Berichte

Firmen ohne Gewissen? Teil 5

  • H wie…

    Hennes & Mauritz AB (H&M)

    Gewinn (2008): 1,5 Milliarden Euro
    Beschäftigte: 73.000

    H&M kauft Bekleidung und andere Produkte von etwa 700 Lieferanten, die ihrerseits Sublieferanten haben. Insgesamt sind etwa 2700 Produktionsstätten und Hunderttausende von Angestellten bei der Herstellung der Produkte involviert. Ungefähr 60 Prozent aller Artikel, die wir bei H&M kaufen können, werden in Asien hergestellt. Der Konzern rühmt sich seiner Mitgliedschaft bei der „Fair Labour Association“, die die dortigen Arbeitsbedingungen kontrollieren soll. Tatsächlich dient diese Organisation aber nur dazu, sich ein sauberes Image zu verpassen – wirklich unabhängige Kontrollen sind kaum möglich, weil H&M die vollständige Liste seiner Lieferanten nicht bekannt geben will. Dadurch, dass H&M die Preise so massiv drückt, sind die Lieferfabriken gezwungen die Löhne der Arbeiter so minimal zu halten, dass sie einen kaum ernähren können.

    In den Kleidern von H&M ist außerdem Baumwolle verarbeitet, die in Usbekistan mithilfe von Kinderarbeit geerntet wurde. Die Jüngsten davon sind gerade einmal sieben Jahre alt.

    Nach zahlreichen Berichten über diese Ausbeutung von Arbeitern und Kindern, kündigte H&M allerdings an, etwas dagegen zu unternehmen und außerdem mehr Biobaumwolle zu verwenden. Die Internetseite www.oeko-mode.info schreibt dazu: „Dies ist sicherlich zu begrüßen, Veränderungen sind auch nicht von einem Tag auf den anderen zu erreichen. Es macht auch wenig Sinn, einfach Lieferanten zu wechseln, solange diese dann bei Beibehaltung ihrer miesen Arbeitsbedingungen einfach an andere liefern können. Sinnvoller ist es, die Bedingungen gerade in den kritisierten Betrieben zu ändern. Das braucht sicherlich Zeit. Wie Ernst das Bemühen auf Dauer ist, wird man erst in einigen Jahren sagen können.“

    K wie…

    Kraft Foods Inc.

    Gewinn (2008): 3 Milliarden Euro
    Beschäftigte: 100 000

    Kraft Food ist der drittgrößte Lebensmittelkonzern der Welt und unter anderem Hersteller der beliebten Milka-Schokolade.

    Doch die wenigsten wissen, dass der Kakao für eben diese Milka-Schokolade an der Elfenbeinküste unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird. Denn in dem westafrikanischen Land arbeiten Tausende Kinder wie Sklaven und viele von ihnen wurden sogar aus den Nachbarländern auf die Erntefelder verschleppt, wo sie unter grausamen Bedingungen und nahezu ohne Bezahlung zu Schwerstarbeit gezwungen werden.

    Als die Schokoladenhersteller deswegen 2001 in Verruf gerieten, kündigten sie den Kampf gegen die Kinderarbeit an. Tatsächlich hat Kraft Food Anstrengungen in diese Richtung unternommen, doch laut einem Bericht des International Labour Rights Forum ist noch keine Besserung in Sicht.

    Die Firmen profitieren nun mal davon, dass die Weltmarktpreise so niedrig wie möglich gehalten werden, sodass die lokalen Produzenten oft gar keine andere Wahl sehen, als auf Ausbeutung und Gratis-Arbeitskräfte zu setzen. „Die großen Schokoladenkonzerne wissen seit Jahren von diesem Problem, aber solange der Rohstoff Kakao billig ist, unternehmen sie nichts dagegen“, kritisiert Helmut Adam, Geschäftsführer der Südwind-Agentur. Uns dasselbe gilt leider für den Kaffee, der auch zu den Produkten von Kraft Foods zählt.

    Übrigens: Februar letzten Jahres waren auf einmal in deutschen Supermärkten folgende Aufkleber auf den Produkten von Kraft zu finden und sorgten für reichlich Unruhe in der Konzernzentrale:



    M wie…

    Mattel

    Produkte, Marken: Spielwaren, z.B. Barbiepuppen, Fisher Price, Big Jim, Masters oft he Universe etc.
    Gewinn (2008): 542 Millionen Dollar
    Beschäftigte: 30.000

    Mattel ist der größte Spielwarenproduzent der Welt und Hersteller der berühmten Barbiepuppe.

    Die Produkte von Mattel werden in Billiglohnländern in Südostasien hergestellt. 2002 veröffentlichte die US-Menschenrechtsorganisation „The National Labor Committee“ einen schockierenden Bericht über die Zustände in einer chinesischen Fabrik, die Spielwaren für Konzerne wie Mattel, Disney, McDonald’s und Wal-Mart herstellte. ArbeiterInnen hätten dort fünf Monate geschuftet, ohne einen einzigen freien Tag zu haben, 13 bis 16 Stunden täglich. Ihr Stundenlohn habe lediglich 11 Cent betragen.

    Fünf Jahre später berichtete dieselbe Organisation über eine andere chinesische Fabrik, die für die gleichen Konzerne produzierte und bei der die Verhältnisse noch um einiges schlimmer standen. Mattel lehnte zunächst die Verantwortung für die Zustände in der Fabrik ab, versprach aber dann, die Vorfälle von einem Beobachterteam untersuchen zu lassen.

    Im Herbst 2007 geriet Mattel auch bei uns in die Schlagzeilen, weil der Konzern millionenfach in China hergestelltes Kinderspielzeug verkauft hatte, das bleihaltige Farben und Magnetteile enthielt. Da diese von Kindern leicht verschluckt werden konnten und Blei Gehirnschäden verursachen kann, musste die Firma etwa 19 Millionen Produlte zurückkaufen. Sie entschuldigte sich öffentlich und gestand ein, dass sie dafür verantwortlich war und nicht die chinesischen Lieferanten.

    Quellen:
    Klaus Werner-Lobo: „Uns gehört die Welt“
    http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=4039780/80hm8d/index.html
    www.oeko-mode.info
    http://www.hm.com/at/unternehmerischeverantwortung/arbeitsbedingungeninderlieferkette__supplychain.nhtml
    http://unsdiewelt.com/2010/02/schokoguerrilla-wieder-unterwegs-und-kraft-foods-ist-sauer/
    http://www.software-systems.at/php/fer_sensible_werte_detail.php?id=109
    http://www.focus.de/finanzen/news/spielwaren_aid_69803.html
    http://www.michael-schade.dreipage2.de/link_64848593.html


     

Kommentare

10 Kommentare
  • TobiS
    TobiS Interessante Berichtreihe!!!
    12. Februar 2011
  • YoungPanda97
    YoungPanda97 Die Welt ist echt grausam...
    Die Berichte sind sehr gut geschrieben und das Buch \"Uns gehört die Welt!\" ist auch weiter zu empfehlen. Natürlich kann ein Billig-T-Shirt bei H&M nicht unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Doch ich glaube,...  mehr
    14. Februar 2011
  • Franzi
    Franzi Vielen Dank für deine tolle Berichtreihe Carina, ich habe sie mit Spannung verfolgt. Es ist wirklich erschreckend wie viele Firmen ihre Produkte unter Menschenunwürdigen Bedingungen herstellen lassen... Gut zu wissen welche unter anderem dazugehören, dann...  mehr
    15. Februar 2011
  • Waldelb3
    Waldelb3 Echt interessant, aber auch sehr schockierend, finde ich.
    19. Februar 2011