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Die Zukunft unseres Klimas. Klima Engineering?

  • Der anthropogene Klimawandel begleitet uns Tag und Nacht. Seine Folgen werden immer deutlicher spürbar. Doch trotz aller fest vorgenommenen Vorhaben, Bemühungen und Versprechungen zeigt sich keine Verbesserung. Der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen setzt sich unvermindert fort und bringt das globale Klima aus seinem empfindlichen Gleichgewicht.

    Ist die Reduzierung von Treibhausgasen überhaupt die einzig mögliche Lösung, um unser Klima zu retten? Ein neuer Forschungszweig geht andere Wege. Der technische Eingriff ins Klima - Klima Engineering. Unsere Rettung oder der absolute Albtraum?

    Es existieren verschiedene Pläne, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten. Einige möchte ich euch kurz vorstellen.

    Plan 1: Roboterschiffe kreuzen über die Weltmeere und versprühen Seewasser. Aus dem Nebel bilden sich Wolken, die Sonnenlicht stärker reflektieren. Diese unbemannten Sprühschiffe verwenden Meerwasser und pressen es durch hauchfeine Düsen, um es zu vernebeln. Die Tröpfchen, die aus den Rotoren kommen, sind so fein, dass sie von allein nach oben steigen. Wenn das Wasser verdampft, kristallisieren die darin gelösten Salze. An der Basis bestehender Wolken kondensiert Wasser auf den Salzkristallen und es bilden sich winzige Tropfen. Je größer die Tropfen, desto mehr Sonnenlicht wird reflektiert.

    *** Nachteile *** Diese Methode kann Ozeanströmungen und globale Niederschlagsmuster verändern. Sie hilft außerdem nicht gegen die Versauerung der Ozeane.

    Plan 2: Billionen hauchdünner Scheiben formen im Weltall eine riesige Wolke, die den Planeten beschattet.

    *** Nachteile ***   Es müsste 38 Jahre lang jede Minute eine Kapsel mit 800.000 Scheiben ins All geschossen werden. Wie auch die erste Methode, verhindert sie keine Versauerung der Meere. Zudem wird der Wasserkreislauf der Erde beeinflusst.

     

    Plan 3: Schwefeldioxidnebel in der Stratospäre, zwischen etwa 15 und 25 Kilometer Höhe, sollen die Wärmeeinstrahlung der Sonne verringern. Das könnte per Flugzeug bewerkstelligt werden, indem Frachtmaschinen Schwefeldioxid oder Schwefelsäure in der Stratosphäre deponieren. Der Stoff könnte aber auch durch Schläuche in die Atmosphäre gepumpt werden, wo Düsen ihn dann zerstäuben. Das Schwefeldioxid reagiert in der Stratosphäre zu Schwefelsäure. Mit Wasser zusammen entstehen feine Partikel, die das Sonnenlicht streuen.

    *** Nachteile *** Es verändert das Niederschlagsmuster unserer Erde und zerstört das Ozon, das vor gefährlicher UV Strahlung schützt. Es wirkt nicht gegen die Versauerung der Meere. Außerdem gibt es keinen blauen Himmel mehr..

    Plan 4: Eisensalze sollen das Wachstum von Algen stimulieren, die der Atmosphäre große Mengen an Kohlendioxid entziehen. Von Schiffen aus, sollen Eisensalze ins Meer fließen. Das abgestorbene Phytoplankton sinkt zu Boden und deponiert langfristig einen Teil des aufgenommenen Kohlenstoffs.

    *** Nachteile *** Es können sauerstoffarme Gebiete entstehen, die tödlich für Fische wären. Das Ökosystem im Wasser verändert sich und in den tieferen Meeresschichten gibt es einen leichten Anstieg des Säuregrads.

    Bei all diesen phänomenalen Ideen könnte man meinen, die Welt wäre gerettet. Wobei die Nachteile natürlich nicht zu übersehen sind. Auch die Forscher, die sich diesen Projekten widmen, wissen, wie heikel und gefährlich dieses Thema doch ist.

    Der Klimaforscher Ken Caldeira sieht den technischen Eingriff lediglich als Notfallversicherung. Es sei für ihn keine Alternative zur Reduktion von Treibhausgasen! "Man schließt ja eine Feuerversicherung für sein Haus ja nicht ab, weil man von einem Feuer ausgeht. Aber man glaubt, das Geld sei gut angelegt, um im schlimmsten Fall vor dem Ruin zu bewahren", meint er. Und dieser Klimaruin könnte eines Tages so plötzlich eintreten, dass es wohl gut wäre, man hätte einen Plan in der Hinterhand.

    Es ist außerdem nicht zu verhehlen, dass aus technischen Klimaeingriffen ganz neue Konflikte entstehen könnten. Auslöser für Kriege wären dann ganz neuer Art, denn auch mit dem technischen Eingriff wird es weiterhin ungleiche Verteilungen geben. Caldeira spricht von Szenarien wie diesem:  China will die Sonne nur ein wenig dimmen, die USA möchte sie ein bisschen stärker reduzieren und Europa will vielleicht gar nicht am Thermostat drehen.

    Armand Neukermanns, Physiker und Erfinder, setzt privat auch lieber auf konventionellen Klimaschutz und setzt sich dafür ein, auf allen Dächern Solarpaneele installieren zu lassen. Trotzdem glaubt er nicht an eine Wende in unserer Klimapolitik. Nur im Fall einer handfesten Krise könnte die möglich sein und dann ist es vielleicht schon zu spät.

    Meinrat Andreae weiß die Forschung hier auf ganz dünnem Eis. In solch einem komplexen globalen System könnten gar nicht alle Faktoren berücksichtigt werden und es wird immer zu nicht-intendierten Folgen kommen. Er ist der Ansicht: "Finger weg vom Erd-Thermostat!" Würde es trotz der Eingriffe weiterhin warm auf der Erde, so könnte man sich nicht mehr sicher sein, ob dies an natürlichen Schwankungen oder noch immer am antropogenen Klimawandel liege. Ein Aussteigen aus dem Klima-Engineering wäre keinesfalls ohne Bedenken möglich. Denn in all der Zeit künstlicher Kühlung würden die Temperaturen auf der Erde binnen Kurzem deutlich ansteigen und ganze Ökosysteme kollabieren.

    Der Atmosphärenchemiker ist der Ansicht, wir sollten mit unseren Forschungsmitteln lieber ergründen, wie wir Energie mit weniger Emmissionen gewinnen können und wie wir uns an das Leben in einer wärmeren Welt anpassen können.

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    Und wie seht ihr das? Glaubt ihr, Klima-Engineering könnte die Rettung für unseren Planeten sein? Oder ist es ein visionäres Höllenwerk, was uns denken lässt, wir wären allmächtig und könnten alles beeinflussen wie wir wollten?

    Ich bin gespannt auf eure Meinungen! ;o)

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    Quelle:

    Bachmann, Klaus, Die Klima-Ingenieure, in: GEO. Die Welt mit anderen Augen sehen, 09/2011.

     

     

Kommentare

5 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Nein, nein , nein....wenn schon im Vorneherein so markante Nachteile offenliegen, sollte man die Idee verwerfen. Was nützt so ein Plan uns denn? Es verleitet doch geradezu dazu, sich darauf zu stützen und sein Verhalten nicht zu ändern. Tec...  mehr
    23. August 2011
  • MJ1499
    MJ1499 Hmmm...also die Methoden ganz sicher nicht, wenn wir später eine gute Möglichkeit haben, dann jederzeit sofort würde ich sagen...und ich stimme dem herren zu: Klima Engeneering ist nur als Plan B geeignet!
    23. August 2011
  • JohannesB
    JohannesB Interessanter Bericht. Danke, Uli!
    Es gibt bisher keine Alternative zur massiven Emissionsreduktion. Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da, so sehen es auch die meisten renommierten Klimaforscher. Deshalb muss es erste Priorität von Forschun...  mehr
    23. August 2011
  • Janine
    Janine Ich bin der Meinung von Glühwürmchen und Johannes. Finger weg vom Klima Engineering! Es ist doch überhaupt erst soweit gekommen, weil wir schon die ganze zeit über "rumgepfuscht" haben. Die potentiellen Negativ-Folgen kann ma...  mehr
    24. August 2011