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Sie haben CO2 zum Fressen gern...

  • Es ist kein Geheimnis: Kohlekraftwerke sind Klimakiller. Laut einer Studie im Auftrag des WWF stehen sogar zehn der dreckigsten Kraftwerke der EU in Deutschland.

    Das hört sich gar nicht gut an, findet ihr? Die marinen Mikroalgen der Algenproduktionsanlage in Bergheim-Niederaussem sehen das sicher anders. Die Lieblingsspeise dieser kleinen Kerlchen ist nämlich Kohlenstoffdioxid.

    Und genau diese Eigenschaft möchte Kraftwerksbetreiber RWE sich zunutze machen, um die Stromerzeugung aus fossilen Quellen klimafreundlicher zu gestalten. Seit dem 6.11.2008 gibt es deshalb eine Pilot-Algenanlage in direkter Nähe zu einem Kraftwerk in Niederaussem. Rauchgase aus dem Kraftwerk werden zu der Algenproduktionsanlage umgeleitet und als „Futtermittel“ für die Algen verwendet. Diese setzen das CO2 dann in Biomasse um – mit anderen Worten: Sie fressen und wachsen.

    Dabei haben die marinen Mikroalgen zwei entscheidende Vorteile gegenüber Landpflanzen: Erstens weisen sie höhere Wachstumsraten auf (wandeln CO2 also schneller in Biomasse um). Zweitens können sie in geschlossenen Anlagen produziert werden und es können Standorte genutzt werden, die für den Pflanzenanbau nicht geeignet sind. Dadurch büßen Nahrungs- und Futtermittel keine Anbaufläche ein, wie das zum Beispiel bei Raps der Fall ist.

    Mit der Anlage in Niederaussem können pro Jahr bis zu 6.000 Kilogramm Algen hergestellt werden. Dadurch werden 12.000 Kilogramm CO2 eingebunden.

    Vor allem dient diese Anlage aber dazu, diese Option der CO2-Einbindung zu untersuchen. Und damit ist man noch lange nicht fertig. „Die Algentechnologie befindet sich noch im Entwicklungsstadium“, erklärte mir Georg Wiechers von RWE. „Die Aufgabe, die wir uns im Projekt gestellt haben, ist, die zuvor im Labor und kleinen Anlagen entwickelte Technik in einem größeren Maßstab zu erproben und damit den notwendigen nächsten Entwicklungsschritt zu vollziehen.“

    In Zukunft werden vor allem Nutzungsmöglichkeiten der Algen untersucht werden: „In unseren Untersuchungen zeichnet sich ab, dass der Einsatz in Biogasanlagen eine vielversprechende Nutzungsmöglichkeit darstellt“, sagt Georg Wiechers. Doch auch die Umwandlung in Biosprit wäre denkbar. Außerdem muss noch daran gearbeitet werden, den Energiebedarf des gesamten Prozesses – von dem Betrieb der Photobioreaktoren über die „Ernte“ der Algen bis hin zur Umwandlung zum Endprodukt – zu senken.

    Derzeit laufen deswegen die Planungen zum weiteren Vorgehen im Projekt. Wir dürfen also gespannt sein!

    Bildquelle: RWE Power

Kommentare

6 Kommentare
  • JohannesB
    JohannesB Klingt sehr gut, fast zu schön ... Dann hoffen wir mal, dass die Algen kräftig Appetit haben und das ganze nicht nur ein Greenwashing-Gag von RWE ist.
    12. Juli 2011
  • LaLoba
    LaLoba Wow, das ist ja cool! Eine super Idee, klingt für mich alles sehr logisch. Mal sehn ob was draus wird...
    12. Juli 2011
  • Schimon
    Schimon Das ist doch wieder nur eine sinnlose Forschung gewesen. Der Bericht ist tadellos, aber ich würde nicht auf Algen vertrauen. Zum einen weiß man noch nicht wohin mit den Algen und wenn man die als Biosprit nutzen möchte weiß man auch ...  mehr
    13. Juli 2011
  • JohannesB
    JohannesB @Schimon: "Saubere Kohle" - da bin ich skeptischer als bei den Algen ... Die Algen kann man dann ja, wie im Bericht erwähnt, in Biogasanlagen verwenden. CCS, die unterirdische Einlagerung von CO2, ist noch weitgehend unerforscht, man kennt ...  mehr
    16. Juli 2011