Berichte

Ein Alltag ohne Plastik?! - Familie Krautwaschl lebt es vor

  • Schon gewusst?
    Pro Minute werden weltweit eine Million Plastiktüten konsumiert. Der Traum von unberührter Natur ist längst zu einer Illusion geworden: Plastik durchdringt unsere Welt und ist an den entlegensten Stränden fein zermahlen im Sand zu finden. In den Weltmeeren schwimmt derzeit sechs mal so viel Plastik wie Plankton und selbst unser Körper ist betroffen: Plastik wurde auch schon in unserem Blut nachgewiesen. Dass man unseren Planenten mit dem bisher erzeugten Kunsstoffmengen mittlerweile sechs mal in Plastikfolie einwickeln könnte, ist ja allgemein bekannt.

    Was sich nun viele fragen: Was kann ich tun, dass die Plastikverseuchung aufhört? Es scheint utopisch, bestehen doch unsere meisten Gebrauchsgegenstände aus Plastik. Jeder Einkauf im Supermarkt wäre eine Niederlage. Selbst wenn wir wollten, Plastik ist aus unserem Leben nicht wegzudenken.
    Oder doch?

    Die fünfköpfige Familie Krautwaschl aus dem österreichischen Eisbach hat das Experiment versucht: Ausgehend vom Film plastic planet ließ sie sich auf ein Experiment ein und versuchte, einen Monat lang ohne Plastik auszukommen. Aus dem Monat sind mittlerweile anderthalb Jahre geworden. Der Haushalt wurde komplett ausgemistet und der alte Plastikstapel wohtn nun im Stall – die Krautschals leben sehr ländlich.

    Allerdings geht es dabei keinesfalls fanatisch zu. Fernseher und Handy sind nicht im Müll gelandet und die Playmobil Ritterburg des Kleinsten kehrte ebenfalls nach einer Weile ins Kinderzimmer zurück.
    Sandra Krautwaschl sagt selbst: „Bei aller Liebe zu Experimenten braucht man also auch Mut zur Unvollkommenheit, wenn man im nahezu plastikfreien Einkaufsalltag nicht die Motivation verlieren will. Denn auch wenn man sich hin und wieder ein Packerl Chips oder Mozarella gönnt und es tatsächlich nirgendwo plastikfreie Sonnenschutzmittel gibt, macht es dennoch Sinn, alle unnötigen (Plastik)verpackungen prinzipiell zu vermeiden.“

    Doch wie kann man sich den Einkauf von Lebensmitteln ohne Plastik vorstellen?
    Wer beim Gang durch die Supermarktreihen schon mal genau hingeschaut hat, dem wird auffallen, dass so gut wie alles in Plastik eingepackt ist. Oft wird das mit der Hygiene begründet, nur dann fragt man sich: Ist das nicht ein Trugschluss? Mal ganz ehrlich....wenn ihr euch eine Chipstüte kauft geht ihr euch nicht erst die Hände waschen, weil ihr vorher mit Geld hantiert habt. Und wer die Tüte aufreißt und reinlangt, der transportiert sowieso alle Bakterien, die auf der Tüte waren in die Tüte. Aber geschadet hat es wohl noch keinem und früher ging es doch auch ohne Plastiktüten - warum also dieser Plastikwahn? Warum sogar Gurken einschweißen, die doch von den meisten vor Verzehr sowieso gewaschen werden?
    Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr fällt einem ein. Und das, obwohl unsere Welt schon derart verseucht ist.

    So sollte man Familie Krautwaschl wirklich als Vorbild nehmen:
    Milch und Joghurt werden in Glasflaschen gekauft, wobei man allerdings ein bisschen Plastik im Deckel hinnehmen muss. Butter, Käse und Fleisch lässt sich Sandra in Metalldosen packen, die sie von Zuhause mitbringt.
    In Bioläden ist es oft so, dass die Lebensmittel weniger eingeschweißt sind als in den Billigdiscountern.Müsli ist dort oft „pur“ zu erhalten.
    Wer sich zu einem solchen Schritt entscheidet, der muss allerdings vorher gut planen. Doch nach ein bisschen suchen lässt sich für vieles eine Alternative finden und wer bei Großhändlern nachfragt, kann sogar Nudeln ohne Plastiktüte erhalten.
    Selbst bei der Suche nach Gewürzen ist Sandra Krautwaschl in Graz fündig geworden.

    Wie ist es mit dem Spülen?
    Die Spülmaschine scheidet ja direkt aus. Erstens besteht sie von innen hauptsächlich aus Plastik, zweitens sind die Chemikalien, die zum Spülen verwendet werden die reinsten Gifte.
    Familie Krautwaschl lässt sich im Bioladen Spülmittel aus einem Großkanister abfüllen. Zuhause wird das ganze in einen Seifenspender umgeschüttet, was den Vorteil hat, dass sich das Spülmittel viel leichter dosieren lässt. Dadurch vermeidet man nicht nur Plastik, sondern spart sogar Spülmittel.

    Klopapier aus Plastiverpackungen wird ersetzt durch Papierhandtücher, die man ein bisschen zurechtschneidet.
    Im Grunde spart man sogar Geld bei dieser Art zu leben. Ein gutes Beispiel dafür sind Sandras Kinder im Grundschulalter: minderwertige Stifte, Kugelschreiber, die nicht schreiben, Plastikspitzer die sofort kaputt gehen, Lineale die brechen, all das muss in regelmäßigen Abständen so oft neu gekauft werden, dass es billiger ist, einmal ein bisschen mehr für plastikfreies, solides Schreibzeug auszugeben. Und gesünder ist es auch: Klebstoffe, Farben und Radiergummis gelangen auf die Haut der Kinder oder werden sogar in den Mund genommen.

    Sandra Krautwasch sagt dazu: „Bei Klebstoffen gibt es zum Beispiel von UHU eine ganze Palette von nachfüllbaren und Lösungsmittel freien Produkten, die mir auch für Schulklassen sehr geeignet erscheinen.Vielleicht gelingt es mir, so etwas zumindest für die Volksschulklasse von Leonard durchzusetzen.
    Außerdem werde ich in Zukunft unlackierte Stifte mit gut eingeleimter Mine (bricht nicht so leicht!), Radiergummis aus Naturkautschuk, Metallspitzer, Holzlineale, nachfüllbare Textmarker und Wachsmalstifte mit Papierumhüllung kaufen. Um die hochwertigeren Stifte auch wirklich gut aufbrauchen zu können, werde ich außerdem noch so genannte „Stiftverlängerer“ besorgen.“

    Wie die Kinder das sehen?
    Die sind Mamas Kontrolleure und schauen ganz genau hin:

    „Nichts desto trotz muss ich gestehen, dass ich in den letzten Monaten 2 oder 3mal schwach geworden bin und mich am Ende eines anstrengenden Tages mit einem Packerl Chips „belohnt“ habe. Der Versuch diesen Ausrutscher vor meinen Kindern geheim zu halten, ist allerdings gnadenlos gescheitert.
    Kinder haben ja prinzipiell Antennen dafür, wenn Eltern heimlich naschen. Aber als Marlene diesmal kopfschüttelnd und mit einem strengen: „Mama, also wirklich….Plastikchips!“ hinter mir stand, während ich in unserer finsteren Abstellkammer, versuchte, möglichst geräuschlos die Chips aus dem Sackerl in meinen Mund zu befördern, war das wirklich ziemlich peinlich!“

    Hier könnt ihr euch die Familie in einem Video anschauen:

    Mehr über Familie Krautwaschl findet ihr auf dieser Seite:

    www.keinheimfuerplastik.at/familie-krautwaschl/

     Dort gibt es noch weitere interessante Texte von Sandra Krautwaschl, in denen sie von ihrem Verusch, plastikfrei zu leben, erzählt.

    Hut ab vor Familie Krautwaschl! Es sollte mehr Menschen geben, die ein bisschen mehr auf ihr Konsumverhalten achten. Vielleicht seid ihr ja jetzt ein bisschen motiviert?

     

    Quellen:

    "zeo2", 02/2011. "Ein Leben ohne Plastikhülle" von Klaus Höfler

    http://www.keinheimfuerplastik.at/category/kuche-ohne-plastik-inkl-lebensmitteleinkauf/

    http://www.keinheimfuerplastik.at/category/schulkinder-ohne-plastik-lernen-spielen-sport/

    http://www.youtube.com/watch?v=whnDBRlP-3A

     

Kommentare

14 Kommentare
  • Immy
    Immy Richtig gut!
    26. Mai 2011
  • Leslie
    Leslie sehr guter bericht !
    schon krass, dass \'ne ganze familie sowas durchzieht, vorallem über den zeitraum. klar dass es nicht ganz ohne plastik geht, aber trozdem echt genial :)
    28. Mai 2011
  • Tworster
    Tworster Sehr gut :) doch man kann nicht kommplett von plastik nein sagen in elektronik autos haushaltgeräte ( aber nur noch bis jetzt aus oil). Ich spiel mit Freunden Softair und dafür braucht man auch plastik...dachtet ihr. wir nehmen nur Biokugeln di...  mehr
    31. Mai 2011
  • Oekojule
    Oekojule WAAAAAAAAAAAAAAHNSINN!!!!!! Die Frau geht sogar noch arbeiten! Ich dachte, sie ist Hausfrau. Ich ziehe meinen Hut vor denen! Also so sehr ich Plastik hasse, ich könnte es glaube nicht durchhalten komplett darauf zu verzichten. Das Mögliche mache...  mehr
    14. Juni 2011