Berichte

Der WWF zum Erdbeben in Japan

  • Japan wurde am Freitag vom schwersten Erdbeben seiner Geschichte heimgesucht. Der folgende Tsunami verwüstete große Teile der Nordostküste des Landes. Betroffen sind auch mehrere Kernkraftwerke, insbesondere die Anlage in Fukushima ist offenbar außer Kontrolle geraten. Radioaktivität wurde frei, in welchem Umfang ist noch unklar. Die Lage ist nach wie vor extrem unüberschaubar.

    Droht nun eine nukleare Katastrophe? Drohen solche Unglücke auch in anderen Ländern, und wie schätzt der WWF die Sicherheit der angeblich so klimafreundlichen AKWs in Deutschland ein? Wir sprachen mit Regine Günther, Leiterin des Bereichs Klimaschutz und Energipolitik beim WWF Deutschland, über die aktuelle Situation.

    WWF Jugend: Regine, wie schätzt der WWF die Lage nach dem Erdbeben ein?

    Regine Günther: Die schrecklichen Bilder aus Japan sprechen für sich. Unser ganzes Mitgefühl gilt den Menschen in Japan die durch diese dreifache Katastrophe so schwer getroffen sind. Die Informationslage ist nach wie vor sehr unübersichtlich. Besonders besorgniserregend ist die Situation in den betroffenen Kernkraftwerken. Nach neuesten Meldungen haben drei der sechs Blöcke des AKW Fukushima massive Sicherheitsprobleme, in Komplex 2 scheint es den Technikern nicht zu gelingen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Das Kühlwasser ist wohl unter einen kritischen Stand gesunken, die Brennstäbe liegen trocken. Sehr wahrscheinlich ist bereits eine Kernschmelze eingetreten.

    Droht ein zweites Tschernobyl?

    Eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes kann man nicht ausschließen. Die Situation ist extrem bedrohlich. Im Fall einer Kernschmelze ist entscheidend, ob sie sich auf den Druckbehälter beschränken lässt. 1979 in Harrisburg ist das mit viel Glück gelungen, 1986 in Tschernobyl nicht. Es kam zu Explosionen und zu Freisetzung von Radioaktivität. Es bleibt zu hoffen, dass sich ein ähnliches Szenario nicht wiederholt. Die Gefahr ist aber akut.

    Gibt es Informationen vom WWF Japan?

    Soweit wir wissen, sind die WWF-Kollegen Hauptsitz in Tokio mit dem Schrecken davon gekommen. Das Bürogebäude hat zwar einige Risse abbekommen, aber es ist niemand verletzt worden. Eine Einschätzung zur aktuellen nuklearen Gefahrensituation liegt uns bislang nicht vor.

    Ist ein ähnlicher Nuklearunfall auch in Deutschland denkbar?

    Auch in hochtechnisierten Ländern können Situationen eintreten, unter denen Atomkraftwerke nicht beherrschbar sind. Dies wurde uns in Japan eindrücklich und schmerzlich vor Augen geführt. Auch in Deutschland sind Siedewasserreaktoren ähnlicher Bauart und ähnlichen Alters am Netz . Sollte hier die Kühlung zum Beispiel aufgrund eines Flugzeugabsturzes, eines Terroranschlages oder anderer Einflüsse ausfallen, würden wir in einer ähnlich dramatischen Lage sein, wie wir sie derzeit in Japan erleben müssen.

    Welche Schlüsse müssen aus der Katastrophe gezogen werden?

    Der Unfall zeigt einmal mehr, dass die Kernenergie selbst in hoch technisierten westlichen Industrieländern nicht beherrschbar ist. Für Länder wie beispielsweise Pakistan oder Iran dürfte das umso mehr gelten. Die Unsicherheit der Nuklearanlagen ist aber nur ein Faktor, der für einen möglichst schnellen Ausstieg spricht. Ein Festhalten an der Kernenergie blockiert den Einstieg in erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen und behindert so dringend notwendige Klimaschutzmaßnahmen. Je eher wir den nuklearen Irrweg verlassen desto besser.

    Bilder: Japan, Zentren der Erschütterungen bei Sendai © NASA Goddard Photo and Video; Regine Günther © Bernd Lammel / WWF

     

Kommentare

17 Kommentare
  • Sinopa
    Sinopa "IloveGreen" Ich gebe dir vollkommen Recht!
    Immer musst erst etwas passieren, bis was geändert wird!
    Jetzt ist es soweit! ... Grausame Nachrichten hören wir jeden Tag in den Medien.
    Die Welt lässt uns ihre Wut spüren...
    15. März 2011
  • Goldmull
    Goldmull Jeder sollte unbedingt zu Ökostrom wechseln! Erst dann wird den Stromanbietern klar, dass Atomstrom nicht mehr gewünscht ist!
    Nur dann kann es nur noch reinen Ökostrom geben, wenn alle Verbraucher keinen gefährlichen Atomstrom mehr wol...  mehr
    15. März 2011
  • Marcel
    Marcel @Goldmull: Super Statement! Bin voll Deiner Meinung. Ich beziehe zu Hause schon seit über zwei Jahren Ökostrom. Hab beste Erfahrungen damit gemacht und hab ein super Gefühl dabei, weil ich weiß, dass mein Strom keine Strahlung und kei...  mehr
    16. März 2011
  • Sevda
    Sevda gibt es denn irgendwelche konkreten, laufenden Aktionen, um Japan zu helfen und zu unterstützen, wenn euch etwas einfällt, bitte bei mir melden!
    19. März 2011