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Ein Fahrrad aus Hanf - und was sonst schon aus Öko-Kunststoffen hergestellt wird

  • Hanf - Bei dem Stichwort denkt die Mehrheit sicher erst einmal an Drogen. Das ist eigentlich sehr schade, denn Hanf ist sehr vielseitig einsetzbar und eignet sich hervorragend für die verschiedensten Verarbeitungsprozesse.

    So zum Beispiel auch für den Rahmen eines Fahrrades !

    Die üblichen Fahrräder aus dem Leistungssport bestehen aus Hochleistungswerkstoffen, deren Herstellung viel Energie verbraucht. Zudem kommt noch die Frage nach der Entsorgung.
    Nicolas Meyer ist der Erfinder der neuartigen Alternative: Statt der herkömmlichen Verwendung von Carbon, setzt er auf nachhaltige Rohstoffe. Die Vorhergehensweise: Zunächst wird ein Rahmen aus Kunsstoff geformt, auf das dann Schicht für Schicht Lagen aus Hanffasern aufgetragen werden. Der Stoff wird mit Harz getränkt und in einem Ofen gehärtet, dadurch hat das „Öko“ -Fahrrad das gleiche Gewicht wie sein Vetter mit dem Aluminiumrahmen.


    Meyer sagt dazu: „Hanf hat im Vergleich zu herkömmlichen Fasern eine recht gute Qualität, also wenn man über die Steifigkeit spricht und über die Zugfestigkeit. Und im Vergleich zu anderen Naturfasern eigentlich die besten Festigkeitswerte. Es ist vergleichbar sogar, wenn man es nur in eine Richtung belastet, in Faserrichtung, mit Aluminium von der Festigkeit her, und hat dabei nur die
    Hälfte der Dichte“

    Auch wenn sicher noch ein wenig Optimierungsarbeit nötig ist, bis man mit diesem Fahrrad Rennen gewinnen kann, ist die Umweltverträglichkeit schon jetzt bemerkenswert, wenn auch hier sicher auch noch ausbaufähig ( synthetisches Harz durch biologische Alternativen ersetzen ).
    Fest steht, die Energiebilanz ist besser, als bei den herkömmlichen Fahrrädern. Und der Clou: Wird es nicht mehr gebraucht, kann man den Rahmen auf den Kompost schmeißen...

    Doch es gibt noch so viel mehr zu entdecken!
    Der Kampf gegen die weltweite Plastikverseuchung zeigt seine ersten Früchte, längst sind alternative Stoffe entdeckt, die das Plastik praktisch überflüssig machen. Umso wichtiger, dass immer mehr Leute erfahren, was heute schon möglich ist.

    So stellt das Unternehmen „Biowert“ aus dem Odenwald das sogenannte „Agriplast“ her. Dabei handelt es sich um ein Biokunsstoffgranulat, das zu 75% aus Wiesengras besteht und wie jedes ölbasierte Plastik verarbeitet werden kann.

    Der Unterschied besteht darin, dass dir Endprodukte etwas leichter sind, als die Plastikprodukte und am Ende ihres „Lebens“ kompostierbar.

    Die Herstellung verläuft mit sehr niedrigen CO2- Emissionen, das Wiesengras kann regional angebaut werden.
    Der einzige Nachteil, den man bedenken sollte: Für den Anbau solcher Pflanzen, geht landwirtschaftliche Fläche verloren, die für den Anbau von Lebensmitteln gebraucht werden könnte. So steigt auch der Druck auf den Lebensmittelsektor und der weltweite Hunger steigt an.
     

    Genauso verhält es sich mit einer interessanten Erfindung eines deutschen Paares, auf die ich bei meiner Rechereche gestoßen bin:
    Ute und Johann Zimmermann haben eine Methode entwickelt, „Plastik“tüten aus Stärke herzustellen, die neben der Kompostierbarkeit noch weitere Vorteile aufweisen, wie z.B. dass Lebensmittel darin weniger schnell schimmeln. ( weitere Informationen siehe Quellen).

    Das kleine Familienunternehmen nennt sich „NaKu“. Zwar haben wir hier in Europa eine Überproduktion an Kartoffeln, Mais und Co., doch ob man diese dennoch zur Öko-Kunststoff Erzeugung nutzen sollte, ist umstritten.

    Doch auch für dieses Problem gibt es mittlerweile clevere Ausweichmöglichkeiten:
    Ein Beispiel dafür ist die Firma „Tecnaro“ aus Ilsfeld Auenstein in Baden-Wüttemberg. Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele entwickelten „Abroform“ und „Abrofill“, ein Kunsstoff, der aus flüssigem Holz hergestellt wird und die gleichen Eigenschaften wie das übliche Plastik hat.

    Der Pluspunkt hierbei: Für die Herstellung dieses Kunsstoffes, wird Lingin verwendet, das z.B. bei der Papierherstellung anfällt uns bisher verbrannt wurde. Es werden also keine zusätzlichen Bäume gefällt! Das Zelluloseprodukt Lingin fällt weltweit jährlich in 50 Millionen Tonnen an! Das ist ein großes Potential, das wirklich genutzt werden sollte. Arboform lässt sich für die verschiedensten Dinge nutzen, Damenschuhe, Computermäuse und einfache Gebrauchsgegenstände wie Uhren, Möbel, Geschirr und Besteck. Ein Allzweck-Kunststoff, der mit seiner Ökobilanz überzeugt.

     

    Pfitzer und Nägele gewannen damit den Erfinderpreis 2010.

    Doch auch einfache Dinge lassen sich sehr leicht alternativ zu Plastik herstellen:
    So webt die dänische Textildesignerein Annemette Beck recyceltes Papiergarn zu Teppichen und genauso können Raumtrenner aus Papier und Pappe ihren Zweck gut erfüllen.

    Es wird also klar: Wir sind nicht abhängig von Plastik! Es ist nur noch eine Sache der Nachfrage und der Umsetzungsmöglichkeiten, bis wir vollkommen auf den auf Erdöl basierenden Kunststoff verzichten können. Es wird Zeit für eine Neuorientierung, wollen wir verhindern, dass noch mehr Natur durch unser Konsumverhalten zerstört wird. Die Grundsteine sind bereits gelegt.

    Quellen:

    http://www.tecnaro.de/deutsch/grundsaetze.htm?section=arboform

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1191434/

    http://www.naku.at/index.php/de/faqs/3

    http://www.tecnaro.de/grafik/biosline_1.jpg

    http://www.tecnaro.de/grafik/arboform2.jpg

    "mobil", 05/2011 "sauber gemacht!" von Kay Dohnke

    http://www.pressebox.de/pressemeldungen/tecnaro-gmbh/boxid/342563

    http://www.biowert.de/

    http://www.biowert.de/images/stories/verysimple2/03_agriplast_tassen.jpg

    http://www.biowert.de/images/stories/verysimple2/09_agriplast_taschenlampe_1.jpg

    Das Bild des Fahrrades wurde mir von Nicolas Meyer freundlicherweise zur Verfügung gestellt

     

Kommentare

13 Kommentare
  • hertn
    hertn sehr schöner bericht! :) je mehr leute von den alternativen hören, desto besser. ich bin auch überrascht, dass doch schon so viele ersatze für plastik gibt.
    12. Mai 2011
  • Jakobine
    Jakobine Nutzhanf kann Treibstoff, Plastik, Papier, Stoff, uvm. ersetzen, es kann mehrmals jährlich geerntet werden und der Boden laugt nicht aus. Wäre der heutige Plastikmüll aus Hanf, würde er nicht Meere und Umwelt verschmutzen.
    1926 baute ...  mehr
    13. Mai 2011
  • FelicitasVulkanisiert
    FelicitasVulkanisiert Lob für dich, toller Bericht! Ich hab schon in der 7. Klasse in der Schule gelernt, dass man mit Hanf viele Umweltprobleme lösen könnte, wenn man es z.B. als schnell nachwachsenden Rohstoff zum Heizen verwendet.
    Das Problem ist sicher die ...  mehr
    18. Mai 2011
  • Bienenkoenigin
    Bienenkoenigin total super.. ich hab von der Alternative Hanf auch schon gehört... aber als Stoff... Hanfschuhe z.B., oder hanf-taschen ;)
    18. Mai 2011