Berichte

Müllraketen und andere zündende Ideen

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    • Mit der Müllrakete gegen Böller
    • Städte und Dörfer wehren sich gegen die Plastikflut
    • Taucher stellen Müllrekord auf
    • Gefährlich praktisch – Der Plastikpodcast
    • Community gegen Plastik – Minirückblick 2019
    • Selbst aktiv werden

    Mit der Müllrakete gegen Böller

    Silvesterfeuerwerk sorgt nicht nur für eine extreme Lärm- und Feinstaubbelastung, sondern hinterlässt auch jede Menge Müll, darunter auch Plastikteile. Gerade mit Raketen schießt man diesen Müll unkontrolliert in weite Ferne, wo man ihn in der Regel nicht wieder aufsammelt. Ein kreatives Projekt, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat sich die Meeresschutzorganisation Project Blue Sea einfallen lassen, die seit vielen Jahren gegen die Verschmutzung der Gewässer durch Plastikmüll ankämpft. Bei den zahlreichen Cleanups der Organisation wird auch immer wieder saisonaler Plastikmüll gefunden. Einen großen Anteil des achtlos in der Natur liegengelassenen Mülls stellt der so genannte Silvestermüll dar. Project Blue Sea forderte über seine sozialen Netzwerke dazu auf, Hinterlassenschaften der Silvesterknallerei zu sammeln und dem Verein zuzuschicken. Die Resonanz war groß und so konnte dank der Mithilfe vieler Sammler aus über 3000 Plastikteilen eine 2,30 m große Rakete aus Silvestermüll gebaut werden. Die Silvesterrakete soll zukünftig in einer Ausstellung des Vereins zum Thema Plastikmüll gezeigt werden. 

    (c) Project Blue Sea

    Städte und Dörfer wehren sich gegen die Plastikflut

    Im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte, der vielen Clubs und der zahlreichen Veranstaltungen immer etwas los. Das führt auch zu einem ziemlich hohen Müllaufkommen, gerade in den Grünanlagen. Ganze 42.000 Einwegbecher landen in dem kleinen Bezirk täglich im Müll bzw. daneben. Damit könnte man alle zwei Stunden einen neuen Becherstapel von der Höhe des Fernsehturms bauen. Damit sich das ändert hat Friedrichshain-Kreuzberg in ein Zero-Waste-Konzept investiert: feste online reservierbare Grillstationen sollen Einweggrills aus den Parkanlagen vertreiben, evtl. soll auch ein Geschirrverleih eingeführt werden, um Einweggeschirr zu vermeiden, nach Vorbild der Pariser Zero Waste Straße sollen in Reallabors gemeinsam mit den Bürgern neue Lösungsansätze zur Müllvermeidung erarbeitet und öffentlich geteilt werden, in einem Modellprojekt soll abfallärmeres Einkaufen in den örtlichen Supermärkten ermöglicht werden, Leihangebote sollen ausgebaut und online übersichtlich einsehbar gemacht werden, an Abfallhotspots sollen Pfandringe und Pfandkästen dafür sorgen, dass nicht überall leere Flaschen herumliegen und damit Flaschensammlern obendrein die Arbeit erleichtern, und große auffällig gestaltete Hängeaschenbecher sollen Raucher dazu animieren, ihre Kippen dort statt auf dem Boden zu entsorgen.

    Bild von athree23 auf Pixabay

    Auch an anderen Orten entstehen immer mehr Konzepte und Bewegungen, um das Müllaufkommen zu reduzieren. In der Kleinstadt Reinfeld in Schleswig-Holstein zum Beispiel gibt es bereits seit Ende 2018 einen Arbeitskreis „Plastikfreies Reinfeld“, der bereits durchsetzen konnte, dass Händler auf dem Wochenmarkt ihre Waren in mitgebrachte Behälter füllen dürfen. Diesen Sommer haben Schüler Beutelbäume gebaut, die nun vor bzw. in Läden stehen und mit Stofftaschen behängt sind, die man kostenlos für seinen Einkauf nutzen darf. Es wird darum gebeten, die Beutel bei Gelegenheit zurückzuhängen oder auch eigene Taschen zu spenden. Aktionen zur Plastikmüllvermeidung bei öffentlichen Veranstaltungen sind ebenfalls bereits in Planung. Das Dorf San Pedro La Laguna am Lago de Atitlán, dem zweitgrößten See Guatemalas sind bereits wesentlich weiter. Durch Verbote diverser Einwegplastikartikel, darunter auch Plastiktüten, konnte das Dorf seinen Plastikverbrauch in nur einem Jahr um 80% reduzieren. Die Einwohner packen mit an. Viele entdecken traditionelle Verpackungsformen wieder und greifen auf Naturmaterialien wie Bananenblätter sowie auf Mehrwegoptionen wie Tücher und Körbe zurück. Freiwillige befreien den See vom Plastikmüll, der bereits darin gelandet ist. Zudem hat das Dorf ein Mülltrennungs- und Verwertungsprogramm aufgebaut, was in Guatemala durchaus nicht selbstverständlich ist. San Pedro La Laguna und seine Bewohner zeigen, wie viel man mit ein bisschen Initiative erreichen kann. Für Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt, die möglichst müllfrei werden wollen, gibt es übrigens das Netzwerk Zero Waste World.

    Taucher stellen Müllrekord auf

    Dass wir immer mehr Plastik produzieren und dass immer mehr davon in die Umwelt gerät, ist ein trauriger Rekord. Umso schöner, wenn dem Rekorde gegenüberstehen, die versuchen, die Meere plastikfreier zu machen. Am Deerfield Beach in Florida wurde im Juni der Weltrekord im Mülltauchen gebrochen. Bei der alljährlich stattfindenden Clean Up Aktion bargen 633 freiwillige Taucher gemeinsam in nur zwei Stunden 1,5 Tonnen Müll vom Meeresgrund und überboten damit die 614 Taucher, die mit ihrem Unterwasser-Cleanup im Roten Meer in Ägypten bisher den Rekord gehalten hatten. Wenn das kein Ansporn für alle Taucher ist, die gerne ins Guinness-Buch der Rekorde einziehen wollen!

    Bild von skeeze auf Pixabay

    Gefährlich praktisch

    Eine treffende Beschreibung für Kunststoffe und der Titel eines Podcasts von Deutschlandfunk Nova, der sich in 6 Episoden damit auseinandersetzt, wie Plastik in unsere Welt gekommen ist, welche Auswirkungen es hat, an welchen Stellen es nützlich und an welchen gefährlich sein kann und wie wir verantwortungsvoll mit diesem Material umgehen können. Alle Folgen könnt Ihr hier anhören.

    Bild von Karolina Grabowska auf Pixabay

    Community gegen Plastik – Minirückblick 2019

    Die WWF Jugend hat im letzten Jahr einiges im Kampf gegen die Plastikverschmutzung erreicht. Sowohl in Köln als auch in Frankfurt setzten wir im Rahmen der Earth Hour ein Zeichen gegen die Plastikflut. Im Juni fanden in ganz Deutschland mehr als 500 plastikfreie Protestpicknicks statt. Die WWF Jugend war unter anderem in Köln und in Darmstadt am Start. Im Juli haben viele von Euch im Rahmen des Plastic Free July ihren Plastikkonsum reduziert. Wir haben Euch dabei mit täglichen Posts unterstützt und Johanna und Julius ist es gelungen, innerhalb eines Monats 801 Euro für ein Pilotprojekt des WWF zur Verbesserung der Müllentsorgung in der Mekongregion zu sammeln. Das 2018 gestartete Projekt Meeres-Verbündete lief bis Dezember 2019 weiter. Die Teilnehmenden waren unter anderem mit Revolverheld auf Tour, um Unterschriften gegen den Eintrag von Plastikmüll in die Meere zu sammeln, haben mit Vorträgen und Infoständen öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Plastikverschmutzung geschaffen und sich aktiv mit anderen Initiativen vernetzt. Marcels schönen Rückblick auf das gesamte Projekt findet Ihr hier. Ein weiteres Projekt, auf das wir gerne zurückblicken, ist der zweite WWF Jugend Clean Up Walk. Entlang der Bergstraße haben wir 235 Kilo Müll aus der Natur geborgen und 1.415 Euro Spenden zur Bergung von Geisternetzen aus der Ostsee gesammelt. Dabei ist dieses schöne Video entstanden:

    Den Clean Up Walk durften wir schließlich im November bei der Auftaktveranstaltung der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (EWAV) im Bundespresseamt in Berlin vorstellen. Im Rahmen der EWAV hat die WWF Jugend außerdem ein Cleanup-Event in Berlin und eine Filmvorführung in Darmstadt auf die Beine gestellt.

    Mit dem Plastik-Update haben wir Euch das ganze Jahr über mit positiven Neuigkeiten rund ums Thema Plastik versorgt. Das hat sich innerhalb der letzten 12 Monate getan:

    Bild von kalhh auf Pixabay

    Habt Ihr Lust bekommen, Euch auch für eine plastikfreiere Welt einzusetzen? So könnt Ihr selbst aktiv werden:

    Dass man jetzt sogar beim Bäcker, beim Friseur und an der Eisdiele einen Kassenzettel in die Hand gedrückt bekommt, nervt, aber was hat das mit Plastik zu tun. Die Dinger sind doch aus Papier, oder? Leider sind Kassenzettel aus Thermopapier in der Regel mit einer Kunststoffschicht bezogen und gehören deshalb in den Restmüll. Wenn Ihr der Meinung seid, dass auch das neue Kassenzettelgesetzt schleunigst in die Tonne gehört, unterschreibt diese Petition. Und wenn Ihr schon dabei seid, unterstützt Greenpeace Österreich bei ihrer Forderung nach einem gesetzlichen Mehrwegsystem für Getränkeverpackungen, fordert Amazon dazu auf, Verpackungsmaterial aus Einwegplastik zu reduzieren und vor allem Essenslieferung nicht in Kunststofftüten zu verpacken, helft bei der Eindämmung von Plastikmüll in Kalifornien und bittet Target, die Welt nicht länger mit Plastiktüten vollzustopfen. Und falls Ihr sie nicht schon unterschrieben habt, hier noch mal der Link zur großen WWF Petition für eine weltweite, rechtliche bindende Konvention, um den Eintrag von Plastikmüll in die Ozeane zu beenden. Unterzeichnet die Petitionen und teilt sie mit Freunden und Verwandten. So könnt Ihr mit wenigen Klicks von zu Hause aus zu der Verringerung der Plastikverschmutzung auf der ganzen Welt beitragen.

    Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

    Wenn Ihr mehr darüber erfahren wollt, wie Ihr Plastikmüll im Alltag vermeiden könnt und andere Gleichgesinnte kennenlernen wollt, habt Ihr auf zahlreichen Veranstaltungen die Möglichkeit dazu. Hier nur eine kleine Auswahl:

    • Am 13. Februar findet im EWA e.V. – Frauenzentrum in Berlin von 19:00 bis 21:00 Uhr ein Workshop zum Thema Müllvermeidung im Alltag von und für Ladies statt
    • Autorin und Bloggerin Nadine Schubert reist fleißig umher und hält Vorträge und gibt Workshops zum plastikfreien Leben. In den nächsten Wochen könnt Ihr sie unter anderem in Rüsselsheim, Gunzenhausen, Pfarrkirchen, Bodenkirchen, Schrozberg und Darmstadt live erleben. Hier findet Ihr eine Übersicht über alle Termine.
    • Als ich mich neulich durch das Programm der Volkshochschule Frankfurt am Main geklickt hab, war ich überrascht, wie viele Kurse zum Thema Plastik dort angeboten werden, von Plastikfasten über Plastikalternativen aus Stoff nähen bis hin zum Herstellen von Kosmetika und Reinigungsmitteln. Schaut doch mal bei der Volkshochschule in Eurer Nähe nach, ob Ihr dort ähnliche Kurse findet.

    Im letzten Update von Ronja erfahrt Ihr unter anderem, wie eine Schule es geschafft hat, mehr als 17.000 Euro Spenden gegen die Plastikflut zu sammeln und wie eine Straße in Paris abfallfrei werden möchte.

    Quellen:

    Und natürlich ein ganz großes Dankeschön an Sascha Regmann von Project Blue Sea, der mir die Infos zur Müllrakete und das Foto davon zur Verfügung gestellt hat!

Kommentare

1 Kommentar
  • SteffiFr
    SteffiFr danke für das tolle Update und die Petitionslinks!

    In Freiburg gibt es auf dem Wochenmarkt eine ähnliche Aktion wie in Rheinfeld - seit einiger Zeit kann man dort "Freiburger Marktsäckle" erwerben, Mehrwegnetze für Obst und Gemüse, und seine...  mehr
    27. Jan. - 1 gefällt das