Berichte

Ein kleines Dorf am Sangha Fluss

  •  Um mich herum höre ich Insekten. Die Nacht ist bereits hereingebrochen. Wir sitzen gemeinsam an einem großen Tisch, an dem wir gerade zu Abend gegessen haben. Die einzigen Lichtquellen sind der Bildschirm meines Netbooks und das von vier Kerzen, die eine romantische Atmosphäre schaffen. Eigentlich sind die Kerzen weiß, aber mittlerweile haben sich so viele Flügeltiere von ihnen anziehen lassen, dass sie nun fast schwarz scheinen. Die Tierchen hängen in Massen an dicken Wachstropfen, die langsam an den Kerzen herunter rollen.

    Wir sind in Bayanga. Das Dorf hat ca. 3000 Einwohner, 2600 von ihnen haben keine feste Arbeitsstelle. Trotzdem scheinen die meisten Einheimischen zufrieden zu sein. Das Leben spielt sich auf der Straße ab, es wird gehandelt und sich unterhalten. Die Kinder sind sehr neugierig. Sie winken uns zu und begrüßen uns mit ihren Händen. Sie lachen und fragen, ob sie unsere Plastikflaschen und Mützen haben dürfen. So offen wie die Kinder sind die meisten Erwachsenen allerdings nicht. Viele schauen uns ausdruckslos an und ich bin mir nicht sicher warum sie unser Dasein mit Missgunst und Skepsis betrachten. Einerseits spüre ich eine Abneigung, andererseits werden wir aber sofort mit Stühlen versorgt, wenn wir uns zum Beispiel (eigentlich stehend) einen traditionellen Tanz ansehen. Das erscheint mir paradox und es fällt mir schwer die Situation gut einzuschätzen. Einige von den Älteren sind aber auch sehr freundlich, winken und wünschen uns „Bon soir!“.

    Ich zerquetsche in kurzen Abständen winzige Fliegen, die sich auf meiner Tastatur breit machen. Vor einer Minute bekamen wir Besuch von einer großen Heuschrecke, die auf meine Hand gesprungen ist. Ich hab sie an den Flügeln geschnappt und zusammen mit Silke und Olli analysiert.

    Ich komme mir seltsam vor. Da lande ich mitten in einem Dorf im Afrikanischen Regenwald und will denen helfen, die genau wissen was ihnen fehlt. Ich weiß noch kaum etwas von ihrer Welt. Ich muss erst lernen, bevor ich vielleicht etwas bewirken kann. Rührt der Argwohn der Dorfbewohner vielleicht daher? „Der weiße Mann, der uns das Leben vorschreiben will.“?

    Jetzt hat gerade ein dicker gelber Käfer die Kerze vor mir ausgeflattert. Er hat sich wagemutig in die Flamme gestürzt und das Licht mit einem Flügelschlag gelöscht. Das ist wohl das Zeichen ins Bett zu gehen. Wir übernachten heute in einem Haus, dessen Boden von Erde bedeckt ist. Einen festen Untergrund gibt es nicht. An der Decke hängen Spinnen, die aussehen wie Strohsterne – also! Gute Nacht!