Berichte

Die letzten Naturparadiese der Erde: Die fennoskandischen Wälder und Hochgebirgsfjelle

  •  Über eine Fläche von 302 000 Quadratkilometer erstreckt sich diese vielfältige Ökoregion in den Ländern Finnland, Norwegen, Schweden und Russland. Die Alpen Skandinaviens reichen an die 2500-Meter-Grenze heran und bilden eine eindrucksvolle Gebirgskette, welche die gesamte Halbinsel durchläuft. Im Westen erreicht das Gebirge das Europäische Nordmeer und die Nordsee und bildet dort tiefe und für diese Ökoregion charakteristische Fjorde, während einige Gebirgsgletscher sogar an das Meer gelangen und dort in spektakulären Eiskaskaden zerspringen.

    „Taavetti Rytkönen ließ seinen Blick über das Land schweifen.

    Er äußerte ein wenig bedauernd, dass das Vermessen dieser Landschaft,

    wäre er ein junger Mann, eine wunderbare Aufgabe wäre.

    Hier hätte man Hügel, Seen mit vielen Buchten, dichte Wälder und Dörfer,

    alles nur Denkbare auf ein und derselben Karte.“

    Arto Paasilinna

    Für arktisches Gebirge weist die Ökoregion der Tundra und der Wälder der skandinavischen Halbinsel einen erstaunlichen Reichtum auf. Es herrscht eine einzigartige Flora und Fauna, viele der hier beheimateten Arten kommen nur in deren bestimmten Gebieten vor. Dies rührt daher, dass einer der nördlichsten Ausläufer des Golfstroms für mildes, aber auch sehr niederschlagreiches Klima sorgt. Daher kommt es im Winter zu heftigen Schneestürmen und zu starken Niederschlägen im Sommer. Durch diesen Wasserreichtum wird diese Landschaft durch etliche Seen, Wasserläufe und Teiche geprägt.

     

    Der Ort Ivalo im finnischen Teil Lapplands ist von etlichen Wäldern und Seen umgeben und hat gerade einmal 4000 Einwohner! Auch der größte See dieser Gegend, der Inari-See ist hier zu sehen. Mit einer Fläche von 1000 Quadratkilomern ist er von November bis Juni mit Eis bedeckt!

     

    Ein als Permafrost bekanntes Phänomen sorgt dafür, dass die tiefen Bodenschichten Skandinaviens das ganze Jahr über gefroren bleiben, was Staunässe fordert, durch die es jährlich zahlreiche überschwemmte Wälder gibt. Ein charakteristisches Zeichen dieses Gebiets sind ausgedehnte Nadelwälder aus Tannen und Kiefern (Abies und Pinus). Zudem besteht etwa ein Drittel aus der Hochgebirgstundra (Fjell)  mit felsigen Landschaften und nur spärlicher Grasvegetation. Ein weiteres  Drittel weist eine niedrige Strauchvegetation mit Zwergbirken (Betula nana),  Weiden (Salix sp.) und kleinen Seen und etlichen weiteren Teichen auf.                                                                                                                                                

     

     Er gehört zu den größten Wasserfällen Schwedens: der Tannforsen. Von den Gletschern fließt das Wasser bei einer Fallhöhe von 40 Metern mit einer Menge von 400 Kubikmetern pro Sekunde direkt ins Meer.

     

     

    Zahlreiche Tierarten leben das ganze Jahr über in dieser abschreckend kalten Gegend. Da wären beispielhalber der Polarfuchs (Alopex lagopus), der Vielfraß (Gulo gulo), der Braunbär (Ursus arctos), das Rentier (Rangifer tarandus) und der Wolf (Canis lupus). Die Rentiere Skandinaviens sind bedauerlicherweise fast alle gezähmt und man trifft nur noch in seltenen Fällen aus ein wild lebendes Exemplar.

    Nach dem Aussterben ihrer Art in Skandinavien werden seit 1940 wieder Moschusochsen (Ovibos moschatos) in Skandinavien eingeführt. Heute leben im südnorwegischen Nationalpark Dovrefjell rund 150 Moschusochsen! Dort leben auch so einige Vögel die ganzjährig im Dovrefjell bleiben.                                                                                                                                                                             

    Die Raufußhühner (Tetraonidae), wie das Birkhuhn (Tetrao tetrix) oder das Moorschneehuhn (Lagopus lagopus) bieten dem Winter ohne mit der Wimper zu zucken trotzend die Stirn! Die zahlreichen Nischen, die von dem vielseitigen Ökosystem geboten werden, werden von allen möglichen Raubvögeln, tag- oder nachtaktiv, besetzt. Diese sind beispielhaft der Steinadler (Aquila chrysaetos) oder der Raufußkauz (Aegolius funereus).

    In dem arktischen Sommer, der nur von kurzer Dauer ist, lassen etliche Pflanzen die weiten Wiesen in allen Farben schimmern. Währenddessen vollenden in dieser Zeit zahlreiche Insekten ihren Lebenszyklus. Aus dieser urplötzlichen Vielfalt des Lebens kann so mancher Zugvogel Afrikas und Südeuropas Gewinn machen! Hierbei handelt es sich um Sperlingsvögel, Wasservögel  oder Gänse, Enten und Sumpfvögel.                                                                                                                                              

    In der Zeit des Sommers, so scheint es, werden winterschlafhaltende Wälder vom herrlichen Gesang etlicher Vögel zum Leben erweckt! Immer wieder lässt der Bergfink (Fringilla montifringilla) seinen Ruf aus den Baumkronen ertönen. Währenddessen halten die Kampfläufer (Philomachus pugnax) ihre Auseinandersetzungen auf kleinen Flächen, den sogenannten „Balzarenen“. So beginnt für zahlreiche Lebewesen die Zeit der Fortpflanzung und des schillernden Lebens in einem der letzten Naturparadiese der Erde!

    Ein Blick in die Zukunft:                                                                                                                             

    Die stärksten Probleme dieses Naturparadieses kommen vom Klimawandel. Dieser führt zur Erosion in den bisher von Permafrost gesegneten Gebieten! Zudem kommt die Verlangsamung des Nachwachsens der Vegetation durch menschliche Hand. Dazu kommen noch die Spätfolgen des Super-GAUs von Tschernobyl und beeinflusst die Wildfauna noch immer. Pilze als auch Flechten weisen noch heute eine hohe Konzentration an Radioaktivität auf! Außerdem verarmt die Landschaft durch Rentierweidung und Waldrodung immer mehr. Man sieht, es muss etwas getan werden….

    Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?

    Mit seinen nationalen Organisationen ist der WWF auf allen drei skandinavischen Ländern vertreten, während der WWF International  ein „Arktisprogramm“ betreut. Die meisten Projekte beruhen auf internationaler Zusammenarbeit, wie beispielsweise das Projekt zum Schutz der Kegelrobbe. Außerdem wird intensiv gegen den Klimawandel vorgegangen!

    Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe „Die letzten Naturparadiese der Erde“ http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179

     

    Text: eagle4nature (Fabian Nagel)

    Bilder: Wikipedia Commons

    Quelle: „Die letzten Naturparadiese der Erde“ (Buch)

Kommentare

8 Kommentare
  • Fabia
    Fabia Ein sehr schönes bericht :)

    und Moschusochsen stand ich, in Norwegen, sogar schon mal gegenüber .. mehr unfreiwillig ;D
    2. Dezember 2011
  • KatharinaM
    KatharinaM Super schön. Ich würde auch gerne mal nach Norwegen/Schweden/Finnland gehen wollen. (: Vielleicht klappt es ja mal. Jedenfalls hoffe ich, dass es dann noch so aussieht wie jetzt ... Der Mensch muss ja überall seine Finger im Spiel haben.
    2. Dezember 2011
  • Leslie
    Leslie ganz klar ein genialer bericht! :)
    4. Dezember 2011
  • MaRyLoU
    MaRyLoU Ein wirklich sehr schöner Bericht :) Die Bilder sind auch total schön....
    6. Dezember 2011