Berichte

Vier Vorbilder und viele Vorschläge für Müllvermeider

  • Plastik ist ein Material, das nicht nur uns in der Community ständig beschäftigt. Mittlerweile haben viele die Probleme erkannt, die mit Kunststoffen zusammenhängen: Auf der ganzen Welt setzen sich Leute dafür ein, die Umweltverschmutzung durch Plastik zu verringern. Ständig gibt es neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, die Welt ein kleines bisschen plastikfreier zu gestalten. Einige davon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

    Diesen Monat möchte ich euch vier beeindruckende Menschen vorstellen:

    - Mathias: Ein 14-Jähriger mit einem außergewöhnlichen Hobby
    - Julia: Besser machen statt besser wissen
    - Antoine: Vier Jahre Müll in Fotos
    - Marcella: Mit der Masterarbeit die Ozeane vom Müll befreien

    Und natürlich gibt es wieder jede Menge Tipps, damit ihr selbst aktiv werden könnt

    Mathias: Ein 14-Jähriger mit einem außergewöhnlichen Hobby 

    Als ich vor Kurzem in Müllvermeidungs- und Upcyclinggruppen auf Facebook unterwegs war, bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der mich unglaublich beeindruckt hat: Mathias Rihsle stellte seine handgemachten Holzprodukte vor. Warum das so besonders ist: Mathias ist gerade mal 14 Jahre jung, seine Kugelschreiber, Schüsseln, Vasen & Co. sind aber echte Kunstwerke. Ich wollte mehr darüber wissen, wie Mathias zu seinem außergewöhnlichen Hobby gekommen ist und er war netterweise bereit, meine Fragen zu beantworten. In seiner Familie ist er zwar der einzige, der mit Holz arbeitet, aber Mathias erzählt mir, dass er auf dem Land wohnt und dadurch eine große Verbindung mit der Natur und Holz hat. Angefangen, damit zu arbeiten, hat er, als er 12 war: „Ich habe mich dann im Internet informiert und bin auf das Drechseln gestoßen, was mich begeistert hat. Dann habe ich zu Weihnachten meine erste Drechselbank bekommen und angefangen, zu üben. Und so hat alles begonnen.“ Mittlerweile stellt Mathias Kugelschreiber, Vasen, Schüsseln, Schneidebretter Kerzenhalter, Teller, Dosen, Mörser, Brotdosen und Pilze aus Holz her. Viele dieser Dinge gibt es hauptsächlich aus Plastik. Für den 14-jährigen Schüler ist Holz wie er erklärt „eine sehr gute und natürlich Alternative.“ Seine fertigen Produkte verkauft er auf Märkten, versendet sie aber auch auf Anfrage. Kontaktieren könnt ihr ihn dazu über seine Facebookseite MRwoodworking, auf der ihr auch einen kleinen Einblick in seine Arbeit bekommt. Allen anderen Jugendlichen, die sich gerne im Umgang mit Holz versuchen wollen, rät Mathias: „Übung macht den Meister, nie aufgeben auch wenn der Weg länger ist!“ Und wer bekommt beim Anblick von Mathias‘ Meisterwerken nicht Lust, die PlayStation gegen eine Drechselbank einzutauschen? Lieber Mathias, vielen Dank, dass du dir Zeit für meine Fragen genommen hast! Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und bitte mach weiter so!

    (c) Mathias Rihsle

    Julia: Besser machen statt besser wissen

    Kennt ihr Julia Post, die Frau, die dafür gesorgt hat, dass bisher schon über 400 Coffee-to-go-Verkaufsstellen mit einem Aufkleber darauf hinweisen, dass man sich bei ihnen sein Heißgetränk in den eigenen Mehrwegbecher füllen lassen kann? Vor fast zwei Jahren hat sie uns ihr Projekt Coffee To Go Again im WWF Jugend Interview vorgestellt, dieses Jahr hat sie ihr eigenes Buch mit dem wundervollen Titel „Besser machen statt besser wissen – Mehr Mut zum Handeln in der Klimapolitik“ herausgebracht. Ein Motto, das Julia vorlebt, denn sie schafft es, neben Arbeit und Masterstudium noch unendlich viel Energie und Herzblut in Coffee To Go Again zu stecken. Ihr Büchlein gibt einen Überblick über alles, was mit Coffee to go verknüpft ist, von den Auswirkungen von Plastik im Meer, darüber, nach was die To-Go-Mentalität eigentlich mit unserer Gesundheit macht, bis hin zum fair produzierten Kaffee. Julia geht den zahlreichen verschiedenen Aspekten des Heißgetränks zum Mitnehmen in spannenden Interviews auf den Grund, erzählt offen und ehrlich von sich und ihrem Projekt und macht deutlich, warum es so wichtig ist, sich politisch engagieren. Mein Fazit: Gut 100 absolut lesenswerte Seiten voller spannender Infos, Fotos und Grafiken, die Lust und Mut machen, sich für positive Veränderung einzusetzen.

    (c) A. Zeiß

    Übrigens gibt es immer mehr Lesestoff rund ums Müllvermeiden und im Verlauf des Jahres dürfen wir uns noch auf zwei weitere Neuerscheinungen zum Thema freuen: Milena Grimbowski, Gründerin von Original Unverpackt in Berlin, hat ein Buch über Müllvermeidung, Minimalismus und alles, was dazugehört, geschrieben. „Ohne Wenn und Abfall“ heißt es und erscheint am 5. Oktober. Zum Spiegel-Bestseller „Besser leben ohne Plastik“ erscheint am 4. September die Fortsetzung „Noch besser leben ohne Plastik“ voller neuer Tipps und Rezepte von Autorin Nadine Schubert.

    Antoine: Vier Jahre Müll in Fotos

    Müll kommt in den Mülleimer, ist der Mülleimer voll, kommt der Inhalt in die Tonne, ist die Tonne voll, bringt die Müllabfuhr den Inhalt weg und wir sehen all unseren Müll nie wieder. Was aber wäre, wenn wir all den Müll, den wir produzieren, nicht wegwerfen, sondern aufheben würden? Und zwar vier Jahre lang. Genau das hat der Fotograf Antoine Repessé tatsächlich gemacht. Das Ergebnis: Mehr als 70 Kubikmeter Müll, darunter 1600 Milchflaschen, 4800 Klorollen und 800 Kilo Zeitungen. Mit diesem Müll hat Repessé die Fotoserie „365 Unpacked“ erstellt, die uns die Ausmaße unseres Konsumverhaltens vor Augen führt. Für den Fotografen aus Lille können Bilder mehr bewegen als die bloßen Zahlen, wie viel Müll wir produzieren. Der Fotograf hofft, mit seiner Fotoserie zu Veränderungen zu inspirieren. Schaut euch die Bilder hier an.

    (c) www.pixabay.de

    Marcella: Mit der Masterarbeit die Ozeane vom Müll befreien

    Im Rahmen ihrer Masterarbeit im Fach Architektur hat Marcella Hansch vor vier Jahren ein Projekt entwickelt, durch das sich unsere Meere vom Plastikmüll befreien lassen könnten: Das Pacific Garbage Screening (PGS). Dabei handelt es sich um eine schwimmende Plattform, mit deren Hilfe Strömungen im Meer beruhigt werden können. Das führt dazu, dass die Plastikteile, die durch Strömungen und Umwälzungen Großteils meterweit unter die Wasseroberfläche sinken, zurück nach oben treiben. Dort können sie dann eingesammelt werden. Somit funktioniert das PGS ganz ohne Netze, Rechen oder Filteranlagen, die zur Gefahr für Meeresbewohner werden könnten. Im PGS sollen sich außerdem Maschinen- und Lagerräume sowie Wohnräume für die Crew befinden. Die Energie, um die riesige Insel zu betreiben, könnte direkt aus dem eingesammelten Plastik gewonnen werden, indem dieses durch die sogenannte Plasma-Vergasung zu Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid umgewandelt wird. Mit dem Wasserstoff lassen sich Brennstoffzellen antreiben, während das Kohlenstoffdioxid als Nahrung für an der Wasseroberfläche gezüchtete Algenkulturen dienen. Aus diesen könnte man dann wiederum biologisch abbaubaren Kunststoff gewinnen. Bis das PGS umgesetzt werden kann, hat der gleichnamige gemeinnützige Verein, noch einige Arbeit vor sich. Man darf aber auf jeden Fall gespannt bleiben.

    Selbst aktiv werden

    Petitionen gegen den Plastikwahn

    Du willst, dass die Politik etwas gegen die Plastikmüllflut unternimmt? Mit nur ein paar Klicks kannst du der Umweltministerin Barbara Hendricks deine Meinung kundtun. Beteilige dich zum Beispiel an dieser E-Mailaktion der Deutschen Umwelthilfe, um deine Stimme für ein Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher in ganz Deutschland abzugeben und fordere hier eine Pflichtabgabe für Kunststoffprodukte. Durch eine solche werden Unternehmen, die Kunststoffprodukte produzieren, dazu gezwungen, Verantwortung für die Umweltauswirkungen ihrer Produkte zu übernehmen.

    Zero Waste hautnah erleben

    Du möchtest verschiedene Stimmen zum Thema Zero Waste hören, um dich über dieses Prinzip zu informieren, dir eine Meinung zu bilden und Tipps zu holen? Dann solltest du am 8. Juli zur Podiumsdiskussion in der Leuphania Universität in Lüneburg kommen. Mit dabei sein werden auch Alternulltiv aus Hamburg, zwei Frauen, die bereits seit 2015 Zero Waste leben. Die beiden geben außerdem einen Workshop am 24. Juli in der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, wo ihr alles über ihren müllfreien Lebensstil erfahren könnt und selbst Produkte herstellen könnt.

     (c) www.pixabay.de

    Plasticfree July - Deine Challenge für den Sommer

    Mach den Juli zu einer Herausforderung und beteilige dich an der weltweiten Challenge Plasticfree July. Durch deine Teilnahme an dieser Challenge kannst du dich darin ausprobieren, deinen Einwegplastikkonsum zu reduzieren und andere dazu inspirieren, über die Plastikmüllproblematik nachzudenken. Mitzumachen bedeutet keineswegs, dass du den ganzen Juli kein Stückchen Plastik anfassen darfst. Wenn du dich hier als Teilnehmer registrierst, kannst du angeben, ob du den gesamten Juli oder nur für einen kurzen Zeitraum an der Challenge teilnehmen möchtest und auf was genau du verzichten möchtest, zum Beispiel auf alle Plastikgegenstände, auf Einwegplastik, auf to-go-Verpackungen… Du kannst die Challenge also an dich anpassen. Um herauszufinden, woher das Plastik bei dir zu Hause eigentlich kommt, steht dir dieser Fragebogen zur Verfügung. Während der Challenge bist du nicht auf dich gestellt, sondern bekommst Mails mit Tipps und Rezepten. Außerdem solltest du über deine Bemühungen sprechen und Freunde motivieren, ebenfalls teilzunehmen. Man kann übrigens jederzeit mit der Challenge anfangen, auch, wenn man den 1. Juli verpasst hat. Wir sind gespannt, auf eure Erfahrungen mit der Challenge und freuen uns, wenn ihr sie in einem Bericht mit uns teilt! In Kiel wird für den Juli übrigens sogar eine Zero Waste Beratungsstelle in der Alten Mu eingerichtet, in der man all seine Fragen zu diesem wichtigen Thema loswerden kann und hilfreiche Tipps bekommt.

    (c) www.pixabay.de

    Arbeite in einem Unverpackt-Laden

    Wer Müllvermeidung zu seinem Beruf machen möchte, sollte sich sofort ans Bewerbungschreiben machen, denn bei Original Unverpackt in Berlin sind gerade folgende Stellen ausgeschrieben:
    - Filialleiter*in in Vollzeit
    - Aushilfe Verkauf Minijob
    - Ausbildung zum/zur Ausbildungskaufmann/-frau im Einzelhandel
    Alle Infos dazu findet ihr hier

    Tütenlos

    Die WWF Jugend startet in den nächsten Wochen eine neue Aktion gegen den Tütenwahnsinn. Wir haben in den letzten Wochen fleißig Infomaterial erstellt und Mikroplastik aus Duschgel gefiltert, damit die Community diesen Sommer die Aktion Tütenlos des WWF mit Infoständen unterstützen kann. Alle Infos, wie ihr euch beteiligen könnt, findet ihr demnächst in einem Bericht, also haltet die Augen offen und seid gespannt! Bis dahin könnt ihr euch in diesem genialen Video schon mal ganz genau über Mikroplastik informieren:

    Wenn ihr wissen wollt, wie man nicht nur die Meere, sondern auch den Mount Everest vom Müll befreien kann, lest euch das letzte Plastik-Update von Ronja durch.

    Quellen

    http://www.boredpanda.com/4-years-trash-365-unpacked-photographer-antoine-repesse/
    https://utopia.de/pacific-garbage-screening-kop-53829/

Kommentare

8 Kommentare
  • GreenLulu
    GreenLulu Interessanter Artikel :) Super, wie sich diese Menschen für die Vermeidung von Plastikmüll einsetzen.
    2. Juli
  • Sarah25
    Sarah25 Danke für den Bericht Anne :) Die Müllfotos sind sehr cool gemacht!
    2. Juli
  • Buchenblatt
    Buchenblatt Die Müllfotos sind wirklich sehr beeindruckend und regen an, sich etwas mehr Gedanken darüber zu machen, was passiert, nachdem der Müll bei uns abgeholt wurde. Das PGS klingt sehr vielversprechend!
    3. Juli
  • anni95
    anni95 Richtig gut, danke!
    19. Juli