Berichte

Into the Wild

  • Probleme und Herausforderungen eines Lebens fernab gesellschaftlicher Strukturen basierend auf dem gleichnamigen Film von Sean Penn

    Ich werde nächstes Jahr mein Abitur machen und habe diesen unbedingten Freiheitsdrang, den sich jeder schon einmal kennengelernt hat. Ich würde gerne in einer natürlicheren Umgebung leben und stelle mir das sehr romantisch vor.  Umso mehr hat mich der Film "Into the Wild", den ich vor ein paar Jahren zum ersten mal sah, angesprochen. Auch wenn es sich hierbei um ein sehr extremes "ausbrechen" handelt, was sich sicherlich nicht auf meine Wünsche übertragen lässt. Trotzdem habe ich mir erlaubt, meine Gedanken zu Film und Buch aufzuschreiben und mich würde interessieren, was ihr davon haltet, sofern ihr ihn überhaupt zu Ende lest. Ich weiß, dass der Bericht ziemlich lang geworden ist,aber es ist so ein schönes Thema!

    "There is pleasure in the pathless woods, There is rapture on the lonely shore, There is
    society where none intrudes, By the deep sea and the music in its roar; I love not man
    the less, but Nature more." — Lord Byron

    Dieses Zitat Lord Byrons gibt den Auftakt zu einem außergewöhnlichen Film, welcher die
    wahre Geschichte des jungen Mannes Christopher Johnson McCandless erzählt, der den
    mutigen Schritt wagt, aus der “vergifteten” Gesellschaft der westlichen Welt zu fliehen.
    Sein Ziel ist und war schon immer die Weite Alaskas, in der er den tieferen Sinn seines
    Lebens zu finden glaubt.
    Nachdem er erfolgreich das College abschließt, spendet er sein komplettes Geld und lässt
    ohne zurückzublicken, sein altes Leben mitsamt seiner ursprüngliche Identität hinter sich.
    Als Alexander Supertramp wandert er von der Küste Kaliforniens zu den Getreidefeldern in
    South Dakota. Er erfährt die Schönheit des Grand Canyon und des Golf von Mexiko, bevor
    er wieder nach Nevada zurückkehrt. Im April 1992 erreicht er erfolgreich sein Ziel, die
    einsame Wildnis Alaskas. Allein mit fünf Kilogramm Reis und einem Gewehr versucht er
    in der Wildnis zu überleben und findet anfangs auch dass, was ihn zu diesem Abendteuer
    veranlasst hat: Ein asketisches Leben im Einklang mit der Natur fernab jeglicher Strukturen
    einer kapitalistischen Gesellschaft. Sein Experiment scheitert allerdings schon nach einigen
    Monaten an der eisernen Kraft und Unbahrmherzigkeit der Wildnis. Sein Traum wird ihm
    schließlich zum Verhängnis.
    ,,Er hatte sich emanzipiert von dieser Welt der Zerstreuung, der falschen Sicherheit und
    des materiellen Überflusses. Von all den Dingen, die Chris von der wahren Natur seines
    Lebens trennten.“ (Into the Wild,2007, Kapitel 4).

    Es steht außer Frage, dass Christopher McCandless´ Lebensweg hohe Anerkennung und
    Respekt verdient, doch scheint sein moralischer Grundgedanke am Ende widersprüchlich in sich zu sein, ist er es doch, der das egoistische Handeln seiner Mitmenschen verachtet. Mit seinem Verschwinden und seinem folgenden Tod zerstört er das Leben seiner Angehörigen und engsten Freunde und dies um bedingungslos sein Ziel verfolgen zu können, ein Leben fernab gesellschaftlicher Strukturen zu führen.
    Natürlich sollte sich jeder ihm zum Vorbild nehmen, Herr seiner selbst sein und nicht
    scheuen, sein Leben zu ändern, doch sollte man nicht lieber sein Potenzial nutzen und die
    Welt mitgestalten? Diese Frage bleibt wohl offen, jedoch ist das Leben in Gesellschaft für
    einen Menschen von essentieller Bedeutung. McCandless selbst kommt eben zu diesem
    Schluss und beginnt mehr Verständnis für das Handeln seiner Mitmenschen aufzubringen.
    Diese Reise an sich ist wertvoll und hätte ihn persönlich für sein weiteres Leben bereichert,
    allerdings lässt sein nicht wieder zu richtender Tod, seinen Wandel und die Strapazen
    unnütz erscheinen.
    Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die radikalsten aller Aussteiger immer eine
    Sache verbindet: In dem Moment, indem sie sich von allem befreien, was sie fesselt
    (Familie, Arbeit, materielle Güter), kommt der Tod und dieser befreit sie von sich selber.
    Denn sie selbst sind es, die sich fesseln.
    ! "]!
    Der Film Into the Wild zeigt den Hang der Menschen zu Extremen und so fällt es schwer,
    sich auf eine Seite zu stellen, entweder die der westlichen naturfernen Gesellschaft oder die
    der rauen, lebensfeindlichen Wildnis.
    Unsere kapitalistische Gesellschaft ist sicher pervertiert und nicht der gesündeste Weg,
    doch ist, so sagt schon Nietzsche, Weiterentwicklung unabdingbar und so sollte man die
    Errungenschaften der Zivilisation positiv nutzen.
    Als ersten Schritt sollte der Mensch sich wieder als Teil der Natur sehen und nicht als sein
    Gegenspieler.
    Unsere Welt braucht ganz unbedingt mehr Christopher McCandless´s hinsichtlich seines
    kritischen Denkens, nur fern seiner für ihn typischen Radikalität.

Kommentare

10 Kommentare
  • Marcel
    Marcel Ein toller Bericht! Mich hat dieser Film auch sehr nachdenklich gemacht. Mir persönlich ging es so, dass ich zu Beginn des Films dachte: Was Alexander Supertramp macht ist bewunderswert. Je weiter er jedoch auf seiner Reise kam, desto weniger konnte ...  mehr
    21. Juni 2011
  • Bienenkoenigin
    Bienenkoenigin der film hört sich echt super spannend an, ich glaub ich hab davon schon mal gehört! Echt super bericht, ich werd mir den film auf jeden fall mal anschaun!
    21. Juni 2011
  • Kimbo
    Kimbo nach deinem Bericht werde ich mir den Film auch einmal ansehen.
    Die Frage ob man die Welt nicht mitgestallten soll bleibt meiner Meinung nach nicht offen. Jeder gestaltet die Welt mit seinem Handeln. Auch wenn es nur ein kleiner Teil ist. Der Mann hat sic...  mehr
    11. Juli 2011
  • Eigen91
    Eigen91 Ich glaube was viele nicht verstehen ist das der Trip nach Alaska für ihn doch hauptsächlich eine Flucht war. Er hat es in der heuchlicrischen "pervertierten" Gesellschaft einfach nicht mehr ausgehalten. Ich meine er war ein Idealist, ...  mehr
    11. Januar 2012