Berichte

Mein Jahr in Costa Rica (Teil 1)

  • Costa Rica? Da fällt einem als erstes Ananas, Bananen, Palmen, schöne Strände und umwerfende Natur ein. Doch wie sieht dieses Land wirklich aus? Wie leben die Menschen dort? Was essen sie? All diese Fragen habe ich mir auch gestellt, bevor ich in diesem Land für ein Jahr leben und zur Schule gehen durfte.

    Am 4. Juli 2010 fing das große Abenteuer an: Ich setzte das erste Mal einen Fuß auf costaricanischen Boden zusammen mit 11 anderen Deutschen. Während der ersten Woche kam mir öfters der Gedanken „Wie verrückt bist du eigentlich? Du kannst doch nicht einfach allein ohne Eltern in ein Land gehen, dass du weder kennst noch die gesprochene Sprache ordentlich beherrschst, in einer unbekannten Familie wohnen und auf eine völlig fremde Schule gehen.“ Und trotzdem war ich dort, in diesem kleinen Land Mittelamerikas. Die erste Woche verbrachte ich in San José, der Hauptstadt. Danach ging es dann mit dem Bus zu meinem neuen Zuhause.

    5.07.2010 (Tagebucheintrag): „Ich bin wirklich hier! Ich kann es nicht fassen! In Costa Rica, wo ich immer hin wollte."

    Eine „Finca“ : Kühe, Schweine, Hühner, Pferde, Hunde & ein Papagei
    Auf einem Bauernhof im Norden Costa Ricas sollte ich von nun an leben. Mein Gastbruder hat morgens die 13 Kühe gemolken, meine Mutter abends den Käse selbst gemacht. Einmal die Woche wurden Hühner geschlachtet. Für mich als Vegetarierin hieß das wohl „Chao Vegetarier, Hallo Fleisch“. Ich habe das Vegetariersein freiwillig eingestellt, einerseits, weil ich keine unnötigen Umstände machen wollte, andererseits wollte ich die Kultur, also auch die Esskultur, meiner neuen Heimat kennenlernen.

    Desweiteren besaß meine Familie etwa 10 Schweine, 7 Pferde und einen Papagei namens „Loli". „Loli" lachte mit, wenn wir über einen Witz lachten, rief meinen Namen und redete den ganzen Tag von morgens bis abends.

                                                        Loli, ein Gelbnackenamazone

    20.7.2010 (Tagebucheintrag): „Ich hatte gerade ein gaanz kleines Kücken auf der Hand... oh war das süß... kaum vorstellbar, dass sie irgendwann groß sind und geschlachtet werden. Außerdem sind neue kleine Ferkel da. Ich bin im Paradies!“

                         Am Wochenende habe ich oft geholfen die Kühe zu melken.

    „Gallo Pinto“ - Reis mit Bohen zum Frühstück Bei jedem Deutschen mag sich bei dem Gedanken allein schon der Magen umdrehen, doch „Pinto“ ist sehr schmackhaft. Oft wird dabei noch Avokado, Käse, Tortillas oder gebratene „Platanos“ (Kochbananen) gegessen. Reis ist das Hauptnahrungsmittel in Costa Rica: morgens, mittags, abends. Arroz con pollo (Hühnerreis), Arroz cantones ( Reis mit Fleisch/Wurststücken), sogar zu Nudeln wird noch Reis gegessen. Ich habe mich ganz auf die neue Esskultur eingelassen und sogar Schweinefüße, Rinderzunge und „Frito“ (Suppe aus Schweineinnereien z.B. Leber) probiert. Doch alles war für meinen vegetarischen Gaumen nichts. Umso besser haben mir allerdings die „Empanadas de queso“ (Tortillas mit Käsefüllung) und Tamales, ein Costaricanisches Traditionsgericht, geschmeckt.

                    Lecker! – „Pinto" mit Spiegelei, gebratenem Käse, Plátanos und Avokado

     

    6.7.2011 (Tagebucheintrag): „Gerade habe ich eine Banane, eine halbe Mango und ein Stück Papaya verputzt. Bei uns sagt man exotische Früchte und hier ist es das normalste der Welt drei mangos zu Hause zu haben.“

     

                                           Mein Lieblingsessen: „Empanadas de Queso"

    Die „Ticos“, so nennen sich die Costa Ricaner selbst, sind sehr nette, fröhliche, warmherzige und hilfsbereite Menschen. Ich habe während meines Jahres viele Leute kennen gelernt, darunter Schüler, Lehrer, Ärzte, Bauern, Busfahrer, Senioren. Fast alle sehen fröhlich und gelassen aus. Dies spiegelt sich auch in einem der bekanntesten Sprüche Costa Ricas wieder: „Pura Vida“ (Das pure Leben). Tagtäglich hört man diese zwei Worte aus dem Munde der Costa Ricaner. Sei es als Begrüßung oder als Antwort auf die Frage „Wie geht es dir?“. Aus Studien und Umfragen geht hervor, dass die Costa Ricaner eines der glücklichsten Völker der Erde sind, vor Deutschland und den USA. Es kommt eben nicht darauf an viel zu besitzen, um glücklich sein zu können. Oft haben die Menschen dort viel weniger als wir und trotzdem oder gerade vielleicht deshalb sind sie herzlicher. Das Haus mag noch so klein sein, trotzdem wurde mir immer wieder versichert: „Die Türen dieses Hauses werden immer für dich offen stehen.“ Ich habe versucht mir ein bisschen dieser Lebensfreude anzueignen und mit nach Deutschland zu bringen.

                                                 Spaß und Lebensfreude in der Schule

    Ihr wollt wissen wie der costarricanisch Schulalltag aussieht? Welche Tiere ich während meines Jahres gesichtet habe und wie wunderschön die Natur Costa Ricas ist?

    Hier geht es zum zweiten Teil des Berichtes!

Kommentare

7 Kommentare
  • Nugua
    Nugua Das hört sich toll an! Freue mich auch auf den nächsten Teil. Was mich interessiert ist, wie lange du gebraucht hast, bis du die Sprache relativ gut konntest? War das am Anfang schwierig?
    1. September 2011
  • Sarah25
    Sarah25 @ Uli: also ich hatte natürlich Strom, doch wenn es gweittert hat ist der Strom manchmal ausgefallen ;) wir saßen einmal nur mit einer Batterielampe fast zwei Stunden im Dunkeln zu Hause. Internet hatte ich auch, das haben auch ziemlich viele d...  mehr
    1. September 2011
  • LaLoba
    LaLoba Costa Rica! Wie cool!!! Ich war grad ein Jahr in den USA, in Colorado. Das war auch super. Aber von der Natur her hattest du es dort natürlich noch viel besser! Ich mag auch mal nach Südamerika...
    4. September 2011
  • HannaS
    HannaS Wie toll, dass du so viele Fotos eingebaut hast! Das Essen sieht ziemlich lecker aus :)
    10. September 2011