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Kassenzettel? Nein, danke! Umweltschutz? Ja, bitte!

  • Es ist Abend, kurz vor Ladenschluss wird die Schlange an der Supermarktkasse immer länger. Du hast auch schnell was eingekauft und stehst nun mit Deiner Schokoladentafel und einer Tüte Milch am Ende der Schlange. Während Du ein paar Minuten wartend zur Kasse guckst, machst Du immer wieder die gleiche Beobachtung: Die Kunden, die ihre Sachen gerade eingepackt und bezahlt haben verabschieden sich mit einem Kopfschütteln von der Kassiererin. Aber warum? Wären sie beim Rückgeld beinahe beschissen worden oder wundern sie sich, dass sie ihr ganzes Geld schon wieder ausgegeben haben?
    Nein, wahrscheinlich wurden sie einfach nur höflich gefragt, ob sie den Kassenzettel brauchen oder er wurde ihnen hingelegt, die Kunden lehnten ihn aber kopfschüttelnd ab und ließen ihn ohne Beachtung liegen.

    Die oben beschriebene Szene kennt wohl jeder von uns. Tag für Tag sammeln sich im Kassenbereich der Supermärkte die ungenutzten Kassenbons. Eine Endlosrolle nach der anderen wird in die Kassen eingelegt und dann bedruckt.
    Anders läuft es seit Herbst 2010 in REWE- und Penny-Märkten. Jeder Kunde wird gefragt, ob er einen Kassenzettel haben möchte und nur auf Wunsch wird dieser dann gedruckt. Die Rewe-Gruppe verweist auf Umweltschutzgründe, schließlich wird der Papierverbrauch reduziert und unnötiger Ressourcenverbrauch vermieden. Einige Kunden finden die Kassenbon-nur-auf-Wunsch-Aktion allerdings kundenunfreundlich, schließlich könne man ohne Beleg im Nachhinein keine Mängel reklamieren.

    Wer mal eben spontan einkauft, hat oft weder Rucksack noch Einkaufstasche dabei. Da liegt es doch nahe, sich eine Plastiktüte zu nehmen. Kostet ja gerade mal ein paar Cent. Häufig werden die Tüten, die an jeder Supermarktkasse stapelweise zu finden sind, nur ein einziges Mal verwendet: Einkäufe nach Hause bringen und Tüte in den Müll. So einfach kann man sich’s machen. Pro Jahr verwendet denn auch der durchschnittliche EU-Bürger 500 Plastiktüten, die Umweltfolgen sind dementsprechend dramatisch. Laut EU-Umweltkommission treiben allein im Mittelmeer rund 250 Milliarden Kunststoffteilchen. Deshalb erwägt die EU eine Besteuerung oder gar ein Verbot der Tüten. Italien ist schon einen Schritt weiter: Seit Jahresbeginn sind dort die Plastiktüten tabu.
    Wie man seine Kunden beim Umweltschutz unterstützen kann, zeigt der Drogeriekonzern dm: Hier gibt es gegen ein Pfand von einem Euro eine Stofftragetasche. Diese ist langlebig wiederverwendbar und wenn man sie nicht mehr braucht, bringt man sie einfach zu dm zurück und bekommt im Gegenzug den Euro wieder. Ein kleiner Wehrmutstropfen ist aber auch bei dm zu beklagen: Kleine Plastiktütchen gibt’s umsonst, so viele man will.

    Gerade im Sommer fällt noch eine weitere "Umweltsünde" vieler Supermarktbetreiber deutliche ins Auge: Fast überall gibt es Milch, Margarine und Käse in offenen Kühlregalen. Die Kunden sollen sofort, ohne erst "umständlich" eine Tür öffnen zu müssen, zugreifen können. Was kundenfreundlich sein und den Umsatz steigern soll, wirkt sich aber natürlich massiv auf den Energieverbrauch und damit die Umweltbilanz eines Marktes aus.
    Eine vorbildliche Ausnahme stellen in diesem Punkt Kaiser’s Tengelmann und Alnatura dar. Dort sind, zumindest in neueren Filialen, alle Kühlregale mit Türen versehen.

    Die drei aufgeführten Umweltaspekte sind nur Beispiele dafür, wie in deutschen Supermärkten unnötig Ressourcen verschwendet und Umwelt und Klima belastet werden. Aber es gibt, wie erwähnt, auch immer Beispiele dafür, dass es anders geht. Und dass sich Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit nicht gegenseitig ausschließen müssen.

    Fallen Euch noch mehr Beispiele ein? Und gibt es noch weitere Supermärkte die vorbildlichen Umweltschutz betreiben?

     

    Quellen:
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/italien-abschied-von-der-plastiktuete-stoff-statt-plastik-1.1042377
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,763465,00.html
    http://www.heise.de/tp/artikel/33/33421/1.html
    http://www.internet-energie-check.de/download/branchenenergiekonzepte/kaelte_lebensmittelhandel.pdf

    Fotos:
    http://www.tengelmann-klimamarkt.de/typo3temp/pics/e5d9c33f8f.jpg (1)
    J. Barthelmeß (2, 3)
    http://www.alnatura.de/de/meterlange-kuehlregale-super-natur-markt (4)

     

Kommentare

24 Kommentare
  • Alltagsheldin
    Alltagsheldin hab ich noch nie gehört, find eich aber echt super mit den zetteln :)!!!
    13. Januar 2012
  • Alltagsheldin
    Alltagsheldin hab ich noch nie gehört, find eich aber echt super mit den zetteln :)!!!
    13. Januar 2012
  • Anais
    Anais danke für den artikel, das mit den pfand-tüten ist mir neu - ich achte zwar meist drauf, eine tasche mitzunehmen, aber leider hast du recht, denn es gibt viel zu viele die das nicht tun. mit gutem Vorbild voraus; wollen wir hoffen, dass andere L...  mehr
    1. April 2012
  • Veggieburger
    Veggieburger Das mit den Kassenzetteln ist mir auch schon aufgefallen. Echt unnötig so euine Papierverwschwendung... ich hoffe wirklich, dass diese bald, öfter nur bei Bedarf gedruckt werden...
    18. April 2012