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Der Fischotter - ein Portrait

  • Kleiner Steckbrief

    Name: Eurasischer Fischotter (Lutra Lutra)

    Familienzugehörigkeit: Marderartige

    Größe: Von Kopf bis Schwanz 110 bis 130 cm

    Gewicht: 7 bis 12 kg

    Aussehen: Kurzes, glänzendes Fell, abgeflachter Kopf, lange Barthaare. Nase, Augen und Ohren liegen auf einer Linie, sodass sein Gesicht nur wenig auftauchen muss, um alles wahrzunehmen. Hat Schwimmhäute zwischen den Zehen und ist stromlinienförmig gebaut.

    Lieblingsfutter: Je nach Jahreszeit Fische, Frösche, Vögel, Mäuse, Schnecken, Muscheln und Krebse

    Lebensweise: Einzelgänger. Keine bestimmte Paarungszeit. Tragzeit ca. 60 Tage, wirft 1-3 Junge. Wird erst nach 2-3 Jahren geschlechtsreif. Passt sich gut seiner Umgebung an. Gerne dämmerungs- und nachtaktiv. Wandern in einer Nacht bis zu
    20 km im Wasser und an Land, brauchen große Reviere von 20-40 km Flusslauf. In Freiheit werden Otter 8 bis 13 Jahre alt.

    Der Fischotter - ordentlich und perfekt angezogen

    Nase und Ohren fest verschlossen, können Otter bis zu acht Minuten lang unter Wasser bleiben - ein Mensch wäre da schon zweimal ertrunken. Im Gegensatz zu vielen im Wasser lebenden Säugetieren wie Robben oder Pinguinen hat der Fischotter keine dicke Fettschicht als Schutz gegen die Kälte. Sein Trumpf ist das Fell: dicht, warm und vor allem wasserfest ist es. Auf einem Quadratzentimeter wachsen um die 50.000 Haare - auf dem Kopf eines Menschen findet man auf der gleichen Fläche klägliche 120. Forscher fanden vor kurzem heraus, dass eine Art „Reißverschlusssystem“ der Haare dafür sorgt, dass kein Wasser durchdringen kann und es so gut vor Kälte schützt. Manchmal blasen sich Otter sogar extra Luftbläschen ins Fell, um es noch wärmer zu machen.
    Der Fischotter ist ein sehr ordentliches Tier, er legt in seinem Revier gesonderte Plätze für Exkremente und Abfall an. Der Bau, in dem die Jungen zur Welt kommen, verfügt über einen Unterwassereingang, gesonderte Ausgänge und Belüftungsschächte.


    Bedrohung durch Jagd und schwindenden Lebensraum

    Verspielt, neugierig, beweglich, süß - das sind Begriffe, die wir heutzutage mit Fischottern assoziieren. In früheren Zeiten hatte das Tier dagegen einen ziemlich schlechten Ruf. Im Mittelalter munkelte man gar, der Fischotter töte Lämmer und ziehe Jagdhunde unter Wasser. Außerdem war der Fischfresser ein vermeintlicher Nahrungskonkurrent der Menschen. Die Jagd auf ihn galt daher als nützliches Vergnügen. Vor gut hundert Jahren wurde er dann so intensiv gejagt, dass er heute fast ausgerottet ist. Das Fell der Fischotter war sehr begehrt, da es besonders warm und wasserabweisend ist. Von rund 10.000 Otterfellen ist die Rede, die jährlich vor dem ersten Weltkrieg verarbeitet wurden. Kurioserweise wurde Otterfleisch als Fisch eingestuft, sodass es auch in der Fastenzeit erlaubt war. Eine Zeit lang gab es sogar für jeden erlegten Fischotter ein Geldprämie, die die Jagd natürlich doppelt attraktiv machte. Seit 1968 ist es verboten, Fischotter zu jagen. Trotzdem haben sich die Bestände nicht nennenswert erholt, in Deutschland schätzt man die Zahl der frei lebenden Tiere auf 700. Natürliche Feinde (Wolf und Luchs, aber auch freilaufende Hunde) sind daran weit weniger Schuld als die Veränderung des Otter-Lebensraumes. Flüsse werden begradigt, umgelenkt oder die Bäume am Ufer werden gefällt. Deren Wurzeln braucht er jedoch dringend als Unterschlupf und Versteck.
    Straßen sind sehr gefährlich für den Otter, da er nicht unter Brücken hindurch schwimmt, sondern den riskanten Umweg über die Straße nimmt. Wasserverschmutzung ist ebenfalls schädlich für den Otter, der über sein Futter viele Giftstoffe aufnimmt und im Körper ansammelt. Dadurch kann er unfruchtbar und krank werden.

    Hilfe für den Otter

    Das Wichtigste für einen gesunden Fischotterbestand ist eine gesunde Umwelt. Das bedeutet: naturnahe und saubere Flüsse mit vielen Bäumen am Ufer und genügend Nahrungsangebot. Sind Brücken im Weg, kann ein kleiner Steg an der Innenwand helfen, dass der Otter nicht die Straße überquert. Möglichst wenig Störung von Menschen und vor allem von freilaufenden Hunden ist eine weitere Voraussetzung für eine Ausbreitung der Fischotter. Die Aktion Fischotterschutz e.V. kümmert sich seit vielen Jahren darum, dass wieder bessere Lebensräume für die bedrohten Tiere geschaffen werden. Durch Renaturierung von Bächen und Flüssen, Anlegen von Otterstegen oder Wiederansiedlungsprojekten soll der Fischotterbestand in Deutschland sich wieder erholen, was seit einiger Zeit auch zu gelingen scheint. Der Verein betreibt auch das Otterzentrum Hankensbüttel, in dem man nicht nur Otter, sondern auch Dachse, Hermeline, Marder und Iltisse kennenlernen kann.
    Otterschutz ist auch deshalb wichtig, weil man automatisch dadurch wichtige Ökosysteme schützt, was anderen Tierarten genauso wie der Wasserqualität in Deutschland zugute kommt. Nicht umsonst gilt der Fischotter mittlerweile als ein Symbol für eine intakte Umwelt... Und am Ende nützt eine intakte Umwelt auch dem Menschen.

    Zum Schluss noch ein kleines Video, das den Fischotter in seinem Element zeigt:

    Quellen:

    http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/256671.html

    http://www.deutschewildtierstiftung.de/de/wissen-lernen/wissen/lexikon-fischotter/steckbrief-fischotter/

    http://cms.otterzentrum.de/cms/front_content.php?idart=186

    Bilder: Wikipedia (Commons)

Kommentare

5 Kommentare
  • lolfs
    lolfs Interessanter Artikel und gut zu lesen!
    12. November 2010
  • annelie
    annelie Der Artikel ist echt gut geschrieben. ;)
    Ich habe, genau wie midori, gar nicht gewusst, dass der Fischotter vom Aussterben bedroht ist und bin dir für diesen Artikel dankbar. =)
    13. November 2010
  • Janine
    Janine Ich bin beeindruckt von der Menge der Haare! ;o) Und ein Haarreisverschlusssystem klingt echt vielversprechend!
    Ich hab vor einiger Zeit für die Aktion Fischotterschutz e.V. gespendet und auch ein Magazin zum Thema bekommen! Sehr toll, was für den Schutz...  mehr
    15. November 2010
  • HannaS
    HannaS Ja, ich bin auch schon seit drei Jahren Mitglied (zusammen mit meinen Geschwistern). Leider machen sie jetzt kein Magazin mehr, weil das Geld im Moment sehr knapp ist. Sie bemühen sich wirklich sehr, vor allem darum, grüne Korridore für die Otter zu schaf...  mehr
    16. November 2010