Berichte

WWF Politikclub!

  • 2013 wird das entscheidende Jahr für die Fischbestände der Europäischen Union sein. Schon heute werden die Weichen für oder gegen ihre Zukunft gelegt. Eifrig wird an der europäischen Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik [GFP] gebastelt.

    Aber welchen Kurs wird die Europäische Union einschlagen? Fakt ist: um unsere Fischbestände steht es schlecht. Drei von vier untersuchten Fischbeständen sind überfischt. Für 55 Prozent der Fischbestände fehlen Daten, weshalb ihr Zustand unbekannt ist. Die europäische Fischereiflotte ist etwa zwei bis dreimal größer als es eine nachhaltige Fischerei zulassen würde.

    Schon die letzte Reform 2009 versprach Besserung. Auf dem Papier sah sie nahezu paradiesisch aus. Nur leider haperte es sehr an der Umsetzung. Die Überfischung wurde nicht verhindert, stattdessen wurden Überkapazitäten und Subventionen in Milliardenhöhe ermöglicht.

    Der WWF hat ein Positionspapier zu den Reformvorschlägen erarbeitet. Nach Ansicht des WWF muss die Umwelt das Herzstück der Reform sein. Nach dem Prinzip des 'höchstmöglichen Dauerertrages' [MSY] zu fischen, hält der der WWF jedoch nur für eine Übergangslösung auf dem Weg zu stärkeren Zielen.

    Zur Zeit werden die Fangquoten jährlich festgelegt und überschreiten zumeist die wissenschaftlichen Empfehlungen. Die Europäische Kommission schlägt nun Mehrjahrespläne vor, die auch der WWF begrüßt. Allerdings müssen diese individuell für jede Fischerei ausgearbeitet werden, damit sie umsetzbar sind.

    Absolut problematisch sind derzeit die Rückwurfquoten. Rückwürfe sind Fische, die wieder über Bord gehen, weil sie nicht angelandet werden dürfen oder vermarktbar sind. In der EU sind das ganze 60 Prozent! Die EU schlägt daher vor, diese unerwünschten Fische zum Verkauf anzubieten, um sie zu Fischmehl zu verarbeiten. Der WWF ist strikt gegen diesen Mechanismus. Denn wenn es erlaubt wird, Rückwürfe zu verkaufen, fehlt der Anreiz für selektive Fangmethoden und nur diese ermöglichen eine nachhaltige Fischerei!

    Um die Position des WWF zu verbreiten und eine Diskussion anzuregen, fand am 21.September der Politikclub zur Gemeinsamen Fischereipolitik statt. Der WWF hatte verschiedene Personen eingeladen, die sich mit dem Thema Fischereipolitik beschäftigen. Abgeordnete und Referenten des Deutschen Bundestages, Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden. Besondere Gäste waren die fischereipolitischen Sprecher der einzelnen Bundestagsfraktionen und ein Vertreter von EDEKA.

    Im gemütlichen Beisammensein stellte Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF, zunächst die aktuelle Lage und Problemsituation dar. Ludwig Willnegger von der EDEKA Group gab uns einen Einblick in die ökonomische Dimension der Fischerei, die man keinesfalls vergessen darf, ebenso wie die soziale. Denn eine Eindämmung der Fischereiflotten bedeutet zugleich auch Arbeitsverlust für einzelne Fischer. Ihnen müssen alternative Arbeitsmöglichkeiten geboten werden. Jeder der Bundestagsabgeordneten durfte ein Statement zur Reform und den Vorschlägen des WWF abgeben. Zuletzt wurde heftig diskutiert.

    Mit einem kleinen Buffet ging der Abend dann langsam zu Ende. Wir hoffen sehr, dass der WWF weitere Impulse geben konnte. Ich war dennoch angenehm überrascht, wie gut die fischereipolitischen Sprecher sich auf ihrem Gebiet bereits auskannten. Ich wünsche mir, dass sie es in der kommenden Reform umsetzen und Europa damit zu einer nachhaltigen Fischerei verhelfen werden!

    ps.: Auch ihr könnt etwas tun! Achtet beim Kauf von Fisch auf das MSC Siegel! ;o)

    *******

    Bilder:

    © Isaac Vega / WWF-Canon
    © Jürgen Freund / WWF-Canon
    © Cat Holloway / WWF-Canon
    © Marion Junkersdorf / WWF-Canon

     

Kommentare

2 Kommentare