Berichte

Firmen ohne Gewissen? Teil 3

  • C wie…

    Chiquita Brands International

    Produkte, Marken: Bananen sowie andere Obst- und Gemüseprodukte
    Gewinn (2008): 3,319 Milliarden Dollar
    Beschäftigte: 23 000

    Der US-Konzern Chiquita ist der größte Bananenlieferant für Europa.

    Chiquita besaß riesige Landflächen in Mittelamerika und bestimmte jahrzehntelang die Politik zahlreicher Länder, die wirtschaftlich von den Bananenexporten abhängig waren. Diese Staaten (z.B. Guatemala, Honduras) werden als „Bananenrepubliken“ bezeichnet, weil in diesen Ländern der Bananenhandel mehr zählt als demokratische Interessen und die Fruchtkonzerne mehr Einfluss haben als die einheimische Regierung. Mit Unterstützung der Bananenexporteure wurden Beamte bestochen und demokratisch gewählte Regierungen gestürzt. An ihre Stelle traten Militärdiktaturen, die die Menschenrechte nicht beachteten, Konzernen wie Chiquita aber bei der Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen Interessen zur Seite standen.

    Noch im Jahr 2002 berichtete Human Rights Watch von acht- bis 13-jährigen Kindern, die auf den Plantagen von Firmen wie Chiquita, Dole und Del Monde für 3,50 Euro am Tag arbeiteten. Sie waren giftigen Pestiziden ausgesetzt, mussten schwere Lasten tragen verschmutztes Wasser trinken und wurden zum Teil sexuell missbraucht.

    Da der Öffentlichkeit zahlreiche negative Schlagzeilen rund um Chiquita nicht verborgen blieben, versucht das Unternehmen nun sein Image zu verbessern. Seit einiger Zeit wirbt es mit dem Gütesiegel der Umweltorganisation Rainforest Alliance. Allerdings wird der Rainforest Alliance vorgeworfen, eine industrienahe Verbindung zu sein, die von großen Konzernen zur Imagepflege genutzt wird. Das Siegel soll demnach den Anschein erwecken, dass die zertifizierten Produkte fair gehandelt und ökologisch angebaut sind, obwohl die Standards nicht den dafür notwendigen Kriterien entsprechen.

    Tatsächlich haben sich die Bedingungen nicht verbessert. „Chiquita ist weder aus umweltpolitischer Sicht noch aus arbeitsrechtlicher Sicht vorbildlich“, erzählten Gewerkschafter in Costa Rica dem „Spiegel“ im Jahr 2006. Auch eine Reportage des 3sat-Magazins „nano“ zeigte, dass auf den Plantagen Gewerkschaftsrechte missachtet und die Beschäftigten teilweise schutzlos gefährlichen Pflanzengiften ausgesetzt werden. Die Universität Augsburg entdeckte zum Beispiel, dass Chiquita auf seinen Plantagen giftige Chemikalien einsetzte, die zu „Nervenschäden, Atembeschwerden. Hautirritationen usw.“ führen. Dass überhaupt Pestizide verwendet werden (jedes Jahr 40 Kilogramm pro Hektar laut dem letzten Nachhaltigkeitsbericht von Chiquita) widerspricht der Behauptung, es handle sich um ökologische Landwirtschaft.

    In Kolumbien wird Chiquita vorgeworfen, jahrelang rechte Paramilitärs finanziert zu haben. Diese terrorisierten die einheimische Bevölkerung und sind für den Tod von mehreren tausend Menschen verantwortlich. Rund 400 Familien, deren Angehörige gefoltert und getötet wurden, verklagten den Konzern daher Ende 2007 auf 7,8 Milliarden Euro Schadensersatz. Das Magazin „Focus“ berichtete im November 2007, dass Chiquita bereits im Vorjahr zugegeben hatte, die Terroristen zwischen 1997 und 2004 mit mehr als 1,7 Millionen Dollar unterstützt zu haben. Der Konzern zahlte daraufhin 25 Millionen Dollar Strafe.


    The Coca-Cola Company

    Gewinn (2008): 5,8 Milliarden Dollar
    Beschäftigte: 600 000

    Schon gewusst? „Coca Cola“ ist nach „okay“ der weltweit am meisten verstandene Begriff. Zu den Produkten des Unternehmens gehören Getränke der Marke Fanta, Sprite, Lift, Nestea, Bonagua, Römerquelle und vieles mehr. Auf der Homepage kann man sich alle über 3.300 Produkte ansehen - und hat nachher das Gefühl, kaum noch etwas trinken zu können, das nicht von Coca Cola hergestellt wurde! Tatsächlich trinkt jeden Tag mehr als eine Milliarde Menschen in über 200 Ländern ein Getränk der Coca-Cola Company. Das sind mehr als 110 Milliarden Liter jährlich.

    Der kolumbianischen Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal zufolge heuerten in Kolumbien örtliche Coca-Cola-Abfüllunternehmen sogenannte Todesschwadronen an, die zwischen 1989 und 2002 sieben führende Gewerkschaftsmitglieder ermordeten, weil diese gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen protestiert hatten. Internationale Gewerkschaftsorganisationen und Menschenrechtsgruppen halten Coca-Cola seitdem vor, sich in keiner Weise für die dort Beschäftigten eingesetzt zu haben. Im Gegenteil, der Konzern habe sogar von der Einschüchterung der ArbeiterInnen angesichts drohender Gewalt profitiert, weil diese nun erst recht nicht wagen, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern.

    In Salvador profitiert Coca-Cola von Kinderarbeit in der Zuckerrohrernte, erklärte Human Rights Watch in einem 2004 veröffentlichten Bericht. Der Konzern wies auf sein generelles Verbot von Kinderarbeit hin, gab aber zu, dass es sich bei den betroffenen Firmen um Coca-Cola Lieferanten handelte.

    Außerdem verbraucht die Produktion von Coca-Cola extrem viel Wasser. Laut BBC ließ das Unternehmen sogar zur Deckung seines Wasserverbrauchs in Indien zahlreiche Tiefbrunnen bohren, was zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führte. Eine Dürrekatastrophe für die lokalen Landwirte war die Folge.

    Doch jetzt passiert etwas, womit niemand gerechnet hätte: 2007 verkündet der WWF seine Kooperation mit der Coca-Cola Company. Wie passt das zusammen?

    Dazu sollte zunächst einmal gesagt werden, dass die gemeinsamen Zielvereinbarungen mit dem WWF keine Kooperation im klassischen Sinne sind. Coca Cola darf zum Beispiel nicht den Panda auf seine Dosen drucken, weshalb der Verdacht des Green Washing auch nicht aufkommen kann. Coca Cola kann hingegen im Rahmen der eigenen Pressearbeit bekannt geben, gemeinsam mit dem WWF Ziele vereinbart zu haben. Der WWF möchte zusammen mit diversen Unternehmen Pläne erarbeiten, wie diese Unternehmen ökologischer werden können. Und werden diese Pläne nicht eingehalten, übt er entsprechend Kritik.

    Im Fall von Coca-Cola sehen diese Pläne vor, dass erheblich weniger Wasser verwendet und das bereits verwendete Wasser im Herstellungsprozess recycelt wird. Außerdem darf kein Raubbau an Grundwasserreserven vorgenommen werden. Coca Cola hat sich verpflichtet, den Wasserverbrauch durch Trinkwasserprojekte in bedürftigen Regionen auf der ganzen Welt zu kompensieren.

    Und tatsächlich hat Coca-Cola bereits die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht. In Brasilien hat das Unternehmen beispielsweise 3000 ha Regenwald aufgeforstet. Und im Mai 2009 wurde eine neue Plastikflasche entwickelt, die zu 30 Prozent aus abbaubaren Pflanzenbestandteilen besteht und deren Herstellung eine Verringerung der CO2-Emissionen um 25 Prozent bewirkt. (Ziel ist es, bald eine "PlantBottle" zu haben, die vielleicht sogar vollständig aus recycelbarem Material besteht.)

     

    D wie...

    Daimler AG

    Gewinn (2008): 1,4 Milliarden Euro
    Beschäftigte: 273 000

    Die Daimler AG ist der weltweit größte Hersteller von Nutzfahrzeugen und vor allem für die Luxusautos der Marke Mercedes Benz bekannt. Weniger bekannt ist, dass Daimler einer der beiden Hauptaktionäre des Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzerns EADS ist. Diese Firma produziert zum Beispiel den Kampfbomber Eurofighter und Raketenwerfer für Streumunition. Darunter auch der Raketenwerfer GLMRS, der innerhalb weniger Minuten eine Fläche von einem Quadratkilometer mit 8000 Streumunitionskörpern verseuchen könnte. Menschenrechtsorganisationen bemühen sich seit Jahren um eine Ächtung dieser gerade für die Zivilbevölkerung so gefährlichen Waffensysteme.

    Im Mai 2008 ließ das Oberste Gericht der USA eine milliardenschwere Klage von Apartheidopfern gegen Daimler und andere Unternehmen (Deutsche Bank, Dresdner Bank, Ford, General Motors, BP, Citigroup u.a.) zu, weil sie mit ihren Geschäftsbeziehungen die Politik der Rassentrennung in Südafrika unterstützt hätten.

    Die von Daimler hergestellten Kraftfahrzeuge verbrauchen eine hohe Benzinmenge von im Durchschnitt 9,7 l/100 km. Nur etwa vier Prozent der Modelle erreichen den von der EU angestrebten CO2-Ausstoß von 130 g/km.

    Ende 2007 erhielten BMW, Porsche und Daimler den „Worst EU Lobbying Award“, weil sie laut Corporate Europe Obversatory „die schlimmsten unter den Lobbyisten der Automobilindustrie“ seien: Als die EU-Kommission bindende CO2-Ziele vorschlug, hätten diese Unternehmen sofort mit einer Angst- und Desinformationskampagne geantwortet. Die Entscheidungsträger habe man grob manipuliert, indem mit Betriebsausschließungen und Arbeitsplatzverlust gedroht worden sei.

     

Kommentare

4 Kommentare
  • Carina
    Carina Aus irgend einem Grund kann ich meine Artikel momentan nur häppchenweise veröffentlichen - sonst stürzt alles ab. bei den quellen hat es am ende partout nicht mehr klappen wollen, daher füge ich sie hier im Kommentar nochmal an:

    Klaus Werner-Lobo: ...  mehr
    9. Januar 2011
  • MarcelB
    MarcelB in Mexiko Stadt kann sich die arme Bevölkerung, die in sogenannten Slums wohnt kein Wasser dank der Cola Company leisten. Wasser kostet dort mehr als ein Dollar, Cola hingegen nur 0,30.. (ältere Zahlen). Kleinkinder wird also Cola gegeben..was das für ein...  mehr
    10. Januar 2011
  • Stoffie
    Stoffie danke für den bericht :)
    ganz schön krass wie krank manche firmen sind um an geld zu kommen....
    10. Januar 2011
  • Thaddl
    Thaddl das mit coca cola schockt mich denn ich trinke sehr gerne coke
    danke fuer die info
    11. Januar 2011