Berichte

Firmen ohne Gewissen? Teil 1

  • „Firmen ohne Gewissen?“ – so habe ich die sechsteilige Berichtreihe getauft, in deren Rahmen ich euch alle zwei Wochen drei große Markenfirmen und ihre „dunklen Machenschaften“ vorstellen möchte. Denn leider gründen viele der bekanntesten multinationalen Konzerne ihre Profite auf Ausbeutung, Kinderarbeit, Krieg und Umweltzerstörung.

    In den letzten Jahren sind immer mehr dieser Geschichten an die Öffentlichkeit gekommen, und da solche Sachen furchtbar schlecht fürs Image – und damit für das Geschäft – sind, hat sich schon viel verbessert. Doch die allermeisten großen „Multis“ geben sich nicht die geringste Mühe, nachhaltiger oder menschenfreundlicher zu wirtschaften. Stattdessen bekennen sie sich zur „Sozialen Unternehmensverantwortung“ („Corporate Social Responsibility“ oder kurz CSR). Sie geben Millionen für Werbekampagnen aus und beschäftigen ganze Abteilungen, die Kinderspielplätze und Krankenhäuser in armen Ländern bauen, um sich in der Öffentlichkeit möglichst sozial und ökologisch zu präsentieren.

    Ist doch gar nicht schlecht, oder?

    Doch in Wahrheit wollen die großen Konzerne mit ihren CSR-Kampagnen verhindern, dass sie mit global gültigen Gesetzen zur Einhaltung menschenrechtlicher Auflagen gezwungen werden. Denn dann müssten sie höhere Löhne zahlen und damit würden sie bei weitem nicht so günstig wegkommen, wie sie es mit ihrer CSR tun. Gegenwärtig sind die Löhne meist so niedrig, dass die Menschen nicht mal genug zum Leben haben und auch Kinder dazu gezwungen werden zu arbeiten, um die Familie zu ernähren. Und wenn die Firmen behaupten, sie würden Mindestlöhne zahlen, dann muss man leider immer beachten, dass sie meist Druck auf die Regierungen ausüben, um die Mindestlöhne so gering wie möglich zu halten.

    Doch genug davon, jetzt geht es los mit A wie…


    Adidas

    Gewinn (2008): 642 Millionen Euro
    Beschäftigte: 39000 in über 50 Ländern

    Adidas ist nach Nike der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt. Die Firma verfügt heute über so gut wie keine eigenen Produktionsstätten mehr, stattdessen werden die Produkte fast vollständig in Zulieferbetrieben sogenannter Billiglohnländer – vor allem Asien und Lateinamerika – hergestellt. Immer wieder kam es dort in der Vergangenheit zu schwersten Menschenrechtsverletzungen: Zwölfjährige Kinder verrichteten Überstunden und mussten bis zum Arbeitsbeginn am nächsten Morgen auf dem Fußboden der Fabrik schlafen, es gab sexuelle Übergriffe auf Frauen, Gewerkschaften wurden unterdrückt und verfolgt. Vor kurzem hat Adidas Verhaltensregeln aufgestellt, mit denen die Lieferanten zur Einhaltung ethischer Grundsätze verpflichten, doch die Probleme bestehen nach wie vor. So ist das Unternehmen trotz enormer Profite zum Beispiel nicht bereit seine Zulieferbetriebe angemessen zu bezahlen. Dadurch erhalten die Angestellten auch viel zu geringe Löhne und selbst, wenn keine Kinder mehr bei Adidas arbeiten, sind sie trotzdem noch direkt betroffen, da ihre Eltern nicht genug verdienen, um die Familie zu ernähren.

    Ein Beispiel für die Ausbeutung asiatischer Arbeiter und Arbeiterinnen ist die Herstellung der Bälle für die Fußball-WM 2006. Adidas ließ die Fußbälle in Thailand produzieren und zahlte den Arbeitern nur 3,60 am Tag, wie die Menschenrechtsgruppe Thai Labour Campaign berichtete. Sobald die Leute sich gewerkschaftlich organisierten und für ihre Rechte eintraten, verloren sie ihren Job. „Wer Artikel für führende Markenfirmen wie Adidas, Asics, New Balance, Nike und Puma produziert, verdient weiterhin Hungerlöhne“, stellte auch die Play-Fair-2008-Kampagne im Vorfeld der Olympischen Spiele von Peking fest.

     

    Aldi

    Gewinn (2007): ca. 1 Milliarde Euro
    Beschäftigte: ca. 190 000 in 7800 Filialen weltweit


    Allein in Deutschland gibt es mittlerweile rund 4000 Aldi-Filialen und jede einzelne bringt im Jahr durchschnittlich etwa 230 000 Euro Gewinn, dazu kommen die Einkünfte von rund 3000 Supermärkten in 15 anderen Ländern. Die Gründer von Aldi, die Brüder Karl und Theo Albrecht, sind die reichste Familie Europas und mit einem geschätzten Vermögen von rund 30 Milliarden Euro die viertreichste Familie der Welt.
    Im Jahr 2006 gab das Unternehmen 283 Millionen Euro für Werbung aus, bei den Kosten für Rohstoffe und Arbeitskraft wird dagegen gespart. Aldi (aber auch viele andere Handelsketten) setzen Lieferanten und Mitarbeiter unter extremen Preisdruck. Die Folge sind katastrophale Arbeitsbedingungen und Löhne weit unter dem Existenzminimum, vor allem in den Rohstoffländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas.

    Ähnliches gilt auch für Bekleidung. 2007 wies das Südwind-Institut nach, dass bei indonesischen und chinesischen Aldi-Zulieferern Arbeitsrechte in bisher kaum bekanntem Maß verletzt wurden: Die ArbeiterInnen mussten mindestens elf Stunden am Tag arbeiten, hatten nur zwei bis vier freie Tage im Monat und ihre Löhne entsprachen mitunter nicht einmal der Hälfte des chinesischen Mindestlohns. Außerdem wurden Gesundheits- und Sicherheitsstandards vernachlässigt, Gewerkschaften unterdrückt und Frauen sexuell belästigt. Eine Fabrik erwartete von ArbeiterInnen, im ersten Monat ohne Entlohnung zu arbeiten. Mehrere Fabriken beschäftigten Minderjährige und halfen bei der Fälschung von Ausweisen, um deren wahres Alter zu vertuschen. Einige Fabriken forderten von ihren Angestellten, in den fabrikeigenen Schlafsälen zu übernachten, um so deren Leben noch effektiver überwachen zu können. Sogar in Österreich müssen die Beschäftigten oft unbezahlte Überstunden leisten, werden überwacht, eingeschüchtert und bei kritischem Verhalten gefeuert.

    In einer Stellungnahme zeigte Aldi sich zwar dialogbereit, „ob der Konzern aber nach einer angemessenen Vorbereitungszeit im globalen Wettbewerb eine öffentlich glaubwürdige ethische Beschaffungspolitik umsetzen wird, bleibt abzuwarten“, sagt das Südwind-Institut mit einiger Skepsis.

     

    Apple

    Gewinn(2009): 5,7 Milliarden Dollar
    Beschäftigte: 34 000

    Apple-Chef Steve Jobs war 2006 mit fast 650 Millionen Dollar Jahreseinkommen der bestverdienende Manager der Welt – und laut dem Wirtschaftsmagazin „Fortune“ ist er auch der mächtigste.

    In der chinesischen Provinz Shenzhen liegt der größte Elektronikfertigungsbetrieb der Welt: Der Industriepark „Foxconn-City“, auch „iPod-City“ genannt. Hier sind rund 200 000 Menschen beschäftigt, der Großteil junge Frauen, die von Arbeitsagenturen aus verarmten Regionen des Landes angeworben werden. Sie stellen für den globalen Markt Computer, Kommunikations- und Unterhaltungselektronik her wie zum Beispiel den iPod für Apple.

    Tägliche Arbeitszeiten von 15 Stunden, mitunter sieben Tage die Woche, seien in Shenzhen keine Ausnahme, berichtete der britische „Daily Mirror“ im Juni 2006. Der Verdienst der ArbeiterInnen lag mit 50 Dollar im Monat unter dem ohnehin schon niedrigen gesetzlichen Mindestlohn. Etwa die Hälfte der ArbeiterInnen lebte auf dem Fabrikgelände. In den Schlafsälen waren nicht selten mehrere hundert Personen untergebracht, wobei Besuch grundsätzlich untersagt gewesen sei. Der Zugang zu den Räumen wurde bewacht. Unabhängige Gewerkschaften, die etwas gegen diese Zustände hätten unternehmen können, sind in China verboten. Dem Bericht zufolge wurden die Beschäftigten von „Foxconn-City“ wie beim Militär gedrillt. So verlangte man von ihnen unter anderem, stundenlang unbeweglich zu stehen. Wer das nicht konnte, wurde bestraft. „Sie werden wie Roboter behandelt, nur sind sie viel billiger als Roboter“, äußerte sich ein Beobachter. Das Unternehmen Apple zeigte sich über die Vorwürfe offiziell entsetzt und versprach, zukünftig die Zahlung der gesetzlichen Mindestlöhne einzuhalten. Doch auch die Mindestlöhne sind so niedrig sind, dass ein Mensch davon eigentlich nicht leben kann.

    Zudem wird Apple für den Anteil von Schadstoffen und giftigen Chemikalien in den Produkten kritisiert. Diese werden freigesetzt, wenn die Produkte weggeschmissen werden, und verschmutzen die Umwelt. Zudem gefährden sie die Gesundheit von Kindern, die auf Müllhalden von Dritte-Welt-Ländern nach Elektronikartikeln suchen. Mangels konkreter Angaben zur Verwendung von recycelten Kunststoffen, der Rücknahme von Altgeräten und zur Klimabilanz reihte Greenpeace den Konzern im Juni 2008 nur auf Rang 11 von 18 auf Klimafreundlichkeit getesteten Elektronikherstellern ein.

    Allerdings gibt es hier einen kleinen Lichtblick: Der Konzern scheint sich die Vorwürfe zu Herzen genommen zu haben, denn neue Computermodelle enthalten im Vergleich zu ihren Vorgängern weniger giftige Chemikalien.

     

    Quellen:
    Klaus Werner-Lobo: „Uns gehört die Welt“
    http://www.corpwatch.org/article.php?id=1311
    http://www.saubere-kleidung.de/ccc-20_unternehemen/ccc-25-01_fp_adidas.html
    http://www.saubere-kleidung.de/ccc-20_unternehemen/ccc-25-02_fp_aldi.html
    www.suedwind-institut.de
    http://www.greenmyapple.org/about.html
    http://www.greenpeace.org/raw/content/international/press/reports/guide-greener-electronics-8-edition.pdf

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