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Gigantisch, spannend, lukrativ ... und nachhaltig? Sind große Sportereignisse noch zu verantworten?

  • Für viele ist er eine der schönsten und wichtigsten Freizeitbeschäftigungen die es gibt: der Sport. Ob Fußball, Radfahren, Schwimmen, Skifahren oder einfach „nur“ Joggen. Und wer selbst zu faul ist oder erst zu körperlicher Aktivität motiviert werden muss sieht sich im Fernsehen Profisport an: Bundesliga, Formel 1, Skispringen, Handball, Biathlon und und und …

    Besondere Aufmerksamkeit erregen im Hochleistungssport die Großereignisse wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele, schließlich finden sie nur relativ selten statt und gelten als das Non plus ultra in Sachen Prestige, Internationalität und Medienberichterstattung.
    Doch gerade bei diesen Mega-Veranstaltungen stellt sich die Frage, wie es denn um die Öko-Bilanz bestellt ist. Können wir guten Gewissens einfach nur Spaß am Spitzensport und der ausgelassenen Feierstimmung haben oder sind die Folgen für die Natur so dramatisch, dass man künftig besser auf die großen internationalen Sportfeste verzichten sollte?

    Vor sechs Wochen entschied der Fußballweltverband FIFA, die 22. Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar auszurichten. Problematisch erscheint die Tatsache, dass Fußball-Weltmeisterschaften üblicherweise im Sommer stattfinden und es zu dieser Jahreszeit am Persisch-Arabischen Golf bei bis zu 50°C extrem heiß werden kann. Unerträgliche Temperaturen für Spieler und Fans. Deshalb wird nun überlegt, die Sportveranstaltung in den dort angenehm milden Winter zu verlegen oder die Stadien auf unter 30°C herunterzukühlen. Dies wäre, wie man sich unschwer vorstellen kann, mit einem enormen Energieaufwand verbunden. Die Organisatoren versichern allerdings, dass die benötigte Energie durch Solaranlagen erzeugt werden könnte. Gerhard Brand, leitender Architekt für das Großereignis in der Wüste, verspricht zudem „ein Motor für Nachhaltigkeit sein“ zu wollen. Das Konzept sieht vor, dass alle Stadien nur zur Weltmeisterschaft ihre volle Größe erreichen und nach dem Turnier zum Teil wieder abgebaut und in Länder gebracht werden, wo auch längerfristig Bedarf an Fußballstadien herrscht.

    Am 6. Juli wird sich im südafrikanischen Durban entscheiden, ob auch in Deutschland wieder einmal ein Sportgroßereignis veranstaltet werden wird. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) stimmt an diesem Tag darüber ab, wo die Olympischen Winterspiele 2018 stattfinden sollen. Neben dem französischen Annecy und dem südkoreanischen Pyeongchang steht auch München mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee zur Wahl.
    Auch wenn 60% der bayerischen Bevölkerung laut einer aktuellen Umfrage hinter der Bewerbung der Millionenstadt stehen, regt sich unüberhörbarer Widerstand gegen das Sportereignis.
    Eines der Hauptargumente der Gegner ist das aus ihrer Sicht unzureichende Nachhaltigkeitskonzept. Sie befürchten dramatische Folgen für die sensible Natur im Alpenraum und kritisieren, dass lediglich 1% des Gesamtetats für Umweltprojekte vorgesehen sei. „Man zerstört ohne Not eine Landschaft“ äußert Axel Döring vom Bund Naturschutz besorgt. Zum Bau vieler Sportstätten kommt weiter hinzu, dass die Austragung einiger Wettbewerbe wahrscheinlich einen wasser- und energieintensiven Großeinsatz von Schneekanonen erfordern wird.
    Auf der anderen Seite peilt die Bewerbungsgesellschaft einen „Weltrekord in Nachhaltigkeit“ an und steckt sich das ambitionierte Ziel „klimaneutraler Spiele“. Zur Realisierung dieser vollmundigen Zusagen sind 18 sogenannte Umwelt-Leitprojekte geplant. Dazu zählen die Errichtung von Plus-Energie-Dörfern und der Ausbau der Elektromobilität ebenso wie der Rückbau und die Renaturierung von Sportstätten nach den Spielen.

    Ein immenses Problem internationaler Sportevents ist auch die Anreise der Sportler, Medienvertreter und Fans. Unvorstellbare Mengen Treibhausgase werfen so einen dunklen Schatten auf die bunte Welt des Spitzensports. Durch Klimaschutzprojekte wollen die Münchner Veranstalter „alle nicht vermeidbaren Emissionen“ aber ausgleichen.

    Schon an diesen zwei aktuell gewählten Beispielen lässt sich der Konflikt gut veranschaulichen: Rechtfertigt der Spaß und die Spannung für Millionen Zuschauer und die viel beschworene Völkerverständigung bei globalen Sportereignissen einen enormen Ressourcenverbrauch mit hohen Kosten für den Steuerzahler und vor allem die Natur?
    Was meint ihr? Sollten wir auf solche Veranstaltungen verzichten oder zumindest (noch) viel mehr Wert auf ökologische Konzepte legen? Oder darf man es alle paar Jahre ruhig einmal krachen lassen?

     

    Quellen: http://www.sportschau.de/sp/komponente/eventbox08/eventbox.php5?id=361, http://www.sportschau.de/sp/weitere/news201101/04/nachhaltig09_interview_wilts.jsp,
    http://umwelt.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,8171297,00.html?dr=1, http://www.muenchen2018.org/bewerbungsthemen/umwelt/index.html,
    http://www.br-online.de/sport/olympia/olympia-2018-DID1201013669108/olympia2018-muenchen-bewerbung-ID1201015911579.xml,

    Bildquellen: Andreas Eistert (WWF) und http://www.muenchen2018.org/

     

Kommentare

14 Kommentare
  • Stoffie
    Stoffie ich finde man sollte viiiiiiel mehr auf nachhaltigkeit achten! total guter bericht! gut geschreiben!
    18. Januar 2011
  • Jessy0905
    Jessy0905 Super Beitrag, ich war selbst ein Jahr nach den olympischen Spielen in Peking (die ja wirklich bombastisch waren) und kann nur bestätigen, dass es mit der Nachnutzung schlecht aussieht. Die meisten stehen leer und werden aufgrund ihrer Größe kaum oder gar...  mehr
    23. Januar 2011
  • JohannesB
    JohannesB @ Jessy0905: Interessant zu lesen, wie es in Peking aussieht. Das Problem, dass die enormen Kapazitäten, die man für Olympia herstellt, später nicht mehr braucht, besteht leider oft. Deswegen macht es wirklich Sinn, solche Mega-Sportstätten nur dort zu ba...  mehr
    24. Januar 2011
  • midori
    midori Da haben wir es wieder. In Vorbereitung auf die Olympic Games wurden in British Columbia 100 Straßenhunde getötet. Die Tiere sind erschossen worden und man hat ihnen das Fell abgezogen, bevor man sie in den Müllcontainer warf. Damit die Straßen für Sportf...  mehr
    1. Februar 2011