Berichte

Traktor reloaded

  • So futuristisch kann’s auf dem Bauernhof aussehen! Die forschende Industrie hat ein neues Wunderfahrzeug entwickelt: den Solar-Traktor. Laut den Machern und Industrie-Designern Pirthu Paul und Ankit Kumar ist dieser Traktor das Vehikel der Zukunft. Unter den modernen Landmaschinen in der Landwirtschaft gilt der "Auto-Pilot-Funktionierende" als neuer Hoffnungsträger in Sachen ökonomische Nachhaltigkeit.

    Der Solar-Traktor hat ein speziell für den Rund-um-die Uhr-Einsatz eingebautes Navigationssystem, eine 360-Grad-Nachtsichtkamera und einen Bewegungsmelder. Angetrieben wird er durch Solarkraft und Wasserstoffzellen. Beim Design haben sich die Macher besonders Mühe gemacht. "Deuterium", der Name des neuen Solar-Traktors, erinnert ein wenig an eine japanische Manga-Figur. Andere behaupten er sehe "total abgespaced" aus - "wie aus einem Star Wars Film".

    Doch was genau ist an den Aussagen der Designer dran?

    Deuterium hat auch die Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft neu in Gang gebracht. Manche Kritiker sehen gerade in der aufwändigen Technik ein Übel. Sie fordern, man solle lieber zu den Wurzeln zurückkehren und Pferde, die unter guten Bedingungen gehalten werden, für solche Arbeiten einsetzen. Andere machen sich einfach über Deuterium lustig und sagen: "Jetzt müsste er nur noch einen halben Meter über dem Boden schweben können, damit keine Bodenverdichtung mehr stattfindet."

    Der Deuterium bringt jede Menge Potential für die Zukunft mit. Er ist die Chance für eine Senkung der CO2-Emissionen in der Landwirtschaft. Ob Geräte wirklich in Zukunft schweben werden können steht in den Sternen. Aber wäre damit schon der große Wurf gemacht?

    Reicht der Solar-Traktor oder was muss noch kommen?

    In diesem Tagen treffen sich zum 76. Mal Bauern, Produzenten und Verarbeiter aus der Ernährungs- und Landwirtschaft zur "Internationalen Grünen Woche" in Berlin. Ach dort werden wieder viele Innovationen vorgeführt, Reden gehalten, Häppchen serviert… Doch wie ernsthaft sind die Bemühungen, eine grüne Landwirtschaft aufzubauen, wirklich? Oder bleibt es beim Schulterklopfen und ein paar Ausblicken in die Zukunft - wie dem Deuterium?

    Fakt ist: Die Landwirtschaft verursacht, ebenso wie Industrie und der Verkehrssektor, große Mengen an klimaschädlichen Gasen (hauptsächlich Lachgas und Methan) und trägt bis zu 14 Prozent zum globalen Klimawandel bei. Gleichzeitig hat die historische Umstellung auf industrielle Landwirtschaft das Leben vieler Tier- und Pflanzenarten gekostet. Und was wir auch nicht vergessen dürfen: Die Weltbevölkerung wächst und wird immer hungriger. Im Jahr 2020 wollen voraussichtlich rund 8 Milliarden Menschen ernährt werden.

    Diese Probleme bekommt man nicht nur mit modernen Traktoren in den Griff. Der WWF fordert mehrere Maßnahmen, die die Landwirtschaft tatsächlich zukunftsfähig machen könnten – zum Beispiel:

    > Die Europäische Union muss ihre finanzielle Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe an ökologische Vorgaben knüpfen. Zum Beispiel müsste jeder Betrieb einen Teil eines Grundstücks in eine ökologische Ausgleichsfläche umwandeln, und der Stickstoffeinsatz müsste auf 80 Kilogramm je Hektar verringert werden.

    > Alle Betriebe müssen komplett auf den Anbau von gentechnisch manipulierten Pflanzen verzichten. Denn sie sind mit unkalkulierbaren Risiken für die Artenvielfalt verbunden.

    > Der Agrarsektor muss endlich den Klimazielen der EU zugeordnet werden – das ist nämlich bisher nicht so. Allein durch die Wahl bestimmter Tierhaltungen ließen sich die Emissionen von Treibhausgasen (Methan) erheblich verringern. Freilandhaltung etwa verursacht vergleichsweise geringe Emissionen.

    Wenn diese und einige andere Schritte unternommen würden, dann wäre die grüne Landwirtschaft tatsächlich keine Utopie mehr. Die Landwirtschaftsverbände könnten dann endlich zu einer wirklich ‚Grünen Woche‘ einladen. Und dort könnten sie dann wieder Häppchen verzehren und über weitere Innovationen nachdenken. Innovationen, die über das Pflichtprogramm hinausgingen – schwebende Traktoren vielleicht?


    Quellen und Bilder:
    http://www.wwf.de/themen/landwirtschaft/
    http://www.utopia.de/magazin/fundstueck-der-woche-solar-traktor-landwirtschaft-acker-bauer
    http://www.colourlessdesign.com/wp/2010/10/25/deuterium-multi-dimensional-tractor-makes-farming-safe-and-sustainable/#more-7687

    letztes Bild: © Freimut / flickr

Kommentare

9 Kommentare
  • MarcelB
    MarcelB Um den Preis kann man sich streiten, viele sagen das Anschaffen und in Betrieb halten so teuer wäre, dass man die Preise der Produkte erhöhen müsse. Wenn aber, wie beschrieben, alle Parteien Staaten, Unternehmer und besonders die EU den Deuterium subvent...  mehr
    28. Januar 2011
  • MarcelB
    MarcelB danke! =)
    30. Januar 2011
  • Fee
    Fee Abgespaced ist treffend. :D
    Aber scheint echt eine gute Idee sein. Nur wird es wohl wirklich dazu kommen, dass irgendeine Partei - ich denke sogar mehrere - dagegen sein werden, weil das natürlich wieder Kosten sind. Was schade ist. :/
    Aber mal sehen, vie...  mehr
    31. Januar 2011
  • Cata
    Cata klingt echt komisch mit so einem roboter auf dem feld. ich glaube ich wäre auch wieder für ganz normale pferde. aus irgentwas muss das ding ja auch schließlich hergestellt werden.
    sieht schon witzig aus so viel hightec mitten in der natur.
    sind nicht au...  mehr
    4. Februar 2011