Berichte

Wind, Wellen und Abenteuer - Ein Jahr auf Hallig Langeness

  • Anfang August letzten Jahres begann mein großes Abenteuer: Ein Jahr auf einer Hallig leben! Ich habe hier zahlreiche spannende Erfahrungen gemacht und viel gelernt. Die Naturschutzarbeit erfüllt und fasziniert mich sehr, aus diesem Grund wollte ich euch einen kleinen Einblick in das Leben und unsere Tätigkeiten hier geben und hoffe, dass ich euch mit meiner Begeisterung etwas anstecken kann!

    Mein Name ist Leana, ich bin 19 Jahre alt und komme eigentlich aus Stuttgart. Da meine Eltern beide ihre Kindheit in Kiel verbracht haben und wir dort oft im Urlaub waren, hat es mich nach dem Abi in den Norden gezogen. Als ich auf der Suche nach einem Freiwilligendienst an der Nordsee war, schien die Auswahl an Einsatzstellen unendlich, bis mir die Einsatzstellenbeschreibung der Schutzstation Wattenmeer auf Hallig Langeness ins Auge sprang. „Eine Hallig? Davon habe ich noch nie etwas gehört“, dachte ich und schaute es mir genauer an. In diesem Bericht geht es vor allem darum, wie die Naturschutzarbeit hier aussieht und was eine Hallig eigentlich ist.

    Also was genau ist eine Hallig eigentlich?

    Im Grunde kann man Halligen mit kleinen Inseln vergleichen, es gibt jedoch ein paar Unterschiede. Der erste große Unterschied ist, dass Halligen keinen Geestkern, beziehungsweise Süßwasserlinse besitzen. Aus diesem Grund haben die Halligbewohner bis 1963 ihr Wasser in sogenannten „Fethingen“ aufgesammelt. Diese dienten als Wasserspeicherbecken, indem man das Regenwasser dort sammelte.

     

     

    Halligen haben außerdem keinen Deich und werden deshalb, vor allem im Winter, regelmäßig überflutet. Unsere Vorgänger hatten in der Wintersaison (November 2019- März 2020) 19 Landunter. Die Landunter sind sehr wichtig, da jedes Mal Sediment auf die Hallig gespült wird, das sich absetzt und somit zum Halligwachstum beiträgt. Ohne Landunter würden die Halligen nicht mitwachsen und dem Meeresspiegelanstieg noch schneller zum Opfer fallen.

    Was machen wir hier eigentlich?

    Die Umweltbildung ist ein bedeutender Bestandteil unserer Arbeit. Wir bieten regelmäßig Führungen für alle Altersgruppen an und erfreuen uns jedes Mal an der Begeisterung der Leute, wenn sie das erste Mal das Watt betreten. Dieser Teil wurde in unserem Jahrgang durch Corona leider sehr eingeschränkt. Unser Seminarhaus, das vor allem von Abiturklassen und Biologiestudenten gerne besucht wird, steht seit November leer. Wir sind dennoch alle guter Dinge, dass wir (hoffentlich) bald wieder Gäste bei uns begrüßen dürfen.

     

     

    Eine unserer Hauptaufgaben hier sind die Vogelzählungen, die alle zwei Wochen stattfinden. Dabei zählen wir alle zwei Wochen die komplette Hallig durch, damit wir immer auf dem neuesten Stand bleiben, wie viele und welche Vögel sich aktuell auf der Hallig befinden.

     

     

    Für die Gänse, die hier aktuell rasten ist Langeness nur ein Zwischenziel. Doch viele andere Vogelarten brüten hier, da Limikolen (Vögel, die vor allem im und am Watt zu finden sind) alle Bodenbrüter sind. Aus diesem Grund ist die sogenannte Brutvogelkartierung ein sehr präsenter Teil unserer Arbeit. Wir laufen in mehreren Intervallen die ganze Hallig mit Tablets ab und dokumentieren, wie viele Brutpaare hier brüten. Viele seltene und gefährdete Vogelarten brüten hier, unter anderem der Rotschenkel. 10% des gesamtdeutschen Rotschenkelbestandes ziehen ihre Küken hier auf.

    Die Halligen sind ein unverzichtbarer Brutplatz für die Limikolen, da es hier (größtenteils) keine Bodenprädatoren, also Raubtiere (Fuchs, Mader), gibt. Dadurch, dass Langeness jedoch über den Lorendamm mit dem Festland verbunden ist, haben es Füchse und andere Räuber leichter auf die Hallig zu gelangen und in der Vogelwelt großes Chaos anzurichten. Wir haben erst letztens, Mitte März, einen Fuchs sichten können während er sich gerade an einer Gans sattgefressen hat. Normalerweise sterben die meisten Prädatoren regelmäßig nach den Landuntern, aber da wir dieses Jahr den Eiswinter hatten, hatten die Beutegreifer es ziemlich leicht.

     

     

    Mitte März bis Mitte April ist die Wattkartierung ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Diese findet zweimal im Jahr statt und macht vor allem bei gutem Wetter unglaublich viel Spaß! Es gibt circa 50 verschiedene Punkte im Watt, die angelaufen und kartiert werden. Hierbei besteht das Equipment aus einer Röhre, einem Eimer, einer Forke und einem Sieb. Man sticht mit der Röhre einmal ins Watt hinein, packt den erhaltenen Schlick in einem Eimer und siebt diesen einmal durch auf der Suche nach Wattorganismen. Diesen werten wir dann aus und dokumentieren, was wir gefunden haben.

     

     

    Ihr seht also, obwohl wir aktuell keine Führungen anbieten, gibt es trotzdem einiges an Arbeit! Wir hoffen natürlich, dass sich alles so schnell wie möglich wieder normalisieren wird und wir endlich wieder Gäste mit unserer Begeisterung anstecken können.

    Ich hoffe ich konnte euch einen guten Einblick in unsere Arbeit hier geben und vielleicht hat euch ja die Lust gepackt uns hier mal besuchen zu kommen, ihr seid jederzeit herzlich willkommen! Es gibt viele weitere spannende Themen über die Hallig, die einen Bericht wert sind. Schreibt mir gerne in die Kommentare, ob ihr daran Interesse hättet! :)

    Ich wünsche euch allen noch einen wunderschönen Tag

    Leana

     

Kommentare

15 Kommentare
  • Leana
    Leana @jojahanna finde ich jetzt aber echt spannend zu hören, wie das so bei den Singvögeln läuft Schafstelzen sind super niedlich! machst du dieses Jahr bei Birdrace mit?
    6. Mai
  • Jojahanna
    Jojahanna Ja und du?
    6. Mai
  • Leana
    Leana @jojahanna, ja es hat super viel Spaß gemacht! Hat das Wetter bei euch auch gut mitgespielt? (bzw gegen Abend wurde es etwas nass XD)
    Mo. um 22:13
  • SteffiFr
    SteffiFr @Leana: Cool ;-) Dann wäre es vielleicht mal eine Idee für eine Lebenshilfe-Reise, werde ich mir merken
    Di. um 22:02