Berichte

Forschung, Fachvorträge und neue Freunde - der 2°Campus 2021

  •  
    Auch in diesem Jahr fand der erste Block des 2°Campus des WWF Deutschland aufgrund der aktuellen Lage wieder digital statt. Doch das hat uns nicht davon abgehalten, als Gruppe zusammenzuwachsen. 
     
    Der Campus besteht in diesem Jahr aus zwanzig Jugendlichen aus acht verschiedenen Bundesländern mit einem durchschnittlichen Alter von sechzehn Jahren. Doch eins verbindet uns alle: unsere Naturverbundenheit und die Begeisterung für Naturwissenschaft. Außerdem sind wir alles sehr wissbegierige Menschen, was unsere Mentor:innen und die Wissenschaftler:innen nur zu gut kennengelernt haben. An jedem Tag haben unsere zahlreichen Fragen den Zeitplan sehr auf die Probe gestellt. Unsere Diskussionsfreude endete auch nicht mit dem Tagesabschluss, denn auch abends trafen wir uns zu gemeinsamen Spieleabenden. 
    Von Vorträgen über Permafrostböden bis hin zu Workshops wie „Naturverbindung“ war die Woche alles dabei, um uns die Thematik des Klimawandels noch mal auf eine ganz neue Art und Weise näher zu bringen. Aber auch unser Forschungsdrang wird beim 2°Campus gestillt. Denn auch in diesem Jahr dürfen wir in unseren Forschungsgruppen zusammen mit tollen Mentor:innen unsere Forschungsfragen in den vier Sektoren Gebäude, Ernährung, Mobilität und Energie bearbeiten.
     
    »Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen.«
    Mahatma Gandhi
     
    Passend zu diesem Zitat haben wir uns nach den ganzen Vorträgen dann damit beschäftigt, wie wir schon bei uns selbst Veränderung schaffen und so zum Klimaschutz beitragen können.
    Zunächst haben wir uns in einem Workshop damit beschäftigt, durch welche Faktoren Veränderungen hervorgerufen werden kann. Dazu haben wir uns das Modell der Integralen Theorie von Ken Wilbers angeschaut. 
     

    © WWF / Anne Jansen und Sophia Speckhahn
     
    In seinem Modell hat er vier grundlegende Faktoren hervorgehoben, die Veränderung beeinflussen können. Als individuelle Faktoren nennt er neben der Veränderung aus eigenem Antrieb auch die Veränderung durch andere Menschen bzw. „Einflüsse von außen“.
    Die individuellen Faktoren unterscheidet Wilbers von den kollektiven, zu welchen er Veränderung durch den Einfluss einer Gemeinschaft oder festgelegte Strukturen zählt.
    Zur Vertiefung dieser Gedanken haben wir uns dann eigene Beispiele überlegt, welche die verschiedenen Faktoren beschreiben.
     
    Viele von euch kennen sicherlich den ökologischen Fußabdruck. Dieser beschreibt, was jeder Mensch individuell zum Klimawandel beiträgt. Im Unterschied zum ökologischen Fußabdruck beschreibt der ökologische Handabdruck jedoch, was wir selbst tun wollen, um zum Klimaschutz beizutragen.
    Deshalb haben wir alle einen eigenen ökologischen Handabdruck mit Vorsätzen erstellt, die wir bis zum zweiten Teil des 2°Campus im Sommer erfüllen wollen.
     

    © WWF / Anne Jansen
     
    Die häufigsten Beispiele haben wir euch einmal aufgelistet:
    vegetarische Ernährung         
    Insektenhotels bauen         
    häufiger Fahrrad fahren         
    den Garten / Balkon insektenfreundlich bepflanzen         
    plastikfrei einkaufen
     
    Nach den ganzen Beispielen wollen wir euch jetzt dazu aufrufen, euch kurz Zeit zu nehmen, um einmal über euren eigenen ökologischen Handabdruck nachzudenken und zu überlegen, wie ihr euren Alltag ein wenig klimafreundlicher gestalten könnt.
     
    Natur vor dem Bildschirm - geht das überhaupt? Mit dem erfahrenen Wildnispädagogen Christian Pruy ist auch das kein Ding der Unmöglichkeit. 
    Holz - da ist sich der 2°Campus einig, ist einer der wichtigsten Rohstoffe der Menscheit(-sgeschichte). Wegen seinem natürlichen Vorkommen und seinem Überfluss will Christian Pruy seinen Fokus auf dieses Wundermaterial legen. Dabei sollte der 2°Campus draußen in der Natur, sei es in der Stadt, auf dem Land oder doch im eigenen Garten, einen Baum finden. Für Naturerlebnisse ist garantiert. Vom Ahornbaum über die Kirsche bis zum Mammutbaum reichte das abwechslungsreiche Spektrum der Fundstücke. Um sich mit der Natur verbunden zu fühlen, sollten sich die Teilnehmer des 2°Campus Eigenschaften überlegen, die sie mit ihrem ausgewählten Baum teilen. Müde, standhaft, stabil - Fertigkeiten, die man gleichermaßen von Menschen und Bäumen erwarten kann.
     
    Und wo der Kirschbaum blüht, ist auch der Krokus nicht weit - Zeichen für den nahenden Frühling. Doch was genau ist der Frühling für uns überhaupt? Woran merken wir, dass es wieder Frühling wird? Mit dieser Frage schickte Christian Pruy die Campusteilnehmer auf eine Reise durch ihr Umfeld, um oft übersehene Vorboten des Frühlings zu entdecken. Ganz unvorbereitet waren die Teilnehmer jedoch nicht - die "Eulenmethode", der Weitwinkelblick, den sich auch Menschen antrainieren können, wurde zuvor ausgiebig geübt. Mit dieser Waffe konnte keine Narzisse, keine Biene und kein Singvogel auf dem entferntesten Ast versteckt bleiben. 
    Für den (baum-)krönenden Abschluss sorgte eine Traumreise. Christian Pruy lotste den 2°Campus mit seiner ruhigen Stimme durch ein ganzes Jahr im Leben eines Baumes. Von der Blüte im Frühjahr bis zum goldenen Herbst vermittelte er den Teilnehmern das exklusive Gefühl, ein heranwachsender Baum zu sein. Tiefenentspannt und ohne Sorgen kehrten die Traum- / bzw. Baumreisenden aus ihrer Trance zurück. 
    Unter brausendem virtuellen Applaus verabschiedete sich nun Christian Pruy. Die abschließende Empfehlung der Teilnehmer: Gerne nächstes Jahr wieder!
     

    © WWF / Anne Jansen und Sophia Speckhahn
     
    Ein Highlight im ersten Block des 2°Campus waren immer die Fachvorträge, die von verschiedenen Wissenschaftlerinnen gehalten wurden. Den Auftakt machte Paula Aschenbrenner, eine Doktorandin des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.
    Ihr Vortrag handelte von den wissenschaftlichen Grundlagen des 1,5°-Ziels. Sie erzählte von den natürlichen Gründen, die zu einem Wandel des Klimas führen, und veranschaulichte diese anhand von vielen Diagrammen. Anschließend zeigte sie uns, wie der Mensch und seine verursachten Treibhausgasemissionen mit der globalen Erwärmung zusammenhängen und brachte den Begriff „Rassistisches Kapitolozän“ in den Raum, da sie sich sehr für Klimagerechtigkeit einsetzt. Dem liegt zugrunde, dass der Klimawandel zu einem Großteil auf diskriminierende Strukturen und das kapitalistische System zurückzuführen ist und auch die Folgen der globalen Erwärmung vor allem die global gesehen sozial Benachteiligten betreffen.
    Darauffolgend kamen Ulrike Hinz und Fentje Jacobsen als Gäste zu uns. Die beiden arbeiten beim WWF und beschäftigen sich mit der internationalen und europäischen bzw. nationalen Klimapolitik, wovon auch ihr Vortrag handelte. 
    Sie erzählten von konkreten Handlungsansätzen und wichtigen Schritten wie dem Pariser-Abkommen, aber auch davon, dass bis dahin noch ein weiter Weg vor uns liegt. Beispielsweise liegt Deutschland momentan immer noch auf Platz 6 der Länder mit den höchsten Treibhausgasemissionen. Auch die EU muss noch viel tun, um ihre gewünschte Führungsrolle in der internationalen Klimapolitik einnehmen zu können.
    Der letzte Impulsvortrag wurde von Loeka Jongejans und Maren Jenrich gehalten. Die beiden Geowissenschaftlerinnen sind Doktorandinnen am Alfred-Wegener-Institut und beschäftigen sich in ihrer Forschung mit Permafrost. Permafrost, erzählten sie uns, macht einen großen Teil der Böden in den Polargebieten aus und speichert extrem viel Kohlenstoff. Sie forschen daran, wie das Abschmelzen des Eises in den Permafrostböden den Klimawandel durch Treibhausgasemissionen möglicherweise noch weiter vorantreibt.
    Außerdem erzählten die beiden Wissenschaftlerinnen viel von ihrer Arbeit am Institut und den Expeditionen, die sie oft in abgelegene Gebiete führen.


     
    © Alfred-Wegener-Institut / Thomas Opel - Archiv des Alfred Wegener Instituts, Bremerhaven - CC BY-SA 3.0 de


     
    Nach einer Woche mit tollen Erfahrungen blicken wir alle voller Freude auf den zweiten Block des 2°Campus, der hoffentlich dann in Präsenz stattfinden kann.

Kommentare

1 Kommentar