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UN-Klimakonferenz in Mexiko (I): Neue Enttäuschung oder erfreuliche Überraschung?

  • In den letzten Wochen gab es gleich auf zwei Konferenzen Grund zum Jubeln. Erst wurden Ende Oktober bei einer UN-Konferenz in Japan weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt getroffen und erst vor Tagen beschlossen mehrere Staatschefs in St. Petersburg ein umfassendes Rettungsprogramm für die letzten Tiger.

    Aber jetzt ist schon wieder Schluss mit Party. Wir müssen uns in den nächsten 2 Wochen wohl wieder auf schlechte Nachrichten einstellen. Denn am morgigen Montag beginnt in der mexikanischen Küstenstadt Cancún die 16. UN-Klimakonferenz und egal wen man fragt: die Erwartungen sind äußerst gering.

    Worum geht es?

    Seit 1997 gibt es mit dem sogenannten „Kyoto-Protokoll“ ein Vertragswerk, in dem sich die meisten Staaten der Welt auf maximale Treibhausgasmengen zum Schutz unseres Klimas verständigt haben.
    Nun gibt es mit diesem Abkommen aber ein paar Probleme: Nicht alle Staaten, darunter auch die USA, haben den Vertrag akzeptiert, Schwellen- und Entwicklungsländern wurden keine Vorgaben gemacht und nicht zuletzt: Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus.

    Schon seit Jahren wird auf verschiedensten Ebenen und Konferenzen über ein wirksames und nachhaltiges Nachfolgeabkommen diskutiert, das den Planeten vor dem Klimakollaps schützen und alle Staaten individuell mit einbeziehen soll.

    Und ist bisher Jahr um Jahr vergangen, ohne dass man einem neuen Vertragswerk entscheidend näher gekommen wäre. Die jetzt beginnende Konferenz in Mexiko ist ein neuer Versuch, eine Einigung zu erzielen oder sie zumindest vorzubereiten.

    Wer nimmt teil?

    Wer sich unter einer Konferenz einen Saal mit ein paar Stuhlreihen in einem Hotel vorstellt, der irrt gewaltig. Zumindest eine UN-Klimakonferenz fällt deutlich größer aus.
    193 Staaten werden ihre Vertreter nach Cancún schicken. Gegen Ende des zweiwöchigen Gipfels werden auch etwa 20 Staats- und Regierungschefs teilnehmen. Das klingt im ersten Moment recht viel, aber bei der letzten Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen waren es um die 120. Angela Merkel fährt auch nicht nach Mexiko, Deutschland wird in den Abschlusstagen von Umweltminister Norbert Röttgen vertreten.
    Neben den Delegationen der einzelnen Länder und Wissenschaftlern werden auch viele Nichtregierungsorganisationen wie der WWF, Greenpeace oder OXFAM im mexikanischen Touristenziel vor Ort sein. Und natürlich machen sich auch wieder unzählige Pressevertreter aus aller Welt auf nach Nordamerika.

    Warum ist das alles so kompliziert und warum sind die Erwartungen diesmal so gering?

    Vor einem Jahr blickte die ganze Welt gebannt in nach Dänemark. Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen sollte, begleitet von großer Berichterstattung in den Medien, der Durchbruch für ein neues Klimaabkommen gelingen. Doch das ging gründlich schief. Wie in den Jahren zuvor hatte sich gezeigt, dass viele Länder den Ernst der Lage noch immer nicht begriffen hatten. Man wartete jeweils darauf, dass die anderen mit Klimaschutzmaßnahmen vorangingen, um dann (vielleicht) zu folgen. So blockierte sich die Konferenz und man belauerte sich solange, bis am Ende nur eine Absichtserklärung herauskam, die aber niemand zum Klimaschutz verpflichtet.
    Besonders die großen Emittenten USA und China spielen eine Schlüsselrolle bei den Klimaverhandlungen. Anfang November diesen Jahres verschoben sich bei den Kongresswahlen in den USA die politischen Verhältnisse, sodass es in den nächsten 2 Jahren (dann wird in dort wieder gewählt) sehr unwahrscheinlich ist, dass die USA konsequenten Klimaschutz anbieten. Dies bietet Ländern wie China die Gelegenheit, sich ebenfalls strengen Forderungen zu verweigern. Die Erfahrungen der letzten Jahre, die mauen Ergebnisse der letzten Vorbereitungstreffen vor Mexiko und der Wahlausgang in den USA führten zusammengenommen dazu, dass weit und breit jetzt die Erwartungen gedämpft werden und ein Durchbruch in Cancún unwahrscheinlich ist.

    Was könnte und sollte trotzdem in Mexiko erreicht werden?

    Angesichts von viel Pessimismus im Vorfeld stellt sich natürlich die Frage, was bis zum 10. Dezember überhaupt realistischer Weise erreicht werden kann. Das Zauberwort heißt: Teilerfolge. Und das gleich auf mehreren Feldern: Austausch klimafreundlicher Technologien, Programme zur Anpassung an den Klimawandel, Maßnahmen zum Schutz der Wälder und zur Reduzierung von Treibhausgasen sowie Regelungen über die Finanzierung von Klimaschutzprogrammen.
    Ob solche Teilerfolge gelingen bleibt fraglich und abzuwarten. Unterdessen wartet der Klimawandel nicht auf Neuigkeiten aus Mexiko.

     

    Ihr könnt Euch aber in den nächsten 2 Wochen über Neuigkeiten aus Cancún informieren. Natürlich hier auf wwf-jugend.de!

     

    Auf dem Foto: Die 14. UN-Klimakonferenz im polnischen Posen.

     

    Weitere Infos:
    http://www.tagesschau.de/ausland/klimakonferenzcancun100.html
    http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~EAA5B2B7B114A46E6AA2ED667B4F4D1CD~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    http://www.zeit.de/2010/48/Cartagena-Cancun
    http://www.cop16.mx/en/ (offizielle Seite der Konferenz, aber nur auf Englisch und Spanisch)
    http://unfccc.int/2860.php (auch eine offizielle Seite, aber nur auf Englisch, Französisch und Spanisch)
     

Kommentare

6 Kommentare
  • JohannesB
    JohannesB @ Midori:
    Danke ;) Und ja, es bleibt echt nur Daumen drücken, dass es doch besser läuft, als erwartet. Tja, \"Teflon\" Merkel bleibt dieses Mal lieber zu Hause, genauso wie ihr \"inkompetenter und eitler\" Vizekanzler Westerwelle. Ich glaube aber, dass H...  mehr
    29. November 2010
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Schon klar, es ist wichtig...ich will damit nur sagen: So viel, wie bisher dabei herausgekommen ist, hätte es sich wahrscheinlich gelohnt...es ärgert mich einfach, dass alle Leute für alles durch die Welt reisen und im Endeffekt null dabei herausgekommen ...  mehr
    29. November 2010
  • JohannesB
    JohannesB @ Gluehwuermchen: Absolut verständlich, dass es Dich ärgert, dass da bei diesem Aufwand in den letzten Jahren nicht wirklich was erreicht wurde. Geht mir genauso.
    Die Zeit drängt und man muss trotzdem Geduld haben, bis ein Durchbruch (hoffentlich) da ist ...  mehr
    29. November 2010
  • Infinity
    Infinity Ich glaube eher nicht, dass groß etwas erreicht wird, denn viele Länder sehen nicht die Notwendigkeit etwas zu verändern, so produzieren einige Länder immer noch FCKWs und verkaufen diese als Recykling-FCKWs in andere Länder auch nach Deutschland. Leider ...  mehr
    30. November 2010