Berichte

UN-Klimakonferenz in Mexiko (IV): Noch 3 Tage um das Ruder herumzureißen

  • Drei Verhandlungstage stehen bei der UN-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún noch aus. Es werden die drei entscheidenden Tage dieser Konferenz werden. Denn nun sind die Umweltminister und zum Teil auch die Staatschefs zur Konferenz angereist und übernehmen persönlich die Verhandlungsführung.
    Die Chancen, dass bei der Konferenz die dringend benötigten Fortschritte für den Klimaschutz erreicht werden, sind weiterhin ungewiss. Beobachter loben zwar die Verhandlungsführung der mexikanischen Gastgeber, sehen aber noch keine Anzeichen für einen Durchbruch.

    Große Differenzen über Kyoto-Nachfolge

    Zentraler Streitpunkt ist die Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll. In diesem Protokoll hatten sich alle Industrieländer bis auf die USA erstmals zur Begrenzung ihrer CO2-Emmissionen verpflichtet. Nun wird in Cancún darüber diskutiert, wie es nach 2012 weitergehen soll.
    Die Schwellen- und Entwicklungsländer machen sich für eine Fortführung des Kyoto-Vertrags stark und wollen selbst kaum oder gar keine verbindlichen CO2-Obergrenzen akzeptieren. Schließlich gehe ein Großteil der menschengemachten Klimaveränderung auf die westlichen Industriestaaten zurück und nun müssten deshalb diese Länder Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen. Zugleich hätten Entwicklungs- und Schwellenländer ein Recht darauf, ihre Wirtschaft aufzubauen ohne strengen CO2-Vorgaben unterworfen zu sein.
    Auf der anderen Seite pochen besonders Japan, Kanada und Russland darauf, künftig auch den aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenländern, allen voran China, verpflichtende CO2-Ziele vorzugeben. Die Industrienationen fürchten Wettbewerbsnachteile durch einseitige Verpflichtungen und sehen nur dann die Chance, den Klimawandel auf 2 ° Celsius zu begrenzen, wenn alle Staaten mit einbezogen würden. Schon jetzt ist China der weltweit größte Verursacher von CO2 und löste damit die USA von ihrer unrühmlichen Spitzenposition ab.
    Christina Figueres, Leiterin des UN-Klimasekretariats, sprach gestern ernüchtert von „diametral gegensätzlichen“ Positionen und auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) äußerte sich in einer ersten Stellungnahme vor Ort skeptisch: „Das Risiko des Scheiterns besteht“.

    Vorsichtiger Optimismus beim Waldschutz

    Wahrscheinlicher als eine Einigung auf einen Kyoto-Nachfolgevertrag scheint unterdessen ein Abkommen zum Schutz der Wälder.
    Grundgedanke der REDD („Reducing Emissions from Deforestation and Degradation“) –Politik ist, Staaten dafür finanziell zu belohnen, dass sie ihre bislang erhaltenen Urwaldgebiete auch weiterhin nicht roden.
    Der Waldschutz ist insofern für den Klimaschutz von großer Bedeutung, als dass große Baumbestände bedeutende Kohlenstoff-Mengen binden können und so verhindert wird, dass CO2 in die Atmosphäre gelangt und unser Klima weiter aufheizt.
    Auch im Bereich der Walderhaltung sind zwar noch wichtige Fragen zu klären. So zum Beispiel wer wie viel zur Finanzierung des Programms beitragen muss und auch wie verhindert werden kann, dass die Zahlungen missbraucht und am Ende gar kein klimarelevanter Wald erhalten wird.
    Dennoch zeigen sich Verhandlungsdelegationen und Beobachter zuversichtlich, dass zumindest auf diesem Teilgebiet ein wichtiger Schritt nach vorne getan werden kann.

    Es sind also durchwachsene Aussichten auf die letzten Tage der diesjährigen UN-Klimakonferenz. Zu befürchten steht eine ähnliche Schlappe wie 2009 in Kopenhagen. Auf der anderen Seite besteht aber auch noch die Hoffnung, dass in manchen Fragen echte Fortschritte für das Klima erzielt werden können.

    Wieder ein dramatisches Konferenzfinale?

    Es bleibt spannend und möglicherweise stehen den Konferenzteilnehmern auch wieder turbulente und emotionale Schlusssitzungen bevor. Ähnlich wie in folgendem CNN-Video von 2007.

    Damals beschuldigte erst der chinesische Vertreter den damaligen UN-Klimachef de Boer, die Verhandlungen unsachgemäß geführt zu haben. Dann kündigten die USA an, die vorgeschlagenen Formulierungen nicht mittragen zu wollen und zogen so den Unmut vieler anderer Delegationen auf sich. Höhepunkt der spektakulären Minuten war daraufhin die Aufforderung des Vertreters von Papua-Neuguinea an die USA, zu führen oder zumindest einem Abkommen nicht mehr im Weg zu stehen.

    Ob es auch in Cancún große Entscheidungen oder zumindest ähnlich heftige Debatten geben wird, erfahrt ihr natürlich weiterhin hier auf wwf-jugend.de!

     

    Auf dem Foto: Die 14. UN-Klimakonferenz im polnischen Posen 2008.


    Quellen:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,733204,00.html
    http://www.handelsblatt.com/technologie/energie-umwelt/klimakonferenz-in-cancun-umweltminister-roettgen-haelt-scheitern-fuer-moeglich;2707611
    http://www.stern.de/news2/aktuell/kein-durchbruch-vor-endphase-der-un-klimakonferenz-in-sicht-1631924.html
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,733008,00.html
    http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1079030


    Videoquelle: http://www.youtube.com/watch?v=C1fwrWc-g_A&playnext=1&list=PLC2E0D635550CE9C8&index=5
     

Kommentare

7 Kommentare
  • JohannesB
    JohannesB @ Midori:
    Oh ja, das muss rein in den Schädel ;) Funktioniert aber wohl nur, wenn die Industrieländer endlich mal mutig vorangehen und so beweisen, dass Klimaschutz notwendig und langfristig vorteilhaft ist.
    8. Dezember 2010
  • Stoffie
    Stoffie alles schön immer auf andere schieben. damit kommt keiner weiter wenn jeder sagt: "macht ihr mal!" ich glaube den herren und die damen die nichts machen wollen soll man mal bitte kräftig mit dem hammer vor den kopf hauen. eventuell würden sie dann merken ...  mehr
    8. Dezember 2010
  • midori
    midori Da fällt mir ein.. Der UN-Klimachef de Boer tut mir so leid! Wie gemein, dass sie ihn so piesacken. Der hat sich bestimmt voll Mühe gegeben! Und dann weint er sogar! *_____*
    8. Dezember 2010
  • JohannesB
    JohannesB @ Stoffie:
    Die "Macht ihr mal"-Mentalität scheitert ja seit Jahren, da hast Du Recht. Deshalb muss sich jetzt mal eine Seite bewegen und die andere mitziehen.
    Klar ist es langfristig günstiger, schon jetzt auf klimafreundliches Wirtschaften zu ach...  mehr
    8. Dezember 2010