Berichte

Radwandern in Deutschland

  • Warum die Radwanderrouten der Generation 50+ überlassen?

    Jedes Mal, wenn ich auf einem Fahrrad sitze, danke ich im Stillen dem Erfinder dieses wundervollen Verkehrsmittels. Umweltfreundlich, kostenlos, gesund, entspannt und auch noch relativ schnell bringt es uns von A nach B. Praktische Sache.
    Aber mal ehrlich, mit dem Fahrrad Urlaub machen, und dann auch noch in Deutschland, das ist doch eher was für die Generation 50+, oder?

    So mag sicher schon der Eine oder Andere von euch gedacht haben, und in der Tat sieht man auf den meisten beliebten Radwanderrouten etwas ältere Leute vor sich hinfahren (die natürlich trotzdem sportlich sind :)

    Warum eigentlich? Warum fliegen oder fahren wir jungen Menschen vorzugsweise ins Ausland, obwohl wir so viele Ecken unseres eigenen Landes noch gar nicht kennen?
    Vermutlich aus Abenteuerlust und dem Wunsch, etwas Anderes, Neues zu sehen und zu erleben. Ich gebe zu, dass ich auch selbst gerne in andere Länder reise. Als sich mir nun jedoch die Chance bot, 5 Monate lang eine Auszeit zu haben und zu reisen, entschied ich mich anders.

    Projekt Deutschlandumrundung

    Fünf Monate lang Rad fahren, einmal rund um Deutschland - gibt es eine bessere Methode, um (das eigene) Land und Leute kennenzulernen?

    Der Gedanke, einfach allein loszuziehen und Deutschland zu umradeln, klingt zugegebenermaßen ein wenig verrückt und abenteuerlich. Aber wahrscheinlich hat mich genau das gereizt. Gesagt, getan: Nach einer eher sporadischen Planungsphase packte ich (gefühlte) Unmengen von Gepäck auf mein Rad und fuhr los.

    Seit zwei Monaten sind mein Fahrrad und ich nun unterwegs, über 3000 km hat mein Tacho schon gezählt.

    Ich bin den ganzen Tag draußen, sehe viel Natur und lerne interessante Menschen kennen - daher bereue ich auch überhaupt nicht, nicht ins Ausland geflogen zu sein. Mit dem Rad zu reisen ist nicht nur ökologisch und somit gut für mein Gewissen, sondern es ermöglicht auch eine intensive Beschäftigung mit der Umgebung, der Landschaft und der Kultur.
     

    Foto: Mein Reisekamerad schleppt das Gepäck, ich bin der Antrieb

     

    Deutschland ist Radwanderparadies

    Als ich vor ein paar Tagen ein paar Jugendlichen erzählte, was ich mache, kam prompt die Frage: “Aha – und warum hast du dir kein geiles Land ausgesucht?”
    OK, auf den ersten Blick ist das eigene Land vielleicht nicht das spannendste Reiseland. Aber seine Fahrrad-Touristen lacht Deutschland geradezu an: In fast allen Regionen gibt es viele gut ausgeschilderte Radwege abseits der Straßen, oft mit Infos über die Gegend. Ein dichtes Netz von Fernradwanderwegen und schier unendlich vielen Regionalrouten machen die Wahl der Strecke gar nicht so einfach.

    Man muss ja nicht gleich so übertreiben wie ich, aber ich möchte Jeden ermutigen, sich an ein paar freien Tagen auf den Sattel zu schwingen und die schönsten Ecken Deutschlands zu erkunden. In der kommenden Zeit werde ich euch hier ein paar Radwege vorstellen, die sich besonders für Naturfreunde wie euch eignen!


    Ausgewählte Radfernwege in Deutschland

    1.Nordsee

    2.Ostsee

    3.Elbe

    4.Mecklenburgische Seenplatte

    Einen guten Überblick über die besten Radwege Deutschlands bietet zum Beispiel die Seite www.rad-reise-service.de

    Die ultimativen Tipps zum Radwandern in Deutschland

    Konnte ich euch auf den Geschmack bringen?
    Dann zieht euch, bevor ihr losfahrt, noch ein paar Fahrrad-Reise-Tipps rein, die garantiert schon 2 Monate von mir erprobt sind ;) Wenn euch selbst noch gute Tipps einfallen, schreibt sie doch als Kommentar dazu!

    Unterkunft

    Das Teuerste am Reisen ist meistens die Unterkunft. Wenn man keine größeren Ansprüche hat, kann man hier allerdings ziemlich viel sparen!
    Jugendherbergen sind im Vergleich zu Hotels und Pensionen relativ günstig. Man muss zwar Mitglied im Deutschen Jugendherbergsverband sein, aber das ist recht günstig - für alle unter 27 kostet es 12,50€ im Jahr. Abhängig von der Jugendherberge kostet eine Übernachtung mit Frühstück dann zwischen 18 und 22 €.
    Ebenfalls günstig sind Heuhotels oder auch einfachere Bed&Breakfast Zimmer.
    Wer mit Zelt unterwegs ist, ist natürlich sehr flexibel und kommt noch günstiger weg. Die meisten Campingplätze nehmen für eine Übernachtung mit kleinem Zelt zwischen 7 und 11 Euro.Vom Wildcampen würde ich abraten – es ist erstens in Deuschland verboten und zweitens fährt man ja auch oft durch Naturschutzgebiete, wo das Zeltverbot die Tier- und Pflanzenwelt schützen soll.

    Kostenlos sind Privatunterkünfte, gleichzeitig lernt man so immer wieder neue, interessante Menschen kennen. Ziemlich bekannt ist mittlerweile das Netzwerk couchsurfing.org, es gibt aber auch andere wie z.B. warmshowers.org, das sich speziell an Radfahrer richtet.
    Sehr gute Erfahrungen habe ich bisher mit dem Dachgeber Verband gemacht – auch ein Netzwerk, das auf Gegenseitigkeit beruht und sich speziell an Radwanderer in Deutschland richtet. Das System: Man registriert sich und muss dabei auch Angaben machen, wie viele Leute man selbst beherbegen kann (man kann auch angeben, dass man z.B. nur Zeltplätze im Garten zur Verfügung hat). Dann zahlt man eine Beitrittsgebühr von 15€ und bekommt wenig später das aktuelle Dachgeber Verzeichnis zugeschickt, in dem die Adressen und Telefonnummern aller anderen Dachgeber in Deutschland stehen. Ist man unterwegs, kann man (am besten 1-2 Tage vorher) einfach bei einem passenden Gastgeber anrufen und mit ein bisschen Glück bekommt man dann ein Plätzchen im Haus oder wenigstens einen Platz im Garten für´s Zelt.
    Bei mir hat es bisher fast immer auf Anhieb geklappt und ich habe schon sehr viele nette Leute kennengelernt, die natürlich auch alle gern mit dem Rad unterwegs sind und manchmal wertvolle Tipps geben können.

    Karten oder Schilder?

    Ich fahre ohne Fahrradkarten und richte mich nur nach den Schildern – das klappt erstaunlich gut, weil die meisten Wege gut und durchgängig beschildert sind. Für Notfälle und zum Finden spezieller Adressen leistet mir meine Google Maps Funktion im Handy gute Dienste.
    Man kann sich natürlich auch eine Radwanderkarte für die Gegend besorgen, in der man unterwegs sein will. Oder, wer wieder Geld sparen will, schaut einmal im Internet nach – auf den Seiten der Fernradwege gibt es meist gute Beschreibungen oder Bilder, die man sich ausdrucken kann. Die Tourismusverbände der Bundesländer oder Regionen verschicken auf Anfrage auch oft kostenlos Material. Natürlich sind die Karten dann nicht so detailliert wie richtige Radwanderkarten, aber meistens reichen sie aus. Etwas Abenteuer soll ja auch dabei sein :)

    Ausrüstung

    Egal, zu welcher Jahreszeit man unterwegs ist: Regenjacke und Regenhose sollten nicht fehlen, dann ist auch ein Regentag kein Drama.

    Ebenso wichtig ist eine Grundausrüstung an Fahrrad-Reperaturzeug – Pumpe, Flickset, Abmanteler (das sind diese Kunststoffdinger, ohne die man den Mantel nicht abbekommt) und ein neuer Schlauch. Gut sind auf jeden Fall die „unplattbaren“ Mäntel, die die klassischen Reifenpannen durch Scherben etc. verhindern. Ein Reifendruck von mindestens 4 Bar ist in jedem Fall notwendig – ansonsten gibt es nicht nur schneller Pannen, sondern es fährt sich auch viel schwerer. Da man 4 Bar nur schwer zu Hause mit einer normalen Pumpe erreicht, kann man einfach im nächsten Fahrradgeschäft darum bitten, den Reifen mit dem Kompressor einmal vernünftig aufpumpen zu dürfen.

    Wenn man den ganzen Tag draußen ist, sollte auch Sonnencreme nicht vergessen werden. In der Nähe von Seen empfielt sich außerdem ein Mückenspray, es sei denn, man zieht immer lange Sachen an und hat starke Nerven :)
    An Klamotten sollte man wirlich nur das Nötigste mitnehmen, besser eine Tube Waschmittel einpacken als zu viel Gewicht in Form von nicht benötigten Kleidern. Sportklamotten sind nicht nur schön leicht und trocknen schneller, sie sind bei dem ganzen Gestrampel natürlich auch angenehmer zu tragen. Empfehlen kann ich auch die leichten Mikrofaser-Handtücher, die nicht viel Platz wegnehmen und sehr schnell wieder trocken sind.


    Das ganze Gepäck lässt sich auf einem Fahrrad am besten mit Satteltaschen transportieren – es gibt wasserfeste Taschen oder man man kauft sich einfach eine günstige Regenabdeckung für seine nicht wasserfesten Taschen.

    Ich würde sowieso empfehlen, Klamotten und wasserempfindliche Gegenstände noch einmal extra in Plastiktüten zu packen und erst dann in den Taschen zu verstauen – das sorgt auch für mehr Ordnung im Gepäck.


    Schlafsack, Isomatte und Zelt lassen sich, sofern sie nicht mehr in die Packtaschen passen, auch gut mit Spanngurten obendrauf fest tüdeln. Sieht vielleicht nicht hochprofessionell aus, hält aber erstaunlich gut.

     

     

    So, jetzt hoffe ich, euch ein wenig für´s Radwandern in Deutschland begeistern zu können und wünsche euch viel Spaß bei eurem nächsten Ausflug mit Drahtesel. Berichtet doch mal, welche Touren ihr schon gemacht habt!

    Meine Deutschlandumrundung kann man übrigens in meinem kleinen BLOG verfolgen.

Kommentare

13 Kommentare
  • LeniS
    LeniS Das finde ich wirklich total bewundernswert..bei so viel Zeit hätte ich zunächst irgendwie Angst gehabt, etwas zu verpassen, wenn ich nicht ganz weit weg in eine Kultur, in ein ganz anderes Lebensumfeld gereist wäre..aber was du sagst, klin...  mehr
    1. Juni 2011
  • Franzi
    Franzi Beneidenswert schoen klingt deine Reise :) Und du machst einem das Fahrradfahren wirklich schmackhaft ;) Viel Spass noch! :)
    9. August 2011
  • Puma
    Puma Echt cool.Ich möchte vielleicht auch mal mit ner Freundin bei uns in der Gegend eine 2 tägige Radtour machen,ich weiß allerdings noch nicht wann und ob sie dann überhaupt noch mitmacht.
    10. August 2011
  • Meatala
    Meatala Eine total tolle Idee!
    Ich bin selbst schon praktisch auf dem Fahrradsattel geboren, was eine Notwendigkeit war, da meine Familie kein Auto hat. Und wenn man dann wo hin wollte, musste man eben Rad fahren. Und es ist schon ganz richtig, Radtouren sollten ...  mehr
    14. August 2011