Berichte

Der Prinzessinengarten - eine Berliner Oase

  • Der Moritzplatz liegt mitten in der Metropole Berlin. Viel Verkehr, mehr grau als grün - typisch Stadt eben.
    Aber stopp, was ist denn das? Fast wäre ich vorbeigefahren, da ich aber weiß, was ich suche, fällt es mir auf. Ein Platz, auf dem es anders aussieht, auf dem es grünt und wächst - eine kleine Oase in der Großstadt. Ich bin beim Prinzessinengarten angekommen.

    Durch ein Tor betrete ich das für alle zugängliche Gelände und schaue mich um. Überall stehen Behälter verschiedenster Art, alle mit Erde gefüllt und so zu Beeten umfunktioniert. Große Holzkisten, kleinere Plastikkisten, Reissäcke, aufgeschnittene Tetrapacks... Der Garten wurde „nomadisch“ angelegt, das heißt, ein Umzug mitsamt den Pflanzen wäre jederzeit möglich. Das ist wichtig, weil die Fläche nur für jeweils ein Jahr von der Stadt gemietet ist. Außerdem wäre ein Garten ohne die Behälter auf dem versiegelten Platz gar nicht möglich. In den mobilen Beeten wachsen Mais, Salate, Rhabarber, Gemüse, Kräuter... Ein ungewohnter Anblick vor dieser Stadtkulisse. Der Platz ist zwar etwas abgeschirmt und doch ist er mittendrin in Berlin.

    In alten Milchtüten, Reissäcken und Bäckerkisten wächst und gedeiht es - "Nomadisch Grün"

    Es ist ein sonniger Tag und viele Tische des kleinen Container-Gartencafés sind besetzt. Die Leute hier wirken sehr entspannt, trinken Fair-Trade Kaffee oder Bio-Limo und manche haben schon das Mittagsgericht bestellt. Salat und Pellkartoffeln mit Kräuterquark. Ein beträchtlicher Teil der Ernte wird direkt hier zubereitet und verkauft, die Einnahmen aus dem Café fließen in die Projekte im Garten. Aber auch selbst ernten und kaufen ist möglich. Für alle, die regelmäßig im Garten mitarbeiten, gibt es besonders günstige Preise, unter Aldi-Niveau.

    Ein paar Meter weiter gibt es noch ein paar Bänke und Stühle, sogar eine Hängematte, die sehr einladend aussieht. Dies ist kein Ort zum Abrackern oder verbissenen Gärtnern, sondern zum gemeinsamen Schaffen und Erholung tanken.

    Ich schlendere weiter auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück herum und sehe zwei Kindergruppen, die Erde in eine Schubkarre laden und sie in eine andere Ecke des Gartens transportieren. Zwei junge Frauen leiten sie an, es wird Englisch gesprochen. Im Prinzessinengarten gibt es nicht nur Beetpatenschaften, von hier aus werden auch eigene mobile Schulgärten vor Ort aufgebaut.

    Kaum zu glauben, dass der Prinzessinengarten erst seit zwei Jahren existiert, er wirkt schon so integriert in den Kiez. Mit einer großen Aufräumaktion im Sommer 2009 nahm es seinen Anfang - 2 Tonnen Müll wurden damals vom Moritzplatz gesammelt. Die beiden Gründer des Gartens sind weder Gärtner noch Landwirte, sondern bezeichnen sich im Gegenteil gerne als „Dilettanten“. Robert Shaw ist Filmemacher, Marco Clausen ist Historiker. 2009 gründeten sie den gemeinnützigen Verein „Nomadisch Grün“, somit fließen alle Einnahmen wieder zurück ins Projekt.

    Viele freiwillige Helfer gestalten den Garten mit und füllen ihn mit Leben. Hier kann man sich nicht nur erholen und sich ein Stück weit selbst verwirklichen, sondern auch viel Nützliches lernen. Von ökologischem Gemüseanbau über Saatgutvermehrung, Recycling und Kompostierung bis hin zur Bienenhaltung, es gibt viel zu entdecken und auszuprobieren.

    Kein Wunder, dass sich so ein gutes Konzept ausbreitet. Zwei „Stadtsafaris“ gab es schon, wobei Jugendliche die Stadt nach Freiräumen erkundeten und gemeinsam Ideen dafür entwickelten. Ein Nachbarschaftsgarten und ein Kita-Garten sind als Ableger entstanden, außerdem ist ein Prinzessinengarten in Hamburg geplant.

    Bleibt zu hoffen, dass sich auch sonst das „Urban Gardening“ ausbreitet und immer mehr lebendige Gärten inmitten der deutschen Städte wachsen.

    www.prinzessinengarten.de

    Bilder: HannaS

     

Kommentare

8 Kommentare
  • UnsereGeneration
    UnsereGeneration Klasse der Bericht. Danke!!!! Ich wusste gar ncihts davorn. aber die Idee ist mega klasse, vor Allem, wenn so vieel Freiwillige mitmachen, Kindergaten-und Schulklassen daran mitarbeiten und Jugendliche ihre ideen einbringen können. Dann ist es ncihts...  mehr
    29. Oktober 2011
  • SaveTheWorld.
    SaveTheWorld. Toller Artikel! Ich war vor kurzem live vor Ort & war genau so begeistert wie du. :)
    5. April 2012
  • peacemeinfreund
    peacemeinfreund meiner Meinung nach sollte es mehr solcher anagierten und mutigen Leuten in Deutschland geben. Denn aus so einem super Projekt kann noch viel rausgeholt werden ;)
    9. April 2012
  • Veggieburger
    Veggieburger Die Idee ist einfach nur suuper und es ist ein Anlaufpunkt für alle Menschen in der Umgebung. Ich war selbst da und habe den Garten gesehen. Man sollte mehr Werbung dafür machen und mehr solche Gärten sollten in Deutschland entstehen....
    16. April 2012