Berichte

In den nächsten 60 Stunden verlieren wir Wald von der Größe Berlins

  • Die Uhr tickt: In jeder Minute verschwinden rund um die Welt 35 Fußballfelder wertvoller Wald. Sehen kann dies ab sofort jeder am Berliner Hauptbahnhof: Zum offiziellen Start des UN-Jahres der Wälder hat der WWF dort heute den Waldverlust-Ticker 2011 enthüllt. Eine große digitale Uhr zählt vom 1.1. bis zum 31.12.2011 die vernichtete Waldfläche weltweit. Der Waldverlust-Ticker steht bis zum 28. Februar im Berliner Hauptbahnhof und wird anschließend in anderen Bahnhöfen Deutschlands aufgestellt.

    Den Waldverlust-Ticker kannst Du außerdem immer auf unserer Homepage verfolgen: auf unserer Seite "Entdecken".

    Der WWF betont, dass der rasante Waldverlust auch auf das Konto Deutschlands geht. "Wir Deutschen verbrauchen jedes Jahr allein 20 Millionen Tonnen Papier", sagt Philipp Göltenboth, Leiter des Waldprogramms beim WWF Deutschland. "Pro Kopf sind das im Durchschnitt 235 Kilo pro Jahr für Küchenrollen, Pappbecher, Werbeprospekte, Druckerpapier und Taschentücher. Damit liegt Deutschland EU-weit an der Spitze."

    Nicht nur die Papierindustrie sorgt für den Waldschwund. Der Wald bleibt auch auf der Strecke, um den wachsenden Bedarf an Fleisch, Futtermitteln, Holz und Bioenergie zu decken. An die Stelle von natürlichen Wäldern rücken Agrarflächen und Plantagen.

    Allein 30 Kilo Werbeflyer landen nach WWF-Analysen jährlich in deutschen Briefkästen - eine Papierflut, die nicht sein müsste. Gleiches gilt für Tissueprodukte. Davon verbrauchen deutsche Haushalte jährlich eine Menge in der Größenordnung von sieben Milliarden Papier-Küchenrollen. "Papier sparen und Wald schützen ist einfach", sagt WWF-Papierexperte Johannes Zahnen. "Wir könnten bundesweit jedes Jahr sechs Milliarden Pappbecher sparen, wenn wir unseren Kaffee unterwegs aus einer Tasse trinken würden. Das sind rund eine halben Million Bäume, die nicht gefällt werden müssten." An diesem unnötigen Papierverbrauch können wir alle was ändern, so der WWF-Experte.

    Unterstützt wird die WWF-Aktion von Fußball-Nationalspielerin Fatmire „Lira“ Bajramaj: "Wenn ich mir vorstelle, dass während eines Fußballspiels von 90 Minuten 3114 Fußballfelder Wald vernichtet werden, läuft es mir kalt den Rücken runter. Das muss aufhören. Deshalb gehe ich jetzt viel vorsichtiger mit Papierprodukten um", so die Stürmerin.

    Wald schützen kann jeder – hier einige WWF-Tipps zum Papiersparen:

    * weniger Papier verbrauchen
    * so oft wie möglich Recyclingpapier nutzen
    * Papier konsequent recyceln und niemals in die Restmülltonne werfen
    * bei Papier aus frischen Fasern nur zu denen greifen, die das FSC-Zertifikat tragen. Bei FSC stammt das Holz für den Zellstoff aus verantwortungsvoll, gut bewirtschafteten Wäldern.
    * Dokumente, die nicht unbedingt ausgedruckt werden müssen, als .wwf verschicken. Das grüne Dateiformat ist ein pdf, das sich nicht drucken lässt. Mehr dazu unter www.saveaswwf.de

Kommentare

15 Kommentare
  • Jutta
    Jutta Dem was Marcel geschrieben hat kann ich nur zustimmer: völlig intakten Primärwald gibt es so gut wie gar nicht mehr auf der Erde! Nur in sehr abgelegenen Gegenden, die aber durch illegale Holzrodungen immer mehr zeschnitten werden. Selbst was für uns wie ...  mehr
    5. Februar 2011
  • lolfs
    lolfs Velen Dank für die Informationen! Es hilft auch, aber die Dimensionen sind so groß, da denke ich zum Teil: \"So viel, und doch zuwenig? - Das geht doch gar nicht.\"
    6. Februar 2011
  • UnsereGeneration
    UnsereGeneration Danke für den tollen Bericht.
    Es ist echt erschreckend, wie viel Bäume verschwinden.
    Ich denke mir manchmal bei solchen Zahlen müsste doch die Welt schon längst von Bäumen befreit sein.

    Das ...  mehr
    6. Februar 2011
  • emaGinations
    emaGinations Mir bleibt immer wieder die Luft weg, wenn ich diese Zahlen lese. Es ist für mich nicht vorstellbar, dass so viel Wald so schnell vernichtet wird.
    Die Aktion finde ich richtig gut, hoffentlich traut sich dann niemand mehr am Bahnhof einen Kaffee \"to go\...  mehr
    7. Februar 2011