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Ideen, um das Zuhause der kleinen Mülljungfrau zu retten

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich Euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat

    • Arielle, die Mülljungfrau
    • Flugverbot für Luftballons
    • In meine eigene Dose, bitte!
    • Bag-Sharing
    • #FillTheBottle
    • Selbst aktiv werden

    Arielle, die Mülljungfrau

    Der 1989 erschienene Disney-Trickfilm „Arielle, die Meerjungfrau“ spielt in einer lebendigen Unterwasserwelt voller bunter Korallen, Muscheln und Meereslebewesen. Wie sähe das Zuhause der kleinen Meerjungfrau wohl heute aus? Diese Frage hat sich die Grafikerin und Illustratorin Stephanie Hermes gestellt. Die düstere Antwort kann man auf ihrem Instagram-Kanal und ihrer Webtoons-Seite sehen. Statt eines Muschel-BHs trägt The Little Trashmaid ein Top aus einer Plastiktüte und an ihrer Schwanzflosse hängt ein Six Pack-Halter. Wenn sie durch die Ozeane taucht, findet sie überall Müll, bleibt mit dem Kopf in einem Plastikeimer stecken und rülpst Mikroplastikteilchen aus. Mit den Menschen macht sie nicht in Form eines gutaussehenden Prinzens Bekanntschaft, sondern indem achtlose Umweltverschmutzer einen prall gefüllten Müllsack im Wasser versenken. In den liebevoll gezeichneten Comics schwimmt die Mülljungfrau unter anderem im Müllstrudel, lässt Chipstüten als Luftballons steigen und trauert um einen Gummidelfin, dem die Luft ausgeht. Auf Hermes‘ Patreon-Seite kann man gegen Spende unveröffentlichte Trashmaid-Comics bewundern. 20% der Einnahmen gehen an Meeresschutzorganisationen. Dass Kunst ein wunderbares Mittel ist, um auf die Plastikkrise aufmerksam zu machen und sogar dafür zu sorgen, dass weniger Müll im Meer landet, zeigt auch die Fischskulptur Goby. Seit sie am Strand steht und darum bittet, mit Plastik gefüttert zu werden, stecken die Badegäste ihren Plastikmüll ins Maul des riesigen Drahtfischs, statt ihn einfach liegen zu lassen. Vor allem die Kinder haben Spaß an dieser spielerischen Variante der Müllentsorgung.


    (c) joakant / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/tauchen-unterwasser-wasser-1656380/)

    Flugverbot für Luftballons

    Mein Opa war Forstarbeiter und hat mir früher aus dem Wald öfter mal zerplatzte Luftballons mitgebracht, an denen Postkarten festgeknotet waren. Für mich war es immer unglaublich spannend, herauszufinden, woher die Luftpost gekommen war. Einmal hat es sogar ein Ballon aus Frankreich zu uns geschafft und zum Dank für unsere Rückmeldung haben wir ein kleines Geschenk geschickt bekommen. Heliumballons steigen zu lassen, an denen man vorher Wünsche befestigt, ist ein beliebter Brauch auf Veranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstagen oder Einschulungen. Es sieht auch wirklich schön aus, wenn die bunten Ballons gen Himmel steigen, doch leider sind sie nicht einfach fort, wenn sie schließlich aus dem Blickfeld der Feiernden verschwunden sind. Irgendwann kommen sie zurück auf die Erde und dann sind sie kein schöner Anblick mehr, sondern Müll, der für Vögel, Fische und andere Tiere zur tödlichen Falle werden kann. Laut einer australischen Studie stirbt fast jeder fünfte Seevogel, der Ballonteile verschluckt, daran. Die Stadt Amsterdam hat Ballonmassestarts bereits 2015 verboten. Mittlerweile sind rund 60 niederländischen Kommunen dem Beispiel gefolgt. In Deutschland hat die Stadt Gütersloh vor Kurzem beschlossen, bei städtischen Veranstaltungen keine Heliumballons mehr steigen zu lassen. Als die niedersächsischen Grünen dafür warben, solche Regelungen auch in ihrem Bundesland einzuführen, ernteten sie leider viel Spott und Kritik. Dabei gibt es umweltfreundliche Alternativen, die genauso schön aussehen, wie zum Beispiel Schaumfiguren, über die wir bereits in einem früheren Plastik-Update berichtet haben. Letztes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse habe ich zum ersten Mal Schaumherzen fliegen sehen und finde, sie sehen mindestens genauso schön aus wie davonschwebende Ballons. Nur eine Botschaft kann man eben nicht mit ihnen auf den Weg schicken.


    (c) Pexels / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/luftballons-bunte-hd-wallpaper-1835902/)

    In meine eigene Dose, bitte!

    Wer Waren in mitgebrachte Behältnisse gefüllt bekommen möchte, um Plastik zu sparen, muss oft nachfragen, ob dies überhaupt möglich ist, was zunächst einige Überwindung kostet. Gerade an Wurst- oder Käsetheken kommt es nicht selten vor, dass die Bitte mit Hinweis auf die Hygienebestimmungen verweigert wird. An dieser Stelle tut sich seit einiger Zeit eine Menge und der Einkauf mit eigenen Behältern wird immer mehr zur Normalität. Supermarktketten wie Edeka, Rewe und real bieten mittlerweile an, Fleisch, Wurst und Käse an der Theke in eigene Dosen zu packen und werben sogar dafür, dass Kunden auf diese Weise Müll vermeiden können. So wird die Hemmschwelle genommen, das Thekenpersonal erst darum bitten zu müssen, und auch Leute, die bisher nicht auf die Idee kamen, mit eigenen Behältern einkaufen zu gehen, werden dazu inspiriert. Ebenfalls eine gute Lösung sind Pfandsysteme, wie sie eine Metzgerei in Trier bereits eingeführt hat. Neben Unternehmen kann auch die Politik dabei helfen, mit unklaren Hygienevorschriften aufzuräumen. In Bayern ist es beispielsweise offiziell erlaubt, an Theken mitgebrachte Behälter zu befüllen. Dazu hat das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ein Merkblatt herausgegeben, dass Kunden und Personal den Umgang mit mitgebrachten Behältern erleichtert. Plastiksparen geht eben nicht nur mit Verboten, sondern auch mit Erlaubnissen.


    (c) meineresterampe / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/k%C3%A4se-k%C3%A4setheke-markt-lebensmittel-240825/)

    Bag-Sharing

    Ich stoße immer wieder auf Artikel, die darlegen, dass Plastikparen der Umwelt schade. Ein beliebtes Argument: Plastiktüten haben eine deutlich bessere Ökobilanz als Papiertüten und Stoffbeutel. Es stimmt, die Herstellung von Papier- oder Stofftaschen verbraucht wesentlich mehr Materialien, Energie und Wasser als die von Plastikbeuteln. Je nach Rechnung muss man eine Papiertüte 3-4 und eine Baumwolltasche zwischen 25 und 30 Mal oder sogar bis zu 131 Mal wiederverwenden, um dies auszugleichen. Das ist dennoch kein Grund dafür, ab sofort bei jedem Einkauf zur Plastiktüte zu greifen, denn die umweltfreundlichste Tasche ist immer die, die man schon besitzt. Und wer hat schon keinen einzigen Beutel, Rucksack oder ein ähnliches Behältnis, in dem sich Einkäufe transportieren lassen? Schwierig wird es nur, wenn man die eigene Tasche zu Hause vergessen hat und vor der Wahl steht, eine Plastiktüte, Papiertüte oder eine neue Mehrwegtasche zu erwerben, obwohl man von letzterer Variante vermutlich ohnehin schon mehr als genug zu Hause herumliegen hat. Die Konzept des Bag-Sharings, das enactus in Jena ins Leben gerufen hat, löst sowohl das Problem des vergessenen Beutels als auch der überquellenden Taschenschublade zu Hause: Menschen spenden nicht mehr benötigte Stofftaschen. Diese werden durch einen umweltfreundlichen Stempelaufdruck gekennzeichnet und somit Teil eines Mehrwegsystems. Wer in einem teilnehmenden Markt einkauft und seinen Beutel vergessen hat, kann eine der Sharing-Taschen gegen ein Pfand mitnehmen, das er zurückerhält, wenn er sie wieder abgibt. Die zurückgegebenen Beutel werden vor der Wiederverwendung gewaschen. Ein Rewe-Markt in Schleswig-Holstein hat eine ähnliche Idee umgesetzt, allerdings ganz ohne Pfand. Auch dort können Kunden überflüssige Stofftaschen abgeben. Diese hängen an einem Ständer im Eingangsbereich und können einfach von Kunden mitgenommen werden, die keinen eigenen Beutel mithaben. Wie wäre es, Euren lokalen Supermarkt dazu anzuregen, ebenfalls einen solchen Taschenständer aufzustellen? Das Ganze funktioniert übrigens nicht nur mit Taschen, sondern auch mit Tassen, wie ein Foto zeigt, das ein Strohhalmhüllenhersteller auf Facebook gepostet hat. Darauf zu sehen ist ein Körbchen voller bunt zusammengewürfelter Tassen und einem Hinweisschild mit der Aufschrift: „Mug Library: Forgot your reusable cup? Take one of ours!“ Es wird dazu aufgefordert, die ausgeliehene Tasse nach Möglichkeit zurückzubringen und eigene überflüssige Tassen zu spenden. Eine Idee, die sich sicher auch in Schul- bzw. Unicafeterien und am Arbeitsplatz leicht umsetzen lässt.


    (c) MabelAmber / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/mann-person-menschen-zusammen-zwei-3244702/)

    #FillTheBottle

    Auf die #TrashtagChallenge folgt ein neuer viraler Müllsammeltrend, der sich dem weltweit vermutlich am häufigsten herumliegenden Abfall widmet: Zigarettenkippen. Deren Filter bestehen aus Kunststoff und brauchen etwa 5 Jahre, um zu zerfallen. Viel schlimmer sind allerdings die in den Stummeln enthaltenen Giftstoffe. Würde man einen Eimer mit einem Liter Wasser füllen und einen Fisch und eine Zigarettenkippe hinsetzen, würde der Fisch dieses Experiment nicht überleben. So klein er auch sein mag, ein einziger Zigarettenstummel kann bis zu 40 Liter Grundwasser verschmutzen. Dennoch werden die unzählige dieser kleinen Giftpäckchen achtlos auf den Boden gefallen lassen. Die 18-Jährige Amel Talha aus Frankreich hat deshalb den Hashtag #FillTheBottle ins Leben gerufen. Dabei geht es nicht darum, die eigene Flasche mit Wasser aufzufüllen, sondern mit Zigarettenstummeln. Auf die Idee kam sie, als ein Freund eine ganze Wasserflasche voller Kippen sammelte und ein Foto davon postete. Innerhalb von nur 24 Stunden tauchten Tausende Fotos, Videos und Tweets unter diesem Hashtag auf und lenkten so große Aufmerksamkeit auf das Thema. Wenn auch Ihr Euch ans Kippensammeln machen wollt, benutzt bitte ein Behältnis dafür, aus dem Ihr nicht mehr essen oder trinken wollt. Aus den Filtern lässt sich übrigens Plastikgranulat gewinnen, aus dem neue Gegenstände wie Aschenbecher und Eimer gefertigt werden können, wie Tobacycle aus Köln zeigt. Dorthin haben wir auch die fast 10 Liter Kippenstummel gesendet, die wir während unseres Clean Up Walks aufgesammelt haben.   


    (c) Lena Liebtrau / WWF Jugend

    Selbst aktiv werden

    Petitionen

    Fordert Nestlé auf Schluss mit dem Einwegwahnsinn zu machen.

    Verlangt Steuervergünstigungen für umweltfreundlichere bzw. plastikärmere Verpackungen. Für diese Petition kann man sich zudem eine Unterschriftenliste ausdrucken und im Bekanntenkreis weitere Unterschriften sammeln.

    Ihr findet Deutschland sollte aufhören, seinen Plastikmüll in andere Länder zu verschiffen? Dann unterzeichnet hier.

    Nicht zu vergessen: Die große WWF Petition gegen die Plastikflut hat bereits über 1,5 Millionen Unterstützer. Ihr gehört noch nicht dazu? Dann setzt Euch hier für eine weltweite, rechtlich Konvention ein, um die Plastikkrise innerhalb der nächsten zehn Jahre zu beenden.


    (c) Catkin / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/zustimmung-ankreuzen-englisch-2052051/)

    Veranstaltungen

    Die diesjährige Europäische Woche der Abfallvermeidung (EWAV) findet vom 16. bis zum 24. November unter dem Motto "Wertschätzen statt wegwerfen – miteinander und voneinander lernen" statt.  Spannende Veranstaltungen rund um das Thema Müllvermeidung in Eurer Nähe findet Ihr auf der Aktionskarte. In Frankfurt könnt Ihr beispielweise bei erfahren, wie man auch ganz ohne Unverpackt-Laden um die Ecke plastikfreier einkaufen kann. Die beiden Plastiksparerinnen Petra Kress und Beate Siegler laden am 17.11. zu einer Ausstellung sowie zu Austausch und Gespräch ein. Das Second Hand Warenhaus Neufundland in Frankfurt Griesheim veranstaltet am 16.11. von 12 bis 20 Uhr ein Upcycling-Festival inklusive Filmvorführung, Modenschau und Poetry Slam.  Noch bis zum 3. November könnt Ihr selbst dazu beitragen, die Karte zu füllen, denn bis zu diesem Termin können noch Aktionen angemeldet werden. Hier findet Ihr Aktionsideen und Tipps rund um die Organisation und erfahrt, was die WWF Jugend in Hessen und Niedersachsen bereits plant. In Berlin veranstaltet die WWF Jugend einen Clean Up am 17. November. Am 18. November findet in Berlin zudem die Auftaktveranstaltung der EWAV statt, die eine tolle Möglichkeit bietet, andere Müllsparer und Initiativen kennenzulernen und sich auszutauschen. Die Teilnahme ist kostenlos, anmelden kann man sich hier noch bis zum 11.11.

    Bücher übers Plastiksparen und Zero Waste gibt es mittlerweile genug, um ganze Regalbretter zu füllen. Eine junge Perspektive auf diese Themen bietet die Bloggerin und Mediengestalterin Charlotte Schüler in ihrem Buch „Einfach plastikfrei leben: Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Alltag“, das übrigens auf Apfelpapier gedruckt ist, das aus Resten aus der Apfelsaftproduktion hergestellt wird. Den plastikfreien Laden von Charlottes Mutter haben wir übrigens letztes Jahr mit den Meeres-Verbündeten in München besucht. Die Autorin persönlich kennenlernen, sie lesen hören und mit ihr ins Gespräch kommen könnt Ihr bei einer ihrer zahlreichen Lesungen, z. B. am 7.11. in Herne, am 8.11. in Viersen, am 14.11. in Grünwald oder am 19. 11. in Neckarsulm.


    (c) Pexels / Pixabay (https://pixabay.com/de/photos/verwischen-verschwommen-buch-1283865/)

    Im letzten Plastik-Update hat Ronja unter anderem darüber berichtet, wie man plastikfrei Sport treiben und heiraten kann.

    Quellen:

    https://www.bbc.com/news/world-europe-49263685?fbclid=IwAR383Ew0T4G9H3bHtFJ0xw4lo3eRRqZyltqIDwCkcCbGGL7Z0Xu2vhHwLrI (23.10.19)
    https://www.facebook.com/BagsharingJena/photos/rpp.289442321762677/295877111119198/?type=3&theater (24.10.19)
    https://utopia.de/rewe-markt-stofftasche-155684/ (24.10.19)
    https://www.facebook.com/StrawSleeves/photos/a.1822712651331618/2232144293721783/?type=3&theater (24.10.19)
    https://www.duh.de/kommtnichtindietuete/tueten-typen/ (24.10.19)
    https://www1.wdr.de/wissen/mensch/baumwolltaschen-papiertueten-oekobilanz-100.html (24.10.19)
    https://utopia.de/arielle-muelljungfrau-zeichnungen-instagram-156001/ (24.10.19)
    http://yupthatexists.com/goby-plastic-beach-fish/ (24.10.19)
    https://www.tagesschau.de/ausland/luftballons-verbot-niederlande-101.html?fbclid=IwAR2R5ivLyGneZd9J2PjvGaXx93R7a81YxWtC-qYRRrOq0JUFQezUc3aXiNQ (24.10.19)
    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_86434654/klarstellung-gruene-fordern-kein-luftballon-verbot.html (24.10.19)
    https://www.mobiflip.de/real-ermoeglicht-bundesweit-mehrwegbehaelter-an-frischetheken/ (24.10.19)
    https://www.besser-leben-ohne-plastik.de/gute-nachrichten-aus-muenchen/ (24.10.19)
    http://lokalo.de/artikel/176703/gegen-plastikmuell-trierer-metzger-startet-eigenes-pfandsystem/ (24.10.19)

Kommentare

2 Kommentare
  • SteffiFr
    SteffiFr Wieder ein schönes Update, danke!
    Bei uns gibt es seit dem Sommer einen neuen arabisch-syrischen Imbiss - wer dort eine eigene Dose/Behälter mitbringt, bekommt das Essen 50 Cent günstiger. Das finde ich ziemlich klasse, eine gute Idee, um Leute zum...  mehr
    30. Okt. - 3 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr Gerade habe ich mir die Tobacycle-Seite angeschaut. Das wäre vielleicht eine Idee, was ich mit den Kippen meines Nachbars machen könnte, der sie oft auf meinen Stellplatz draußen wirft *ggrr*
    30. Okt. - 1 gefällt das