Berichte

Von fliegenden Schaumdelfinen und Anti-Plastik-Punks

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen. 

    Das gibt es diesen Monat:

    • Fliegende Schaumdelfine
    • Fast-Food-Kette setzt auf Slow Coffee
    • Sky wird plastikfrei
    • Gegen die Plastikflut ansingen
    • Selbst aktiv werden
    • Community gegen Plastik

     

    Fliegende Schaumdelfine

    Hast du schon mal einen Heliumballon fliegen lassen? Ballonstarts zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Geburtstagen geben ein hübsches Bild ab und der Gedanke, seine Wünsche an einen Ballon geknotet in den Himmel steigen zu lassen, damit sie an einem weit entfernten Ort von jemandem gefunden werden können, ist ebenfalls sehr schön. Leider sind die Konsequenzen ziemlich hässlich, denn die Ballons und vor allem die Ballonschnüre landen oft irgendwo in der Natur, wo sie zur Gefahr für Tiere werden, die sich darin verheddern und ersticken können. Bei unserer Müllsammelaktion an der Nordsee im September haben wir Unmengen solcher Ballonschnüre gefunden.

    (CC0) HilkeFromm https://pixabay.com/de/luftballons-feier-schweben-helium-1012541/ (29.11.2017)

    Um die Umweltverschmutzung durch Heliumballons zu stoppen, hat Steve Hawns aus Florida eine Alternative entwickelt, die mindestens genauso hübsch aussieht, aber keine Schaden anrichtet: Bubloons. Der Name setzt sich aus „Bubble“ und „Balloon“ zusammen und tatsächlich handelt es sich bei den Bubloons um eine Mischung aus Schaum und Heliumballon. In einem großen Behältnis wird einem umweltfreundlichen Schaumgemisch Helium zugesetzt. Dieses drückt den Schaum nach oben durch eine Schablone, durch die er in die unterschiedlichsten Formen gebracht werden kann, von Herzen über Delfine bis hin zu Autos. Mit einem Stab trennt man die Schaumfigur von der Schablone und schon schwebt die Figur wie ein Ballon davon, ganz ohne dabei Müll zu hinterlassen. Hawns Unternehmen SmileClouds USA verkauft und vermietet die Bubloon-Maschinen. Hier bei uns gibt es die tolle Ballonalternative leider noch nicht.

    Fast-Food-Kette setzt auf Slow Coffee

    Eigentlich kommt das Essen bei MC Donald’s stets in Einwegverpackungen daher. Selbst wer den Burger vor Ort isst, bekommt ihn in der Pappschachtel statt auf dem Porzellanteller. Wenn es schnell gehen muss, ist eben keine Zeit zum Spülen. Auch Getränke, ob heiß oder kalt, werden im kunststoffbeschichteten Becher über die Theke gereicht. Porzellantassen gab es bisher nur in den MC Café-Filialen. Seit etwa einem Jahr bekommt man immerhin 10 Cent Rabatt, wenn man sich sein Heißgetränk in den eigenen Becher füllen lässt. Jetzt bemüht sich MC Donald’s darum, den durch die Coffee-to-go-Becher entstehenden Müll noch weiter zu reduzieren, indem in immer mehr Filialen auf Porzellantassen und Gläser statt Einwegbecher gesetzt wird. Bis Ende des Jahres müssen die Kunden schon in knapp 600 Filialen mit einem gemütlichen Tässchen vor Ort statt dem schnellen Kaffee für unterwegs vorliebnehmen. Bis 2019 soll das dann in so gut wie allen MC Donald’s-Filialen in Deutschland Standard sein.

    Im Übrigen setzen immer mehr große Ketten auf Mehrwegbecher: An den Aral-Tankstellen erhält man beispielsweise ebenfalls 10 Cent Rabatt, wenn man sein Heißgetränk im eigenen Becher kauft. In München ist die ganze Stadt an der Reduktion des Bechermülls beteiligt. Dort wurde jetzt auf besonders aufsehenerregende Weise auf die Becherflut aufmerksam gemacht: Drei fast fünf Meter hohe Coffee-to-go-Becher wurden in der Stadt aufgestellt. Sie wären groß genug gewesen, um den Inhalt der 190.000 Coffee-to-go-Becher, die in München jeden Tag über die Theke gehen, aufzunehmen. Hoffentlich konnten mit diesen Kaffeebecher-Mahnmalen einige zum Umdenken bewegt werden.

    (CC0) Juergen_Betz_Haltern https://pixabay.com/de/new-york-mc-donalds-allee-655215/ (29.11.2017)

    Sky wird plastikfrei

    Beim Pay-TV-Sender Sky soll in Zukunft nicht der Himmel, sondern das Meer im Vordergrund stehen. Um die Kunden zum Meeresschutz anzuregen, hat der Sender die Sky Ocean Rescue Initiative gegründet. Sky will seine Reichweite nutzen, um über die Plastikverschmutzung zu informieren. Die Alternativen, die den Kunden aufgezeigt werden, will der Sky selbst vorleben und bis 2020 komplett auf Einwegplastik verzichten. Im Betrieb selbst gibt es schon seit Januar keine Einwegflaschen, Strohhalme oder Plastik-Geschirr mehr. Die neuen Sky-Produkte wie zum Beispiel Receiver werden nicht mehr in Einwegplastik verpackt und sollen bis Ende des Jahres auch selbst kein Einwegplastik mehr enthalten. Die Selbstverpflichtung gilt darüber hinaus auch für die Lieferkette der Produkte. Sky unterstützt die Lieferanten und Geschäftspartnern beim Abschaffen von Einwegplastik und fördert die Entwicklung von Technologien zur Verbannung von Einwegplastik aus Lieferketten. Außerdem hat Sky noch angekündigt, mit dem WWF zusammenarbeiten zu wollen, um sich gemeinsam für Meeresschutzgebiete in Europa einzusetzen.

    Gegen die Plastikflut ansingen

    Nicht nur Sky nutzt seine Reichweite, um gegen die Plastikverschmutzung vorzugehen, auch viele Stars nutzen ihren Bekanntheitsgrad, um Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken. Dazu zählt auch die deutsche Punkband Itchy. Die Jungs machen nicht nur im Video zu ihrem Song „The Sea“ auf die Plastikverschmutzung aufmerksam, sondern packen auch selbst mit an, das Meer vom Plastikmüll zu befreien. In Zusammenarbeit mit dem Projekt Ocean Care haben sie auf Mallorca sowohl am Strand als auch im Wasser Plastikmüll beseitigt. Um völlig unsinnige Plastikverpackungen an den Pranger zu stellen, hat sich die Band einen ganz besonderen Wettbewerb ausgedacht: Um teilzunehmen, muss man sich mit einem auf besonders bescheuerte Weise in Plastik verpackten Produkt fotografieren und sich dabei die Hand vors Gesicht schlagen. Das Foto veröffentlicht man dann mit den Hashtags #worstpackagingever und #icare auf Facebook, Instagram oder Twitter. Dem Einsender der überflüssigsten Verpackung winkt lebenslang freier Eintritt auf allen Konzerten der Band. Und wem Punk zu hart ist, der kann sich stattdessen ein neues Musikvideo von Jack Johnson anschauen, mit dem der Singer-Songwriter aus Hawaii ebenfalls das Ausmaß der Plastikverschmutzung vor Augen führen will.

    Selbst aktiv werden 

    Online

    Manchmal funktioniert Aktivismus ganz bequem und schnell zu Hause vom Schreibtisch aus. Nimm auch du dir zwei Minuten Zeit und fordere mit wenigen Klicks ALDI dazu auf, kein in Plastik verpacktes Obst und Gemüse mehr zu verkaufen und bringe die EU-Kommission dazu, sich gegen die Plastikflut einzusetzen.

    Wenn du etwas mehr Zeit hast, nutze die Chance, Alnatura zu zeigen, dass du an einem unverpackten Sortiment in den Alnatura-Märkten interessiert bist. Dazu veranstaltet das die Bio-Supermarkt-Kette gerade eine Online-Umfrage, bei der man angeben kann, ob und welche Produkte man dort gerne unverpackt kaufen würde und wie man sich das müllfreie Einkaufen bei Alnatura vorstellt. Mitmachen lohnt sich gleich doppelt: Man hat nicht nur die Chance, Alnatura zu überzeugen, auf unverpackte Ware umzusteigen, sondern auch, Einkaufsgutscheine zu gewinnen.

    (CC0) Kaz https://pixabay.com/de/hund-laptop-computer-gl%C3%A4ser-2983021/ (29.11.2017)

    Offline

    Refill Deutschland

    Wenn du dich auch offline für eine plastikfreiere Welt einsetzen möchtest, ist vielleicht Refill Jena eine Möglichkeit für dich. Die blauen Refill-Aufkleber, die bereits in vielen deutschen Städten signalisieren, in welchen Geschäften und Lokalen man sich seine Trinkflasche mit Leitungswasser auffüllen lassen kann, gibt es jetzt auch in der thüringischen Studentenstadt. Damit sie dort bald noch viel mehr Ladentüren zieren, sind noch jede Menge helfende Hände gefragt. Wenn du in der Gegend wohnst und mithelfen möchtest, dann schreib einfache eine Mail an jena@refill-deutschland.de. Du wohnst ganz woanders und möchtest dich trotzdem dafür einsetzen, dass man überall seine Trinkflasche auffüllen kann? Dann erfährst du hier, ob es in deiner Heimatstadt schon eine Projektgruppe gibt, an der du dich beteiligen kannst, oder wie du falls nicht eine eigene Refill-Initiative ins Leben rufen kannst.

    (CC0) kaboompics https://pixabay.com/de/tippen-schwarz-wasserhahn-k%C3%BCche-791172/ (29.11.2017)

    Aktion Tütenlos

    Du willst dich nicht gleich für längere Zeit auf ein Projekt festlegen, sondern lieber eine einmalige Aktion organisieren? Dann veranstalte eine doch einen Tütenlos-Infostand! Am besten noch im Dezember, denn unser Plastik-Gewinnspiel läuft nur noch bis zum Ende des Jahres. Und vielleicht überzeugst du ja auch den ein oder anderen, beim Geschenkekauf ein bisschen plastiksparender vorzugehen, indem du ihm einen unserer tollen Mikroplastik-Ratgeber in die Hand drückst. Wie du einen Tütenlos-Stand organisierst, erfährst du in unserem Leitfaden. Natürlich musst du dich nicht auf die dort aufgelisteten Läden beschränken, sondern kannst auch einen Stand an deiner Schule, Uni, auf einem Weihnachtsmarkt, in Kooperation mit einem Unverpackt-Laden oder was dir sonst noch in den Kopf kommt veranstalten.

    (c) A. Zeiß / WWF Jugend

    Community gegen Plastik

    Die WWF Jugend legt sich nicht nur mit der Aktion Tütenlos gegen die Plastik-Katastrophe ins Zeug. Vom 18. bis zum 26. November fanden im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung gleich drei Aktionen der WWF Jugend statt: Ein Umsonstflohmarkt in Wolfenbüttel und Kleidertauschmärkte in Nimwegen und Landau. Anne und ich haben die Auftaktveranstaltung zur Aktionswoche in Berlin besucht und darüber berichtet.

    Auch sonst beschäftigt sich die Community ständig mit dem Thema Plastik: Dörthe hat uns einen näheren Einblick in ein Forschungsprojekt zum Thema Makroplastik in der südlichen Nordsee gegeben und Mikroplastik aus einem Gesichtspeeling ausgesiebt. Wer noch auf den allerletzten Drücker einen plastikfreien Adventskalender zaubern will, findet zahlreiche Anregungen dazu in Steffis Bericht. Und Eva wird das Thema Plastik im März auf kreative Weise mit Schülern einer Düsseldorfer Schule erarbeiten.

    (c) WWF Jugend Landau

    Im letzten Plastik-Update hat euch Tanja vorgestellt, wie die Kunststoffe der Zukunft aussehen könnten.

    Quellen:

    https://smilecloudsusa.com/ 
    https://www.aral.de/de/retail/presse/pressemeldungen/pm2017-02-10-mehrwegbecher.html
    http://www.lz.de/ueberregional/aus_aller_welt/21881834_Schluss-mit-Einwegbechern-McDonalds-stellt-auf-Porzellan-um.html?em_cnt=21881834
    https://www.mcdonalds.de/nachhaltigkeit/umwelt-im-restaurant/verpackungen
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muell-drei-riesige-pappbecher-zur-muellvermeidung-1.3697940
    http://info.sky.de/inhalt/de/medienzentrum_news_uk_05102017_2.jsp
    https://utopia.de/plastik-einweg-plastik-sky-2020-65836/
    https://skyoceanrescue.com/about-sky-ocean-rescue/
    https://utopia.de/itchy-band-plastik-meer-66985/
    https://utopia.de/jack-johnson-video-plastikmuell-62045/

Kommentare

0 Kommentare