornherein alles so zu prophezeien, glaube aber, dass sie als absolute Realistin nicht anders kann... Mal ehrlich, was sie sagt, ist ja auch keine Überra...  mehr
    5. Dezember 2011
  • Anni09
    Anni09 ich kann nicht verstehen wieso sich die staaten so schwer tun klimapolitisch aktiv zu werden....meiner meinung nach gibt es dafür nur zwei wörter: grenzenlose ignoranz!

    aber die videos sind super :)
    5. Dezember 2011