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Tipp der Woche – ein Plädoyer für Bodenschutz

  • Wie oft sagen Menschen, sie haben Dreck an den Händen oder Füßen, wenn sie im Garten oder auf dem Feld gearbeitet haben. Warum benutzen wir ein so abfälliges Wort, um den Boden zu berschreiben? Ist dieser Dreck nicht lebensnotwendig für uns alle? Ist Boden nicht die Ressource, auf der unsere gesamte Zivilisation aufbaut? Und ist es nicht endlich an der Zeit diesen Dreck wertzuschätzen und dementsprechend zu behandeln?

    Diesen und noch vielen weiteren Fragen geht David Montgomery in seinem Buch „Dreck: Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert“ nach. David Montgomery ist Professor für Geomorphologie und beschäftigt sich daher tagtäglich mit den Prozessen, die die Erdoberfläche formen und verändern. Sein Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, den Dreck unter unseren Füßen wertzuschätzen und endlich als das zu behandeln, was er ist: die wohl kostbarste und fragilste Ressource, auf der unsere Zivilisation aufbaut.

    Ich habe „Dreck“ soeben zu Ende gelesen. Das Buch hat mir einen neuen Eindruck vom Boden vermittelt und mir die Augen für die Dringlichkeit geöffnet, diese Ressource zu schützen. In diesem Tipp der Woche möchte ich euch daher das Buch vorstellen und euch dazu anregen, es auf eure „To-Read“-Liste zu setzen.

    Das Buch beginnt mir einer Einführung in die Ressource Boden und beantwortet dabei wesentliche Fragen für Laien. Was ist Boden? Wie entsteht Boden? Wie erodiert Boden? Wozu brauchen wir Boden? Nach dieser Einführung folgt ein Teil, der die Geschichte und Verflechtung von Boden und Zivilisation verdeutlicht. Obwohl ich eigentlich nicht gerne geschichtliche Bücher lese, fande ich die Ausführungen sehr interessant. Montgomery nimmt den Leser mit auf eine Reise zum Beginn der Sesshaftigkeit der Menschen und somit zum Beginn der Landwirtschaft – also dem Beginn der intensiven Nutung des Bodens durch den Menschen.

    Dabei analysiert er die Gründe für den Aufstieg und Zerfall früherer Zivilsationen, von den Mesopotamier über die Ägypter und alten Griechen bis hin zum Römischen Reich. Natürlich liegt bei all den Zivilisationen ein Zusammenhang mit dem Boden vor. Denn Boden ist die wichtigste Ressource für die Landwirtschaft und die Ernährung der Menschen in einer Gesellschaft. Ist genug nährstoffreicher Boden vorhanden, gedeiht auch die Zivilisation. Erodiert der Boden langsam aber sicher und verliert an Nährstoffen, so hat dies negative Auswirkungen auf die Menschen.

        "Dust Bowl" 1930er Jahr in den USA, als Stürme in der Prärie der USA Bodenparitkel bis nach Boston und New York transportierten

    Die geschichtliche Ausführung zum Thema Boden geht weiter über die Kolonialzeit und Industrialisierung bis zur heutigen Zeit. Dabei werden verschiedene Beispiele geliefert wie der Boden über die Zeit von Menschen ausgebeutet wurde und verloren ging. Aber auch eine Erfolgsgeschichte aus Ecuador, wo der Boden durch gute Bewirtschaftung über 1000 Jahre fruchtbar blieb, ist dabei. Außerdem wird auf die Neuerungen in der Landwirtschaft eingegangen, die in der Geschichte der Menschheit zu Ertragssteigerung beitragen sollten: Die Erfindung des Pfluges, die Industrialisierung der Landwirtschaft mit Hilfe der Erfindung des Traktors, die Düngung von Phosphor mit der Hilfe von Guano und schließlich die Erfindung des synthetischen Düngers und gentechnisch veränderte Pflanzen. Zudem werden verschiedene Bewirtschaftsungsformen der Landwirtschaft wie Fruchtfolge, Slash and Burn, Direktsaat und Monokultur und ihre jeweiligen Auswirkungen auf den Boden dargestellt.

    Im vorletzten Kapitel analysiert Montgomery das Schicksal von Zivilisationen anhand von zwei Inseln im Pazifik sowie Island. Da Inseln und ihre Zivilisationen sehr isoliert sind (bzw. es vor der Globalisierung waren), ist es möglich anhand von Inseln Rückschlüsse auf andere Zivilisationen zu ziehen. Das Buch endet mit dem Kaptiel „Boden der Zukunft“. Es gibt einen kurzen Rückblick über die behandelten Themen im Buch und einen Ausblick in die Zukunft. Wie muss sich unsere Sichtweise auf den Boden ändern? Wie muss sich die Landwirtschaft ändern, wenn wir in Zukunft noch mehr Menschen nachhaltig ernähren wollen?

    Das Buch endet mit einer banalen und doch überlebenswichtigen Synthese: Das Überleben unserer Zivilisation hängt davon ab, dass wir unseren Boden als eine Investition ansehen, als eine Erbschaft und nicht als eine Ware – als etwas anderes als Dreck.

    Wir denken an Klimawandel, Epidemien, Wassermangel und Atomwaffen als mögliche Ursachen für das Zusammenbrechen unserer Zivilisation. Doch wer denkt dabei schon an Boden? "Dreck" zeigt uns, dass der Verlust von Boden möglicherweise eine viel größere Bedrohung darstellt, es sei denn wir verändern unseren Umgang mit dem Boden.

    Eine Gute-Nach-Lektüre ist das Buch sicher nicht. Es macht traurig, verstädnislos und wütend, denn gut steht es um unseren Boden nicht - soviel verrate ich euch. Trotzdem ist ein wichtiges Buch, denn es setzt den Schwerpunkt auf ein Thema, über das wir im Alltag selten nachgedenken, obwohl es lebensnotwendig ist. Und ich verspreche euch: Nach diesem Buch werdet ihr jeden Quadratzentimeter Boden, den ihr seht, wertschätzen :)

    Das Buch ist 2012 auf Deutsch im Oekom Verlag erschienen und hat 300 Seiten. Momentan ist es wohl leider nur noch als eBook verfügbar. Eine kostenlose Leseprobe gibt es bei Bundeszentrale für politische Bildung hier. Ich selbst habe das Buch auf Englisch gelesen.  In Orginalsprache heißt es: „Dirt. The Erosion of Civilizations“, wurde es von University of California Press herausgegeben, hat 250 Seiten und kostet 23 Euro.


    Über den Autor

    David Montgomery ist Professor für Geomorphologie an der University of Washington. Er hat Geologie an der University of Stanford studiert und 1991 seinen Doktor an der UC Berkley erhalten. Seine Forschungsfelder sind die Evolution der Topographie unseres Planeten und der Einfluss von geomorphologischen Prozessen auf Umweltsysteme und menschliche Gesellschaften. Im Mai diesen Jahres ist ein neues Buch von David Montgomery mit dem Titel " Growing a Revolution: Bringing Our Soil Back to Life" erschienen.

    Hier noch ein Vortrag auf Englisch von David Montgomery zu seinem Buch und den Inhalten an der Unversity of British Columbia:

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    Foto: NOAA US Department Of Commerce

Kommentare

4 Kommentare
  • FranziL
    FranziL Danke für den coolen Tipp, das Buch steht auch schon auf meiner To-Read-Liste :)
    11. August
  • Ronja96
    Ronja96 Danke für deinen Tipp! Ich habe mich im Rahmen meines Studiums (Geographie) auch schon mit dem Thema Boden auseinandergesetzt. Es öffnet einem schon ein bisschen die Augen.
    12. August
  • Sarah25
    Sarah25 ja ich bin auch erst durchs Studium darauf gekommen und dabei ist mir aufgefallen wie wenig Menschen, die es nicht als Thema im Studium haben, sich damit auseinandersetzen...
    12. August
  • TobiS
    TobiS Spannender Tipp! Und weil es um den Boden so schlecht steht, gibt es jetzt eine EBI, die vom WWF unterstützt wird und die Ihr gerne mit eurer Unterschrift supporten dürft: https://www.people4soil.eu/de
    12. August