Berichte

Theodor Storm, nackte Bücher und junge Helden

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

    Das gibt es diesen Monat:

    • Nackte Bücher
    • Theodor Storm und die Plastikflut
    • Neues Leben für alte Taschen
    • Junge Umwelt-Helden und -Heldinnen
    • Die WWF Jugend Community gegen Plastik
    • Selbst aktiv werden

    Nackte Bücher

    Es gibt zahllose Beispiele für unnötige Verpackungen. Gerade Bilder von geschältem und in Plastik verschweißtem Obst sorgen immer wieder für Empörung im Netz. Zu den Artikeln, bei denen man sich Fragen muss, ob sie denn wirklich eine Plastikhülle benötigen, gehören ohne Frage auch Bücher. Gerade bei Hardcovern ist es üblich, dass neue Exemplare von einer dünnen Plastikfolie umhüllt sind. Die Bonnier-Verlagsgruppe, zu der unter anderem Verlage wie Carlsen, Piper und Ullstein gehören, hat jetzt angekündigt, diesem Irrsinn ein Ende zu setzen, und hofft, damit eine Vorreiterrolle in der Verlagswelt einzunehmen. Das erste Hardcover, das ohne Schutzfolie auf den Markt kommt, ist der neue Krimi von Nele Neuhaus. Wenn man überlegt, dass allein von diesem Buch eine Auflage von 300.000 gedruckt wird, zeigt sich, wie viel Plastik in diesem Bereich eingespart werden kann. Statt der Folie erhält der Krimi eine Banderole, die erklärt, warum er unverpackt verkauft wird. Für den Verlag bedeutet dies einen deutlichen Mehrkostenaufwand gegenüber der leider sehr günstigen Folie. Die Banderole soll aber auch nur eine Übergangslösung darstellen, bis sich der plastikfreie Hardcover-Verkauf etabliert hat. Bonnier plant bereits, alle Hardcover, die im Frühjahr erscheinen, ohne Plastikfolien in die Buchläden zu bringen.

    CC0 kerttu https://pixabay.com/de/buch-wand-b%C3%BCcher-wand-dekorativ-1151405/ (21.10.18)

    Theodor Storm und die Plastikflut

    Theodor Storms 1888 erschienene Novelle Der Schimmelreiter handelt von einem Deichgrafen, der das Meer beherrschen und ihm ein Stück Land abtrotzen will, indem er einen neuen Deich baut. Der alte marode Deich bleibt jedoch bestehen. Als eine fürchterliche Sturmflut droht, ihn zu zerstören, soll der neue Deich durchstoßen werden, um das Unheil abzuwenden. Der Deichgraf lässt dies nicht zu und das tragische Schicksal nimmt seinen Lauf… Regisseurin Alize Zandwijk inszeniert den Schimmelreiter 130 Jahre später im Theater Bremen und sieht klare Parallelen zur Gegenwart. Im Interview mit radiobremen erklärt sie, der Feind sei heute nicht mehr die Sturmflut, sondern der Mensch. Der spielt dem Meer heutzutage übel mit, indem er es in eine Müllkippe verwandelt, und genau das zeigt die von Thomas Rupert gestaltete Bühne. Statt von Wasser wird sie mit über Wochen hinweg von Bremer Bürgern zusammengetragenem Plastikmüll geflutet, aus dem sich Tiere aus Plastikfolien erheben. Wer sich diese künstlerische Variante, an das Thema Plastikverschmutzung heranzutreten, anschauen will, findet hier alle Infos zu Aufführungsterminen und Tickets. Schüler, Studenten und Auszubildende erhalten ermäßigte Tickets. 

    (c) Jörg Landsberg

    Neues Leben für alte Taschen

    In Sachen Plastiktüten hat sich in Deutschland in den letzten Jahren einiges getan. Dank einer Selbstverpflichtung des Einzelhandels erhält man sie nur noch selten kostenlos, was den Vorteil mit sich bringt, dass Kassierer zunächst fragen, bevor sie Einkäufe eintüten. Einige Supermarktketten sind sogar dabei, Plastiktüten ganz aus ihrem Sortiment zu verbannen. Damit ist allerdings nicht viel gewonnen, wenn die Kunden stattdessen auf Papiertüten zurückgreifen oder schlimmer noch, zu jedem Einkauf eine neue Mehrwegtasche dazunehmen, weil sie ihren eigenen Beutel vergessen haben, denn die Herstellung von Papier- und Stofftaschen verbraucht wesentlich mehr Energie und Wasser als die von Plastiktüten. Die beste Variante ist und bleibt also, eigene Taschen mitzubringen. Aber wie schnell hat man diese nicht zu Hand, weil man spontan einkauft oder sie einfach vergessen hat? Gleichzeitig verstauben wohl in den meisten Haushalten jede Menge ungenutzte Stoffbeutel in irgendeiner Ecke. Der Berliner Bioladen Grünschnabel hatte eine Idee, die  gleich beide Probleme löst: Er nimmt überflüssige Stoffbeutel an, wäscht sie und gibt sie an der Kasse an Kunden aus, die keine eigenen dabei haben. Durch diesen einfachen Einfall können wertvolle Ressourcen gespart werden und alte Taschen bekommen ein neues Leben.

    CC0 Bru-nO https://pixabay.com/de/laden-supermarkt-gesch%C3%A4ft-3632544/ (21.10.18)

    Junge Umwelt-Helden und -Heldinnen

    Ein bekanntes Zitat des Dalai-Lama lautet: „Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.“ Ich möchte Euch ein paar junge Leute vorstellen, die der perfekte Beweis dafür sind, dass man nicht groß und einflussreich sein muss, um etwas zu bewegen. Die erste ist die zehn Jahre alte Lilly aus den Niederlanden, die auf einem Spaziergang mit ihrem Opa begann, den vielen Müll im Park zu zählen und entsetzt feststellte, dass es beinahe 100 Teile waren. Als ihr Opa ihr erklärte, welche Auswirkungen der herumliegende Plastikmüll auf die Umwelt haben kann, beschloss die damals Neunjährige, aktiv zu werden. Sie sammelte Müll, fotografierte ihn und informierte auf ihrer Facebookseite über die Folgen, die der viele Müll auf die Natur hat. Mittlerweile bemüht sie sich als Kinderbotschafterin bei HOW Global und der Plastic Pollution Coallition so viele Menschen wie möglich über die Plastikflut aufzuklären und hat zusammen mit einer nachhaltigen Trinkhalmfirma ein Trinkhalm- und Besteckset für unterwegs erarbeitet. An ihrem Geburtstag im April hat sie zu einer weltweiten Müllsammelaktion aufgerufen.

    CC0 schütz-mediendesign https://pixabay.com/de/m%C3%BCll-sammeln-entsorgung-zange-1713777/ (26.10.18)

    Vanessa aus Bayern ist ebenfalls zehn Jahre alt und war entsetzt davon, wie viele prall mit Plastikmüll gefüllte gelbe Säcke sich immer auf der Straße ihres Wohnortes Riegsee aneinanderreihten, wenn es Zeit für deren Abholung war. Um auf das Ausmaß des Plastikkonsum aufmerksam zu machen, türmte sie alle gelben Säcke des 500-Einwohner-Ortes zusammen mit der Hilfe anderer Kinder sowie einiger Mütter und Landwirte mit Traktoren vor dem Rathaus auf. Vanessa, die selbst in ihrem Alltag Plastik spart, wo sie nur kann, hat die Bewohner Riegsees offensichtlich zum Nachdenken und Handeln angeregt: Als die Müllsäcke im Monat darauf erneut öffentlich aufgestapelt wurden, war der Berg bereits kleiner.

    Auch der elfjährige Schüler Nicholas Rodchenko-Highfield aus Honkong störte sich gewaltig am vielen Müll. Besonders erschüttert hat ihn der viele Müll an Stränden und im Meer, wo er sich leidenschaftlich gerne aufhält, seit er denken kann. Im Urlaub auf Bali verbrachte er gemeinsam mit zwei Rettungsschwimmern anderthalb Stunden damit, Müll aus dem Meer zu fischen, und wünscht sich, dass mehr Menschen sich Zeit nehmen, um seinem Beispiel zu folgen und herumliegenden Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Weil es ihm wichtig ist, dass Menschen in sauberem Wasser schwimmen können, entwickelt Nicholas gerade einen Sensor zur Messung der Wasserqualität, der mit einer App verbunden werden soll. „Das sind bloß meine Pläne, Menschen zu helfen, nicht krank zu werden, indem sie durch von Plastik verschmutzte Meere schwimmen“, erklärt er in einem Gastbeitrag auf dem Plastic Oceans Blog. 

    Nick Heubeck ist mit seinen 19 Jahren zwar schon etwas älter als die anderen drei, doch deshalb ist sein Einsatz nicht weniger beeindruckend: Als leidenschaftlichen Borussia Dortmund-Fan störte es ihn, wie viel Müll durch Einwegbecher bei jedem Heimspiel seiner Lieblingsmannschaft im Stadion anfiel. Also startete Nick eine Petition und konnte die Geschäftsführung des BVB mit mehr als 100.000 gesammelten Unterschriften überzeugen, ein Mehrwegbecher-System im Stadion einzuführen.

    CC0 Letiha https://pixabay.com/de/abfall-m%C3%BCll-gelber-sack-starnberg-1525945/ (26.10.18)

    Community gegen Plastik

    Auch hier in der Community engagieren sich viele Mitglieder mit kreativen Ideen für eine müllfreiere Zukunft. Im September waren 9 junge Leute eine Woche lang in Brandenburg unterwegs und haben beim ersten WWF Jugend Clean Up Walk fast 200 Kilo Müll und mehr als 1000 Euro Spenden für ein WWF Projekt zur Verbesserung der Müllentsorgung im Mekong-Delta gesammelt. Was sie dabei erlebt haben, kannst du in Marens Bericht nachlesen. Der Clean Up Walk 2019 ist bereits in Planung, Ort und Termin werdet ihr noch dieses Jahr erfahren. Durch den Clean Up Walk wurde das Cleanup Network auf die WWF Jugend aufmerksam. Seit Anfang Oktober sind wir nun auch ein Teil dieses Netzwerkes fleißiger Müllsammler. Und davon gibt es unter uns so einige: Community-Mitglied David hat eine Müllsammelaktion in seinem Heimatort initiiert, es damit in die Zeitung geschafft und mit seinen Mitstreitern in nur zwei Stunden acht Säcke mit Müll aus der Natur gefüllt.

    Selbst aktiv werden

    Motiviert, selbst etwas zu unternehmen? Wir haben ein paar Anregungen für Dich:

    Europäische Woche der Abfallvermeidung   

    Vom 17. bis zum 25.11. findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt, an der sich die WWF Jugend bereits in den letzten beiden Jahren beteiligt hat. Für dieses Jahr ist bereits ein Kleidertausch in Landau geplant. Noch bis zum 04.11. können Aktionen angemeldet und in die offizielle Aktionskarte aufgenommen werden. Alle Infos dazu gibt es hier

    Klima-Botschafter für Mehrweg werden

    Genau wie Lilly aus den Niederlanden kannst auch Du Botschafter werden und zwar für Mehrweg. Die Deutsche Umwelthife bietet für unterschiedliche Zielgruppen Schulungen an, in denen man zum Experten in Sachen Mehrweg wird. Nach einem solchen Workshop bist Du in der Lage, andere darüber zu informieren, warum wir mehr Mehr- als Einweg brauchen und hast wichtiges Grundlagenwissen erworben, um Dich für Mehrwegsysteme einzusetzen, wie es zum Beispiel auch Nick mit seiner Petition an den BVB getan hat. Alle Infos zu den Schulungen findest Du hier.

    CC0 3dman_eu https://pixabay.com/de/versorgung-wasser-wasserflaschen-2290988/ (26.10.18)

    Clean Ups in Chemnitz und Berlin & Upcycling Festival in Dortmund am 10.11.

    Wenn auch Du die Ärmel hochkrempeln, Handschuhe überstreifen und Müll sammeln willst, hast Du am 01.11. bei einer Müllsammelaktion in Berlin und am 24.11. bei einem Cleanup in Chemnitz die Gelegenheit dazu. Und was man mit Müll noch machen kann, außer ihn in die Tonne zu werfen, erfährst Du am 10.11. auf dem Upcyling-Festival Trash Up in Dortmund.   

    Petitionen

    Außerdem kannst Du jetzt sofort mit wenigen Klicks etwas bewirken, indem Du folgende Petitionen unterstützt:

    Beteilige Dich an der E-Mailaktion der Deutschen Umwelthilfe gegen Meeresmüll.  

    Hilf mit, den Einwegbecher-Wahnsinn an der Uni Göttingen zu beenden.

    Setze Dich für Pfand-Becher an der Goethe-Uni in Frankfurt ein.  

    Sorge dafür, dass das EU-Gesetz gegen die Plastikverschmutzung keine Schlupflöcher enthält.  

    Fordere ein Recht auf Reparatur.

    CC0 jarmoluk https://pixabay.com/de/service-computer-reparatur-428539/ (26.10.18)

    Im letzten Plastik-Update hat Tanja von Waste Sharks und Beatmungsgeräten berichtet.

    Quellen:

    https://www.natgeokids.com/au/kids-club/cool-kids/general-kids-club/lillys-plastic-pickup/
    https://www.br.de/nachricht/oberbayern/inhalt/plastik-fasten-durch-kleine-vanessa-erfolgreich-100.html
    https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/riegsee-ort377043/spektakulaere-muell-aktion-in-riegsee-vanessas-kampf-gegen-plastik-9710155.html
    https://plasticoceans.org/ocean-hero/
    https://www.duh.de/aktuell/nachrichten/aktuelle-meldung/schwarz-gelb-mehrweg-borussia-dortmund-will-auf-mehrwegbecher-setzen/
    https://www.buchreport.de/2018/10/10/sind-wir-bereit-auf-plastik-zu-verzichten/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bonnier#Verlage_in_Deutschland
    https://utopia.de/twitter-stofftasche-plastik-tuete-78698/
    https://www.theaterbremen.de/de_DE/kalender/der-schimmelreiter.15353987#
    https://www.butenunbinnen.de/videos/schimmelreiter-plastikmuell-theater100.html
    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schimmelreiter#Inhalt

Kommentare

4 Kommentare
  • TrafalgarLaw03
    TrafalgarLaw03 Oh ja, das mit den Büchern ist mir auch aufgefallen. Ich habe mich da auch gefragt, was das soll und ob die Verantwortlichen dafür nicht langsam auch wach werden und diese sinnlosen Folien einfach weglassen - offensichtlich tut sich jetzt tatsächlich...  mehr
    31. Oktober 2018 - 2 gefällt das
  • SteffiFr
    SteffiFr unverpackte Bücher finde ich auch gut. Allerdings ist auch bei den Bucheinbänden oft Plastik enthalten, eine dünner Schicht, die man oft gar nicht bewusst als Plastik wahrnimmt.

    @cookie: bei mir funktioniert der Reparatur-Link bei den Petitionen leider nicht?
    1. November 2018 - 2 gefällt das
  • Cookie
    Cookie Danke für den Hinweis, liebe Steffi, ich hab den Link aktualisiert. Danke, dass Du die Petitionen unterzeichnest!
    1. November 2018
  • SteffiFr
    SteffiFr danke, jetzt geht er!
    2. November 2018 - 1 gefällt das