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Joschka und Herr Fischer - Ein Film, der zum Nachdenken anregt

  • Der Film "Joschka und Herr Fischer" erzählt die Geschichte Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg aus den Augen eines Mannes, der sie live miterlebt hatte. Joschka Fischer war in seiner Jugend Aktivist, wurde später Politiker der Grünen und Umweltminister Hessens und landete letztendlich als Außenminister an einer Stelle, zu der er nie hinwollte. Ein Film über Politiker und die Geschichte Deutschlands? Der kann doch nicht gut sein, denken sich jetzt bestimmt viele von euch. So ging es mir auch, als ich mich letztens eher unfreiwillig zu dieser Kinovorstellung begab. Doch zu meiner Überraschung ist der Film gar nicht mal so schlecht. Eigentlich sogar richtig gut.

    Die Atomkraftwerke müssen weg! Da sind wir uns ja wahrscheinlich alle einig. Doch wie war es eigentlich, als die ersten AKWs in Deutschland gebaut wurden? Joschka Fischer hat es erlebt. Als Stadtguerilla demonstrierte er selbst in seiner Jugend für mehr Umweltbewusstsein und mit seinen Tennisschuhen bei der Einschwörung zum hessischen Umweltminister ging er in die Geschichte ein. Daher ging ihm das Thema auch sehr nahe. Doch als die Antiatomkraftbewegung ganz groß wurde, hatte er plötzlich ein Problem: Fischer stand nun nicht mehr als Demonstrant auf der Straße, er war Politiker bei den Grünen. Alles war nicht mehr so einfach. Er hatte nun mehr Macht, aber irgendwie auch weniger. Es ging nicht mehr einfach nur darum, den Bau von Atomkraftwerken zu verhindern, nun musste er plötzlich so viel mehr bedenken. Über seine Zeit als hessischer Umweltminister sagt er selbst: "Ich habe alles falsch gemacht, was man falsch machen kann." Befreundete Aktivisten stellten sich gegen ihn, er wurde als Verräter angesehen. Doch damit war es mit den inneren und äußeren Konflikten noch lange nicht vorbei. Die Wahl zum Außenminister lag ihm auch ganz schwer im Magen. Freuen konnte er sich darüber nicht, denn er wusste schon, dass eine der schwersten Entscheidungen überhaupt auf ihn zukommen würde: Krieg oder kein Krieg? Joschka Fischer entschied sich für den Jugoslawien-Krieg und machte sich damit noch die letzten Verbündete zu Feinden.

    Der Film wird fast komplett aus der Sicht von Joschka Fischer selbst erzählt. Nur ab und zu werden Kommentare von anderen Zeitzeugen eingeblendet. Deswegen finde ich diesen Film auch richtig gut. Warum entschied sich Fischer für den Krieg, obwohl er in seiner Jugend selbst mit Leib und Seele für den Frieden demonstriert hatte? Für mich - selbst eine Kriegsgegnerin - war es sehr interessant diese Frage einmal aus der Sicht eines Politikers beantwortet zu bekommen. Und irgendwie machen seine Gründe genauso viel Sinn, wie die der Gegenseite auch. Alles hat zwei Seiten, dies ist die Seite eines Aktivisten und Politikers, der immer als kalt und herzlos abgeschrieben worden war - erzählt auf eine tiefgehende Weise, die allen vorangegangenen Eindrücken Lüge straft.

    Joschka Fischer hat in seinem Leben viel erlebt. Und von seiner Kindheit bis heute wird alles behandelt. Hauptsächlich geht es in diesem Film nun mal auch um Geschichte. Die Geschichte eines Landes, das zu sich selbst finden musste. Und Fischer war ein Teil dieser Entwicklung. Hungernöte nach dem Weltkrieg, Friedensbewegungen, Kriegsbeginne, die Anfänge der Antiatomkraftbewegung und warum die Jugend Frankfurts sich nie der RAF angeschlossen hatte. All dies und noch viel mehr wird in "Joschka und Herr Fischer" behandelt. Damit in die Geschichte auch ein wenig Gefühl rein kommt, hatte sich der Regisseur Pepe Danquart etwas Spezielles ausgedacht: Statt langweilige Interviews zu führen und ständig überall nachzuhacken ließ er Joschka Fischer einfach reden. Auf Glaswände projektierte er Filmabschnitte und ließ den Politiker zwischen ihnen hindurchwandern. Zu jedem Film erzählte Fischer, was auch immer ihm dazu einfiel. Spätestens bei dem Abschnitt mit dem Fronleichnamumzug, bei dem er einen Geistlichen erkennt, beginnt Fischer alles ein wenig persönlicher zu sehen. Die vielen Bilder aus der Vergangenheit regen nicht nur ihn zum nachdenken an.

    Ich hoffe, ich konnte euch diesen Film hiermit ein wenig Schmackhaft machen. Es mag zwar doch mehr eine Dokumentation sein, als ein Spielfilm, aber wer an Geschichte wenigstens noch ein bisschen interessiert ist, wird diesen Film auf jeden Fall genießen. Wenn ihr also die Gelegenheit habt: Unbedingt anschauen! Joschka und Herr Fischer läuft zur Zeit gerade in einigen Kinos. Lasst euch übrigens von den ersten paar Minuten nicht abschrecken, die sind nämlich ein wenig langweilig. Spätestens bei den Jugenddemos wird es aber interessant.

Kommentare

4 Kommentare
  • Carphunter
    Carphunter hört sich schwer intressant an!
    werde ihn mir bei gelegenheit anschauen

    danke für den bericht
    12. Juli 2011
  • Beasty
    Beasty Ich bin ja eigentlich recht schwer für Geschichte zu begeistern, aber ein Freund von mir liebt Geschichte. Werde wohl warten bis er die DVD hat und denn mal testen ob mir der Film zusagt^^
    12. Juli 2011
  • Peet
    Peet Ich habe ihn leider im Kino verpasst, finde diesem Film aber sehr interessant! Die DVD ist gekauft. Was mich allerdings interessiert, ist neben der historischen Erzählung auch wie der Film die einseitige Erzählweise herüber bringt. Im Endef...  mehr
    13. Juli 2011
  • MarcelB
    MarcelB Peter der Film läuft noch in Berlin ;) Die Szene wo er mit dem Ami spricht ist sooooo genial! Das ist Charisma!!! Aber vllt. auch nur wieder bisschen Propaganda für n Wahlkampf in einigen Bundesländern bald...
    13. Juli 2011