Berichte

Abschied von der Zentralafrikanischen Republik - eine Reflexion

  •  Meine Beine sehen vor lauter Insektenstichen aus wie Himbeeren. Meine
    Füße haben in wenigen Tagen lernen müssen, sehr schnell sehr viel Weg
    zurück zu legen. Ich habe mich daran gewöhnt, immer eine Wasserflasche
    bei mir zu tragen. Am Abend schlucke ich meine Malariatablette. Ich
    bade in Flüssen und Bächen und benutze seit zwei Wochen täglich das
    selbe Mikrofaserhandtuch. Morgens um halb sechs beginnt mein Tag und
    geht über den Sonnenuntergang um achtzehn Uhr hinaus. Ich spreche
    täglich ein wenig Französisch und viel Englisch. Am Morgen suche ich
    mir keine frische Wäsche aus, sondern die, die am wenigsten müffelt.
    Ich schlafe unter Moskitonetzen und meistens auf hartem Boden.
    Die Zeit ist natürlich viel zu schnell vergangen. Wir hatten oft nur
    wenig Freizeit. Meistens waren wir unterwegs, manchmal haben wir euch
    SMS Nachrichten gesendet. Wir haben gegessen und geschlafen.
    Ich persönlich habe in den letzten drei Nächten, die wir in der Doli
    Lodge verbracht haben, nicht gut geschlafen. Vielleicht lag das an der
    Matratze unter mir, vielleicht lag es an den stechenden Insekten in
    meiner Bettdecke. Gestern Abend haben sie meine Wade überfallen. Ich
    konnte vor lauter Juckreiz nicht mehr einschlafen und habe mich dann
    auf die Terrasse gesetzt wo ich dann doch noch eingeschlafen bin. Ich
    bin erst wieder aufgewacht, als sich eine Mücke zu nah an mein Ohr
    heran gewagt hat.
    Ich sitze wieder auf der Terrasse unter dem Sternenhimmel, den man
    hier besonders gut sehen kann und höre ein paar Kröten, die am Sangha
    sitzen. Die Nacht ist erfüllt von einem pausenlosen Gezirpe.
    Auf unserer Reise haben wir viele interessante Menschen kennen
    gelernt. Da wären zum Beispiel Anicet, Andrea, Angélique, Daniela,
    Bruce, Arno und Louis. Jeder dieser Menschen führt ein ganz eigenes
    und besonderes Leben. Irgendetwas hat sie aus verschiedensten Gründen
    hierher verschlagen. Und dieses Etwas ist wohl die Einzigartigkeit,
    die Dzanga-Sangha zu einem so wertvollen Ort macht.
    Auf unserer Reise haben wir viele Seiten des Gebiets entdecken können.
    Wir sind tagelang durch den Dschungel gelaufen und haben dabei
    Waldelefanten und Flachlandgorillas in ihrem natürlichen Lebensraum
    erleben können. Wir haben die BaAka getroffen und durften für kurze
    Zeit ein Teil ihres Lebens sein. Wir haben die Probleme des
    Regenwaldes am eigenen Leib erfahren können, als wir mit Arno die
    Wilderer entwaffnet haben. Wir haben die Gerüche und Geräusche des
    Waldes in unsere Erinnerungen aufgenommen.
    Unsere Zeit hier ist beinahe vorbei. Morgen früh geben wir unsere
    Notebooks ab. Dies ist mein letzter Bericht.
    Ich weiß, dass die Reise fast zu Ende ist sobald ich ins Bett gehe.
    Morgen früh fliegen wir zurück nach Yaoundé, dorthin, wo unser
    Abenteuer begonnen hat.
    Den Afrikanischen Regenwald werden wir dann noch einmal von oben
    betrachten können. Ob wir ihn wohl mit anderen Augen sehen werden?
    Mein Favorit auf unserer Reise war Bai Hokou. Das lag sicherlich nicht
    zuletzt an der besten Dusche der Welt. Dort haben wir, neben unserem
    Aufenthalt in der Doli Lodge, auch die meiste Zeit verbracht. Doli
    bedeutet übrigens Elefant.
    Bei Angélique und Daniela habe ich mich richtig wohl gefühlt. Außerdem
    führten unsere Wege von diesem Camp zu den Gorillas.
    Ich werde von Deutschland aus noch einmal einen ausführlicheren
    Bericht schreiben. Das kann ich gerade noch nicht. Erstens ist die
    Reise noch nicht vorbei und Zweitens kann ich noch gar nicht alles
    reflektieren, was wir erlebt haben. Ich brauche ein wenig Zeit.
    Außerdem wird mir in Deutschland bestimmt die ein oder andere Sache
    nochmal die Augen öffnen.
    Wenn wir wieder zurück sind, fängt die Arbeit für uns erst richtig an.
    Wir wollen alles daran setzen, diesem Fleckchen Erde eine Zukunft zu
    geben. Mit Vorträgen und Spendenaktionen wollen wir genügend Mittel
    sammeln, um unser Ziel zu verwirklichen.
    Ich möchte mich bedanken, Vielen Dank an alle, die uns auf unsere
    Reise gefolgt sind. Danke für eure Worte und eure Unterstützung. Und
    danke an all diejenigen, die das Dzanga-Sangha Projekt bisher mit
    ihrer Spende unterstützt haben.