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Das Weddellmeer muss ein Schutzgebiet werden! Jetzt!

  • Habt ihr schonmal etwas von brütenden Fischen gehört? Nein? Dann müsst ihr unbedingt den Eisfisch kennenlernen. Durch Zufall hat ein Forschungsteam das größte Fischbrutgebiet in der Antarktis entdeckt, vielleicht sogar weltweit. Dies ist ein durchaus bedeutender Fund. Mit dieser Sensation erhöht sich der Druck, das Weddellmeer endlich als Meeresschutzgebiet auszeichnen zu lassen.

    Der ursprüngliche Plan war es, den Meeresgrund des südlichen Weddellmeeres zu vermessen. Dabei hatten die ForscherInnen bestimmte Geräte an das Schiff angebracht, die es hinter sich herzog. Unter anderem ein Sonar (Verfahren zur Ortung von Gegenständen im Raum und unter Wasser mittels ausgesandter Schallimpulse) und hochauflösende Kameras, die die unzähligen Nester des Eisfisches Neopagetopsis ionah in 420 bis 534 Metern Wassertiefe aufnahmen.

    © Alfred-Wegener-Institut / PS124 AWI OFOBS Team

    Man kann sich den Eisfisch als einen größeren Raubfisch vorstellen, der eine ganz besondere Anpassung aufweist:

    Er besitzt nämlich fast hämoglobinfreies Blut und spezielle Gefrierschutzproteine, die es ihm ermöglichen, in den eisigen Gewässern zu überleben. Die Forscher haben auf einer Fläche von knapp 240 Quadratkilometern (etwa so groß wie Malta) insgesamt fast 60 Millionen Nester mit jeweils durchschnittlich 1.700 Eiern gefunden, eine unvorstellbare Menge. Mit einem so bedeutsamen Fund haben die Forscher gar nicht gerechnet, da sie zuvor nur kleinere Ansammlungen entdeckt hatten.

    Das warme Tiefenwasser schafft gute Brutbedingungen für die Fische, da die Wärme am Rand des Filchner-Schilfeises emporsteigt und eine Temperatur aufweist, die etwa 2 Grad wärmer als das Oberflächenwasser ist. Dies ist eine angenehme Temperatur für Plankton und andere Meerestiere, die im nächsten Schritt als Futter für die Jungfische dienen.

    Die Forscher unterschieden im Laufe der Untersuchung zwischen zwei Arten von Nestern:

    Die aktiven Nester, in denen circa 1.500 bis 2.500 Eier lagen und meistens bewacht wurden. Auf der anderen Seite gab es die ungenutzten Nester, in denen ein Fisch ohne Eier oder ein toter Fisch lag. Aufgrund dieser hohen Anzahl an Fischen, Eiern, Plankton und anderen Lebewesen weist dieses Gebiet mit ganzen 60.000 Tonnen eine sehr hohe Biomasse auf! Ein unverzichtbares Ökosystem also. Das Alfred-Wegener-Institut ist bereits seit den 1980ern in dieser Gegend unterwegs, so etwas haben sie allerdings noch nie gesehen.

     

    © Alfred-Wegener-Institut / PS124 AWI OFOBS Team

    Über das Ökosystem des Weddellmeeres sagt AWI-Direktorin Antje Boetius Folgendes:

    „Wenn man bedenkt, wie wenig wir über das Leben im antarktischen Weddellmeer wissen, unterstreicht dies umso mehr die Notwendigkeit internationaler Bemühungen, ein Meeresschutzgebiet (MPA) einzurichten“

    Die Leitung des Alfred-Wegener-Instituts versucht bereits seit Jahren ihren Vorschlag für ein Meeresschutzgebiet durchzusetzen, bisher haben allerdings nur 18 der 26 Mitglieder des CCAMLR (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources) zugestimmt. Das Brutgebiet dient nun als Hoffnung diesen Plan endlich in die Tat umzusetzen und die restlichen Mitglieder zu überzeugen. Das Engagement im Meeresschutz sollte ehrgeiziger werden, da der Druck auf die Ozeane und Polarregionen durch die Erderwärmung weiter steigt!

    © Alfred-Wegener-Institut / Ralph Timmermann

    Ihr seht also, das Weddelmeer ist ein unglaublich interessanter und wichtiger Lebensraum, der unbedingt geschützt werden muss.

     

    Quellen:

    https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse/presse-detailansicht/weltweit-groesstes-fischbrutgebiet-in-der-antarktis-entdeckt.html

    https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/buerokratieabbau/fischbrutgebiet-in-der-antarktis-1996330

    https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/groesstes-fischbrutgebiet-der-welt-entdeckt/

    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Antarktis-Polarstern-Besatzung-entdeckt-riesige-Eisfisch-Kolonie,eisfische100.html

    https://www.bluewin.ch/de/news/wissen-technik/forschende-entdeckten-weltgroesstes-fischbrutgebiet-in-antarktis-1044366.html

     

     

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