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25 Jahre Tschernobyl- Ein Liquidator spricht

  •  25 Jahre Tschernobyl- Ein Liquidator spricht


    Es ist der 25.April 2011, nur noch ein Tag, dann ist die Katastrophe von Tschernobyl 25 Jahre vergangen.

    Am heutigen Tag finden an vielen Orten in Deutschland gleichzeitig Demonstrationen gegen Kernkraft statt. So auch in Biblis.
    Einige von der WWf Jugend haben sich an diesem Tag verabredet, um gemeinsam mit tausenden anderen gegen Atomkraft zu demonstrieren. Dabei waren UnsereGeneration (Nora), simo (Hanna) und Carphunter ( Benjamin) sowie ein Bekannter.

    Gemeinsam fuhren wir mit dem Zug nach Biblis, wo wir einige Zeit vor offiziellem Beginn der Demo ankamen. Somit hatten wir auch noch etwas Zeit, um zu dem geplanten Treffpunkt zu gehen und dort viele Gleichgesinnte zu treffen und sie etwas kennen zu lernen.

     
    Um 12.15 ging es dann endlich los, der Demonstrationszug mit ca. 3000 Menschen ( geplant waren 2000) startete gemeinsam, in Richtung „Platz der Gedanken“.
    Kaum los gegangen, fingen die Organisatoren auf dem Wagen an, die Stimmung auf zu heizen, alle stimmten in die Parolen „Abschalten, abschalten“ oder „Stilllegen, stilllegen“ und noch viele andere mit ein. Alle schwenkten ihre Fahnen und ihre selbstgebauten Plakate, es war ein herrlicher Anblick! Ein schönes Gefühl, einer von tausenden zu sein, die für das gleiche eintreten.
    Am „Platz der Gedanken“ angekommen, erwarteten uns ein paar Stände, mit Informationen, sowie Essen und Trinken. Es war sehr heiss, etwas zu trinken konnte man gut gebrauchen. Es gab auch viele Aktionen, so zum Beispiel konnte man Kreuze aus Holz bauen, die man beschriften konnte und zum Andenken, an alle Opfer Tschernobyls in den Boden hauen konnte. Diese Möglichkeit nahmen wir von der WWF Jugend wahr, um so unsere Trauer, unsere Wut und alle anderen Gefühle zu verdeutlichen.

    Sogar der Vorarbeiter, des AKW Biblis, der uns aus seinem haus mit einem Fernglas beobachtete wurde mit einem höllisch lauten „Abschalten“ begrüßt.

    Höhepunkt dieses Tages war, dass der ehemalige Liquidator, Nikolai Bondar, der damals in den Reaktorkern von Tschernobyl ( als einer von 25, von denen nur noch 10 leben) geschickt wurde, nur für diesen Tag, um vor uns zu sprechen, aus der Ukraine nach Biblis gereist war.

    Er erzählte uns davon, wie es damals, kurz nach der Reaktorexplosion an seiner Tür klingelte, er wollte gerade 

    spazieren gehen und er dazu aufgefordert wurde, zu folgen, ohne dass er wusste, was überhaupt los war. Er erzählte, unter welchen Umständen und mit welch spärlicher „Schutzkleidung“ er mit seinen Kameraden in den Reaktor geschickt wurde. Von seinen Krankheitsdiagnosen, die er aufgrund dieses Ereignisses bekam, wollte er, verständlicher weise nicht reden, ging es ihm doch immer noch sehr nahe.
    Anschließend stand dieser Mann, der genauso alt ist, wie mein Vater noch für Fragen, Interviews usw. zur Verfügung. Diesen tapferen Mann, wollte ich jedoch nicht mit fragen löchern, ich ging zu ihm hin, bedankte mich für das, was er für seine Familie, sein Land und uns alle getan hatte und bat ihn noch um eine Unterschrift auf meine „Atomkraft? Nein Danke“ Fahne. Ich war sehr aufgeregt, denn noch nie hatte ich mit einem Menschen wie ihm geredet. Er gab mir die Unterschrift und lächtelte „Du bist ja noch aufgeregter als ich“ sagte er mir, reichte mir seine Hand und sah mir, mit der Ehrlichkeit eines Kleinkindes in die Augen.
    Noch nie empfand ich vor einem Menschen so viel Ehrfurcht und Respekt, wie an diesem Tag

Kommentare

12 Kommentare
  • Anais
    Anais Hört sich nach nem gelungenen Tag an, danke für den Bericht :)
    27. April 2011
  • TaniaTukan
    TaniaTukan * Gänsehaut* Schöner Artikel - der macht Lust auf ähnliche Erlebnisse und Aktionen :-)
    27. April 2011
  • Carphunter
    Carphunter es war auch echt schön!
    dann fahrt doch am 28. mai auf die nächste demo! ich werde in mainz sein ;)
    27. April 2011
  • Stoffie
    Stoffie super artikel!
    1. Mai 2011