Berichte

Müll-Lotto & die Plastikflut von Wasteminster

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen

    [Bildbeschreibung: Das Titelbild des Plastik-Updates zeigt vor einem orangefarbenen Hintergrund mit weißen Sprenkeln den zentralen Schriftzug Plastik-Update. Links davon ist ein weißes Recyclingsymbol abgebildet, rechts davon ein weißer Mülleimer.]

    Das gibt es diesen Monat:

    ·         Müll-Lotto für saubere Strände

    ·         „Papa, was ist ein Umverpackt-Laden?“

    ·         „Kinder lieben nun mal kleine Plastikspielzeuge!“

    ·         Die Müllflut von Wasteminster

    ·         Selbst aktiv werden

    ·         Community gegen Plastik

     

    Müll-Lotto für saubere Strände

    Wie bringt man Menschen dazu, freiwillig Strände vom Müll zu befreien? Indem man daraus ein Gewinnspiel macht. Ein tolles Beispiel dafür ist die dänische „Kystlotteriet“, auf Deutsch etwa „Küstenlotterie“, die sechs Gemeinden entlang der dänischen Küste im letzten Jahr umgesetzt haben. Die Idee stammt ursprünglich aus Norwegen und wird in Dänemark vom Netzwerk KIMO Denmark unterstützt. Einen Lottoschein erhält man nicht für Geld am Kiosk, sondern an einer Sammelstation am Strand im Tausch gegen eine gefüllte Mülltüte. Die Station besteht aus einer Sammelkiste und einer Art Infoschrank. In diesem findet man leere Tüten und die Lotterielose. Hat man die ganze Tüte mit herumliegendem Strandmüll gefüllt, trägt man seine Daten in das Los ein und befestigt es an der Mülltüte. In einer jährlichen Zeremonie im Dezember werden aus allen Teilnehmenden die Gewinner:innen ausgelost. Zu gewinnen gibt es beispielsweise Einkaufs- oder Ausflugsgutscheine, gesponsert von lokalen Unternehmen. Im Oktober letzten Jahres war bereits fast eine ganze Tonne Abfall in den Sammelbehältern gelandet. Die Küstenlotterie ist ein tolles Beispiel dafür, wie man mit einfachen Mitteln Menschen fürs Müllsammeln begeistern kann. Anders als bei einem Cleanup-Event können sich alle selbst aussuchen, wann sie teilnehmen möchten, sodass der Strand immer wieder gesäubert wird und nicht nur an einem einzelnen Tag. Wer an der Station vorbeikommt, sieht die Infos zur Lotterie und entschließt sich vielleicht spontan zum Mitmachen. Für Tourist:innen wurde das Infomaterial ins Englische und ins Deutsche übersetzt. Könntest Du Dir eine solche Müll-Lotterie auch bei uns in Deutschland vorstellen? Glaubst Du, dass sie sich auch für andere Orte als Strände eignet, z. B. für Parks?  

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigt einen Strand, an den Müll angespült wure. Im Vordergrund sieht man z. B. eine angespülte Glühbirne. Im Hintergrund sind das Meer und Berge zu erkennen.]
    Bild von Sergei Tokmakov, Esq. auf Pixabay 

    „Papa, was ist ein Umverpackt-Laden?“

    In vielen Bilderbüchern geht es um Alltagssituationen wie z. B. einen Arztbesuch, den ersten Tag im Kindergarten oder ein Training im Fußballverein. So können sich Kinder solche Situationen besser vorstellen und die Abläufe besser verstehen. Die Bücher können dabei helfen, die Angst vor Ereignissen wie einem Zahnarztbesuch oder einem Krankenhausaufenthalt zu nehmen, und sie machen Kinder neugierig darauf, neue Hobbys auszuprobieren. Ich erinnere mich daran, dass ich früher zu so ziemlich allem ein Conni-Buch hatte: Conni geht zum Arzt, Conni tanzt, Conni macht das Seepferdchen… Gerade in Zeiten wie jetzt, in denen Kinder viele solcher sonst alltäglicher Aktivitäten gar nicht richtig erleben können, ist es umso wichtiger, dass sie sie wenigstens anhand von Bildern und Geschichten kennenlernen können. Die Autorin Katharina König möchte Kindern anhand eines Bilderbuches den Einkauf im Unverpacktladen näherbringen. Deshalb hat sie die Geschichte „Frieda im Unverpackt-Laden“ geschrieben. Als Frieda die Verpackung ihres Lieblingsmüslis wegwerfen will, ist dafür mal wieder gar kein Platz im Mülleimer. Da fällt ihrem Papa ein, dass gerade ein Unverpackt-Laden in der Nähe eröffnet hat. „Was ist das denn, ein UMverpackt-Laden?“, will Frieda wissen. Nachdem ihre Eltern ihr erklärt haben, was ein „UNverpackt-Laden“ ist, möchte Frieda unbedingt mal einen solchen Laden anschauen und so wird noch für den gleichen Tag ein Besuch in dem neuen Laden geplant. In Königs Bilderbuch können Kinder gemeinsam mit Frieda erfahren, wie so ein Laden aussieht, wie das Einkaufen dort funktioniert und wie die ganzen Sachen dorthin kommen, ohne, dass alles verpackt ist. Damit das Buch nächstes Jahr im März erscheinen kann, müssen genug Leute es im Crowdfunding vorbestellen. Dort gibt es auch eine kleine Leseprobe. Ich habe ein Exemplar vorbestellt und hoffe sehr, dass das Crowdfunding Erfolg hat. Es läuft noch bis zum 17. Juni.

    „Kinder lieben nun mal kleine Plastikspielzeuge!“

    Diese Antwort erhält die 10-jährige Skye Neville aus dem walisischen Fairbourne, als sie sich beim Verlag darüber beschwert, dass die von ihr abonnierten Kinderzeitschriften nicht nur in einer Plastikhülle, sondern mit unnötigem Plastikramsch bei ihr ankommen. Die Magazine liest Skye zwar gerne, aber der unnötige Plastikmüll, der dadurch entsteht, stört sie. Skye interessiert sich sehr für das Thema Klimawandel, denn ihr auf einem Überschwemmungsgebiet erbautes Heimatdorf ist unmittelbar davon betroffen: In den Medien wird es oft als das erste Dorf in Großbritannien genannt, das dem Klimawandel zum Opfer fallen wird. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt Skye, dass sie nicht in einem Meer aus Plastik leben will und ein großer Fan von Great Thunberg ist. Ebenso wie die bekannte schwedische Aktivistin zeigt auch sie, dass man nie zu jung ist, um etwas zu verändern. Mit der Antwort des Verlags gab sie sich nämlich nicht zufrieden, sondern startete im Januar eine Petition gegen Plastikspielzeug in Zeitschriften und Comics, die bisher schon fast 65.000 Leute unterschrieben haben. Mittlerweile hat Skye walisische Abgeordnete davon überzeugt, ihr Anliegen ins Parlament einzubringen. Selbst wenn ihre Forderung nach einem Verbot von Plastikbeigaben in Kinderzeitschriften von der Politik nicht umgesetzt werden sollte, hat Skye bereits einen großen Erfolg mit ihrer Petition erzählt. Als der Manager der viertgrößten britischen Supermarktkette Waitrose ein Interview mit der Zehnjährigen las, wurde er auf das Problem aufmerksam. Wenige Tage später gab Waitrose bekannt, die Zeitschriften mit den Plastikbeigaben aus dem Sortiment zu nehmen. Die junge Aktivistin erzählt, dass 80% der in den Medien befragten Kinder ebenfalls keine Lust auf Plastikmüll in ihren Zeitschriften haben. Skye zeigte den Verlagen Optionen für einen plastikfreien Versand auf und hat sich mit mehreren Umwelt-Organisationen zusammengeschlossen, um ihren Kampf gegen die Plastikflut in ihrem Briefkasten mit vereinten Kräften fortzusetzen. „In dieser Zeit noch Plastikzeugs rauszuschicken, ist fast unentschuldbar“, erklärt die 10-Jährige gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Auch einen Brief an Boris Johnson hat sie bereits geschrieben.

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigt einen Stapel Zeitschriften auf einem Tisch. Die Titelseite der obersten Zeitschrift ist so verschwommen, dass man nicht erkennen kann, um welche Zeitschrift es sich handelt, nur, dass sie sehr bunt ist.]
    Bild von Miroslavik auf Pixabay

    Apropos Boris Johnson…

    Die Müllflut von Wasteminster

    Der britische Premierminister ist auch in einem neuen Protestvideo von Greenpeace UK mit dem schönen Titel „Wasteminster: A Downing Street Disaster“ veröffentlicht hat. Man sieht ihn vor einer Menge Journalisten eine Rede über Großbritanniens Erfolge und Vorreiterrolle in der Eindämmung der Plastikverschwendung halten. Plötzlich trifft ihn eine Plastikflasche am Kopf. Immer mehr Plastikmüll fällt vom Himmel und wächst zu einer riesigen Flutwelle an, die den schwafelnden Politiker mit sich fortspült. Am Ende ist ein unfassbar großer Müllberg zu sehen, der die umstehenden Gebäude bei Weitem überragt. Ein Schriftzug informiert darüber, dass es sich dabei um die Menge Müll handelt, die das Vereinigte Königreich jeden Tag in anderen Ländern ablädt. Ganze 1,8 Millionen Kilo Plastikmüll exportiert Großbritannien täglich, während die Bevölkerung im Glauben gelassen wird, der Abfall werde recycelt. Tatsächlich wird der Müll im Ausland häufig verbrannt, unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen verarbeitet oder auf wilden Deponien abgeladen. So ist Greenpeace beispielsweise bei Recherchen auf wilden Deponien in der Türkei auf jede Menge Abfall aus Großbritannien und EU-Ländern, vorwiegend aus Deutschland, gestoßen. Auch bei uns wird nämlich bei Weitem nicht alles recycelt, was in die Recyclingquote eingeht, sondern auch ein großer Teil in anderen Ländern entsorgt. Die Türkei, in die allein im letzten Jahr 136.000 Tonnen Plastikmüll aus Deutschland exportiert worden sein sollen, hat mittlerweile ein Importverbot für die meisten Plastikmüllarten angekündigt. Immer mehr Länder wollen unseren Müll nicht mehr haben. Höchste Zeit, dass wir selbst Verantwortung dafür übernehmen und im besten Fall dafür sorgen, dass gar nicht erst so große Mengen davon anfallen. Greenpeace trägt mit seiner Recherche und Videos wie diesem dazu bei, das Problem sichtbar zu machen und darüber aufzuklären, dass das Argument, es werde doch alles recycelt bei Weitem nicht der Wahrheit entspricht.

    Selbst aktiv werden

    Berlin plastikfrei – Kein Weg für Einweg!

    Der BUND Berlin möchte die Hauptstadt einwegplastikfrei zu machen und fordert deshalb in einer Petition an den Senat eine verpflichtende Abgabe auf To-Go-Verpackungen, eine Steuer auf Einweggeschirr und -besteck sowie die Förderung innovativer Mehrweglösungen. Wenn du diese Forderungen unterstützt, lass hier deine Unterschrift da.

    Plastic Free July 2021

    In gut einem Monat ist beginnt wieder die große weltweite Challenge für alle Menschen, die sich näher mit ihrem Plastikkonsum beschäftigen und ihn reduzieren möchten. Das Besondere am Plastic Free July: Obwohl Millionen Menschen auf der ganzen Welt gemeinsam teilnehmen, handelt es sich um eine ganz individuelle Challenge, denn alle Teilnehmenden bestimmen selbst, wie lange sie mitmachen und auf wie viel Plastik sie verzichten wollen. Hast du auch Lust, Dich der globalen Bewegung anzuschließen und Dich der Herausforderung zu stellen? Dann melde dich schon jetzt dafür an. Wenn Du noch unsicher bist, für welche Kunststoffprodukte Du im Juli Alternativen finden möchtest, nimm Dir 5 Minuten Zeit für das Pesky Plastics Quiz (auf Englisch) und finde heraus, welche Plastikgegenstände sich immer wieder in Deinen Einkauf schleichen und wie Du sie loswerden kannst.

    Werde Plastik-Aktivist*in!

    Im Rahmen des Projektes „Werde Plastik-Aktivist*in“ bietet die BUNDjugend NRW viele tolle Fortbildungen, Seminare und Vorträge an, z.B. die Webinare „Dein Weg aus der Wegwerfmentalität“ vom 7. bis zum 11. Juni, „Leben ohne Plastik?!“ vom 23. bis zum 25. Juni und „Dein Weg aus der Plastikkrise“ vom 25.09. bis zum 06.09. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenfrei, Du musst Dich aber im Voraus online anmelden. Wir freuen uns, wenn Du teilnimmst und hinterher in der Community von Deinen Erfahrungen und Erkenntnissen berichtest, so wie Nisa letzten Monat:

    Community gegen Plastik

    Nisa hat vor Kurzem die Webinarreihe „Augepackt", organisiert vom Wissenschaftsladen Bonn und LizzyNet, besucht. Was sie dabei über Themen wie Recycling, nachwachsende Rohstoffe und Mehrwegsysteme erfahren hat, kannst Du in ihrem Bericht nachlesen. Außerdem hat Nisa mit diesem tollen Video am zugehörigen „Ausgepackt“-Wettbewerb teilgenommen:

    Liebe Nisa, wir drücken Dir ganz fest die Daumen, dass der Jury das Video genauso gut gefällt wie uns!

    Nicht verpassen: Pünktlich zum World Oceans Day am 8. Juni startet die Anmeldung zum WWF Jugend Clean Up Walk. Diese Jahr wandern wir vom 20. bis zum 26. August entlang der Elbe von Lutherstadt Wittenberg bis nach Köthen und sammeln dabei Müll und Spenden für innovative Lösungsansätze gegen Plastikmüll im Meeresschutzgebiet von Davao (Philippinen). Dafür suchen wir insgesamt 15 engagierte Müllsammler:innen zwischen 18 und 27 Jahren. Mehr Infos findest Du hier. Wenn Du dabei sein möchtest, dann schau unbedingt am 8. Juni in der Community vorbei und erfahre, wie Du Dich anmelden kannst.

    Was hinter dem Bandwurmwort Einwegkunststoffkennzeichnungsverordnung steckt und wie trotz Corona große Cleanup Events gelingen können, hat Euch Johanna im letzten Update berichtet.

    Quellen:

    -          https://sz-magazin.sueddeutsche.de/die-loesung-fuer-alles/skye-neville-interview-plastikmuell-90102 (22.05.2021)

    -          https://utopia.de/wasteminster-video-greenpeace-plastik-muell-boris-johnson-240416/ (22.05.2021)

    -          https://www.kimointernational.org/news/danish-coast-finds-winning-ticket-for-clean-beaches/ (24.05.2021)

Kommentare

5 Kommentare
  • Jojahanna
    Jojahanna Da stimme ich dir voll zu, Lena. Beeindruckend, was sie mit zehn schon auf die Beine stellt. Und von wegen alle Kinder lieben kleines Plastikspielzeug. Vor dem Inhalt von Überraschungseiern habe ich mich als Kind tatsächlich so geekelt, dass ich die...  mehr
    24. Mai 2021 - 2 gefällt das
  • annewi
    annewi Danke für das spannende Update und das tolle Video von Nisa - ich hoffe viele Menschen werden es sehen!
    26. Mai 2021 - 1 gefällt das
  • Enola
    Enola Danke für den Artikel war super Interessant
    26. Mai 2021 - 1 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr Die Küstenlotterie ist eine tolle Idee. Könnte ich mir auch in Deutschland vorstellen. Bäche, Flussufer eignen sich bestimmt ebenso gut, oder, ja, Parks, Orte an denen sich öfter Menschen treffen zum feiern.

    Danke auch für die Petitionslinks ;-)
    27. Mai 2021 - 1 gefällt das