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Wie mein Onkel vom E-Auto träumte

  • Ich war im Urlaub mit meinen Eltern und meinem Patenonkel. Er ist begeisterter Volvo-Fahrer eines nicht gerade kleine Leasing-Volvos und wenn ich nicht aufgrund der Umweltschädlichkeit dieses Autos von solchen Autos nicht viel halten würde, würde ich ihn auch verstehen. Die Technik, die ein solches Auto inzwischen mit sich bringt und das bequeme Fahrgefühl sind natürlich was Schönes. Doch eigentlich braucht er ein solches Auto nicht und auch seine Partnerin gab mir damit Recht, dass dieses Auto für sie zwei zu groß sei. Bei einer abendlichen Diskussion kam es dann zu einem Ausbruch meinerseits. Eigentlich sprachen wir über den Autokauf einer anderen Person in meinem näheren Umfeld und ich regte mich über die Argumentation auf, dass „Man(n)“ das eben nochmal brauchte ein solches schnelles Auto, bevor in ein paar Jahren sowas gesellschaftlich nicht mehr ginge. Ich machte klar, dass es mich als Vertreterin der nächsten Generation sehr verletzt, wenn solche Argumente kommen. Meine Kinder oder auch ich werden solch einen angeblichen „Spaß“ nicht mehr erleben dürfen. Diese Menschen würden ihre Bedürfnisse sich noch mal etwas „leisten“ zu können oder sich nochmal „auszuleben“ auf den Kosten meiner Zukunft machen.

    Mein Onkel schwieg, war getroffen und sah mich traurig an. Er gab zu, dass ihm dieses Auto einfach Spaß mache, dass er gerne damit fahre und es genoss. Er tat mir leid, ich mag ihn sehr gerne. Er gab es offen zu, ohne irgendwelche Gegenargumente zu finden, das fand ich sehr groß! Die Meisten mit denen ich darüber diskutiere wollen das alles nicht hören. Er hatte es nicht immer leicht im Leben und ich gönne ihm jetzt nicht, dass er seinen aktuellen Erfolg so ausleben darf. Das traf mich irgendwie auch und in den nächsten Tagen gab ich zu, dass mein Angriff sehr harsch war.

    Beim Besuch einer nahgelegenen Stadt hatten wir zufälligerweise die Gelegenheit den neuen E-Volvo anzuschauen. Volvo machte dort eine Show ihrer neuen Autos, erzählte viel über das Auto und ich merkte, dass mein Onkel immer mehr angetan war. An dieser Stelle will gesagt sein, dass es natürlich besser wäre gar kein Auto mehr zu besitzen, aber das wird nicht bei jeder Person von heute auf morgen funktionieren und ich bin über jede kleine Veränderung und Einsicht froh. Mein Onkel und seine Partnerin bombardierten den Volvo-Verkäufer mit vielen Fragen. Wie weit käme denn der E-Volvo? Was sind die Unterschiede zum „normalen“ usw. Sie überlegten, wie sie den Vermieter wohl dazu kriegen würden in der gemeinsamen Tiefgarage eine E-Tankstelle anzulegen (möglichst mit Strom aus regenerativen Energien) und vielleicht auch die Mitmieter davon zu überzeugen.

    Auch die restlichen Tage merkte ich an meinem Onkel, dass er überlegte. Mein „Vorwurf“, dass sein Verhalten meine Zukunft gefährde und ich Angst vor den Auswirkungen habe, die auf meine Generation zukommen schien ihn mehr getroffen zu haben als ich dachte. Eigentlich sind seit Fridays for Future doch solche Ängste bekannt, dachte ich, doch es scheint einen großen Unterschied zu machen, eine solche Person direkt im eigenen Umfeld zu haben und ihr gegenüberzustehen und sich rechtfertigen zu müssen. Am Ende des Urlaubs, ich hatte das Thema schon fast wieder vergessen, kam mein Onkels morgens zu mir und sagte „Cata du hast es geschafft, ich habe heute Nacht von einem E-Volvo geträumt“. Wir mussten beide lachen. Irgendwie haben unsere Beziehung und unsere gegenseitige Offenheit dazu geführt, dass wir beide die andere Seite besser verstanden haben und er eine Verantwortung auch für meine Zukunft übernehmen möchte. Der nächste Leasingwagen wird dann wohl das E-Auto. Auch wenn das noch nicht perfekt ist (wer ist schon perfekt?? :D), bin ich unglaublich stolz auf meinen Onkel, dass er sich auf meine Sorgen eingelassen hat und sich innerhalb einer Woche von mir hat überzeugen lassen. Und ich habe gelernt, offen seine Gefühle zu zeigen und dem Gegenüber Respekt zu zollen und ihn dort abzuholen wo er/sie steht hilft bei diesem Thema mehr als Vorwürfe zu machen. Und wenn sich Carsharing noch verbessert und verbreitet, ist er vielleicht auch irgendwann bereit kein eigenes Auto mehr zu haben. 

Kommentare

3 Kommentare
  • Laura
    Laura Danke Cata, dass du uns an deinem Erlebnis teilhaben lässt. Ich finde es super, dass ihr so offen und vor allem so wertschätzend miteinander über dieses wichtige Thema sprechen könnt. An diesem Beispiel merkt man mal wieder, dass wir alle doch ganz...  mehr
    24. November 2020 - 2 gefällt das
  • TobiS
    TobiS Klasse, dass du deinen Onkel von der Elektromobilität überzeugen konntest Aber was meinst du denn mit der Aussage, „Auch wenn das noch nicht perfekt ist“? Was wäre denn die Alternative? Auch die Bahn verursacht CO2-Emissionen. In der...  mehr
    28. November 2020
  • Cata
    Cata Hallo TobiS, mein Vater fährt auch seit einiger Zeit ein E-Auto und ich auch sehr zufrieden (aufgrund der eigenen Photovoltaikanlagen sogar mit Ökostrom). Ich bin nicht prinzipiell gegen E-Autos und finde sie momentan auch die beste Alternative. Jedoch...  mehr
    28. November 2020