Berichte

Na du, Nandu

  • Wer einen Spaziergang im Naturschutzgebiet der Wakenitzniederung in Mecklenburg-Vorpommern unternehmen will, sollte sich über die Begegnung mit einem Nandu nicht wundern.

    Seit sich im Herbst 2000 sechs Nandus aus ihrem Zuchtgehege befreiten, findet man inzwischen bereits geschätzte einhundert Tiere in freier Wildbahn. Unter den Ausreißern befanden sich neben dem Hahn auch fünf Hennen, die für die Größe der heutigen Population verantwortlich sind.

    Die straußenähnlichen Vögel stammen ursprünglich aus Südamerika, werden aber hierzulande wegen ihrer Federn und Haut gezüchtet. Nandus erreichen eine Körpergröße von bis zu 1,40m und ein Gewicht von knapp 25kg. Damit sind sie die massigsten freilebenden Vögel in Deutschland.

    Ihre Nahrungsgrundlage sind Gräser, Früchte und Samen. Zu Zeiten, in denen die Vögel jedoch besonders viel Energie zu sich nehmen müssen, verschlingen sie auch schon mal Insekten, Gelege von bodenbrütenden Vögeln, oder kleine Wirbeltiere. Dies tun sie vor allem in den Brut- und Wachstumsphasen.

    Als sogenannter Neozoon hat sich der Nandu mittlerweile fest in der Landschaft bei Lübeck etabliert (ein Neozoon bezeichnet ein Tier, das durch das direkte oder indirekte Wirken des Menschen dauerhaft in einem neuen Lebensraum angesiedelt ist).

    Umweltschützer befürchten allerdings, dass sich eine weitere Ausbreitung der Vögel negativ auf das umliegende Ökosystem auswirken könnte. Wächst die Population, so nimmt auch der Nahrungsbedarf der gefräßigen Tiere zu. Bislang konnte keine Verdrängung von einheimischen Tieren beobachtet werden. Doch ein potentieller Siegeszug der Nandus über heimische Großvögel kann nicht ausgeschlossen werden, zumal sich stellenweise Überschneidungen in der Nahrung und Lebensraumnutzung finden.

    Die Tourismusbranche begrüßt ihr neues Aushängeschild. Die Nandus sind ein richtiger Touristenmagnet. Und auch einige Hirsche haben mit den Vögeln Freundschaft geschlossen. In Gruppen, die aus beiden Arten zusammengesetzt sind, schützen sich die Tiere gegenseitig. Durch das gute Seh- und Hörvermögen der Nandus einerseits und dem feinen Geruchsinn der Hirsche auf der anderen Seite, sind beide Tierarten für potentielle Feinde fast nicht angreifbar.


    Quellen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nandu#Verbreitung_und_Lebensraum
    http://de.wikipedia.org/wiki/Neozoon
    http://www.bastianwehler.de/typo3temp/fl_realurl_image/nandus-co.jpg
    Mario Ludwig - Invasion, Eugen Ulmer Verlag
    http://www.stepmap.de/landkarte/nandus-in-deutschland-12060.png

Kommentare

13 Kommentare
  • jubdidudei
    jubdidudei Im Magazin (ich meine damit \"Das Magazin\") gab es in der vorigen Ausgabe einen schönen Artiekl über \"neue\" Mitbewohner hier in Europa. Wie es der Natur des Magazins entspricht, gab es an einigen Stellen auch ein paar schön ironische Bemerkungen, aber ...  mehr
    25. Februar 2011
  • Janine
    Janine Maide hat auch mal einen Bericht über zugewanderte Arten geschrieben: http://www.wwf-jugend.de/entdecken/klima/artikel/invasion-der-tiere-und-pflanzen;1146...  mehr
    25. Februar 2011
  • Taki
    Taki Klasse wer weis wo noch neozoeN leben und welche Arten es sind.
    26. Februar 2011
  • Janine
    Janine @Taki: Schau mal in den Bericht von Maide. Den Link dazu findest du in meinem letzte Kommentar. Sie hat einen sehr schönen Artikel zu dem Thema geschrieben.
    Hier noch eine kurze Liste von in Deutschland lebenden Neozoen: Entlang des Rheins leben Halsband...  mehr
    26. Februar 2011