Berichte

Weniger Raketen im Mülluniversum

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    [Bildbeschreibung: Das Titelbild des Plastik-Updates zeigt vor einem orangefarbenen Hintergrund mit weißen Sprenkeln den zentralen Schriftzug Plastik-Update. Links davon ist ein weißes Recyclingsymbol abgebildet, rechts davon ein weißer Mülleimer.]

    Das gibt es diesen Monat:

    ·         Böllerverbot spart Tausende Tonnen Plastik ein

    ·         Mit dem Mülluniversum durchs Jahr

    ·         Neues Jahr, neues Verpackungsgesetz

    ·         Lesestoff gegen Kunststoff

    ·         Selbst aktiv werden

    ·         Community gegen Plastik

    Böllerverbot spart Tausende Tonnen Plastik ein

    Auch wenn die Coronapandemie dazu geführt hat, dass das Müllaufkommen vielerorts ansteigt und viele Menschen zu in Plastik verpackten Produkten greifen, weil sie ihnen ein Gefühl von mehr Hygiene und Sicherheit vermitteln, gab es aus Müllsicht zum Ende des Jahres noch eine gute Nachricht: Durch den Verzicht auf Silvesterfeuerwerk konnten Tausende Tonnen Plastikmüll vermieden werden. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Hochschule Pforzheim haben der Masterstudent Lukas Deuschle und der Professor für Nachhaltige Produktentwicklung an der Fakultät für Technik Jörg Woidasky untersucht, wie viel Kunststoffmüll durch Silvesterfeuerwerk in der Umwelt landet. Nach einer umfangreichen Sortier- und Werkstoffanalyse von Feuerwerkskörpern, ergänzt durch Kundenbefragungen und Zulassungsanalysen, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass durch Silvesterfeuerwerk in Deutschland etwa 3.500 Tonnen Kunststoff freigesetzt werden. Ganz erspart geblieben ist der Natur diese enorme Plastikmüllbelastung wohl auch 2020 nicht, denn trotz Verkaufsverbot haben an einigen Orten Menschen Feuerwerkskörper gezündet, wie ich in der Silvesternacht in meiner Straße selbst beobachtet habe. Es dürfte aber deutlich weniger Kunststoffmüll in der Natur gelandet sein als üblich. Von meinem Balkon aus hatte ich nicht nur Blick auf böllernde Menschen, sondern auch auf eine schöne Alternative: Am Frankfurter Fernsehturm wurde eine Lightshow veranstaltet, die die Turmspitze in den verschiedensten Farbvariationen aufleuchten ließ. Wäre es nicht schön, wenn wir aus Corona lernen könnten, dass Silvester auch ganz ohne Böller auskommt? Eine kunstvolle Protestaktion der Meeresschutzorganisation Project Blue Sea rund um den Raketenmüll haben wir Euch übrigens letztes Jahr im Plastik-Update vorgestellt.

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigtverschiedene abgebrannte Feuerwerkskörper auf dem Boden.]
    Bild von meineresterampe auf Pixabay 

    Mit dem Mülluniversum durchs Jahr

    Wir vom Plastik-Update-Team hoffen, Ihr konntet trotz allem gut gelaunt, gesund und möglichst müllfrei ins neue Jahr starten, das nun auch schon wieder einen ganzen Monat alt ist. Habt Ihr Neujahrsvorsätze in Bezug auf Euren Plastikkonsum? Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, wieder öfter im Unverpackt-Laden einkaufen zu gehen, neue DIY-Rezepte auszuprobieren und mich trotz Corona zu trauen, nachzufragen, ob meine eigenen Behälter gefüllt werden können. Neben Neujahrsvorsätzen gehört zum Jahresbeginn ein neuer Kalender. Meiner stammt dieses Jahr von Blockblocks Cleanup und trägt den schönen Namen Trash Universe. Blockblocks organisiert monatliche Müllsammelaktionen für Freiwillige, Cleanupveranstaltungen für Unternehmen sowie Vorträge zum Thema Plastik, gibt Infomaterial zum Plastiksparen heraus und gehört wie die WWF Jugend dem Cleanup Network an. Die Vorderseiten der Kalenderblätter zeigen Planeten, bei denen es sich jedoch in Wahrheit um Müllfundstücke aus dem Rhein handelt. Das Januarbild, das aussieht wie ein Schnappschuss vom Mond ist tatsächlich ein Foto eines in Düsseldorf gefundene Flaschenschraubverschlusses, wie ich über den QR-Code auf der Rückseite erfahre. So lerne ich auch, dass heute, am 31. Januar, der Welttag des Flaschenschraubverschlusses ist. Die Kalenderrückseiten haben aber noch mehr zu bieten als verblüffende Infos und unnützes Wissen: Auf jedem Kalenderblatt befindet sich eine Idee, wie man es upcyceln kann. Wenn ich morgen das Januarkalenderblatt abreiße, wandert es nicht in den Müll, sondern kann Dank der Schablone auf der Rückseite zu Postkarten weiterverarbeitet werden. Ideen, wie Ihr Eure Wandkalender aus dem letzten Jahr weiterverwenden könnt, hat auch Steffi neulich in der Community geteilt. 

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigt einen an einer graugestrichenen Wand hängenden Kalender. Es ist der Monat Januar aufgeschlagen und das zugehörige Bild scheint den im Weltallt schwebenden Mond darzustellen.]
    (c) A. Zeiß / WWF Jugend

    Neues Jahr, neues Verpackungsgesetz

    Das Jahr 2021 hat mit einer begrüßenswerten Überarbeitung des deutschen Verpackungsgesetzes begonnen. Ein großes Ärgernis beim vorletzten Clean Up Walk entlang der Bergstraße waren haufenweise pfandfreie Apfelweindosen, eines beliebten regionalen Herstellers. Bei einer Unterschriftenaktion gegen Meeresverschmutzung bin ich zufällig einmal mit einem Mitarbeiter der entsprechenden Apfelweinfirma ins Gespräch gekommen, der mit erklärt hat, dass Wein zu den Getränken gehört, die in Deutschland von einer Bepfandung ausgeschlossen sind. Das soll sich 2022 endlich ändern! Denn dann wird ein Pfand für alle Getränkedosen sowie alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff verpflichtend. Damit wird nicht nur die Ausnahme für Wein, sondern auch die für Fruchtsäfte und Schorlen aufgehoben. Nur für Milch und Milcherzeugnisse soll es eine Übergangsfrist bis 2024 geben. Zudem müssen ab 2025 PET-Getränkeflaschen zu mindestens 25% aus Recyclingkunststoff bestehen und ab 2030 muss der Recyclinganteil bei sämtlichen Einwegkunststofflaschen mindestens 30% betragen. Die Neuerung des Verpackungsgesetzes sieht außerdem eine Mehrwegpflicht für To-Go-Speisen und -Getränke vor. Restaurants, Bistros und Cafés müssen Verpflegung für unterwegs ab 2023 in Mehrwegverpackungen anbieten, die nicht teurer sein dürfen als die Einwegvarianten. Ausgenommen sind kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern wie z. B. Imbisse und Kioske. Diese müssen jedoch die Option bieten, mitgebrachte Behältnisse zu füllen. Der WWF begrüßt diese am 20. Januar beschlossenen Änderungen des Verpackungsgesetzes, sieht allerdings auch Verbesserungspotenzial. So kommentiert Laura Griestop, Projektmanagerin Wirtschaft und Märkte bei WWF Deutschland, in Bezug auf die Mehrwegpflicht: „Warum nicht gleich die umweltfreundliche Mehrwegvariante günstiger anbieten als die Einwegverpackung? So könnte das Gesetz dazu beitragen, dass wir unsere Gewohnheiten ändern. Der Griff zur Mehrwegoption schont dann nicht nur die Umwelt, sondern auch unseren Geldbeutel.“ Kritik kommt auch von der Deutschen Umwelthilfe, der die Pfandpflicht nicht weit genug geht, da Getränkekartons nach wie vor ausgenommen sind. Diese bestehen neben Aluminium und Papier auch aus mehreren Schichten Kunststoff und ihre Recyclingquote beträgt in Deutschland lediglich 30%.

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigt mehrere eingedellte goldene Getränkedosen mit rotem Logo auf einem Haufen mit Zigarettenpackungen und durchsichtigen Plastikschachteln auf Betonboden liegen.]
    Bild von Mabel Amber auf Pixabay 

    Lesestoff gegen Kunststoff

    Winterzeit ist Lesezeit. Wenn es draußen grau, nass und kalt ist, kuschele ich mich am liebsten mit einer Tasse Tee, unserer Katze und einem guten Buch aufs Sofa. Dort habe ich mich in den letzten Wochen in drei noch recht neue Bücher zum Thema Plastik vertieft. Das erste Büchlein mit dem Titel „Plastiksparen im Supermarkt“ von Petra Kreß von der Initiative Plastik sparen ist eine absolute Empfehlung für Plastikspareinsteiger:innen und für alle, die möglichst bequem und ohne all ihre Gewohnheiten über den Haufen zu werfen so plastikfrei wie möglich einkaufen möchten. Mit 127 Tipps begleitet Petra Kreß die Lesenden bei einem Gang durch den Supermarkt und zeigt auf, wo sich überall Plastik vermeiden lässt. Tipps, mit denen man zusätzlich Geld spart, etwas für die Gesundheit tut oder regionale Produzenten unterstützt, werden im Buch besonders hervorgehoben. Ich finde es unglaublich wichtig, auch die Menschen mit ins Boot zu holen, die keine Möglichkeit haben, auf einem Wochenmarkt oder in einem Unverpackt-Laden einzukaufen oder Einkäufe dort nur schwer in ihren Alltag integrieren können, und glaube, dass der Ansatz der Autorin dazu einen großen Beitrag leisten kann. Passionierte Plastiksparer:innen unter Euch kennen zwar wahrscheinlich die meisten Tipps bereits, aber vielleicht ist das Büchlein ja eine Geschenkidee? Eine Übersicht, wie Ihr mit Basiszutaten aus dem Supermarkt plastikfrei kochen könnt, findet Ihr übrigens auch in diesem Bericht.
    Alle, die wesentlich tiefer in das Thema einsteigen möchten, können Indra Starke-Ottich in „Mein Weg aus der Plastikfalle“ dabei begleiten, wie sie den Kunststoffen in ihrem Alltag und ihrem Haushalt auf den Grund geht und sich bemüht, sich so weit wie möglich von ihnen zu befreien. Hierbei geht sie auf die kleinsten Details ein, von Lichtschaltern über Schuhsohlen bis hin zu Haargummiummantelungen. Das geht mir persönlich manchmal etwas zu weit und durch die vielen Ausrufezeichen im Text habe ich mich beim Lesen manchmal regelrecht angeschrien gefühlt, dennoch denke ich, dass gerade Menschen, die sich schon eine Weile mit dem Thema beschäftigen, in dem Buch noch einige Anregungen finden können. Als Biologin gelingt es Indra Starke-Ottich gut, die ökologischen Auswirkungen unseres Plastikkonsums aufzuzeigen, und alle Fakten sind ausführlich recherchiert und belegt. Sympathisch ist zudem, dass die Autorin mit viel Ehrlichkeit zugibt, in welche Plastikfallen sie selbst getappt ist und welche ihr noch immer Schwierigkeiten bereiten.
    Zuletzt wir es noch mal richtig wissenschaftlich: „Einfach weglassen?“, herausgegeben von Melanie Kröger, Jens Pape und Alexandra Wittwer, ist ein wissenschaftliches Lesebuch, in dem Forscher:innen verschiedenster Disziplinen sich in 21 Aufsätzen damit beschäftigen, wie sich Verpackungen im Lebensmittelhandel reduzieren lassen. Welche Funktionen erfüllen Verpackungen abgesehen davon, Waren zu schützen und transportfähig zu machen? Ist Bioplastik die Zukunft? Welche politischen Schritte wurden in den letzten Jahren unternommen, um das Plastikmüllaufkommen zu reduzieren? Wie entstand die Unverpacktlädenbewegung in Deutschland, welches Image haben diese Läden in der Bevölkerung und wie können sie möglichst verpackungsfrei beliefert werden? Welche sozialen Normen und Gewohnheiten erschweren uns gegebenenfalls einen verpackungsfreien Alltag? Was hat Plastik mit Arbeitsschutz um 1970 zu tun? Antworten auf diese und viele weitere spannende Fragen finden sich in dem Sammelband, der Verpackungen aus den verschiedensten Perspektiven beleuchtet.   

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigt die drei oben beschriebenen Bücher auf einem dunkelbrauen Holztisch liegend. Am oberen Bildrand steht eine eckige Metallschale mit Kerzen, Tannenzweigen und Tannenzapfen und am rechten oberen Rand steht eine gefüllte gläserne Teekanne.]
    (c) A. Zeiß / WWF Jugend

    Selbst aktiv werden

    Wenn das Befüllen eigener Behälter von Händler:innen abgelehnt wird, spielen dabei oft Unklarheiten, was die rechtliche Situation und die Hygienevorschriften angeht, eine Rolle. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, Rechtssicherheit zu schaffen, um Kund:innen so überall unverpacktes Einkaufen zu ermöglichen. Hier könnt Ihr Euch der Forderung mit Eurer Unterschrift anschließen.

    Ihr wünscht Euch, dass Eure Heimatstädte plastikfrei werden? Dann teilt der Deutschen Umwelthilfe hier mit, welche Orte Ihr vom Plastikmüll befreien möchtet und sie stellte einen Antrag an die entsprechenden Bügermeister:innen, um die vorgeschlagenen Städte plastikfrei zu machen. Zu den geforderten Maßnahmen gegen Einwegmüll gehören unter anderem die finanzielle Förderung von Mehrwegsystemen für To-Go-Verpackungen, eine Einwegsteuer, Verzicht auf Einwegbehältnisse bei der öffentlichen Beschaffung, Mehrweggebote für öffentliche Veranstaltungen und die konsequente Durchsetzung des Pflichtpfandes.

    Was haben Verpackungen eigentlich mit dem Klimawandel zu tun? Antworten auf diese Frage erfahrt Ihr in der kostenlosen Online-Ideenwerkstatt für nachhaltige Verpackungen von LizzyNet. Das zweiteilige Online-Seminar richtet sich an Schüler:innen, Auszubildende und Studierende und findet am 17. und am 24. Februar jeweils von 11 bis 12 Uhr statt. Alle Infos rund um das Seminar und die Anmeldung findet Ihr hier.

    Engagiert Ihr Euch aktiv gegen die Plastikflut und habt eine inspirierende Geschichte über Euren Einsatz zu erzählen? Habt Ihr vielleicht Eure Nachbarschaft nachhaltig verändert oder seid mit Euren Forderungen an die Politik herangetreten? Sorgt Ihr dafür, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten und möchtet Eure Geschichte dazu teilen? Dann schlagt sie hier bei Break Free From Plastic für einen Blogbeitrag vor und lasst Menschen auf der ganzen Welt an Euren Ideen teilhaben. Falls Euch selbst nichts einfällt, kennt Ihr vielleicht Menschen, die sich auf besondere Weise gegen die Plastikverschmutzung einsetzen und könnt den Hinweis an sie weiterleiten.

    Community gegen Plastik

    Ich habe mich auch in meiner Masterarbeit mit meinem Lieblingsthema Müll beschäftigt, genauer gesagt damit, wie indigene Autor:innen aus Nordamerika Müll als Motiv in literarischen Texten verwenden. Am 3. Februar möchte ich Euch in einem Netzgespräch mit auf meine literarische Reise nehmen und Euch davon erzählen, wie die literarische Beschäftigung mit Müll mir viele neue Perspektiven auf das Thema Abfall in der Natur eröffnet hat.

    [Bildbeschreibung: Das Foto zeigt eine Mülldeponie bei Nacht, über der in der Mitte ein gigantischer Vollmond hängt. Links und recht sind Müllhaufen zu sehen, in der Mitte unter dem Mond sitzt ein Mensch mit einer Tasche an einem Lagerfeuer.]
    Bild von Baggeb auf Pixabay

    Im letzten Update hat Johanna unter anderem über Plastikfischer, Müllexporte und Waschmittel zum Abfüllen berichtet und auf das Plastik-Jahr 2020 zurückgeblickt. Dort findet Ihr auch einen Überblick über alle Plastik-Updates des vergangenen Jahres.

    Quellen:

    - https://engineeringpf.hs-pforzheim.de/detailansicht/news/verzicht_auf_silvesterfeuerwerk_erspart_der_umwelt_tausende_tonnen_kunststoffe (26.01.2020)
    - https://www.wwf.de/2021/januar/mehr-mehrweg-weniger-verpackungsmuell (26.01.2020) 
    - https://www.verpackungsgesetz.com/bundeskabinett-verabschiedet-verpackg-novelle/ (26.01.2020)

Kommentare

3 Kommentare
  • Jojahanna
    Jojahanna Die Bücher klingen sehr spannend. Danke für das Update, Anne.
  • SteffiFr
    SteffiFr Danke für die Buchtipps! Ich werde mal schauen, welche davon in der Bücherei zu haben sind ;-)
    Der Mülluniversum-Kalender ist ja cool! Besonders die Tipps, wie man die Blätter weiterwenden kann, finde ich total gut!
    Bei uns gab es an Silvester auch...  mehr
  • SteffiFr
    SteffiFr ...leider gibts die Bücher nicht vor Ort, aber ich habe soeben "Mein Weg aus der Plastikfalle" als Anschaffungsvorschlag an die Bücherei geschickt ;-)