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Warum ich mit dem Plastiktütenverbot nicht zufrieden bin

  • Im Laufe der letzten Jahre wurden überall auf der Welt die verschiedensten Plastikverbote gesetzlich verankert, während wir uns in Deutschland mit freiwilligen Selbstverpflichtungen begnügt haben. Und nun sieht es so aus, als würden wir bald doch eines bekommen: Diese Woche hat das Bundeskabinett den Gesetzentwurf der Bundesumweltministerin Svenja Schulze für ein Plastiktütenverbot verabschiedet. Als jemand, der vor ungefähr sieben Jahren hier in der Community noch eine Petition für ein solches Verbot starten wollte, müsste ich jetzt absolut aus dem Häuschen sein. Natürlich finde ich es gut, dass wir auf dem Weg zu einem Plastiktütenverbot sind, aber allzu große Freudensprünge machen kann ich trotzdem nicht und das hat verschiedene Gründe:

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend

    Das Verbot gilt nur für bestimmte Tüten

    Ganz konkret bezieht sich das Verbot auf die Abgabe von Kunststofftragetaschen mit einer Dicke zwischen 15 und 50 Mikrometern. Wer diese in Verkehr bringt, muss in Zukunft mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro rechnen. Neben Müllbeuteln und stabilen Mehrwegtaschen aus Plastik sind auch die sogenannten Hemdchenbeutel nicht von dem Verbot betroffen. Das sind die dünnen Plastiktütchen, die man vor allem in den Obst- und Gemüseabteilungen findet. Schulze hat sie mit der Begründung außen vor gelassen, dass ohne diese Beutel wesentlich mehr Verpackungsmüll anfiele, da die Waren dann im Voraus abgepackt würden. Das bezweifle ich allerdings stark. Dass viele Supermärkte bereits mit ihrem Angebot an losem Obst und Gemüse werben und Mehrwegbeutel für dieses zum Kauf anbieten, zeigt, dass in diesem Bereich bereits ein Umdenken stattgefunden hat, das man durch ein Verbot von Hemdchenbeuteln noch beschleunigen könnte. Ich empfinde die dünnen Tütchen als überflüssige Produkte. Wer keine Mehrwegbeutel verwenden möchte, kann sein Obst und Gemüse immer noch lose aufs Band legen. Auch die Idee des Recyclingexperten Rolf Buschmann vom BUND, dass die Supermärkte Körbchen anbieten könnten, in denen man das Obst und Gemüse zur Kasse transportieren und wiegen lassen könnte, um es dann in der eigenen Tasche zu verstauen, finde ich gut. Weitere Gründe, die dafür sprechen, Hemdchenbeutel in das Verbot einzuschließen, sind, dass sie so dünn sind, dass sie zum einen gar nicht oder nur wenige Male wiederverwendet werden können, und zum anderen durch ihr geringes Gewicht einmal in die Natur gelangt schnell weit weggeweht werden können, sowie die Tatsache, dass viele die Beutelchen als Alternative zur kostenpflichtigen Plastiktüte nutzen, um ihre Einkäufe darin zu transportieren.  

    (c) Susbany / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/orangen-%C3%A4pfel-obst-gem%C3%BCseh%C3%A4ndler-92634/ 08.11.19)

    Es geht nicht nur um das Material

    Ja, Plastik ist ein problematisches Material, da es aus Erdöl hergestellt wird, Jahrhunderte vergehen können, bis es sich abgebaut hat bzw. eigentlich einfach nur in winzig kleine Plastikpartikel zerfallen ist, und es giftige Stoffe enthalten kann. Das viel größere Problem ist meiner Meinung nach aber, dass so viele Dinge von Verpackungen über Kosmetikartikel bis hin zu Geschirr und Besteck häufig nur noch für den einmaligen Gebrauch hergestellt werden. Auch wenn an der Kasse keine Plastiktüten mehr verkauft werden, können die Kunden immer noch auf Papiertüten zurückgreifen. Die sind zwar sowohl biologisch abbaubar als auch recycelbar und bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. sogar Recyclingmaterial, dennoch sind auch sie alles andere als umweltfreundlich. Ihre Herstellung verbraucht Energie und Wasser, sogar mehr als die einer Plastiktüte. Es ist wenig sinnvoll, ein Einwegprodukt durch ein anderes Einwegprodukt zu ersetzen. Die beste Transportmöglichkeit, ist immer die, die man schon besitzt, sei es der Stoffbeutel, Rucksack oder Einkaufskorb oder was man eben sonst an Behältnissen zur Verfügung hat, in denen sich Einkäufe transportieren lassen. Ich teile voll und ganz die Forderung nach Mehrwegsystem, wie sie auch Rolf Buschmann fordert. Im Interview mit dem NDR nennt der Recyclingexperte mehrere Möglichkeiten, wie ein solches Aussehen könnte. Zum Beispiel könnten die Körbe, die es im Supermarkt ohnehin schon gibt, gegen ein Pfand mit nach Hause genommen und beim nächsten Einkauf zurückgebracht werden. Im letzten Plastik-Update haben wir auch die schöne Idee des Bag Sharings vorgestellt. Es erscheint sinnvoller, Einwegtüten generell anzugehen und Mehrwegsysteme zu fördern, anstatt sich nur auf solche aus einem bestimmten Material zu konzentrieren.

    (c) mela09 / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/katze-ingwer-niedlich-haustier-1087653/ 08.11.19)

    Plastiktüten sind nur die Spitze des Müllbergs

    Plastiktüten gehören zu den Kunststoffprodukten, die sich im Alltag wohl mit am einfachsten vermeiden lassen. Es ist so simpel: Einfach an meinen Stoffbeutel denken, wenn ich in einen Laden gehe, und schon hab ich etwas Gutes für die Umwelt getan. Auf Plastiktüten zu verzichten, ist gewissermaßen der erste Schritt in ein plastikfreieres Leben und somit ist die Plastiktüte zu einem Symbol für die Plastikkrise und unsere eigenen Möglichkeiten, diese zu beenden geworden. Für mich stand sie ebenfalls ganz am Anfang einer langen Beschäftigung mit dem Thema Plastik. Schaut man sich jedoch den gesamten Plastikmüll an, den wir produzieren, ist der Anteil der Plastiktüten daran verschwindend gering. Das heißt nicht, dass man sich deshalb nicht um sie kümmern muss, doch es sind so viel größere Schritte nötig, um unser Plastikproblem in den Griff zu kriegen. Gerade jetzt, wo die University of Newcastle in Australien im Rahmen einer vom WWF in Auftrag gegebenen Studie herausgefunden hat, dass jeder einzelne von uns jede Woche bis zu fünf Gramm Mikroplastik in sich aufnimmt, sollte deutlich sein, dass wir weitaus mehr tun müssen, als ein paar Plastiktüten zu verbieten. So brauchen wir zum Beispiel eine weltweite, rechtlich bindende Konvention, um den Eintrag von Plastikmüll in die Meere bis 2030 zu stoppen, wie der WWF mit dieser Petition fordert.

    (c) Anne Zeiß / WWF Jugend

    Nachdem ich mich schon so lange mit dem Thema beschäftige, bin ich einfach unzufrieden und ungeduldig, weil es so langsam vorangeht. Gleichzeitig freue ich mich aber auch, dass sich zumindest etwas tut. Das Gesetz muss es jetzt noch durch den Bundestag und den Bundesrat schaffen, bevor an deutschen Kassen ganz offiziell keine Plastiktüten mehr herausgegeben werden dürfen. Und man kann zumindest zuversichtlich sein, dass es dann nicht Deutschlands einziges Plastikverbot bleiben wird, da in den kommenden Jahren auch die Plastikverbote der EU in Kraft treten werden.

    Welche Meinung habt ihr zum Plastiktütenverbot? Findet ihr es sinnvoll oder haltet ihr Verbote grundsätzlich nicht für den richtigen Lösungsweg?

    Quellen:

Kommentare

2 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr DIe Entscheidung habe ich gar nicht mitbekommen. Danke also, dass du einen Bericht über das geplante Plastiktütenverbot geschrieben hast!
    Was ich mir beim lesen gewünscht habe: Dass die Bioplastiktüten für den Biomüll verboten werden.
    Das würde...  mehr
    10. Nov. - 2 gefällt das
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    Cookie Ich war auch voll überrascht, als das plötzlich in der Tagesschau erwähnt wurde, hatte ich auch im Vorfeld gar nicht mitbekommen.
    Was die Bioplastiktüten für den Biomüll angeht, bin ich voll und ganz Deiner Meinung, ich finde es eine Sauerei, dass...  mehr
    Mo. um 20:07