Berichte

Sieben Tage 2015

  • Fünfzehn von uns besuchen mal nächste Woche die Zukunft. Naja, zumindest ist es die Zukunft, wie Saci Lloyd sie sich vorstellt. 2015 könnte das erste Jahr werden, in dem die "Energierationierung" verordnet wird. Jeder bekommt eine CO2-Card, die den persönlichen Energieverbrauch drastisch reduziert. Weil die früheren Generationen den Klimaschutz nicht ernst genug genommen haben, gibt's nun eine Art Klimaschutz-Diktatur. Stressige Zeiten.

    Wir probieren mit euch aus, wie sich Energierationierung mitten im Hochsommer anfühlt. Eiswürfel in der Cola? Klimaanlage? Mehrmals am Tag duschen? Alles sieben Tage lang verboten! Diese 15 gehen die Herausforderung an: Jan100, Esther, 7abian, lolfs, M0stlyH4armless, Freitag, Kudu, MadameM, littlewestwalker, noodle, Loba, DerBenni, NatureGirl, somniata und straetsi!

    Das ganze Ding läuft natürlich mit strengen Spielregeln. Die wichtigste Aufgabe neben dem Energiesparen wird das Schreiben sein. Wie in Sacis Roman sollen auch die Teilnehmer täglich notieren, was die 'Energierationierung' mit ihrem Leben anstellt. Was nervt total? Was ist vielleicht gar nicht so schlimm? Worauf könntest du prima verzichten, worauf niemals. Zeitraum für das Energiespar-Experiment: 10. bis 16. August.

    Die Vorbereitung: Jeder der mitmacht, prüft zunächst seine derzeitige CO2-Bilanz. Wieviel Treibhausgase verursachst du normalerweise in einem Jahr? Deinen CO2-Wert berechnest du mit dem CO2-Rechner des WWF. Diese Zahl schreibst du auf und hängst sie am besten dort auf, wo du sie gut im Blick hast. Deine Aufgabe für die nächsten sieben Tage ist es, diesen Wert so stark wie nur möglich zu senken - im Idealfall auf die Hälfte, denn dann wäre deine Energierationierung ähnlich krass wie bei Laura in Sacis Zukunftsroman. Ob du das schaffst oder daran scheiterst, wird sich am 16. August zeigen...

    Dann wird es ernst: Ab Montag morgen, wenn ihr aufsteht, ändert sich für euch alles. Egal was es ist, wofür ihr Energie braucht: Vermeiden oder zumindest halbieren! Damit euer Leben Lauras Leben ähnelt, werdet ihr einige Einschnitte hinnehmen müssen: Nur alle zwei Tage duschen statt jeden Morgen - wer sich täglich waschen möchte, muss auf die Katzenwäsche am Waschbecken zurückgreifen. Baden ist prinzipiell nicht erlaubt. Elektrische Zahnbürste? Verboten. In mehreren Räumen das Licht anlassen oder Musik hören? Nur in dem, in dem du dich befindest. Ach ja, hast du schon überall auf Energiesparbirnen umgerüstet?

    Toast-Brot bleibt leider ungetoastet. Das Auto bleibt stehen - wenn du irgendwohin möchtest, bleibt dir nur das Fahrrad, das Skateboard, deine eigenen Füße oder wie auch immer du dich klimafreundlich bewegen kannst. Bus und Bahn sind gestattet, doch auch die verbrauchen Energie, die du dann an anderer Stelle einsparen musst - sei kreativ! Was ist noch anders in 2015? Klar, das Essen...

    Südfrüchte? Oder mehrmals am Tag warm essen? Ist gestrichen. Du darfst dich nur von Produkten ernähren, die aus deiner Region kommen. Das betrifft nicht nur Ananas, Bananen und Kiwis - schau bei allem genau auf die Packung, woher dein Essen kommt. Und selbst wenn du nur ein Teilchen beim Bäcker um die Ecke besorgst: Stammen die Zutaten aus nachhaltiger Landwirtschaft und ist das Obst auf dem Teilchen aus der Saison?

    Permanent erreichbar? Leider nicht mehr. Das Handy darf nicht länger als vier Stunden im Betrieb sein - überleg dir also gut, wann dich wer sprechen können muss. Mp3-Player? Leider nicht unverzichtbar, muss also in die Schublade wandern. Fernsehen oder Radio hören? Information ist wichtig, also bekommst du eine halbe Stunde "Mediennutzung". Computerspiele inklusive. Danach ist die Kiste wieder aus - und das heißt: Auch der Standby-Modus erlischt.

    30 Minuten Internet müssen reichen. Wer clever ist, schreibt seinen Tagesbericht zuerst vor, um ihn dann online schnell abzutippen. Emails, SMS, Chat - es wird darauf ankommen, wie kurz du dich fassen kannst... Aber besser ist es, du verabredest dich dann nicht für die Disko, denn die ist leider zu energieintensiv.

    Und dann? Geh am Sonntag Abend wieder zum CO2-Rechner und gebe diesmal alles so an, als würdest du das ganze Jahr hindurch so leben wie in den vergangenen sieben Tagen. Was hat sich verändert? Wir sind gespannt...

    Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis für alle, die mitmachen: Wer zwischenzeitlich das Gefühl hat, es geht zu weit oder er kann auf bestimmte Dinge nicht verzichten, muss sich natürlich nicht sklavisch an diese Regeln halten. Niemand darf für das Experiment Dinge tun, mit denen er nicht einverstanden ist. Die Teilnehmer sind sehr mutig, weil sie sich auf dieses Experiment einlassen, und müssen niemandem etwas beweisen. Wer scheitert, hat nicht verloren. Es kommt einzig darauf an, die anderen durch tägliche kurze Blogeinträge an den eigenen Gedanken teilhaben zu lassen. So gesehen kann jede Entwicklung im Experiment eine spannende Geschichte beinhalten - nicht nur der Erfolg. Gebt euer Bestes, und zum Dank werdet ihr danach wie versprochen ein Buch "Euer schönes Leben kotzt mich an" von Saci Lloyd erhalten.

Kommentare

10 Kommentare
  • Marcel
    Marcel @ lolfs und M0stlyH4rmless: Hey ihr beiden, ihr hattet noch Fragen zum CO2-Rechner. Die Bilanz, die dieser am Schluss ausgibt, bezieht sich auf das ganze Jahr, in allen Bereichen. Es ist wirklich interessant, einmal zu sehen, wieviel Tonnen CO2 man in ein...  mehr
    7. August 2009
  • littlewestwalker
    littlewestwalker nur damit ich das richtig verstanden hab: wenn wir am ende des projekts noch mal unseren co2 verbrauch berechnen, tun wir so, als ob wir die lebensweise der letzten woche auf ein jahr übertragen hätten, ricthtig?
    7. August 2009
  • Marcel
    Marcel @ littlewestwalker: Richtig, so funktioniert der Vergleich. In der Rubrik \"Energie sparen\" findet ihr übrigens einen neuen Artikel mit Tipps zum Energiesparen. Vielleicht hilfreich für die krasse Durststrecke nächste Woche ;)
    7. August 2009
  • Marcel
    Marcel @MadameM: Kein Problem. Wenn das so ist, dann könntest du ja sogar zwei Rechnungen durchführen. Das wäre echt interessant: Einmal für eine einfache Mietwohnung und einmal für ein Einfamilienhaus mit den jeweiligen Unterschieden. Am Schluss könntest du dan...  mehr
    7. August 2009