Berichte

Das war der Clean Up Walk 2020

  • 11 motivierte junge Menschen in weißen Warnwesten, 3 Bollerwagen voller Ruck- und Müllsäcke, 7 Tage im Emsland und am Ende 232 Kilo Abfall weniger in der Natur. Ein Rückblick auf den dritten WWF Jugend Clean Up Walk von Emmeln bis nach Papenburg.

    (c) Lena Liebetrau / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt zehn junge Menschen in weißen Warnwesten mit einer WWF Jugend Flagge auf einem Stück Wiese unter einem riesigen gelben Schild mit der Aufschrift Dortmund-Ems-Kanal, Münster, Emden. Im Hintergrund ist ein Maisfeld zu sehen]

    Eigentlich lief dieses Jahr alles perfekt. Fast ein Jahr im Voraus stand unsere Strecke fest und bereits im Februar hatten wir für jede Etappe eine passende Unterkunft gefunden. Und dann kam Corona. Einige Wochen haben wir gezittert, ob der Clean Up Walk 2020 trotz der Pandemie stattfinden kann, doch dann waren wir nach wenigen Wochen ausgebucht, das Gesundheitsamt vor Ort gab grünes Licht und die Menschen vor Ort waren nach wie vor bereit, uns Übernachtungsmöglichkeiten zu stellen. Am 4. September war es dann endlich so weit und die diesjährige Clean Up Crew kam am Bahnhof in Haren zusammen. Zur herzlichen Begrüßung gab es dieses Jahr keine Umarmungen, sondern Fußstupser. Unseren ersten Abend verbrachten wir im Pfarrheim St. Josef im Ortsteil Emmeln. Dort stellten wir uns der ersten Herausforderung: dem Aufbau unserer Transportwagen. Auch wenn es zunächst nicht so aussah, hatten wir am Ende tatsächlich die richtige Anzahl Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben, um zwei stabile Wagen zusammenzuschrauben.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt sechs junge Menschen mit großen Reiserucksäcken im Kreis auf einem Bahnsteig sitzend bzw. stehend.]

    Mit diesen sowie einem kleineren Faltwagen brachen tags darauf zu unserer ersten Etappe auf. Wir mussten nur etwa hundert Meter laufen, bis wir den Fund des Tages machten: neben einem Maisfeld stand ein kaputtes Bobby Car, das wir von da an an einen unserer Wagen gebunden hinter uns herzogen. Neben jeder Menge Süßigkeiten- und Zigarettenverpackungen und To-Go-Bechern fanden wir auch eine Unterhose, eine Radkappe, einen Fahrradreifen, zwei Planschbecken und eine Tüte voller Plastikspielzeug. Auf den letzten Kilometern genossen wir einen schönen Blick auf die Ems und einen sauberen Wegrand, an dem fast kein Müll zu finden war. Trotzdem brachten unsere Müllsäcke ganze 50,67 Kilo auf die Waage, als wir unser Ziel Lathen erreichten, wo wir im St. Vitus Haus übernachteten.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt zwei junge Frauen in weißen Warnwesten von hinten, die einen Weg zwischen einem Feld und Bäumen entlanglaufen. Eine von ihnen zieht einen kleinen Wagen hinter sich her, in dem sich ein brauner Papiermüllsack, eine Radkappe und ein Fahrradreifen befinden. An den Wagen ist ein kaputtes Bobby Car gebunden.]

    Auf unserer zweiten Etappe fanden wir eine Art Reagenzglas mit Deckel, das mit schwarzem Klebeband umwickelt war. Zum Glück schraubten wir diesen merkwürdigen Fund auf, bevor wir ihn eintüteten, es handelte sich nämlich um einen Geocache, den vor uns scheinbar noch niemand entdeckt hatte. Während wir den Cache an seinen Platz zurücklegten, wanderten einige Kuriositäten in unsere Wagen, darunter ein mit Müll gefüllter Rucksack und zwei Sonnenschirme. Zudem gelang es uns, altes Fischereizubehör aus der Ems zu bergen. Ansonsten fanden wir wie üblich jede Menge Verpackungsmüll, insbesondere Bonbonpapiere und Kaffeebecher sowie Dosen und Flaschen. Bei einem verlassenen Haus entdeckten wir einen ganzen Berg zerquetschter Einwegplastikflaschen, vermutlich aus einem Flaschenrückgabeautomaten. Leider mussten wir die Flaschen schweren Herzens liegen lassen, da sie sich zum einen auf einem Privatgrundstück befanden und wir zum anderen keine Möglichkeit hatten, ein solches Müllvolumen zu transportieren.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt einen Haufen auf Waldboden verteilte zerquetschte Plastikflaschen sowie mehrere durchsichtige Plastikbeutel. Im Hintergrund sind Sträucher zu erkennen und auf der rechten Seite sind steinerne Treppenstufen zu sehen.]

    Insgesamt schienen aber dennoch viele Wandernde den gereimten Hinweis zu beherzigen, den wir an einen Baum gepinnt entdeckten: "Jetzt seid ihr hier an der Ems, in der schönen Natur. / Natur genießen ist gesund, jedoch ist's lange noch kein Grund, / diese Stätten, man kann's kaum fassen, wie die Ferkel zu verlassen!" Wir begegneten vielen unendlich netten und herzlichen Menschen, zum Beispiel zwei Radfahrerinnen, die so begeistert von unserer Aktion waren, dass sie uns 5 Euro spendeten, und einem Mann, der extra noch mal auf dem Rad zurückgefahren kam, um uns den Weg zum Bauhof zu erklären. Der Abfall, den wir dort abgaben, wog insgesamt 31,33 kg.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt vier Papiermüllsäcke und zwei Sonnenschirme, die an einem efeubewachsenen Maschendrahtzaun lehnen, hinter dem eine grüne Plane gespannt ist. Vor den Müllsäcken liegt ein dickes grünes Seil. Rechts steht eine Frau in einer weißen Warnweste.]

    Unser schöner Aufenthalt im Pfarrheim der St. Georg Gemeinde in Steinbild wird dadurch abgerundet, dass wir morgens frische Brötchen vorbeigebracht bekommen. Unsere Überlegungen, die zu kurz erscheinende Etappe durch einen Umweg zu verlängern, erwiesen sich als überflüssig, weil wir schon kurz hinter Steinbild an einem Waldstück entlangliefen, in dem es einiges zu entdecken gab - und zwar nicht nur Müll, sondern auch zwei Tierschädel, vermutlich von einem Feldhasen und einem Reh. Auch unser Abendessen fanden wir an diesem Tag unterwegs: riesige Pilze, die die Fachkundigen unter uns als Parasole erkannten. Leider förderten wir jedoch auch Unmengen an Dachpappestücken, meterweise alten Elektrozaun und den Schlauch eines Traktorreifens zutage und zogen zwei große verrostete Bestandteile einer Bettfederung aus dem laubbedeckten Boden. Zu den kuriosesten Funden der dritten Etappe zählten ein Schwangerschaftstest, ein Sack voller Glaswolle und eine Bettdecke. Zum Glück bemerkten wir rechtzeitig, dass sich nicht nur eine große Nacktschnecke, sondern auch eine kleine Maus darin eingenistet hatten und konnten die Tiere in die Freiheit entlassen, bevor wir die Decke eintüteten. An unserem Ziel Dörpen, wo wir im wunderschönen Christopherushaus übernachten durften, brachten unsere Funde insgesamt 55,4 kg auf die Waage.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Bei dem Foto handelt es sich um die Nahaufnahme eines Tierschädels, den jemand in der Hand hält. Der Schädel ist auf den Kopf gedregt, sodass man die Zähne sehen kann, und hängt voller Erde.]

    Nachdem uns zwei unserer Mitstreiter*innen leider bereits am nächsten Morgen verlassen mussten, brachen wir bei Nieselregen auf. Einige von uns leisteten bereits auf den ersten Metern Kletterarbeit: Am Abhang, an dem eine Straße und der Fahrradweg, auf dem wir unterwegs waren, entlangführten, gab es einigen Müll zu bergen. Neben Verpackungen, Flaschen und fanden wir dort diverse Autoteile und den Schlauch eines Fahrradreifens. In der Gemeinde Heede, die wir durchquerten, erwartete uns eine echte Sehenswürdigkeit: Die Dicke Linde, auch die Tausendjährige Linde genannt, die 2019 als erster Baum zum Nationalerbe-Baum ernannt wurde. Ihr aus mehreren breiten knorrigen Ästen bestehender Stamm war groß genug, dass wir alle auf der Linde Platz fanden. Unter den verrücktesten Fundstücken der vierten Etappe befanden sich zwei Zigarettenschachteln mit Inhalt, eine funktionierende Tröte, ein Nasenspray und ein wackeliger blauer Gegenstand, von dem wir annahmen, dass es sich um ein Hundespielzeug handelte. Insgesamt befreiten wir die Natur rund um die Ems an diesem Tag von 53, 7 Kilo Müll.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt eine sehr dicke und knollige Linde, aus der mehrere Stämme herauswachsen. Links unten in der Ecke ist leicht verschwommen eine Frau in einer weißen Warnweste zu sehen.]

    An der Wand unseres Etappenziels, der Jugendbegegnungsstätte Brüninghaus in Aschendorf, stand der treffende Spruch "Nichts ist im Menschendasein herrlicher, nichts vortrefflicher, als sich um das Gemeinwohl verdient zu machen". Wir wurden dort sehr herzlich von Josef Möhlenkamp, dem Erbauer des Brüninghauses, in Empfang genommen, der Verpflegung für uns mit im Gepäck hatte und uns von der Entstehung der Jugendbegegnungsstätte und seinem beeindruckenden sozialen Engagement erzählte. Als unsere Betten bezogen waren, wartete ein Highlight auf uns, auf das wir alle uns schon seit Tagen gefreut hatten: Die erste Dusche unserer gesamten Wanderung.

    (c) Nils Kögler
    [Es handelt sich um ein Gruppenfoto vor einem Steinhaus. Hinten stehen sechs junge Menschen mit zwei mit Gepäck beladenen Handwagen, vorne knien der drei junge Frauen neben einem schwarzen Handwagen mit zwei Müllsäcken darin, links und rechts von der Gruppe steht mit größerem Abstand jeweils ein Mann.]

    Nach einer Nacht in richtigen Betten brachen wir wunderbar erholt und motiviert zur letzten Etappe auf. Herr Möhlenkamp brachte uns sogar noch frische Brötchen zum Frühstück ins Brüninghaus, wo wir schließlich sehr herzlich verabschiedet wurden. Ein freier Journalist von der Ems-Zeitung begleitete uns bis zum Mittag auf unserer Wanderung. In dieser Zeit fanden wir neben einem Fahrradreifen und der üblichen Müllmischung aus Plastikverpackungsschnipseln, Glasflaschen, Kippenstummeln und Dosen auch die Kuriosität des Tages: eine Klobürste.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Bild zeigt einer junge Frau in einer weißen Warnweste am Rand eines Maisfeldes, die so tut, als würde sie ihre Dreadlocks mit einer Klobürste kämmen. Neben ihr steht ein Handwagen voller Gepäck und dahinter ein lachender junger Mann, der ebenfalls eine weiße Warnweste trägt.]

    Unsere letzte gemeinsame Mittagspause verbrachten wir an einem besonderen Ort: dem Hof Emsauen. Christine, die Mitglied der dortigen Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) ist und selbst oft selbst auf Spaziergängen Müll sammelt, war auf den Clean Up Walk aufmerksam geworden und hatte uns eingeladen, vorbeizukommen. Sie und Hofbesitzer Christian zeigten uns den Hof und das zugehörige Feld mit Blühstreifen, das die 80 Mitglieder der SoLaWi ernährt. Wir sahen die Kühe, die hier ihre Hörner behalten dürfen, viel Platz haben und deren Kälbchen mehrere Monate bei ihren Müttern bleiben dürfen. Christian zeigte uns den Stall und erklärte uns, wo und wie die Kühe gemolken werden. Schließlich durften wir die Kuhmilch selbst kosten: Es standen mehrere Kannen mit heißem Kakao für uns bereit. Während wir diesen genossen, berichtete uns Christine voller Begeisterung von der Mitgliedschaft in der SoLaWi. Die Mitglieder zahlen einen festen Beitrag im Monat und bekommen dafür einen Anteil an der Ernte. Es geht dabei nicht nur darum, eine Gemüsekiste zu erhalten, sondern den ganzen Prozess der Entstehung der Lebensmittel kennenzulernen, den Bauern finanziell zu stützen und vom marktwirtschaftlichen Druck zu befreien, sodass solch nachhaltige Projekte, wie sie auf dem Hof umgesetzt werden, überhaupt erst möglich gemacht werden.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt einen von Bäumen umgebenen Garten mit Sonnenblumen, einem Folientunnel und mit Folie bedeckten Pflanzen. In der Mitte steht eine Gruppe Menschen in weißen Warnwesten im Kreis.]

    Wahrscheinlich hätten wir Christine und Christian noch ewig zuhören und sie mit Fragen löchern und dabei die umhertollenden Katzenbabys kraulen können, doch es warteten noch 8 Kilometer Strecke und jede Menge Müll auf uns. Auf dem regenreichen Weg nach Papenburg fanden wir unter anderem noch Socken, eine Mütze und eine Wanduhr. An unserem letzten Abend schlugen wir unsere Zelte hinter der Volkshochschule in Papenburg auf, die uns netterweise das Gelände sowie Zugang zu ihren Sanitäranlagen zur Verfügung stellte. Insgesamt sammelten wir auf der letzten Etappe 40,9 Kilo Müll. Somit haben wir während des gesamten Clean Up Walks 232 Kilo Müll aus der Natur geborgen. Eine Art Müll, die auf diesem Clean Up Walk neu war, waren Mundschutze. Diese haben wir auf der ganzen Strecke in einem gesonderten Beutel gesammelt und am letzten Tag ausgewertet. Insgesamt 37 Masken haben wir innerhalb von 5 Tagen gefunden.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend
    [Das Foto zeigt Einweg-Mund-Nase-Masken, die in Form eines Fisches auf dem Gehweg ausgelegt wurden.]

    Wir möchten uns von ganzem Herze bei allen bedanken, die uns und unsere Aktion unterstützt haben, indem sie mitgesammelt, darüber berichtet, uns Unterkunft gewährt, unseren Müll abtransportiert, etwas gespendet oder uns auf eine andere Weise weitergeholfen haben! Ohne euch wäre der Clean Up Walk nicht möglich gewesen! Obwohl es für mich schon der dritte Clean Up Walk war, bin ich wieder überwältigt davon, dass Menschen bereit sind, ihre Freizeit damit zu verbringen, den Müll anderer aufzusammeln, und wie viel Wertschätzung uns für unser Engagement entgegengebracht wurde.

    (c) Nils Kögler
    [Bei dem Foto handelt es sich um en Gruppenbild mit neun jungen Menschen, die größtenteils weiße Warnwesten tragen. Eine Frau ganz links hält das Rad eines Fahrrades in der Hand, neben ihr steht ein kleiner Handwagen, der mit Müllsäcken beladen ist. Rechts daneben knien zwei junge Frauen, eine hält einen Beutel, die adere ein Sieb. Rechts neben ihr steht ein mit Gepäck beladener Handwagen. Die Menschen in der hinteren Reihe halten eine WWF Jugend Flagge und ein schwarzes Rohr.]

    Auch in diesem Jahr war der Clean Up Walk wieder weit mehr als eine Müllsammelaktion. Beim Clean Up Walk findet man nicht nur Müll, sondern neue Freunde. Man lernt nicht nur, was in den gelben Sack und was in den Restmüll gehört, sondern auch, welche Pflanzen und Pilze man essen kann. Der Clean Up Walk 2020 war eine Woche voller Naturerlebnisse, neuer Bekanntschaften, intensiver Gespräche und langer Abende mit selbstgekochtem veganen Essen und neu erfundenen Kartenspielen. Eine Woche, in der wir engagierte Menschen und spannende Projekte kennenlernen und unglaublich viel Herzlichkeit und Großzügigkeit erfahren durften. Der Clean Up Walk war auch in diesem verrückten Jahr ein ganz besonderes Erlebnis.

    PS: Es nicht noch nicht ganz vorbei. Unsere Spendenaktion zum Clean Up Walk, bei der wir Spenden für ein WWF-Projekt zur Reduzierung des von Touristen verursachten Mülls auf Vietnams größter Insel Phu Quoc sammeln, läuft noch bis zum 10. Oktober. Unterstützt uns mit einer Spende oder indem Ihr den Link zur Seite teilt!

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