Berichte

Ein Ninja, eine Vision und Recycling für alle

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    • Wie eine 6-Jährige No Styrofoam Ninja wurde
    • Verpackungen 2025 - eine Vision
    • Recycling für alle
    • Tipps zum Lesen, Schauen und Hören
    • Selbst aktiv werden
    • Community gegen Plastik

     

    Wie eine 6-Jährige No Styrofoam Ninja wurde

    Madhvi Chittoor ist ein perfektes Beispiel dafür, dass man nie zu klein ist, um etwas zu bewegen. Als sie angefangen hat, sich gegen die Plastikverschmutzung einzusetzen, war sie gerade einmal 6 Jahre alt. Sie sammelt Unterschriften, spricht mit Politikern und hält Reden bei Veranstaltungen und Demonstrationen. Dabei trägt sie stets ein hellgrünes T-Shirt mit der Aufschrift “No Styrofoam Ninja” auf der Vorderseite und den 4 Rs Refuse, Reduce, Reuse und Recycle auf der Rückseite. 2018 hat sie es geschafft, dass der Gouverneur von Colorado den April dort zum "Plastic and Styrofoam Pollution Awareness Month" erklärt hat. Durch eine Unterschriftenaktion und Gespräche mit den Verantwortlichen gelang es ihr, durchzusetzen, dass die Styroporboxen in ihrer Schulcaféteria durch Papierverpackungen ersetzt werden. Dank Madhvi landen nun 7,5 Millionen Styroporboxen weniger auf der Müllkippe. 

    Verpackungen 2025 - eine Vision

    Eine Landkarte voller grüner und grauer Punkte und jeder einzelne steht für einen Unverpackt-Laden. Es ist wirklich beeindruckend, wie viele solcher Läden innerhalb der letzten Jahre eröffnet haben. Viele von ihnen haben sich zusammengeschlossen und 2018 den unverpackt e.V. gegründet, den Berufsverband der Unverpackt-Läden. Da Verpackungsmüll nicht erst beim Händler anfällt, kooperieren die Mitglieder mit Partnern auf allen Stufen der Wertschöpfungskette. Gemeinsam haben sie nun eine Vision entwickelt, welche Ziele sie im Bereich Verpackung innerhalb der nächsten 5 Jahre erreichen wollen. Auf unnötige Verpackungen und Einweg-Verkaufsverpackungen aus Kunststoff soll vollständig verzichtet werden, um den Eintrag von Plastikmüll in die Umwelt zu minimieren. Mehrwegverpackungen sollen Einwegverpackungen dort ersetzen, wo Wiederverwendung ökologisch vorteilhafter ist. Alle Verpackungen sollen vollständig wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar und frei von gefährlichen Chemikalien sein. Bei den Rohstoffen, aus denen sie hergestellt werden, soll es sich weder um fossile Primärrohstoffe handeln, noch um solche, die zur Entwaldung beitragen, die biologische Vielfalt gefährden, gentechnisch verändert wurden oder die Nutzung von Agrarflächen für Nahrungsmittel beeinträchtigen. Bei all dem ist der Respekt gegenüber Gesundheit, Sicherheit und Rechten aller beteiligter Menschen von großer Bedeutung. 

    Bild von FitNishMedia auf Pixabay

    Recycling für alle

    Nur ein kleiner Teil, ca 16%, des Plastikmülls, den wir hier in Deutschland verursachen, wird tatsächlich recycelt. Nur aus ca. 8% entstehen wieder gleichwertige Produkte. Da es sich finanziell nicht lohnt, recyceltes Plastikgranulat zu nutzen, greifen Hersteller meist auf frisches Plastik zurück. Trotz der niedrigen Recyclingquote haben wir in Deutschland ein recht fortschrittliches System, was die getrennte Sammlung und Verwertung unseres Hausmülls angeht. In vielen Ländern existieren solche Strukturen nicht. Precious Plastic hat Maschinen entwickelt, mit denen alle selbst zu Recyclingunternehmern werden können. Baupläne und Anleitungsvideos stehen frei zur Verfügung und die Erfinder haben darauf geachtet, dass alle Materialien auf der ganzen Welt einfach und günstig zu beschaffen sind. Mit den Maschinen können Plastikverpackungen geschreddert und zu neuen Produkten wie z.B. Bausteinen, Stühlen oder Steckdosenummantelungen weiterverarbeitet werden. Die Maschinen sind modular aufgebaut, sodass sie sich gut reparieren, erweitern und umbauen lassen. Anfang des Jahres ging das Precious Plastic Universe an den Start. Ziel ist es, Menschen miteinander zu vernetzen, die in derselben Region verschiedene Stationen des Prozesses durchführen, also z. B. Plastik sammeln, schreddern, weiterverarbeiten oder die Maschinen dafür herstellen, und so ein alternatives Recyclingsystem aufzubauen. 

    Tipps zum Lesen, Schauen und Hören

    Kennt ihr schon das TrenntMagazin der Berliner Stadtreinigung? Die BSR kümmert sich nicht nur um die Müllentsorgung in der Hauptstadt, sondern schafft durch kreative Aufklärungskampagnen ein Bewusstsein für unseren Umgang mit Müll. Zweimal im Jahr bringt sie das kostenlose TrenntMagazin heraus, das sich komplett ums Thema Müll dreht. Die neueste Ausgabe ist gerade erschienen. Titelthema ist diesmal die Zero Waste Bewegung. Neben Interviews mit Experten der Kreislaufwirtschaft und gut verständlich aufbereitete Fakten rund ums Thema Müll gibt es diesmal unter anderem noch eine Reportage über einen Getränkehändler, der sich dem Einwegplastik entgegengestellt hat, Upcyclingtipps für Kinder und Kochideen für Brokkolistiele. Wer in Berlin wohnt, kann sich die gedruckte Ausgabe gratis bestellen. Alle anderen und diejenigen Berliner, die das Papier dafür einsparen möchten, können das Magazin einfach hier runterladen. Dort sind auch alle alten Ausgaben verfügbar. Spannend ist z.B auch Ausgabe 18, die sich ganz dem Thema Verpackung widmet.

    Allen, die lieber zuhören als lesen wollen, empfehle ich den WWF Podcast ÜberLeben. In Folge 6 geht es um den Kampf gegen die Plastikflut. Plastik-Experte Bernhard Bauske, der WWF-Projekte rund um das Thema Plastik und Verpackung koordiniert, erklärt, wie der Müll im Meer landet und was wir alle dagegen tun können. 

    Plastik-Infos für Augen und Ohren findet ihr bei Plastic Oceans. Dort stehen Kurzfilme zum Thema Plastik aus verschiedensten Länder zur Verfügung. 

    Bild von Csaba Nagy auf Pixabay

    Selbst aktiv werden

    Veränderung fordern

    Wünschst Du Dir wie Madhvi weniger Einwegplastik an Deiner Schule oder Uni? Dann schließe Dich dieser globalen Petition an.

    Wusstest Du, dass schon 61 Länder auf der ganze Welt Plastiktüten verboten haben? Wenn Du findest, dass es Zeit ist, dass Deutschland nachzieht, unterschreibe diese Petition. Zwar ist auch hierzulande mittlerweile ein Plastiktütenverbot in Planung, warum ich dieses allerdings als unzureichend empfinde, kannst Du hier nachlesen. 

    Neues lernen 

    5Gyres hat Onlinelektionen zum Thema Plastik erstellt, die Du Dir von Zuhause aus anschauen kannst, allerdings auf Englisch, aber so kann man ja gleichzeitig an seinen Sprachkenntnissen arbeiten. ;-) Bisher gibt es schon Lektionen zur Geschichte der Kunststoffe, dem Lebenszyklus von Plastik und Mikroplastik im Wasserkreislauf. Alle zwei Wochen wird eine neue Lektion hochgeladen. Werde Teil der Trash Academy, sammle Hintergrundwissen zum Thema Plastik und lerne Wege aus der Plastikkrise kennen.

    Spenden

    Der Verein Sana Mare organisiert weltweit Müllsammelaktionen an Stränden, Küsten und Ufern, um den Eintrag von Plastikmüll in die Ozeane zu verringern, unter anderem auch in Kenia. Dort sind viele Menschen durch die Coronakrise in finanzielle Not geraten. Sana Mare möchte gleichzeitig diesen Menschen und der Umwelt helfen und plant deshalb ein dreimonatiges Müllsammelprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene in Kenia, die auf Hilfe angewiesen sind. Für ihre Teilnahme am den ca. 60 geplanten Cleanups erhalten die Müllsammelnden einen fairen Tageslohn. So können ca. 7 Familien in Kenia für die Dauer der Projektlaufzeit Miete und Lebensmittel bezahlen. Arbeits- und Infektionsschutmaterial stellt der Verein ebenfalls zur Verfügung. Um das Projekt zu finanzieren, benötigt Sana Mare insgesamt 4.800€. Teilde das Crowdfunding mit Deinen Freunden und Bekannten und unterstütze es selbst, falls Du ein paar Euro übrig hast. 

    Bild von Jasmin Sessler auf Pixabay

    Community gegen Plastik

    Plastik ist ein spannendes Thema, das viel Raum für Gedankenspiele bietet. Josephine hat darüber nachgedacht, ob Pokébälle eigentlich aus Plastik bestehen und ob man nicht auch virtuelle Welten plastikfreier gestalten könnte. Stella hat sich für eine schulische Ausarbeitung mit Geisternetzen beschäftigt und ihre Ergebnisse mit der Community geteilt. In ihrem Bericht erfährst Du auch, wie de WWF zum Bespiel mit der Gestertaucher-App dabe hilft, verlorengegangene Plastiknetze aus dem Meer zu bergen.

    Bild von Tumisu auf Pixabay

    Wie man während der Corona-Krise von zu Hause aus gegen die Plastikflut aktiv werden kann, hat Johanna im letzten Plastik-Update für Dich zusammengefasst. 

    Quellen:

Kommentare

3 Kommentare
  • Luise
    Luise Die Geschichte über das Mädchen Madhvi Chittoor ist sehr beeindruckend! Von wegen Kleine können noch nichts bewegen.
  • Jojahanna
    Jojahanna Danke für das schöne Plastik-Update! Ich schließe mich Luise an, sehr cool, was Kinder alles erreichen können!
  • Mareikeee
    Mareikeee Vielen Dank für das tolle Update! Es ist so ermutigend, zwischendurch über Erfolge und (kleine, aber wirksame!!) Schritte zu lesen! )