Berichte

Italien stinkt: Müll in Neapel

  •  Opfer giftiger Abluft

    Mit dem Hausmüll werden Plastik, Gummi sowie leere Batterien Opfer der Flammen und die Neapolitaner vor allem Opfer giftiger Abluft. „Ekelhaft“, findet der Bischof der Stadt mit den weltberühmten antiken Ruinen Pompeji, Carlo Liberati. Das ganze Ausmaß der Katastrophe beziffert der Chef des italienischen Zivilschutzes Guido Bertolaso am Dienstag mit 3000 Tonnen Müll auf Neapels Straßen und 10 000 Tonnen in der Region Kampanien.

    Kampanien lebt seit Jahren im Würgegriff des Mülls und der neapolitanischen Mafia, der Camorra. In den Orten staut sich jedes Mal der Müll, wenn Deponien randvoll sind und die Verantwortlichen nicht rechtzeitig neue eröffnen – weil sich grüne Politiker oder von der Mafia geschickte Bürger regelmäßig dagegen wehren. Die Bosse verdienen Millionen am täglichen Geschäft mit illegalen Mülltransporten vom Norden ins Hinterland von Neapel Millionen.

    Brennender Müll an offenen Fenstern

    Ein Besuch mit Umweltaktivisten vor Ort lässt ein alltägliches Drama mit unabschätzbaren Folgen erkennen: Nahe Caserta liegen Kühlschränke, Autoreifen und Eternit-Platten an der Straße, daneben brennen Autoreifen – nicht weit von Häusern mit offenen Fenstern, nicht weit von der Polizeistation und dem Rathaus entfernt. „Alltag“, erklärt Antonio Graziano, ein Journalist aus Neapel.

    Manchmal brennen die Häufchen tagelang, hartes Gummi und damit unzählige Gifte. Carabinieri, Polizei und Feuerwehr rücken regelmäßig zum Löschen aus. Die platte Wiese ist zur Hügellandschaft geworden, weil hier Handlanger der Mafia am Tag Giftmüll abladen, den sie nachts anzünden. Dioxin soll das Grundwasser und die Wiesen bereits an mehreren Stellen verseucht haben.

    In Neapel stehen deshalb mehr als ein Dutzend Leute vor Gericht. Staatsanwalt Donato Ceglie meint aber: „Wir können das Problem nicht alleine lösen. In Italien fallen jährlich 97 Millionen Tonnen Müll an und 60 Prozent davon werden ordnungsmäßig entsorgt.“ Der Rest bleibt irgendwo – zum Teil sicher in Kampanien. Nach einem Zeitungsbericht luden die Camorristi in drei Jahren mindestens eine Million Tonnen Giftmüll in der Region ab.

Kommentare

4 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Hey, kannst Du vielleicht mal ein Datum nennen? Das wäre nett. Ich kann mich nur an das Müllproblem in Italien erinnern, dass schon ein Weilchen her ist...
    11. Januar 2011
  • MarcelB
    MarcelB Jein, für mich klingt es auch so, als wenn hier wieder Wunden aus anderen Jahren aufgerissen werden.
    Zur Info das letzte große Problem war 2008. Da kulminierte das Problem mit dem Müll, Müllfahrzeuge mussten eskortiert werden, aufgebrachte Anwohner zün...  mehr
    12. Januar 2011
  • Jakobine
    Jakobine MÜLL: Keiner will ihn haben und es wird immer mehr, wir leben in einer Wegwerf-Gesellschaft. Ständig kann man neue Geräte und billiges Einmalzeugs kaufen…
    Sollbruchstellen werden eingebaut, wegschmeißen ist billiger als reparieren.
    Wir zahlen für de...  mehr
    12. Januar 2011
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen @MarcelB: Hmm, ich wusste nicht, dass man bis heute keine Lösung gefunden hat. So ist das immer...irgendeine Katastrophe kommt in den Medien groß raus und dann ist die Sache gegessen, sobald was neues passiert.
    Dann hatte ich wohl recht mit meiner Verm...  mehr
    14. Januar 2011