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Schwimmen mit wilden Delfinen - Mein kleines Unterwasserabenteuer

  •  Seit beinahe drei Stunden tuckern wir schon übers Meer, als das Boot endlich langsamer wird und plötzlich geht alles ganz schnell: Wer bis gerade eben noch vor sich hingedöst hat ist jetzt hellwach und eilt mit den anderen zum Ende des Bootes, wo die Crew Leitern herunterlässt und die Gruppen aufruft, die ins Wasser dürfen. Ich habe Glück, meine Gruppe ist dabei. Wir sammeln uns an einer der Leitern, setzen unsere Taucherbrillen auf, der für uns zuständige Betreuer gibt letzte Anweisungen, bevor er sich an seinem Wasser-Scooter festhält und sich samt diesem in die Wellen stürzt und dann kommt das Kommando „Everybody go!“ und bevor ich mich versehe gleite ich ins Meer, halte mich wie angewiesen am Gürtel der jungen Frau vor mir fest und tauche meinen Kopf ins Wasser. Es ist das erste Mal, dass ich Schnorcheln gehe, und erst finde ich das Atmen etwas komisch, habe mich aber schnell daran gewöhnt und lasse mich nun ganz entspannt durchs Wasser ziehen. Plötzlich höre ich aufgeregte Rufe und dann schwimmt auf einmal ein Delfin direkt unter unserer Menschenkette hindurch, nur etwa anderthalb Meter von mir entfernt. 

    Einige Minuten später sitze ich tropfend wieder an Deck und sehe zu, wie die nächsten Gruppen sich in die Fluten stürzen, während in einigen Metern Abstand immer wieder kurz ein paar schwarzgraue Flossen aus dem Wasser auftauchen und wieder im Meer verschwinden. Ich schaue über den Rand des Bootes und plötzlich schiebt sich ein großer grauer Kopf an die Oberfläche, der mich anzulächeln scheint, schaut sich kurz um und ist wieder in den Tiefen des Ozeans verschwunden.
    Wir sind noch etwa vier weitere Stunden lang mit dem Boot unterwegs, stoßen immer wieder auf kleine Gruppen von Delfinen, gegen Ende sogar auf eine Delfinmutter mit ihrem erst wenige Tage alten Baby. Ich kann noch einige Male ins Wasser gehen, komme den Delfinen aber nicht mehr so nahe wie beim ersten Mal, trotzdem ist es aufregend.
    Und als wir uns schließlich entfernen, folgen plötzlich etwa sieben Delfine unserem Boot, springen aus dem Wasser und machen kleine Kunststücke.
    Ein wunderschöner Anblick – vor allem, weil die Delfine dies alles aus freien Stücken tun und nicht von Menschen dazu trainiert wurden. 

    Flaschennasendelfine, besser unter dem Namen Große Tümmler bekannt, sind die wohl bekannteste Delfinart überhaupt, schließlich war Seriendelfin „Flipper“ einer von ihnen. Die zwischen 1,90 und 4 Meter langen und in der Regel zwischen 150 und 300 Kilo schweren Tiere sind in allen Ozeanen verbreitet und leben in engen sozialen Verbänden, sogenannten „Schulen“ zusammen. Untereinander verständigen sie sich mit Pfeiftönen und zudem können sie hochfrequente Klicklaute von sich geben, die zur Echo-Ortung dienen und ihnen so bei der Suche nach Nahrung, die hauptsächlich aus kleinen Fischen besteht, helfen. Die Lebensdauer eines Großen Tümmlers beträgt ca. 25 Jahre.
    Flaschennasendelfine werden zur Förderung von autistischen und behinderten Kindern eingesetzt und in einigen Ländern zum Aufspüren von Seeminen trainiert. Bei Experimenten mit verschiedenen Delfinarten hat sich herausgestellt, dass sie sich am besten zum Aufführen von Kunststücken eignen. Solche Delfinshows kann man in Delfinarien sehen, doch sie geraten immer mehr in die Kritik, da es kaum möglich ist, die Delfine artgerecht zu halten.

    In der Nähe der Küste bei Rockingham in Westaustralien leben etwa 180 dieser Tiere. Dort befindet sich auch das um 1990 von Terry Howson ins Leben gerufene und mit mehreren Eco Tourism Awards ausgezeichnete Unternehmen Rockingham Wild Encounters. Der damals 23-jährige erfüllte sich seinen Lebenstraum: Mit wilden Delfinen schwimmen. Ein Jahr lang widmete er der Beobachtung der Tiere, fuhr jeden Tag in seinem kleinen Boot raus aufs Meer um ihr Verhalten zu beobachten und nach mehreren Monaten ergab sich schließlich die Möglichkeit, mit einem neugierigen Delfinweibchen zu schwimmen. Nach und nach gewann er ihr Vertrauen, das Zusammentreffen der beiden unter Wasser fand immer häufiger statt und mit der Zeit gesellten sich noch weitere Delfine zu ihnen.
    Schließlich begann Howson andere Leute mit zu seinen Treffen mit den Delfinen zu nehmen. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt damit, täglich eine Person in seinem Boot mit aufs Meer und zu den Delfinen zu nehmen. Nach und nach verbreitete sich die Botschaft über Howsons Delfin-Touren und mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 15 Angestellte, die jährlich ca. 20.000 Passagieren die Teilnahme an Swim with wild Dolphins und Dolphin Watch Touren ermöglichen.

    Das besondere an Rockingham Wild Encounters ist, dass es ein Zusammentreffen mit wirklich wilden Delfinen ermöglicht. Laut eigenen Angaben ist Rockingham Wild Encounters das erste Unternehmen weltweit, dass das Vertrauen der Delfine gewonnen hat, ohne diese zu füttern. Gründer Terry Howson glaubt fest daran, dass wilde Delfine niemals von Menschen gefüttert oder aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen werden sollten, um zu garantieren, dass ihr natürliches Verhalten und ihre Unabhängigkeit bewahrt wird. Seiner Meinung nach ist es nur möglich, Menschen wirklich wilde Delfine erleben zu lassen, wenn man versucht, sich den Delfinen anzupassen anstatt die Delfine an sich anzupassen.
    Deshalb ist während der Tour sowohl das Füttern als auch das Streicheln der Tiere verboten. Es ist kein Ausflug in den Unterwasserstreichelzoo, es geht einzig und allein darum, die Delfine in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben.

    Rockingham Wild Encounters setzt sich aktiv für den Schutz der Delfine ein, zum Beispiel mit dem 2006 ins Leben gerufenen Projekt „Keep Perth’s Dolphins and Sea Lions Wild“. Ziel des Projektes ist es, das Entsorgen von Müll im Meer und das Füttern von Delfinen zu verhindern, nachdem Studien bewiesen haben, dass von Menschen gefütterte Delfine ihr Verhalten stark verändern und ihre Lebenserwartungen deutlich sinken. Sie isolieren sich von ihren Kameraden, wodurch sie zu leichten Opfern für Haie werden, warten oft Stunden in der Nähe von Anlegestellen und nähern sich Booten viel zu nah in der Hoffnung auf Futter, wobei sie nicht selten in die Schiffspropeller geraten oder sich in Angelschnüren verfangen, was für die Delfine oft tödlich endet, und verlernen ihre Jagdfähigkeit.

    Mein Ausflug zu den Delfinen war ein wunderschönes Erlebnis und ich kann es eigentlich jedem, der zufällig mal in der Nähe von Perth sein sollte, empfehlen, in Rockingham vorbeizuschauen. Wer mit Delfinen schwimmen will, muss vorher buchen. Dies kann man online erledigen: www.dolphins.com.au
    Allerdings hat der Spaß auch seinen Preis: 205AUD kostet die Tour, das sind ca. 150 Euro. Wie viel von den Delfinen man unter Wasser zu Gesicht bekommt, lässt sich nie sagen. Da ich den Augenblick als ich die Delfine vom Boot aus aus dem Wasserspringen sah beinahe bewegender fand als das eigentliche Schwimmen, denke ich, dass man mit der billigeren Dolphin Watch Tour genauso gut bedient ist. 

    Quellen:
    http://www.dolphins.com.au/index.html
    https://www.responsibletravel.com/member/1376/rockingham-wild-encounters
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_T%C3%BCmmler

Kommentare

10 Kommentare
  • Cedric
    Cedric schööön und gut geschrieben! :)
    24. April 2011
  • Carolein
    Carolein ein toller bericht :) schade dass ich sowas wohl nie machen werde..
    aber durch deinen bericht kann man sich sehr toll vorstellen wie es sein muss mit delfinen zu schwimmen!
    25. April 2011
  • deby90
    deby90 Super schön ! Das würde ich auch gerne mal machen. Das sind einfach wundervolle Tiere!
    10. Mai 2011
  • KatharinaM
    KatharinaM Danke für den tollen Bericht! Hört sich ja echt super an ! :D Wie lange warst du denn ungefähr im Wasser? Weißt du das noch? :) Ich fliege nächstes Jahr nach Amerika und wir wollen dann an der Westküste unbedingt \'Wale Watc...  mehr
    18. November 2011