Berichte

Freizeittrend, Weltrekord und nacktes Gemüse

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt’s diesen Monat:

    • Freizeittrend Müllsammeln
    • Weltrekord gegen die Plastikflut
    • Ideen gegen Mikroplastik
    • Nacktes Gemüse in Supermärkten
    • Community gegen Plastik
    • Selbst aktiv werden

    Müllsammeln – Der neue Freizeittrend

    Müllsammeln ist Trend. An allen Ecken der Welt gründen sich Clean Up Initiativen und rufen immer neue Challenges ins Leben, dem herumliegenden Müll den Kampf anzusagen. Eine der Bekanntesten dürfte die #Trashtag Challenge sein, die sich im Frühjahr in den sozialen Medien verbreitet hat. Die Idee ist ganz einfach: Kommt man an einen vermüllten Ort, macht man ein Foto, sammelt den Müll ein, fotografiert den sauberen Ort erneut und postet die beiden Fotos mit dem Hashtag #Trashtag. Eine ganz eigene Challenge erlegte sich die 70-Jährige Pat Smith aus Cornwall auf. Pat nennt sich selbst Action Nan, also Action-Oma, und diesen Namen hat sich die engagierte britische Seniorin mehr als verdient. 2018 hat sie sich vorgenommen, jede Woche einen Strand zu entmüllen, und ihre Cleanups online zu dokumentieren. Auch nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Challenge macht Pat unermüdlich weiter, sammelt Müll, setzt sich gegen Plastiktrinkhalme ein und konnte bereits 600 lokale Läden dazu ermuntern, auf unnötiges Plastik zu verzichten. Ein weitere kreative Clean Up Idee stammt aus Schweden, wo aus einer lästigen Aufgabe ein Trendsport wurde: Plogging. Dieser Name setzt sich aus dem schwedischen Verb „plocka upp“ (pflücken, aufheben) und dem Wort Jogging zusammen und bedeutet genau das: Joggen und dabei Müll vom Boden aufheben. Eine sportliche Herausforderung, die der Umwelt hilft. Auch in Deutschland gibt es Plogging-Gruppen, zum Beispiel in Köln. Wem Plogging zu anstregend ist, der kann sich an der entspanteren Alternative versuchen, nämlich dem Plalking, dem Müllsammeln beim Spazierengehen.

    (c) A. Zeiß / WWF Jugend

    Für diejenigen, die nicht selbst auf die Ideen kommen, unterwegs zur Mülltüte zu greifen, braucht es oft nur einen kleinen Anstoß. In einer Facebook-Gruppe zum plastikfreien Leben berichtet ein User von einem Strand, an dem in einem kleinen Häuschen Papiertüten zum Müllsammeln bereitgestellt werden und davon, wie sauber dieser Strand tatsächlich ist. Immer wieder sieht man auch Posts über Strandcafés, bei denen fleißige Müllsammler ein Gratisgetränk bekommen. In Hamburg kann man gratis Kayaks leihen, wenn man im Gegenzug auf der Alster Müll sammelt und darüber postet. Die Stadt Frankfurt brachte ihre diesjährigen Abiturienten dazu, ihren Müll nach der Abifeier im Park wegzuräumen, indem sie einen Wettbewerb daraus machte. Doch so schön es auch ist, zu sehen, wie viele Menschen sich dafür einsetzen, die Natur vom Müll zu befreien, so viel schöner wäre es doch, wenn dies gar nicht nötig wäre. Schließlich sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass man seinen Müll ordentlich entsorgt.

    (c) A. Zeiß / WWF Jugend

    Mit einem Weltrekord gegen die Plastikflut

    Die Osterinsel liegt isoliert im Südostpazifik, mehr als 2000 km entfernt von der nächsten bewohnten Insel und mehr als 3500 Kilometer entfernt von der chilenischen Küste. Auf ihr leben nicht einmal 8000 Menschen. Dennoch weist der Ozean um die Insel herum eine der stärksten Mikroplastikkonzentrationen im Pazifik aus. Das meiste davon kommt nicht von der Insel selbst. Deshalb entschieden sich die beiden NGOs Plastic Ocean International und Breathe Conservation für diesen Ort, um ein ganz besonderes Zeichen gegen Plastik im Meer zu setzen: Einen Weltrekord. Die südafrikanische Ausdauerschwimmerin Sarah Ferguson ist der erste Mensch, der es geschafft hat, einmal um die gesamte Osterinsel herumzuschwimmen. Im Rahmen der Kampagne Swim Against Plastic warf sie sich am 15. März morgens um acht in die Wellen, schwamm die Strecke von 63,5 km in 19 Stunden und zeigte damit enormen Einsatz, um Aufmerksamkeit auf die Vermüllung der Meere zu lenken. Alle sind aufgerufen, es Sarah nachzutun und selbst gegen die Plastikflut anzuschwimmen, natürlich gerne auch in einem kleineren Maßstab. Hier erfährst Du, wie Du Dein eigenes Swim Against Plastic Event planen kannst.

    Große Aufmerksamkeit für kleine Plastikteilchen

    Aktuelle Studien bringen immer neue und erschreckende Erkenntnisse zu Mikroplastik ans Licht, zum Beispiel, dass es über die Luft auch in die entlegensten Regionen transportiert werden kann oder dass wir jede Woche ungefähr Plastik vom Gewicht einer Kreditkarte in uns aufnehmen. Momentan können Kläranlagen Mikroplastik noch nicht vollständig herausfiltern. Genau das wollen Sebastian Porkert und sein Unternehmen Ecofario ändern. Sie haben einen Filter entwickelt, der Mikroplastik durch Rotation vom Wasser trennen kann und hoffen, dass ihr System irgendwann in allen Klärwerken zu finden sein wird. Bis es so weit ist, bedarf es allerdings noch einiger Forschung.

    Ein weiteres Problem mit Mikroplastik ist, dass es keine allgemeingültige Definition gibt. In der Regel werden feste Kunststoffpartikel, die kleiner als 5 mm sind, als Mikroplastik bezeichnet. Solche festen Mikroplastikteilchen hat Rossmann bereits 2013 aus den Kosmetikprodukten der Eigenmarke entfernt. Synthetische Polymere treten allerdings auch in flüssiger, gel- oder wachsartiger und wasserlöslicher Form auf. Welche Folgen Plastik in dieser Form für die Umwelt haben kann, ist noch nicht geklärt. Rossmann bezieht nun aber auch flüssige Kunststoffe in seine Mikroplastikdefinition mit ein und bemüht sich, sie in den Produkten der Eigenmarke zu ersetzen. Damit auf einen Blick klar ist, welche Kosmetika bereits frei von jeglichem Mikroplastik sind, führt die Drogeriemarktkette ein Ohne-Mikroplastik-Siegel ein. Im Frühjahr hatte bereits dm flüssiges Mikroplastik aus mehr als 80 Produkten seiner Eigenmarke Balea entfernt. Wenn Du ganz unabhängig davon sichergehen möchtest, dass Deine Kosmetikprodukte frei von Mikroplastik sind, kannst Du auf Naturkosmetik zurückgreifen. Viele Kosmetikprodukte kann man im Übrigen auch einfach weglassen, ganz einfach selbst machen oder durch Hausmittel wie Apfelessig, Olivenöl oder Roggenmehl ersetzen.    

    MedicusDrogerie / pixabay (https://pixabay.com/de/photos/apotheke-drogerie-alt-traditionell-2979444/ 21.06.19)

    Supermärkte packen aus

    Nicht nur Kosmetikprodukte werden langsam plastikfreier, auch in den Supermarktregalen tut sich was. Bei Obst und Gemüse ist die Plastikverpackung meist unnötig, trotzdem sind sie in Supermärkten häufig darin eingeschweißt. Dabei lassen sich die meisten Sorten problemlos lose oder in Mehrwegbeuteln aufs Band legen. Immer mehr Supermarktketten bieten solche Mehrwegbeutel bereits vor Ort an, darunter EDEKA, Rewe und Kaufland. Aldi hat nun verkündet, für Hemdchenbeutel, wie man die dünnen Tütchen für Obst und Gemüse nennt, eine Abgabe von einem Cent zu verlangen. Alnatura hat die Einwegtüten bereits zu Beginn des Jahres komplett aus dem Sortiment genommen. Oft haben Kunden aber gar nicht die Wahl, wie sie ihr Obst und Gemüse in den Einkaufswagen legen, da die Produkte häufig bereits eingeschweißt sind. Gerade die Biogurke in der Plastikhülle gilt als Symbol für irrsinnige Gemüseverpackungen. Bei Rewe wird sie nun stattdessen mit einem Aufkleber versehen und auch Aldi hat seine Salatgurken im April von der Plastikfolie befreit. Rewe testet momentan in mehr als 600 Filialen, ob sich unverpacktes Bio-Obst und -Gemüse genauso lang frisch hält und genauso gut verkauft, wie wenn es in Plastikverpackungen steckt. Beispiele aus anderen Ländern lassen auf ein positives Ergebnis dieser Testphase hoffen: Als eine neuseeländische Supermarktkette begann, Obst und Gemüse nur noch lose anzubieten, stieg der Verkauf einiger Sorten um bis zu 300% an. Einige Läden gehen noch weiter und haben bereits plastikfreie Zonen eingerichtet, sowie die niederländische Bio-Supermarktkette Ekoplaza. Der Londoner Supermarkt Thorntons Budgens folgte diesem Beispiel und stellte in nur zehn Wochen 1700 Produktlinien auf plastikfrei um. Innerhalb der nächsten drei Jahre soll fast das komplette restliche Sortiment folgen. Auch die britische Supermarktkette hat sich ein Ziel gesetzt, Plastik aus den Regalen zu verbannen. Bis 2023 sollen alle Produkte der Eigenmarken plastikfrei daherkommen. Bleibt zu hoffen, dass viele weitere Läden sich mitreißen lassen und den Kunden das plastikfreie Einkaufen in Zukunft erleichtern.   

    TeroVesalainen / pixabay (https://pixabay.com/de/photos/lebensmittelgesch%C3%A4ft-supermarkt-2119702/ 21.06.19)

    Community gegen Plastik

    Auch im letzten Monat war die WWF Jugend wieder engagiert im Einsatz für eine plastikfreiere Zukunft. In Göttingen konnte die WWF Jugend Niedersaschen 142 Unterschriften für eine globale Konvention gegen den Eintrag von Plastik in die Weltmeere sammeln. Am 16. Juni setzten mehr als 500 Picknicker in ganz Deutschland bei Plastikfreien Protest Picknicks in aller Gemütlichkeit ein Zeichen gegen Einwegplastik. Die WWF Jugend war in Köln, Berlin und Darmstadt vertreten.  

    (c) L. Liebetrau / WWF Jugend

    Selbst aktiv werden

    Online

    Landet in Deinem Briefkasten jede Woche das in Plastik verschweißte Bündel Werbung von Einkauf aktuell? Dank der NGO Letzte Werbung kann man diese Plastikpost jetzt online ganz einfach abbestellen und so ca. 52 Plastiktüten und 26 Kilo Papiermüll im Jahr einsparen.

    Du hast eine absolut unnötige Plastikverpackung im Supermarkt entdeckt? Dann mach doch ein Foto davon und nominiere sie für den Goldenen Geier.

    Ebenfalls einen Klick wert sind folgende Petition:

    Andi_Munich / pixabay (https://pixabay.com/de/photos/briefkasten-italien-zeitung-938815/ 21.06.19)

    Offline

    In wenigen Tagen startet wieder die weltweite Challenge Plastic Free July. Möchtest auch Du einen Monat lang versuchen, Deinen Plastikmüll zu reduzieren? Die WWF Jugend unterstützt Dich dabei.

    Müllfreie Picknicks liegen im Trend. Wenn Du durch das Protest Picknick auf den Geschmack gekommen bist, kannst Du am 30. Juni in Berlin und am 7. Juli in Jena an weiteren Zero Waste Picknicks teilnehmen.

    Wenn Dir mehr nach Action ist, dann komm doch am 28. Juli zum Clean Up nach Regensburg.

    Oder wie wäre es gleich mit Müllsammeln im großen Stil? Die Anmeldung für den zweiten WWF Jugend Clean Up Walk ist gestartet. Vom 30. August bis zum 5. September wandern wir entlang der Bergstraße von Bensheim nach Heidelberg und sammeln gleichzeitig Müll und Spenden für die Bergung von Geisternetzen aus der Ostsee. Melde Dich gleich an!

    (c) A. Zeiß / WWF Jugend 

    Darüber, wie man auch über den Wolken plastikfrei bleibt, hat Eva im letzten Plastik-Update berichtet.

     

    Quellen:

    https://utopia.de/action-oma-plastikmuell-strand-meere-143003/ (20.06.19)
    https://utopia.de/trashtag-challenge-muell-instagram-facebook-twitter-130113/ (20.06.19)
    https://gruenkoepfe.de/plogging-cologne/ (20.06.19)
    https://utopia.de/plalking-muell-plastik-trend-90431/ (20.06.19)
    https://www.t-online.de/nachrichten/id_85472140/muellsammler-koennen-gratis-ein-kajak-auf-der-alster-ausleihen.html (20.06.19)
    https://www.hessenschau.de/gesellschaft/muellsammeln-nach-abifeier-als-gewinnspiel,abitur-feier-frankfurt-100.html (20.06.19)
    https://plasticoceans.org/sarah-ferguson-sets-a-new-world-record/ (21.06.19)
    https://utopia.de/ecofario-high-g-separator-fluesse-seen-mikroplastik-filter-133868/ (21.06.19)
    https://utopia.de/ohne-mikroplastik-rossmannn-siegel-143734/ (21.06.19)
    https://utopia.de/dm-balea-mikroplastik-129516/ (21.06.19)
    https://utopia.de/supermarkt-plastiktuete-alnatura-knotenbeutel-obst-gemuese-107227/ (21.06.19)
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aldi-plastiktueten-kosten-beutel-gemuese-obst-1.4480982 (21.06.19)
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aldi-plastik-gurke-1.4377054 (21.06.19)
    https://utopia.de/rewe-unverpackt-bio-obst-gemuese-137877/ (21.06.19)
    https://utopia.de/rewe-schafft-plastikverpackung-bio-gurken-ab-122779/ (21.06.19)
    https://www.independent.co.uk/news/business/news/iceland-plastic-free-packaging-own-brand-products-recycling-pollution-environment-a8161081.html (21.06.19)
    https://www.derstoryteller.de/britischer-supermarkt-macht-es-vor-plastikfrei-und-das-in-nur-10-wochen/?fbclid=IwAR1t1uVpPW4WsL7Dj4H211vqAy9wnq9TjjCdaIgu46z8SKjjJhzJgW7I2_Y (21.06.19)

Kommentare

2 Kommentare
  • LeaJosepha
    LeaJosepha Vielen Dank für das Update! Super, dass so viele Supermärkte mittlerweile immerhin Teile des Plastik weglassen.
    24. Juni 2019 - 1 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr ja, danke für das Plastik-Update!

    Bei unserem Nordic-Walking-Kurs sammeln wir auch oft Müll entlang der Strecke. Oft sind es mehrere Tüten voll... Letztes mal waren wir allerdings ganz erstaunt, es gab fast keinen, obwohl wir 2 Wochen nicht da waren...  mehr
    28. Juni 2019