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Massiver Betrug in Thunfisch-Industrie aufgedeckt

  • Ein Schwarm Blauflossenthunfische schwimmt geschlossen durch die blauen Tiefen des Mittelmeers. Die silbrigen Flossen gleiten durch das Wasser, unzählige Münder öffnen und schließen sich stumm. Es hätte ein wunderbar friedlicher Anblick sein können, wäre da nicht das laute Dröhnen eines Motorbootes, das die natürlich Stille durchdringt. Und dann auf einmal wird der Schwarm von seinem Kurs abgelenkt. Denn dort vorne schwimmt etwas Undefinierbares im Wasser, das die Aufmerksamkeit der Fische fast schon wie magisch anzieht. Und die Thunfische sind nicht die einzigen: Kleinere und größere Fischarten, sogar Haie, Schildkröten und Meeressäuger haben sich um das schwimmende Objekt gesammelt und umkreisen es neugierig. Sie ahnen nicht, dass sie längst in der Falle sitzen. Kaum hat sich der Thunfisch-Schwarm zu ihnen gesellt, wird klar, dass sie von einem riesigen, ringförmigen Netz umgeben sind. Langsam aber sicher zieht sich der untere Teil des 250 Meter hohen und zwei Kilometern langen Netzes zusammen – die Tiere sind in einem riesigen Trichter gefangen…

    Diese Art der Fischernetze werden Ringwaden genannt. Oft werden sie zusammen mit so genannten Fish Aggregation Devices (FADs) genutzt: Frei schwimmende Objekte, die die Meerestiere äußerst effektiv anlocken. Vor allem Thunfische werden auf diese Weise gejagt und das – wie vor wenigen Tagen bekannt wurde – oft illegaler Weise.

    Der Blauflossenthunfisch ist stark bedroht und überfischt. Und nun kam auch noch ans Licht, dass viel mehr Fisch dieser Art gefangen wird, als offiziell angegeben. Ein internationales Netzwerk von Journalisten (ICIJ) hat sich in einer achtmonatigen Recherche mit der Fischerei und dem Handel des extrem wertvollen Tunfischs befasst und kam zu einem erschütternden Ergebnis: Die Aufdeckung eines komplexen internationalen Schwarzhandel für Blauflossentunfisch im Wert von 4 Milliarden US-Dollar.

    Der WWF hat schon seit langem gewusst, dass diese Fischerei außer Kontrolle ist. Die WWF Fischereiexpertin Karoline Schacht sagt dazu: „Kein Unternehmen, keine Verbraucher und keine Regierung kann sicher sein, dass sie es mit legal gefangenem und gehandeltem Blauflossentunfisch zu tun haben – die gesamte Produktionskette ist unterwandert.“

    Die Untersuchungsergebnisse wurden unmittelbar vor einer entscheidenden Konferenz der Internationalen Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfisches (ICCAT) veröffentlicht. Vom 17. bis 27. November treffen sich deren Mitglieder in Paris um über die Bewirtschaftung und die Erholung dieser Art zu entscheiden. Nach Ansicht des WWF ist ICCAT wiederholt daran gescheitert, die illegale Fischerei auf Roten Tun im Mittelmeer zu unterbinden.

    „Vor diesem internationalen Skandal darf ab jetzt kein Kopf mehr in den Sand gesteckt werden", sagt Schacht. „ICCAT hat keine andere Wahl als die zerstörerische industrielle Ringwadenfischerei und die angegliederten Tunfischfarmen zu schließen.“ Der WWF fordert, zukünftig ausschließlich handwerkliche Fischerei auf Roten Tunfisch zu erlauben und die Fangmengen auf maximal 6000 Tonnen pro Jahr zu beschränken. In den Laichgebieten müssten außerdem fischereifreie Schutzzonen eingerichtet werden, um eine Erholung der Tunfischbestände zu ermöglichen.

    Quellen:
    http://www.wwf.de/presse/details/news/massiver_betrug_in_tunfisch_industrie_aufgedeckt/
    http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/fischerei-und-fischzucht/jeder-kann-handeln/neu-fischratgeber/blauflossenthun/
    http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/fischerei-und-fischzucht/fischerei/fischereimethoden/

     

Kommentare

4 Kommentare
  • Morgan
    Morgan Es darf kein Kopf mehr in den Sand gesteckt werden... (jetzt müssen sie sich was anderes zum Kopfreinstecken suchen xD)
    Kommt es mir nur so vor,oder wird nach jedem Skandal (jeglicher Art) sowas gesagt?
    13. November 2010
  • midori
    midori Schöner Artikel Carina! (: Und dabei ess ich doch so gern Thunfisch! *_____* Aber seit ich beim WWF bin, verzichte ich darauf sowieso, denn ich habe noch keinen MSC Thunfisch entdecken können. Also lieber Finger weg! Auch wenns lecker ist. Das hat der Th...  mehr
    14. November 2010
  • HannaS
    HannaS Ja, guter Artikel. Ich finde es gut, dass Journalisten so etwas aufdecken, aber ich finde, das hätte viel mehr Aufmerksamkeit in allen möglichen Medien verdient. Es ist so merkwürdig, dass über Promis etc ständig berichtet wird, über wichtige Dinge, die a...  mehr
    14. November 2010
  • Janine
    Janine Vielen Dank für den Artikel, Carina!

    Hier ein Bericht vom ZDF:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitra...  mehr
    19. November 2010