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Warum Böden nicht nur Dreck sind


  • 77 Hektar Boden verlieren in Deutschland ganz oder teilweise ihre Funktion. Und das jeden Tag! Das entspricht etwa zweimal der Fläche des Vatikans.
    Doch was sind die Gründe dafür? Zu den Hauptgründen zählen vor allem die Erosion, also die Abtragung von fruchtbarem Bodenmaterial, Verschmutzung und nicht zuletzt die Versiegelung von Flächen.
    (Quelle:  Heinrich-Böll-Stiftung, Institute for Advanced Sustainability Studies, Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland und Le Monde diplomatique (2015))


     

    © Isabell Seibel und Melina Reckermann


    Das ist besorgniserregend, denn der Boden erfüllt zahlreiche Funktionen. Die wahrscheinlich nahbarste davon stellt die Sicherung unserer Nahrung dar. Böden sind mit ihren vielen Nährstoffen und guten Wasserspeicherfähigkeiten die Wachstumsgrundlage für Pflanzen, die dann entweder direkt von uns gegessen werden oder für die Fütterung von Tieren verwendet werden und dann wiederum gegessen werden. Demnach ist es logisch, dass durch den Verlust von fruchtbarem Boden und dem gleichzeitigen Anstieg der Weltbevölkerung es irgendwann nicht mehr aufgeht und in einem Nahrungsmittelkonflikt mündet.
     
    Nicht nur Nahrungsmittel werden vom Boden bereitstellt, er sichert auch unsere Trinkwasserversorgung. Unsere Böden verbinden die Erdoberfläche mit dem Grundwasser. Somit durchläuft ein großer Teil des Grundwassers zuerst den Boden. Dieser ist in der Lage das Wasser sowohl mechanisch zu filtern als auch chemisch zu puffern und Schadstoffe und zu beseitigen.
     
    Auch mit Blick auf den Klimawandel ist der Boden von riesiger Bedeutung. Denn er speichert enorme Mengen an Kohlenstoff, der somit nicht als CO2 in der Atmosphäre vorliegt. Genauer gesagt befinden sich 1500 Gigatonnen Kohlenstoff in den Böden unserer Erde. Das entspricht 80% des gesamten terrestrischen Kohlenstoffes. Doch wenn wir unsere Böden nicht schützen, laufen wir Gefahr, diesen wichtigen Speicher zu verlieren und das Problem von zu viel CO2 in der Atmosphäre zu verschärfen.
     
    Bei Debatten um den Biodiversitätsverlust geht es häufig um Systeme wie die Ozeane oder den Regenwald. Der Boden wird dabei meist ignoriert. Doch auch hier lebt eine unglaubliche Vielfalt an Lebewesen. Würde man alle Organismen von einem Kubikmeter Boden zusammennehmen und in einer Kette aneinanderhängen, wäre das 5-mal die Strecke von der Erde bis zum Mond. Somit verlieren wir mit dem Boden auch einen unglaublich wichtigen Genpool und Lebensraum für Pflanzen, Pilze, Bakterien und Tiere.
     
    Schon viel zu lange wurden Böden trotz ihrer wichtigen Funktion ignoriert und vom Menschen ausgebeutet. Spätestens jetzt haben Böden unsere Aufmerksamkeit aber mehr als verdient und außerdem dringend nötig. Es liegt an uns allen den Schutz der Böden mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken und auch in der Politik fest zu verankern.

    Von Melina und Isabell

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